09.10.2003

 

Distanz: 94,8 km
Fahrzeit 6:11 h - Höhenmeter: 1000 m - Geschwindigkeit: 15,3 km/h - Totalzeit: 8:30 h

 

Königsetappe

Warum muss jedes Jahr ein Kracher dabei sein? Voriges Jahr der Weg nach Asiago - 42km bergauf und dieses Jahr? Lasst Euch überraschen!!

Der Plan war klar, von Techendorf aus über den Hügel ins Gitschtal auf den Karnischen Radweg und irgendwann zurück über den Berg und mit dem Dampfer nach Techendorf. Da wir schon gestern keine Bommelmützen entdeckten und das Wetter heute noch schöner war, ließen wir Suche Suche sein und freuten uns auf die Landschaft und den hoffentlich schönen Tag.

Was einfach klingt muss nicht immer einfach sein.

Alexander:  Sag mal Vati, wieso hast Du die letzte Nacht geflucht und Sch... gesagt?

Vati: Ich bin munter geworden und hab zum Fenster rausgeschaut. Als ich dann die Wolken sah, dachte ich, es wird wie in Fuschl wieder Regen geben.

Vom Ausgangspunkt der Touren, der "Weinstube" ging es erst mal 275m bergauf. Bevor es aber soweit war, zogen wir uns etwas leichter an, denn die letzten Wolken verschwanden und die Sonne kam zum Vorschein. Am höchsten Punkt, dem Kreuzberg angekommen, ging es von nun ab erst mal nur bergab bis Weissbriach, dort auf den Karnischen Radwanderweg. Mit leichtem Gefälle und Rückenwind machte das Radeln richtig Spaß. In St. Lorenzen, etwa 500m neben dem Radwanderweg besuchten wir eine Kirche und studierten auf dem Friedhof den weiteren Verlauf unserer Tour. Da fiel es Alexander auf, dass wir zum Abschluss noch zwei Anstiege mit 14 bzw. 18% vor uns hatten. Tolle Aussichten!! Damit gingen wir alles etwas ruhiger an. Einkaufen im Lädchen, wo uns drei Frauen anschauten, als ob wir vom Mars kommen. So oft werden sich wohl keine Radfahrer in diesem idyllischen Ort verirren. Die Trinkflaschen aufgefüllt und locker weiter. Über eine Alm und durch ein schönes Tal ging es nach Hermangor. Auf dem Weg dorthin wollten wir noch eine Klamm und einen Wasserfall zu besichten.

Erst will Vati hin zur Klamm, dann doch nicht und dann doch wieder, manchmal werde ich nicht schlau aus ihm, er muss sich nun mal endlich entscheiden!

Nachdem wir den Weg zur Klamm eingeschlagen hatten, mussten wir feststellen, das es nur bergauf geht - umgedreht und Kräfte gespart für nachmittags. Wasserfall gleich weggelassen, kostet nur Zeit. Dafür versuchten wir am Gailbach ein paar Fotos während der Fahrt zu machen. Nach einigen Kilometern auf der Strasse, wollten wir uns den Presseger See anschauen - die "Badewanne des Gailtals" und mit 28°C einer der wärmsten Seen von Kärnten - Reinfall, der Weg endete am Freibad und wir mussten wieder einen Umweg fahren.

Diese Situation erinnerte uns stark an Italien, wo wir zum Kalterer See fuhren und sehr enttäuscht waren. Die Enttäuschung hielt sich diesmal in Grenzen und auf dem Karnischen Radwanderweg weitergeradelt nach St. Stefan. Pause unter einem Baum, etwas gegessen, die Ruhe genossen und weiter. Was war das? Der Weg endete an einem ausgewaschenem Flussbett, durch dem braunes Wasser floss und weit und breit keine Möglichkeit rüber zu kommen. Die einzigste Brücke war abgerissen und eine Neue erst im entstehen. Ein Bauarbeiter sagte uns, dass wir weiter oben rüber könnten. Etwa 500m hin und an einer schmale Furt konnten wir endlich "übersetzen". Wieder etwas rumgeirrt bevor es auf den richtigen Weg ging und schon begannen die Probleme. Wie kommen wir zum Weissensee. Auf der Karte war alles klar, aber die Schilder sagten etwas anderes. Als wir eine alte Frau nach dem Weg gefragt haben, gab sie bereitwillig Auskunft, konnte sich aber nicht verkneifen zu fragen: "Ob wir wüssten was wir täten? Na ja, sie können es ja mit dem Rad probieren und wenn es nicht weitergeht können sie ja immer noch schieben" Hier hörten wir zum ersten Mal den Begriff "Windische Höhe". Tolle Aussichten für den Rest des Tages. Noch zweimal rumgeirrt, ein Angebot zur Mitnahme im Auto ausgeschlagen(sollte sich als leichtsinnig erweisen), kamen wir endlich auf den richten Weg.

Zum Einfahren auf die 18 prozentige Steigung ging es erstmal 1km mit 14% hinauf. Da es mittlerweile kurz vor halb drei war und wir unsere Vorräte an Essen und Trinken auffüllen mussten, legten wir in dem Örtchen Mattschild eine kurze Rast ein. Unser Ziel, diesmal mit dem Dampfer über den Weissensee zurück zufahren war nicht mehr zu erreichen. Es sei denn, wir fahren mit einem dreißiger Schnitt die 3km mit 18% rauf und halten das Tempo bis zur Anlegestelle. Das kam uns dann doch etwas übermütig vor. Mit Bananen, Kinderriegel und Trinken versorgt, machten wir uns auf den letzten Streckenabschnitt. Ganz, ganz ruhig anfangen. Auch wenn wir wussten das es rund 3 Kilometer sind, ahnten wir nicht wie schwer es werden würde. Klamotten soweit ablegen wie es ging und schon legten wir los. Die Geschwindigkeit sank zwischenzeitlich bis auf 5km/h. So schön wie die Sonne war, erschwerte sie uns jetzt den Weg zur "Windischen Höhe". Die gesamte Straße lag auf der Sonnenseite und kein Windhauch kühlte die Luft ab. Einzig der Fahrtwind der Autos die uns entgegenkamen brachte etwas Kühlung. Aber nicht nur das. Auch mitleidige Blicke ernteten wir genug. Rechts und links neben der Straße saß der "gemeine" Österreicher vor seinem Haus, trank etwas Kaffee, aß Kuchen und genoss seinen Feierabend. Für uns blieben da nur erstaunte und mitleidige Blicke. Nach knapp einer halben Stunde war das Martyrium beendet.

Auf der anschließenden Abfahrt vernichteten wir die so schwer errungen Höhenmeter. Leider war das Vergnügen nur von kurzer Dauer, denn vom Tal aus, ging es Richtung Weissensee wieder mit 5 und 10% auf 12km weiter. So richtig Spaß hat das letzte Stück dann doch nicht mehr gemacht, zumal wir wussten, dass der Dampfer schon weg war. Als wir einen Einheimischen fragten, wie wir jetzt am besten nach Techendorf kommen, meinte er nur: "da müssen sie jetzt über die Bodenalm und dann weiter". Auf unsere Nachfrage wie der Weg dahin sei, erwiderte er: "... dass es leicht bergauf geht, aber die Abfahrt ist steil". Nur gut, dass wir die Strecken von unserer ersten Tour her kannten, denn sonst wären wir voll in die Ösi-Falle getappt. Von wegen allmählich und leicht!! Mindestens 2-bis 2,5 Stunde Schinderei hätte das noch bedeutet. Also doch wieder auf den Wanderweg um den See. Mit etwas mehr Mut, den Rucksack gleich an Alexander abgegeben machten wir uns in das Unvermeidliche auf. Selbst eine Fotoeinlage konnte nicht verhindern, dass wir eine dreiviertel Stunde schneller waren als bei unserem ersten Versuch. Wenn Vati noch dreimal probiert, könnte es klappen, so ganz ohne absteigen. Und was war das auf dem flachen Stück nach Techendorf? Langsam anziehend, erhöhte er das Tempo auf über 20km/h. Und das nach 90km. Es wird immer besser und lustiger mit Vati. Endlich fragt er warum wir eigentlich so rasen? Gang raus und langsamer weiter. Mit meinem Zielspurt hab ich Vati überrascht und konnte mich zum zweiten Mal klar durchsetzen - oder hat er mich gewinnen lassen? Was soll's, gewonnen ist gewonnen.

Endlich zurück. Wasser in die Wanne und erholen. Essen gehen, es ist unser letzter Abend hier und dann der Versuch zu schlafen. Etwas hielt uns wach - das Adrenalin über unsere Leistung oder waren es die Schmerzen in den Muskeln. Wird wohl von jedem etwas gewesen sein.