Im Zauberkreis der Nacht
Hermann Hesse spricht da zwar vom zu Bett gehen, aber ich
meine die Nacht hat doch einen schöneren Zauber und man sollte ihn vielleicht
nicht immer verschlafen.
Ich liebe den Abend und die Nacht. Ich finde, sie haben
etwas Geheimnisvolles und Spannendes. Wahrscheinlich bin ich deshalb auch oft
abends unterwegs oder wenn einmal nicht, sitze ich hier mit dem Laptop auf dem
Schoß und schreibe diese Berichte. Heute sogar mit einem Glas Rotwein dazu, weil
der vor dem Umzug am Donnerstag noch weg muß.
Tja, ich schätze, das wird der
letzte Bericht, den ich in dieser Wohnung schreibe. - Leider muß ich aber morgen
wieder früh raus und DAS ist etwas, was
ich nicht
liebe - dieses frühe Aufstehen. Jaja, ich höre Euch schon sagen: "Was für ein Lotterleben! Die ganze Nacht ist sie
unterwegs und morgens kommt sie nicht aus den Federn." Schande über mich, aber
ich liebe nun mal das Ausschlafen ;-)
Es ist schon eine Weile her, als ich zum 6. Sinfoniekonzert unseres Operhauses war. Durch das stressige Umzugskisten packen und nervige für Prüfungen lernen kommt man, oder Frau, eigentlich gar nicht mehr zum erholsamen Schreiben. Für heute aber habe ich mein Pensum erfüllt, die letzten Kisten sind gepackt und ich opferte noch zwei Stunden für das Lernen zur Prüfung am Freitag. Jetzt habe ich kein schlechtes Gewissen mehr und kann gemütlich hier sitzen und tippen.
Diesmal hatte das Opernhaus ein nettes Programm
zusammengestellt, alles Stücke, die ich nicht kannte. Sie begannen mit Carl
Maria von Weber, die Ouvertüre zur Oper "Oberon", gefolgt von vier Gedichten,
die Richard Strauss vertont hat ;-) und nach der Pause gab es noch Franz
Schuberts 8. Sinfonie.
Dirigiert hat diesmal Lothar Zagrosek, eigentlich ein bekannter Dirigent. Ich
denke, ich habe ihn schon ein paar mal im Fernsehen gesehen. Aber live ist
natürlich viel besser und schon die Ouvertüre war spitze. Er führte unser
Orchester ganz ohne Noten und konnte deshalb auch herrlich frei und voller
Schwung dirigieren. Trotzdem konnte ich ihm nicht gelassen zusehen. Er zog seine
Schultern so sehr an, daß mir der Rücken schon beim Zusehen weh tat und das wirkte
auf mich etwas steif und verkrampft so daß ich
mir lieber wieder die lockeren Geigen anschaute.
Die erste Geige spielte wieder Dorothée Stromberg und Hans-Jörg Pohl war ebenfalls mit seinem Cello anwesend.
- Herrlich, die Oberonouvertüre war ein Genuß und das beste Stück an diesem Abend.
Ich kannte von Weber kaum etwas und merkte sehr schnell, daß ich da wohl einiges
verpasst habe.
Nach Weber folgte Strauss, der nicht unbedingt mein Liebling ist. Jedenfalls
fällt mir nichts von ihm ein, was mir wirklich gefallen hat.
Diesmal gab es vier kurze Lieder von ihm, gesungen von Alexandra Reinprecht.
Auch wenn ich Strauss nicht besonders mag, war es ein Genuß ihr zuzuhören. Sie
hatte eine wunderbare klare und deutliche Stimme und interpretierte seine Lieder
vortrefflich. Ich finde, sie ist auch eine sehr gut aussehende Frau, was
sicherlich ein Genuß für jedes Männerauge im Saal war ;-)
Das dritte Lied, "Beim Schlafengehen" gefiel mir am Besten - nein, nicht wegen
dem Text, eher weil die Melodie so hübsch war. Besonders schön der kurze Einsatz
der ersten Geige - wirklich hübsch. Der Text ist von Hermann Hesse:
Nun der Tag mich müd' gemacht,
soll mein sehnliches Verlangen
freundlich die gestirnte Nacht
wie ein müdes Kind empfangen.
Hände laßt von allem Tun,
Stirn vergieß nun alles Denken,
alle meine Sinne nun
wollen sich in Schlummer senken.
Und die Seele unbewacht
will in freien Flügen schweben,
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben.
Tja, die anderen Lieder handelten ebenfalls vom Schlafen
gehen, aber ich bin bei Franz Schuberts 8. Sinfonie trotzdem nicht
eingeschlafen. Ganz im
Gegenteil, ich war herrlich munter und hätte noch Bäume
ausreißen oder auf ein Bier in "Strieses Biertunnel" verschwinden können.
Schumann war von Schuberts Sinfonie begeistert und wünschte, er könne genauso
gut komponieren - ich fand er konnte es besser. Nein, sie war nicht so richtig
mein Fall, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Thomas, mein bester Kumpel,
fand sie jedenfalls super. Ich konnte aber nicht herausfinden, was er daran denn
so super fand. Er jedenfalls war müde und deshalb gab es danach auch keinen
Biertunnel mehr.
Ok, die beiden letzten Sätze waren ganz nett aber ich wurde einfach nicht
warm mit dieser Sinfonie. Vielleicht lag es ja auch am Dirigenten, obwohl ich
mir das nicht vorstellen kann, denn er war bei Oberon wirklich sehr gut.
Naja, macht nichts, unser Orchester war wie immer super, die Sängerin
erstklassig und ich freue mich schon auf das 7. Sinfoniekonzert im Mai.
Tja und jetzt bin ich doch vom Schreiben über Schlaflieder oder vom Rotwein müde geworden und deshalb ist der Bericht nicht gar zu umfangreich ausgefallen. Ich hoffe Ihr verzeiht mir und wünsche Euch eine zauberhafte Nacht.
Eure Jana