Mein Herz brannte nach einem Herzen --

 

Es ist schon sonderbar, wie sich das alles nur um die eine Sache dreht, als hätte man auf dieser Welt nichts besseres zu tun. Was für anstrengende, immer wiederkehrende Rituale um letztendlich völlig vernunft- und regellos verliebt zu sein.

Adolf Freiherr von Knigge (1752-1796)Da haben Sie schon irgendwie Recht, Herr Berg, mit Ihrem Freiherr von Knigge Zitat:

"Den Verliebten selbst Regeln über ihren Umgang miteinander zu geben, das würde verlorene Mühe sein;

denn da diese Menschen selten bei gesunder Vernunft sind,

so wäre es ebenso unsinnig zu verlangen, daß sie sich dabei gewissen Vorschriften unterwerfen sollen,

als wenn man einem Rasenden zumuten wollte, in Versen zu phantasieren,

oder einem, der die Kolik hat, nach Noten zu schreien.

Doch ließe sich einiges sagen, das gut zu beobachten wäre, wenn man hoffen dürfte, daß solche Menschen der Vernunft Gehör gäben."*

Giacomo Casanova (1725-1798)Meinten Sie damit, daß nichts berechenbar ist? Nichts ist sachlich, strukturiert und geregelt? Das ist beängstigend, wenn man keine Regeln dafür finden kann. Also wer würde so etwas wollen? Unvernünftig und ungeordnet durch die Gegend zu phantasieren? Demnach ist die Liebe überhaupt nicht zu empfehlen. Dumme Sache - hmmm.

 

ABER, Herr Berg, da würde Giacomo Casanova jetzt wohl dagegenhalten:

"Ich weiß, daß ich existiert habe; denn ich habe gefühlt; und da ich dies durch das Gefühl weiß, so weiß ich auch, daß ich nicht mehr existieren werde, sobald ich aufgehört habe zu Fühlen"**

Aber gut, eigentlich haben sie recht. Die Liebe ist nicht unbedingt zu empfehlen, da stimmt Ihnen Casanova nun doch irgendwie zu:

"... denn wenn die Liebe ins Spiel kommt, sind gewöhnlich beide Teile angeführt."**

UND  DOCH gibt es auch Gründe nicht davon abzulassen:

 

"Das Herz ist mir bedrückt, und sehnlich

Gedenke ich der alten Zeit;

Die Welt war damals noch so wöhnlich,

Und ruhig lebten hin die Leut'.

Heinrich Heine (1797-1856)

Doch jetzt ist alles wie verschoben,

Das ist ein Drängen! eine Not!

Gestorben ist der Herrgott oben,

Und unten ist der Teufel tot.

Und alles schaut so grämlich trübe,

So krausverwirrt und morsch und kalt,

Und wäre nicht das bißchen Liebe,

so gäb es nirgends einen Halt."***

 

Naja, wenigstens läßt sich Nietzsche nicht vom Weibe locken, zumindest nicht von den "entarteten" - Asche auf mein entartetes Haupt:

"... genug, das Weib verliert an Scham. Setzen wir sofort hinzu, daß es auch an Geschmack verliert. Es verlernt Friedrich Nietzsche (1844-1900) den Mann zu fürchten (aha!): aber das Weib, das 'das Fürchten verlernt', gibt seine weiblichen Instinkte preis. (So?) ..... das Weib entartet." (Interessant - wohin denn?)****

Aber wahrscheinlich liegt das eher daran, daß seine Affekte nicht mit dem Tempo der Frauen mithalten können:

"Die gleichen Affekte sind bei Mann und Weib doch im Tempo verschieden: deshalb hören Mann und Weib nicht auf, sich mißzuverstehen."****

 

--- SIE haben mit den Zitaten angefangen, Herr Berg! Ich muß hier jetzt aufpassen, daß ich mich nicht davon mitreißen lasse... es macht Spaß...

 Und doch noch eins -- um jetzt endlich den Bogen zu kriegen und auf des Pudels Kern zu stoßen, ohne ihm den Kopf abzuschlagen:

 

"Ich hatte diese Träume vergessen und war glücklich --

Jetzt! Jetzt! Von heut an -- der Friede meines Lebens ist aus

-- Wilde Wünsche -- ich weiß es -- werden in meinem Busen rasen.

-- Geh -- Gott vergebe dir's --

Du hast den Feuerbrand in mein junges friedsames Herz geworfen,

und er wird nimmer nimmer gelöscht werden."*****

 

Friedrich Schiller (1759-1805)Na, war das nicht ein schöner Bogen? Und somit wären wir jetzt auch endlich bei Friedrich Schillers "Kabale und Liebe" angekommen, oder wie Verdi diese Liebeskatastrophe nennt: "Louise Miller".

 

Eine wunderbare Oper aus dem Dessauer Verdi-Schiller Zyklus - Inszenierung: Johannes Felsenstein, Musikalische Leitung: Golo Berg -- und an diesem Tage, keine Inszenierung, sondern nur eine musikalische Leitung mit Moderation und Zitaten. HALT! meine lieben Leser, Ihr sollt das hier jetzt nicht missverstehen! Ich, so als Liebhaberin von Musik und Theater (= Oper) traue es mir ja kaum zu sagen, aber das war bis jetzt das Beste aus dem gesamten Verdi-Schiller Zyklus, was ich in Dessau erleben durfte!

 

Ich habe alle vier Opern komplett gesehen und war begeistert, von jeder Inszenierung, Darbietung und Musik. Und noch einmal wollte ich mir diesen "Don Karlos" ansehen, zumal er auch noch das letzte Mal im Anhaltischen Theater Dessau laufen sollte. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, was das für ein Schock war, als ich am Morgen auf der Website des Anhaltischen Theaters laß, daß die Vorstellung ausfallen sollte!!!

Ich muß ehrlich zugeben, ich habe ernsthaft überlegt, ob ich dem Anhaltischen Theater untreu werden und ob ich überhaupt hingehen sollte - ich war immer der Meinung, daß ich Opernkonzerte nicht besonders mag. -- Naja, nun war der Sonntag schon mal geplant und ich hatte somit sowieso nichts besseres vor. Das Wetter war auch schlecht, also nichts für eine Wanderung in der Sonne. Die Karte war bezahlt, das Auto geputzt, der Tank war voll, der Kühlschrank leer -- nagut, ... wenn es langweilig werden würde könnte Frau ja immer noch in der Pause rüber ins Steigenberger gehen und ob des leeren Kühlschrankes zu Hause und der Spargelzeit da draußen, sich mit Spargel voll stopfen und den Frust über die nichtsattfindende Aufführung vergessen. ... und sie können ja auch nichts dafür, wenn die Sänger absagen - die Grippewelle scheint wieder umzugehen -- herjeh.

 

Vier Busse auf der linken Seite vom Theater und einer auf der rechten Seite und eine klitzekleine Parklücke, dank  Freiraum liebender Einparker, für mein Auto. Nietzsche würde jetzt in seinem 106 Jahre altem Grabe rotieren und wenn er noch leben würde mit dem Kopf schütteln, weil ich deswegen überhaupt nicht tugendhaft und weiblich fluchte - shit Emanzipation wieder.

 

Das Orchester bezog seine Plätze auf der Bühne des diesmal ganz gut gefüllten großen Saales (ca. 1500 Plätze Kapazität!!!) des Anhaltischen Theaters. Der Dirigent folgte und erklärte das Problem und die Lösung. Ein bißchen Unmut und murren in der Reihe hinter mir, aber alle ergaben sich ihrem Schicksal und warteten auf das nun Folgende, was alsdann auch folgte.

Vor der Pause Ausschnitte aus "Don Karlos"..... - hmmm - naja - also gut - ja - aber wirklich - na so was - das klingt ja um Einiges besser, als wenn sie aus dem Orchestergraben spielen.

Das klang nicht nur um Einiges besser, das war brillant!

Ok Herr Berg, haben Sie es wieder geschafft! Ich hätte das nie für möglich gehalten und liege Ihnen hiermit symbolisch zu Füßen. Die Zusammenstellung des Programms war hervorragend, Ihre Moderation dazu war sehr gut (und auch die Zitate), die Musik war spitze, die Sänger waren grandios, - Sie haben mir den Abend gerettet! Und ich meine das wirklich so, wie ich es sage. Das war ein Opernkonzert vom Feinsten. Ich habe keine einzige Sekunde davon bereut und um noch eins drauf zu geben, ich war letztendlich froh, daß die Oper ausgefallen ist und wir diesem atemberaubendem Konzert lauschen konnten. Der Chor war klasse und es war so mitreißend, wie Ludmil Kuntschew die 2. Arie des Franz aus den "Räubern" sang. Einfach wunderbar! Es war atemberaubend Alexandra Petersamer grandioser Stimme zu folgen - wow! Man sollte meinen die Herren und Damen des Anhaltischen Theaters haben sich an diesem Abend besonders ins Zeug gelegt.

Frederick Loewe (1904-1988)Jörg Brückner als Ferdinand gefiel mir diesmal auch sehr gut und irgendwie hatte ich bei ihm immer diesen Freddy aus "My Fair Lady" im Sinn - ich glaube, er hätte in diese Rolle auch sehr schön hinein gepasst.... "in der Straße, mein Schatz, wo Du lebst...." "Quatsch, quatsch, quatsch, quatsch und weiter nichts... sprich nicht vom Glück, was Du mir gibst, wenn Du mich liebst. Tu's doch! .... wart nicht bis Mai, wenn Du was willst. Eh der Schnee schmilzt, tu's doch!....." Und da haben wir es wieder - das unvernünftige und regellose Spiel der Verliebtheit. Naja, Eliza haut endlich mal auf den Tisch und zieht zu Prof. Henry Higgins Mutter! Schluß und aus mit anstrengenden Spielchen.

Louise Miller hat da leider nicht so ein Glück "Die arme Sünderin auf dem berüchtigten Henkerstuhl lacht zum Weltuntergang...." und somit sind wir beim Zweiten Teil nach der Pause. 

Oh Moment, jetzt habe ich doch glatt vergessen bei meinen vielen Lobeshymnen über das Konzert, etwas zur Handlung des "Don Karlos" zu erwähnen.... aber das habe ich vielleicht schon mal in meinem London Bericht zur damaligen Michael Grandage Inszenierung geschrieben und kann verlinken ........................................... nein, doch nicht. Da bin ich wohl damals ein bißchen abgedriftet... nagut, dann hier kurz etwas zur Handlung:

Eigentlich eine sehr traurige Geschichte um verwirrende Intrigen am spanischen Hofe Philipp des II. Und eigentlich auch eine sehr gehaltvolle Geschichte, die ich hier eigentlich nicht in nur so ein paar Worten wiedergeben sollte. Aber gut, ich werde es versuchen. Wem das zu wenig ist (und wer es noch nicht getan hat) der sollte unbedingt dieses Schillersche Meisterwerk lesen. Es ist brillant!

 

Don Karlos, der Sohn Philipp des II., versteht sich nicht sehr gut mit seinem Vater, der ihm nun auch noch seine Geliebte Elizabeth weggenommen und der Politik wegen geheiratet hat.

Sie ist nun seine Stiefmutter und gibt ihm das auch deutlich zu verstehen. Er ist verliebt und übersieht dabei die anderen Katastrophen, die um ihn herum geschehen. Z.B. die Bitte seines Freundes Marquis von Posa, ihm bei seinem Freiheitskampf gegen den König von Spanien zu helfen.

Der Marquis, ein Malteserritter und ein sehr intelligenter Mann, trifft sich mit dem König und beide diskutieren ihren Standpunkt. Dem König gefällt das Auftreten Posas (mir übrigens auch), endlich mal einer, der ihm ebenbürtig diskutieren kann und nicht ein Jasager ist, wie alle anderen.

 

"Alle Könige Europens huldigen dem span'schen Namen.

Gehen sie Europens Königen voran.

Ein Federzug von dieser Hand, und neu

Erschaffen wird die Erde.

Geben sie Gedankenfreiheit."******

 

Was für gewaltiges Gewicht doch in diesen paar Sätzen gelegt ist. --

Dieses tiefschürfige Gespräch bringt ihm eine Generalvollmacht des Königs ein.

In den Diensten des Königs nimmt er Don Karlos gefangen, will ihn befreien und hofft dadurch, daß diese sich den Flandern im Freiheitskampf gegen seinen Vater anschließt.

Und zwischendurch immer wieder Intrigen, daß man gar nichts mehr richtig mitkommt.

Prinzessin Eboli, die Dame der Königin ist in Karlos verliebt und versucht ihn durch einen Trick für sich zu gewinnen. Da solche Tricks noch nie etwas gebracht haben, verliert sie auf der ganzen Linie.

Der König erfährt so von der Liebe Don Karlos zu seiner Frau und die Story ist nun nicht mehr zu retten.

Posa versucht es zwar noch, indem er sich die Schuld aufbürdet, aber stirbt dabei. - Was für ein Jammer, das war mal ein toller Mann!!! - Aber wenigstens bekommt Karlos dadurch Schuldgefühle und will Posas Kampf gegen seinen Vater fortführen. Dazu trifft er dummerweise vorher noch die verbündete Elizabeth, wird erwischt und muß dafür sterben. Der eigene Vater kann nichts anderes tun, als seinen Widersacher und einzigen Sohn dem Großinquisitor zu übergeben "Kardinal, ich habe das Meinige getan. Tun sie das Ihre." - Ende der Story und Ende des ersten Teiles des Opernkonzertes des Anhaltischen Theaters.

Ja klar muß man dazu sagen, daß die Story bei einem Opernkonzert natürlich nicht rüber kommt, obwohl sich Golo Berg redlich bemüht hat etwas davon rüberzubringen. Da habt Ihr schon recht, da ist natürlich eine Oper besser, oder noch besser ein Theaterstück, wie das Hervorragende, was ich damals in London gesehen habe -- (DAS ist eigentlich gar nicht mehr zu überbieten.)

Aber wenn man zufrieden ist, nur dieser wundervollen Musik zu lauschen, war dieses Opernkonzert in jeder Hinsicht einfach nur perfekt.

 

Giuseppe Verdi (1813-1901)Nach der Pause dann hervorragende Musik aus "Johanna d' Arc", was als Konzert dann auch nicht mehr ganz so deplaziert klingt, wie in dieser traurigen Oper. 

Versteht mich bitte nicht falsch, ich habe keine Ahnung von solchen Dingen und will Herrn Verdi da Weißgott keine Vorschriften und Vorwürfe ;-) machen, aber irgendwie fand ich damals die Musik unpassend zur Handlung. Einen Bericht und somit die Geschichte dazu habe ich schon einmal geschrieben. Da dieser Bericht hier sonst unendlich lang wird und Ihr dann keine Lust mehr zum Lesen habt, sage ich dazu jetzt gar nichts. Wer mehr wissen möchte, möge das in meinem ausführlichen Bericht dazu nachlesen.

Genauso gibt es auch einen Bericht zu Schillers Meisterwerk "Die Räuber", dessen Genialität Golo Berg mit drei wunderbaren Stücken in seinem Opernkonzert honorierte - naja, oder ehr die Genialität von Verdi - auch gut.

Und dann wären wir wieder bei Louise Miller und der Sache mit der Liebe angekommen.

"Die Liebe bewirkt ungeheuere Revolution in der ganzen Sinnesart und dem Wesen des Menschen."*

Ein hübsches Zitat, aber besser fängt man hier an mit: ".... es waren zwei Königskinder...." die konnten nicht zusammenkommen, weil eine Verbindung der beiden Liebenden nicht ihrem gesellschaftlichen Stand entsprach. 

Leider sind die Väter der beiden Liebenden nicht sehr einsichtig und versuchen nur, für sich das bestmögliche herauszuholen - koste es, was es wolle, auch wenn's das Leben ist.

Wieder furchtbare Intrigen und wieder kein Happy End. Aber diesmal störte mich das nicht, da es ja ein Konzert war und keine Oper, wo man die traurige Handlung verfolgen muß um in den Genuss dieser wunderbaren Musik zu kommen. 

Auch "Louise Miller", welches ich hier ebenfalls schon als Oper gesehen habe war damals brillant inszeniert und musikalisch super umgesetzt. Ob der Kenntnis der Sache, vermisste ich auch hier nicht die Handlung, sondern konzentrierte mich auf die hervorragende musikalische Darbietung aller Mitwirkenden. Was für ein wunderbarer Klang und diesmal auch eine sehr gute Lautstärke.

 

Naja, Herr Berg, so richtig passt Knigges Zitat da nun doch nicht auf so eine traurige Story.

Eigentlich passt hier mehr etwas Melancholisches, wie das hier von Heine***:

 

"Seit die Liebste war entfernt,

Hatt' ich's Lachen ganz verlernt.

Schlechten Witz riss mancher Wicht,

Aber lachen konnt' ich nicht.

 

Seit ich sie verloren hab',

Schafft' ich auch das Weinen ab;

Fast vor Weh das Herz mir bricht,

Aber weinen kann ich nicht."

 

oder das hier ist noch schlimmer:

 

"Die Welt ist so schön und der Himmel so blau,

Und die Lüfte wehen so lind und so lau,

Und die Blumen winken auf blühender Au

Und funkeln und glitzern im Morgenthau,

Und die Menschen jubeln, wohin ich schau' --

Und doch möcht' ich im Gabe liegen

Und mich an ein totes Liebchen schmiegen."

 

Nein, sie haben recht, da fließen nur die Tränen von soviel schlimmer Trauer. Und wer soll die alle trocknen? - nein, da ist etwas Aufheiterndes besser, auch wenn es nicht ganz so perfekt passt.

 

.... und darum nun doch noch zum Abschluss, für Sie Herr Berg, weil's so soviel Spaß gemacht hat beim Tippen, kein Zitat mehr, sondern ein ganzes Gedicht.

Das ist einfach zu gut, als das ich es nicht hier unten anbringen müßte ..... und ich kann es nun mal nicht lassen:

 

Shakespeares Song aus Kishons "Es war die Lerche"

 

Die Welt ist eine Shakespearebühne,

die Shakespearebühne eine Welt.

Drauf wird das Spiel von Schuld und Sühne

auf Tod und Leben vorgestellt.

Das Spiel von jenen großen Tieren,

die auf der Jagd nach Geld und Macht

die Krone und den Kopf verlieren,

dieweil der Narr darüber lacht ...

 

Und es folgt dem bunten Spiele

das geneigte Publikum

einmal lachend, einmal weinend,

einmal vor Entsetzen stumm.

Manchmal klopft es sich die Schenkel,

manchmal macht das Spiel ihm Pein,

und so soll es, und so soll es,

und so soll es ja auch sein!

 

Da kommen Könige und Diebe,

ein Säufer, ein verliebter Mohr

und nackter Hass und wahre Liebe

dicht neben Glück und Wahnsinn vor.

Zu Bergen türmen sich die Toten

und nach dem zärtlichsten Gedicht

reißt schon der Rüpel wieder Zoten

und grinst ins volle Rampenlicht.

 

Und so sieht denn im Theater

ein geneigtes Publikum,

daß das Leben kunterbunt ist

und das Schicksal blind und dumm.

Daß das Große nicht nur groß ist

und das Kleine nicht nur klein

und so soll es, und so soll es,

und so soll es ja auch sein!

 

Im Gaukelspiel der Komödianten

stellt schrecklich sich und wunderbar

der Mensch in seinen Varianten

und seinen Widersprüchen dar.

Aus höchster Lust wird tiefe Trauer,

aus Liebenden ein Ehepaar.

Was süß gewesen ist, wird sauer,

und läppisch, was erhaben war ....

 

Ja, so sieht sich auf der Bühne

das geneigte Publikum

eigentlich genau genommen

immer nach sich selber um.

Sich erkennend wie im Spiegel

sieht es dies und jenes ein,

ja so war es, ja so ist es

und so soll es ja auch sein!

 

 

 

... und so soll es ja auch sein.

Eure/ Ihre Jana

 

 

 

 

 

*Adolph Freiherr von Knigge "Über den Umgang mit und unter Verliebten"

** Giacomo  Casanova "Geschichte meines Lebens"

*** Heinrich Heine "Ausgewählte Gedichte und Prosa" & "Breviarium"

**** Friedrich Nietzsche "Jenseits von Gut und Böse"

***** Friedrich Schiller "Kabale und Liebe"

****** Friedrich Schiller "Don Carlos"