Very British, Mr.
Mountain & Mr. Miller ![]()
Woher weiß die
Anhaltische Philharmonie, daß ich Großbritannien so mag? - Ok, Ihr habt mich
ertappt, das ist der wahre Grund, warum im zum Neujahrsempfang des
Oberbürgermeisters nach Dessau kam. Der Titel "Very British" hat mich neugierig
gemacht, auf das, was sich wohl dahinter verbergen würde. Und bevor ich mir hier
ein schaumiges, rosenduftendes Bad einlassen werde, will ich Euch noch darüber
berichten.
Eine Woche ist es
nun schon wieder her, seit des Empfangs des Oberbürgermeisters von Dessau,
Hans-Georg Otto, im Anhaltischen
Theater. Ich wäre ja gar nicht darüber
gestolpert, wenn da nicht im Konzertprogramm der Spielzeit 2005/2006 gestanden
hätte "Very British - ein englisches Neujahrskonzert". Es wäre jetzt auch
eine Lüge, wenn ich sagen würde, ich wollte schon immer mal den
Oberbürgermeister von Dessau reden hören - das wollte ich nicht, bis dato war
mir noch nicht einmal bewusst, daß Dessau einen Oberbürgermeister hat - aber
jetzt interessierte es mich, und ich beschloss nicht erst zum Konzert, sondern
auch schon zu seiner Rede in meiner Lieblingsreihe 4 im Großen Saal des
Anhaltischen Theaters Platz zu neh
men. Vielleicht könnte Frau ja mal einen
Vergleich zwischen unserer Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler und ihm in
Erwägung ziehen - oder besser nicht, denn da würde wohl Frau Häußler nicht allzu
gut bei abschneiden. Ach, jetzt greife ich der Sache schon vor. Soweit sind wir
hier eigentlich noch gar nicht. Aber gut, jetzt wo ich es nun schon mal gesagt
habe, seine Rede war zwar monoton und für Außenstehende, wie mich, nicht sehr
interessant, aber um einiges besser, als die von unserer Frau Häußler. Sein
trocken
rübergebrachter Humor und der Spaß mit dem Wasser für den Redner waren
sehr auflockernd für das Publikum. Sogar die Dame eine Reihe vor mir erwachte
erschrocken bei dem Gelächter. Sie war wohl auch nicht aus Dessau.
Für die Leute
aus Dessau war es sicherlich spannend zu hören, was es für Probleme mit dem
Zusammenschluss Roßla und Dessau gab, aber ich fand es völlig unangebracht, daß
er versuche sich gegenüber der MZ zu rechtfertigen. Was haben die wohl Schlimmes
geschrieben, daß er es unbedingt erwähnen mußte. Ich weiß es nicht -
bemerkenswert für mich und auch viel interessanter als das MZ-Palaver, war zu
hören, daß viel für die Stadt getan und viel Geld dazu bewegt wurde. Leider
machte das gleich einen der nächsten Redner, Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre,
stutzig und er begann sich über soviel Zuschuss zu wundern - selbstverständlich
mit einem Augenzwinkern zu betrachten. "Tja, Herr Oberbürgermeister, nicht
soviel angeben, das fällt sonst auf und schwupp ist der Zuschusshahn zugedreh
t".
;-)
Die gut mit
hübschen Zitaten geschmückte Rede des Sparkassenvorstendes Hubert Ernst war
meiner Meinung nach gelungen - ich mag eben Zitate - und die Bemerkungen vom
letzten Redner, wo ich mich leider nicht mehr an seinen Namen erinnern kann -
meinte "Poulet" und FDP gehört zu haben - über seine Nachtlektüre waren auch
ganz nett. Da wollen wir aber mal hoffen, daß er nicht nur den Verdi-Schiller
Zyklus des Anhaltischen Theaters kennt, sondern auch die restlichen wunderbaren
Opernaufführungen, die das Anhaltische Ensemble zu biet
en hat.
Also im Großen und Ganzen hörte es sich für mich, so als Außenstehende, sehr bedeutend und erfolgreich an, was die Stadt Dessau unter der Führung von Hans-Georg Otto geleistet hat und ich hoffe, daß alles davon der Wahrheit und nicht nur politischem Geschwätz entspricht.
Nachdem die Redner reichlich überzogen hatten, blieben für das arme Publikum leider nur 10 Minuten Pause um auf der Damentoilette anzustehen und mit einem Glas Rotwein auf die Redner und die Stadt Dessau anzustoßen. Und wie froh ist da Frau, daß sie Nichtraucher ist. So Mancher mußte die Opportunitäten abwägen, Rotwein und Toilette oder Zigarette - oder etwa Zigarette und Rotwein oder Toilette?
Gut, jedenfalls
lief alles auf das Selbe hinaus, man mußte sich arg beeilen um nicht das
Wichtigste, das very britische Konzert zu verpassen. Denn DAS wäre wirklich was
Verpasstes und very jammerschade.
Mein nun
Fast-Lieblingsdirigent Golo Berg begann mit dem Gängigsten der gängigen
Händelstücken - nein, nicht dem "Halleluja" - er begann m
it Händels Ouvertüre zu
"Judas Maccabäus", dessen Thema ich schon in sämtlichen Varianten und
verschiedensten Händelstücken gehört habe und mich jedes Mal frage, ob das wohl
Händels Lieblingsteil war, das er es so oft einbaute. Aber vielleicht irrt sich
auch mein laienhaftes Musikgehör und es ist jedes Mal etwas anderes. Jedenfalls
hatte es sehr viel Ähnlichkeit mit einem Teil aus Händels "Joshua", welchen ich
damals auch schon sehr schön fand.
Also egal, ob "Joshua" oder "Judas
Maccabäus", es war jedenfalls sehr gelungen und da ich so als Hallenser in der
Geburtsstadt von Händel lebe, liebe ich seine Musik natürlich sehr und das Golo
Berg ihn als erstes spielte, brachte ihm selbstverständlich eine Menge
Pluspunkte auf meiner Lieblingsdirigenten-Scala ein und ließ ihn seit diesem Tag
den Platz Zwei erklimmen.
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Nach Händel folgte Carl Maria von Webers Jubelouvertüre. Ich muß ehrlich zugeben, daß Carl Maria von Weber ganz und gar nicht meinem Geschmack entspricht, aber in diesem Fall gefiel er mir sehr gut, viel besser als seine Ouvertüre zu "Oberon". Naja, aber vielleicht lag das ja auch an der sehr guten Darbietung von zweitem Lieblingsdirigent und Orchester, oder eben nur an meiner guten Laune an diesem Abend.
Der Strauß
versetzte mir mit seinem Stilbruch allerdings eher einen Schock - ein so schöner
Anfang und dann abrupter Stopp und Walzerthema im 3/4 Takt. Das hatte den
Anschein, als mußte Herr Strau
ß erst schnell der Königin huldigen und dann
durfte er sich wieder seinem Vergnügen widmen.
Sehr schade war, und das nicht nur in
diesem Stück, daß Frau nicht aufstehen und Tanzen konnte. Meine Füße hatten es
wirklich sehr schwer am Boden zu bleiben und mein Körper mußte sich ganz schön
zusammenreißen, daß er nicht mit der Musik mitmachte. Am liebsten hätte ich es
gehabt, wenn die ersten 7 Stuhlreihen gefehlt und ich dort hätte tanzen können.
Beim Walzer war das ja noch ganz gut auszuhalten, aber bei Percy Graingers
"Country Garden" und "Sheperd's Hey" artete es schon in böse Folter aus und wie
glücklich war ich, als ich bei "Me and My Girl" endlich aufstehen und mitmachen
konnte, ganz zu schweigen von Edward Elgars "Pomp and Circumstances". Da kann Frau einfach
nichts
mehr auf dem Sitz halten - evtl. noch ein paar Lederriemen, wenn sie gut
und fest angebracht sind ;-)
Da kam so viel Stimmung und Freude herüber, so daß Frau sich wünschte, daß es nie enden würde. "Sehr gut Herr Berg und liebe Anhaltische Philharmonie! Das war der Spaß, den ich jeden Tag haben möchte!" Aber das war bei Weitem noch nicht alles, was es hier zu loben gibt!
Edward Elgars "Sea
Pictures" waren einfach wunders
chön und Ralph Vaughan-Williams "Fantasia on
Greensleeves" ein berauschendes Klangerlebnis. Ein Konzert, was einfach Freude
bereitete und das nicht zuletzt durch die hervorragenden Darbietungen von Ulf
Paulsen und Sabine Noack. Der Generalmajor aus Gilbert & Sullivans "H.M.S.
Pinafore" war ein wahres schauspielerisches und klangliches Erlebnis und die
Katzenerinnerungen traurig wunderschön. Die Anhaltische Philharmonie zeigte, daß
sie die komplette Bandbreite verschiedenster Musikrichtigen versteht und in
ihrer Weise wunderbar interpretieren konnte. Selbst das Beatles-Medley wurde
hervorragend dargeboten und die jazzigen Einlagen gefielen mir sehr gut. Das war
perfekt! Und alles gut begleitet und witzig moderiert durch Golo Berg und Ronald
Müller. Mr. Miller und Mr.
Mountain waren nicht nur an diesem Abend ein sehr
gutes Team.
Oh, ich habe so sehr gewünscht, daß es diesmal nie enden würde, aber leider, wie es im Leben immer ist, haben auch die schönsten Augenblicke ein Ende. Allerdings wurden diese schönsten Augenblicke ordentlich honoriert. Das Konzert war so gut, daß selbst das faule Publikum aufstand und diesem durch eine Standing Ovation ein gebührendes Ende verpasste.
Vielen Dank an die Anhaltische Philharmonie und ihren GMD Golo Berg. Das war wirklich ein gelungener Abend und das lag auf keinen Fall an den Reden und dem Wein mit Buffet nach dem Konzert.
Jetzt kann das Neue Jahr kommen - PROST!
Eure Jana
.... ach, könnten wir das doch wieder haben.... diese herrliche Musik und vielleicht so als Tanzabend....
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