08.10.2003

 

Distanz: 35 km
Fahrzeit 2:45 h - Höhenmeter: 515m - Geschwindigkeit: 14,5 km/h - Totalzeit: 4:00 h

Fahrt nach Kärnten und erste Tour

Nach einer merkwürdigen Nacht, wir waren beide gegen 3 Uhr wach und konnten nicht mehr schlafen(schauten uns alle Wochenserien an) begann der Tag der Entscheidung für uns recht müde.

Ein morgendlicher Blick auf den See zeigte uns, dass unser Entschluss richtig war - ab in den Süden, denn mittlerweile sank die Schneegrenze auf 800m und es stürmte und schneite wie in der letzten Nacht.

Irgendwie schaffen wir es nicht vor dreiviertel zehn loszukommen - egal ob mit dem Rad oder mit dem Auto. Alexander rief in Kärnten an und man erklärte ihm, wann und warum es in Kärnten schönes Wetter gibt.


Klima:

Unter dem Einfluss von 3 Zonen gibt es große Gegensätze: Im Nordwesten herrscht ozeanisch beeinflusstes alpines Klima, das Klagenfurter Becken hat als vorgeschobener Raum des pannonischen Klimas extremes Beckenklima (Inversion), im Drautal und im unteren Gailtal wirken sich der Einfluss des Mittelmeerklimas und der Föhn ("Jauk") aus. Als reizstarkes "Anregungsklima" im Winter- und reizschwaches "Schonungsklima" im Sommerhalbjahr ist das Klima eines der günstigsten in Österreich.


Da es dort trocken und sonnig war, hielt uns nichts mehr in Fuschl. Bis zum Tauerntunnel ging alles gut, wenn man von Regen, Schneefall und Sommerreifen absieht, aber dann standen wir eine dreiviertel Stunde im Stau, da jemand meinte, der Tauerntunnel sei vierspurig und man kann ohne weiteres überholen. Pech gehabt, aber da hatte jemand etwas dagegen. Was macht man im Stau??? Bücher raus und lesen. Endlich konnte ich mein Buch, "Der Vorleser" weiterlesen, fast geschafft.

Nach Tauern- und Katzbergtunnel - war es endlich geschafft - Sonne, Sonne und herrliche Blicke übers Land mit den sich langsam färbenden Wäldern. Wir waren in Kärnten angekommen.


Kärnten:

Fläche: 9.535,97 km2; Einwohner: 559.404 (2001); Bevölkerungsdichte: 59 pro km2; Hauptstadt: Klagenfurt; Gebäude: 166.114; 2 Städte mit eigenem Statut, 8 politische Bezirke; 11 Gerichtsbezirke; 132 Gemeinden (davon 17 Städte und 40 Marktgemeinden); Oberlandesgericht in Graz, Landesgericht in Klagenfurt. Kärnten ist das südlichste Bundesland Österreichs Kärnten stellt mit dem gebirgigen Oberkärnten (oberes Drau-, Möll-, Lieser- und Gailtal) und den Talschaften Unterkärntens (unteres Drautal, Klagenfurter Becken, Flussgebiet der Gurk, Lavanttal) eine geschlossene Landschaft dar, die ringsum von Gebirgen begrenzt ist: im Norden von den Hohen Tauern und den Gurktaler Alpen, im Osten durch die Koralpe, im Süden durch die Karnischen Alpen und die Karawanken, im Westen von den Lienzer Dolomiten und der Schobergruppe. Kärnten hat 4 große (Wörther, Ossiacher, Millstätter und Weißensee) und rund 1270 kleine Seen (zusammen 60 km2), 38 Gletscher (80 km2)


Ich glaub das Ösi-Land ist nicht Vatis Fahrstrecke, weder mit dem Auto noch mit dem Rad - einfach zu viele Serpentinen und Kehren wenn es bergab geht.

Nach fast 4h Fahrt öffnete sich das Tal mit dem türkisfarbenen Weissensee. Nicht nur das

Weissensee-Märchen, sondern auch die Kataloge beschreiben diese Gegend in den schillernsten Farben. Kärnten, soll demnach das ideale Land zum radeln entlang der Seen und Flüsse sein, oder um die Berggipfel zu stürmen. Immerhin gibt es über 1200 gekennzeichnete Radwegekilometer. Nur über die "Roten Bommelmützen" fanden wir keine Informationen. Aber es gibt ja noch die örtlichen Touristikinformationen. Ob die sich aber mit sagenhaften Gestalten und merkwürdigen Phänomenen auskennen? Wer weiß. Mal sehen ob das auch alles stimmt, was so in den Katalogen versprochen wird.

Ein Quartier war nach kurzer Zeit gefunden - Zimmer mit Blick zum See war kein Problem, denn die meisten Pensionen und Hotels hatten schon geschlossen und es gab nur noch wenige Touristen. Sachen auf's Zimmer gebracht, Räder zusammengebaut, Radsachen an und ab zur "Information". Dort holten wir uns eine Karte mit Mountainbiketouren ab und schon konnte das "Vergnügen" beginnen. Auf unsere Frage nach den Bommelmützen" gab es nur die Antworten: "Noch nie etwas davon gehört" und "Wer weiß wo das wieder stand".

Es sollte eben nicht sein!

Alexander suchte gleich zwei Strecken raus - die eine leicht zur "Alten Mühle-Rauna"und die andere schwer zur "Bodenalm" und dem Ostufer. Der Weg zur Ronaer Mühle war wirklich leicht und es machte Spaß, allmählich auf dem

Schotterweg am Berg entlang radelnd nach oben zu kommen. Bevor es wieder in's Tal ging, gab es noch einen flüchtigen Blick auf den vor uns liegenden Weissensee.

Am Ufer angekommen sollte es nun zur Bodenalm auf 1300m gehen. Die Ausschilderung mit der Kategorie "schwer", ließ nichts Gutes erwarten. Übelster Geröllweg und kurz vor dem Ziel auf knapp 700m ein Anstieg von 19%. Nur gut, dass wir es nicht vorher wussten, bzw. dass kein Schild vorhanden war, denn sonst wären wir da nie hochgefahren. Zum Glück war damit der höchste Punkt der Tour erreicht und es ging nur noch bergab. Auf der Bodenalmhütte wurden wir in die Küche eingeladen, den wärmsten Raum in der Hütte, denn wir waren die einzigen Gäste hier oben. Bloß die Sprache versteht man überhaupt nicht mehr. Selbst hier oben, in dieser Einsamkeit der Nachsaison, fanden wir keine Spuren der Bommelmützen und auch die Wirtin konnte uns nicht helfen. Aufgewärmt mit einem Tee ging es auf die Abfahrtsstrecke. War richtig super und es hat sogar meinem Vati Spaß gemacht. Aber so'n richtiger Abfahrer wird er wohl nicht mehr werden. Dafür fährt er bergauf etwas besser als ich.

Laut unserer Streckenbeschreibung sollten wir am Ostufer des Sees mit dem Rad auf den Dampfer und zurück nach Techendorf fahren. Wäre da nicht der Fahrplan, hätte auch alles geklappt, aber so kam es, wie es kommen musste - wieder einmal anders. Das letzte Schiff fuhr 16.10Uhr und jetzt war es 16:30. Pech!!!!

 


Weissensee:

" See der Superlative" , 929 m, 6,4 km2, 10,5 km lang und 0,9 km breit,

99 m tief, am Fuß der Gailtaler Alpen, nördlich von Hermagor, westlichster Badesee in Kärnten; Zuflüsse sind vor allem Mühl- und Almbach, Abfluss zur Drau ist der Weißenbach; stark bewaldete Ufer.


Da war ja noch der Wanderweg am See entlang, den wir schon im vorbeiradeln gesehen hatten. Auf die Räder geschwungen und voller Elan dem Ende entgegen. Wie trügerisch war unsere Hoffnung auf ein ruhiges Ende der Tour!!!

Nach 1,5km ging es los. Der Weg war mittlerweile auf 50cm Breite geschrumpft, mit Wurzeln oder Geröll übersäht und das Steilufer zum See nahm langsam bedrohliche Höhe( bis zu 20m) an.

Während Sohnemann noch fuhr, habe ich mein Fahrrad schon lange geschoben und den Rucksack mit Handy und Kamera abgegeben. Sicher ist sicher. Erst als der Weg sich langsam der Seehöhe näherte wurde ich mutiger und fuhr Alexander hinterher.

Nach einem weiteren Kilometer trugen wir jetzt unsere Räder die Stufen hinauf, bzw. schoben sie über Wurzeln und Geröll. Am Anlegesteg des Bootes war es dann endlich soweit, breiter Weg und immer schön am Ufer lang. Ein Blick zurück offenbarte uns warum diese 2,5km so MTB in Actionschwierig waren - ein Schild mit dem Aufdruck:

 

"Nur für den geübten Wanderer"

Na super!! So kamen zu den 350 Höhenmetern noch einmal 100m dazu.

Die engste Stelle am Ufer passiert, konnten wir geruhsam weiterradeln und wieder lachen, nachdem uns der Spaß zwischendurch doch mal verloren ging.

Nach dem Spruch des Jahres 2002 "Jeder Berg ist endlich", wurde der Spruch für 2003 kreiert.

"Das eigene Können einschätzen, etwas Leichtsinn dazu und losfahren" und für Vati " Das eigene Können einschätzen, etwas Sicherheit dazu und schieben"

So kamen wir jedenfalls jeden Berg hinauf und auch hinunter ohne dass uns etwas passierte. Runter wartete ich auf Vati und hoch musste er auf mich warten.

 

Rast, bevor es zu warm wird.