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Auferstanden aus Ruinen...... |
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Eigentlich
wollte ich mir das nie antun, aber als meine
Arbeitskollegin meinte, sie wäre doch sehr neugierig darauf, aber allein wollte
sie nicht so unbedingt, buchte ich kurzentschlossen für meine Kollegen und mich
die "Wende Revue" des neuen
theaters. Ich nahm noch meine Freundin
Susi mit und so waren wir zu sechst.
Da wir uns erst 18:30 Uhr vor dem Theater treffen wollten, beschlossen Susi und
ich noch einen Happen im "Las Salinas" zu essen. Unglücklicherweise machten sie
erst 18:00 Uhr auf und wir waren zu zeitig - ärgerlich.
Gut, dachten wir uns,
gehen
wir ins
nt-café. Dort habe ich noch nie etwas gegessen und warum sollte
ich es nicht einmal ausprobieren. Einen schönen Vorteil hat das auch, man sitzt
gleich neben dem Theater und muß nicht noch nach einem warmen Essen durch die
Kälte stapfen. Meine Kollegin hat hier schon des öfteren gegessen und meinte das
Essen sei ok. Leider muß ich wohl einen schlechten Tag erwischt haben.
Diesmal hatten sie im Theater 8er Tische aufgestellt. Darum
sollten Grüppchen, die zusammensitzen wollen, lieber ein Stündchen früher vor
Ort sein.
Keine Sorge, das ist kein Problem, da man vorher no
ch ein bißchen Schwatzen und
etwas Trinken kann.
Was für eine gelungene Erinnerung an die alten Zeiten, welche
ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge genoß. - Nein Leute! Diesmal
werde ich Euch nicht viel verraten - das entdeckt mal schön selber, es lohnt
sich wirklich! Wir hatten soviel Spaß, wie schon lange nicht mehr.
Alles begann mit einer Passkontrolle am Eingang. Jeh nach dem, ob Ossi oder
Wessi, durfte man durch - oder nicht. Ok, wenn man an der richtigen Tür stand
haben sie einen schon hineingelassen und da auf der Eintrittskarte stand zu
welchem Teil Deutschlands man sich gesellen durfte, war das auch kein Problem.
Ich fand es war eine tolle Idee für eine Kartenkontrolle. Wir gehörten zu den
Wessis, worüber ich ganz froh war, ..... denn ich kenne noch die Passkontrollen
der ehemaligen DDR. Das haben wir "alten" Ossis ja zum größten Teil alle durch.
Ob man nun vor der Wende ins Bruderland gefahren ist, oder in der Wendezeit das
erste mal nach Göttingen, unsere Grenzpolizei war immer peinlichst genau.
Ich
vergesse nie, als sie mich 1990 fast nicht mehr zurück in die DDR lassen
wollten, weil mein Personalausweis so demoliert war..... und ein paar Wochen
später wurde er sowieso ungültig.
Ja, so kommen die alten, schon fast ins Archiv meines Hirns verbannten,
Erinnerungen wieder hoch. Die Montagsdemos,
die Polizeiaktionen, die Freunde,
die irgendwo hingebracht wurden und die vielen Kollegen, die eines Tages nicht
mehr auf Arbeit erschienen, da sie über Ungarn abgehauen waren. Und die
Nachrichten, die wir mit Spannung verfolgten und der erste Satz meines Vaters,
als wir abends im ARD die Nachricht bekamen, daß die Grenzen offen waren:
"Schalt mal um zur Aktuellen Kamera. Der Westen
macht sich doch einen Spaß." ...
und wir konnten es nicht glauben. Es war wirklich passiert. Bei der letzten 1.
Mai Demo zeigte uns Erich noch die Faust und ich hätte nie im Leben vermutet,
daß es ein paar Monate später vorbei sein würde mit der DDR. Wir starrten lange
wie gebannt auf den Fernseher und verfolgten die Berichte - nein, so etwas vergisst
man nicht. Endlich wieder
eine Einheit, endlich das, was wir schon immer wollten!
Peter Sodann und sein Team haben in dieser Revue alle Gedanken wieder hervorgebracht, die seit über 10 Jahren irgendwo in einem kleinen Winkel meines Hirns schlummerten. Sie hatten "die Wende" sehr gut umgesetzt. Es war eine lustige Stimmung im ausverkauften Saal - ja, jetzt können wir darüber lachen, aber damals war es schon ein sehr bewegendes Ereignis. Und uns war bei Weiten nicht immer zum Lachen zu mute!
Ich denke, fast das ganze nt-Ensemble war bei der Show dabei.
Peter Sodann eröffnete den
intelligenten Reigen und sein Team ließ bis zur Pause
die damaligen Ereignisse Revue passieren. Von der Trabiinvasion bis zum
ALDI-Einkauf. Und sie hatten vollkommen ins Schwarze getroffen. Ich wette so
manch einer hat sich da wiedererkannt.
Ich kann mich auch noch genau erinnern,
als ich das erste Mal eine Büchse Annanas völlig allein leer essen
durfte. Kein
Teilen mit der Familie. Die war nur für mich. Und es hat mich glücklich gemacht.
So manchmal denke ich, daß wir jetzt viel zu unzufrieden sind. Vor der Wende
haben wir uns über jede Kleinigkeit gefreut, auch wenn es "nur" die Apfelsinen
waren, die meine Mutter nach stundenlangem Schlangestehen zu Weihnachten
mitbrachte. Oder eine tolle Schneejeansjacke aus der Jugendmode, die sie durch
Beziehungen für mich
organisiert hatte. Oh was war ich glücklich über diese
jetzt so klein scheinenden Dinge. Und wie habe ich diese Jacke in Ehren
gehalten.
Oder unser alter Trabi, mit dem wir alles Mögliche transportiert haben. Was
waren wir stolz auf diese Errungenschaft. Unser erstes Auto, ein wunderschöner
weißer gebrauchter Trabant, der teurer war als ein Neuwagen. Was für eine
verkehrte Welt - tja, und nu is es endgültig vorbei mit der Pappe.
Ja, die Inszenierung war perfekt und sogar die "Kostüme"
stimmten genau. Ich konnte mich an alles erinnern, an die Beutel und die DDR
Jeans - toll! Die Schauspieler waren den ganzen Abend bis Mitternacht auf den
Beinen und ihre Einsätze waren brillant. Seit der Dreigroschenoper weiß ich
auch, daß sie super singen können, was sie an diesem Abend wieder mehr als
einmal bewiesen haben. Die schönen alten Kamellen, die selbst ich fast auswendig
kannte, da sie zu Hause dauernd hoch und runter geleiert wurden. Elke Richter
gefiel mir diesmal mit am besten. Oh ich hätte stundenlang zuhören können. Und
wir konnten so herrlich tanzen. Das heißt, ich konnte leider nicht so besonders,
da ich ein Kind der "Neuen Deutschen Welle" bin und wir beim Tanzen immer Abstand
hielten.
Tut mir Leid für die, die nach Schönheit im Tanz suchten, aber wenn ich
Musik höre bin ich nicht zu bremsen, egal, wie das in den Augen des Restes der
Menschheit wirken würde. Die "Uli Singer Band" spielte einfach zu gut als das es
mich auf den Sitz halten könnte.
Peter W. Bachmann bekam, meiner Meinung nach, die schönsten Songs. Die mit den
rauchigen Stimmen. Grönemeyers "Was soll das?" gefiel mir sehr gut. Und wie
schön war doch "Als ich fortging" von Karussell und wie ewig habe ich den Song
schon nicht mehr gehört <seufz>. Ich hätte dahinschmelzen mögen. - STOP! Ich
wollte hier ja eigentlich nicht alles verraten und beinahe ist es passiert. Nein
- Schluß! Ich kann Euch nur sagen, daß es ein wunderbarer Spaß ist und Ihr es
auf keinen Fall verpassen solltet. Nehmt ein paar Freunde mit und macht Euch
einen schönen Abend. Es lohnt sich wirklich.
Eure Jana
ps. ..... vielen Dank für das nette Lächeln, Herr Bachmann ;-)
ps. zum Zweiten.
.... und der Song gehört einfach noch auf diese Seite. Ich habe ihn im Chor so
gern gesungen: Katjuscha :-)