Ich liebe die Berge, schon vom ersten Augenblick an, als ich sie erblickte. --- Mächtig, groß und wunderschön!
Diesen ersten beeindruckenden Augenblick vergesse ich nie mehr in meinem Leben.
Mein allererster Urlaub, ganz spontan, kurz nach der Wende, in Oberstdorf.
Man fährt vom Flachland bis an die äußerste Spitze Deutschlands und erst kurz vor Ankunft türmen sich diese Riesen gigantisch und unbezwingbar vor einem auf. Das ist atemberaubend, was für eine dominante Macht der Natur! Ich weiß noch genau, daß ich damals meine Blicke kaum noch auf der Straße halten konnte, so wunderschön waren diese Berge für mich. Ich wäre am liebsten staunend mitten auf der Landstraße stehen geblieben, aber das hätte wohl ein kleines Verkehrschaos verursacht - war also bei der Verkehrsdichte nicht ganz so zu empfehlen.
Da ich meine
erste Tour im Juni machte, lag auf den mit < 2600 m nicht ganz so hohen
Oberstdorfer Alpen noch puderweißer, frisch gefallener und in der Sonne
blitzender Schnee und als ich von so ganz weit unten hinaufblicke, war mein
erster Gedanke an diesem ersten Tag in den Alpen, 'morgen gehst Du da hinauf,
dort wo der Schnee in der Sonne blitzt, hoch auf den Gipfel. Dann wirst Du diesen blitzenden Schnee in deine warmen Hände nehmen, einen kleinen Ball formen
und ihn hinunter ins Tal werfen...... '
.... und diese
wunderschöne Sinfonie von Richard Strauß gibt alles das so eindeutig, klar und
brillant wieder, was ich seit dieser Zeit dort oben in den Bergen erlebt habe.
Diese Alpensinfonie ist ein Meisterwerk und wenn ich sie höre versetzt sie mich
jedes Mal in diese wunderbare Natur oben auf den Bergen. Er hat jeden meiner
Schritte perfekt in Musik umgesetzt, vom anstrengenden Aufstieg, durch den Wald,
an Bächen und Wasserfällen vorbei, durch die Wiesen auf die Alm, durch die
Latschenkiefern über den Gletscher, mit zitternden Knien über kaum bezwingbare,
sehr nah am Abgrund entlang zu erkletternde Felshindernisse und dann hoch
auf den Gipfel - einfach wunderschön --- selbst diesen Sturm, den er beschreibt,
hatte ich schon einmal und ein Gewitter mit Hagel und Angst, daß diese Mächte
einen dort oben zerquetschen würden und dann nur noch seichter Regen beim
Abstieg, eine heiße Dusche und vom Balkon gemütlich bei einem Glas Wein den
Sonnenuntergang beobachten.... Ausklang.... und ..... Zufriedenheit ...... oh ich liebe
diese Berge so sehr und jedes Mal, wenn ich diese wunderschöne Sinfonie höre,
steigt dieses herrliche Gefühl in mir auf und ich vermag es nicht besser zu
beschreiben als Richard Strauß in seinem Meisterwerk.
Und dieses herrliche Gefühl, erlebte ich diesmal im Umweltbundesamt in Dessau. Das war fast einem Urlaub in den Bergen gleich. Wunderschöne Alpenbilder zu atemberaubender Musik.....
Gestern also war ich zum Sonderkonzert der Anhaltischen Philharmonie Dessau im nagelneuen Umweltbundesamt, welches ich sonst sicherlich nie zu Gesicht bekommen hätte.
Wir sind auch extra ein bißchen zeitiger losgefahren, da ich dachte, wenn sie schon mal außer der Reihe für uns öffnen, können wir uns dieses riesige Bauwerk auch gleich einmal von Nahem und Innendrinnen ansehen.
Das von Nahem kam ein bißchen zu kurz, da das Pfingstwetter doch etwas zu Wünschen übrig ließ. Dafür war das Innendrinnen umso ergiebiger.
Leider konnten wir nicht alles erkundschaften, da sie etliche Bereiche abgesperrt hatten. Naja, sonst hätten sie auch schwerlich den Überblick über diese vielen Menschen behalten können.
Das Konzert war ausverkauft und viele Konzertbesucher kamen zeitiger um wie wir die Gelegenheit zu ergreifen, sich das Bauwerk und dessen Inhalte etwas näher anzusehen.
Der erste Gedanke, der mir in den Sinn kam war 'Wahnsinn, was das wohl wieder dem Steuerzahler gekostet hat!' Der zweite Gedanke allerdings, der mir gleich danach in den Sinn kam war 'Wenn nie einer Geld für vernünftige Gebäude ausgegeben hätte, würden wir jetzt unsere schönen historischen, nun gut Geld einbringende Bauwerke gar nicht haben.'
Eigentlich baut
diese Epoche viel zu wenig und immer viel zu billig. Das hat alles kein Bestand
mehr und letztendlich werden unsere Nachfahren sagen: "Architektur des 21. Jh.?
Keine Ahnung, was ist das? Da steht nichts mehr von, war alles immer nur für 10
Jahre konzipiert." Und wenn man diesen Gedanken im Kopf hat, dann erscheint
einen die Geldausgabe gar nicht mehr so unnötig und man ist froh, daß sie es
diesmal richtig ordentlich gemacht haben. UND! Ohne diese Geldausgabe, hätten
wir auch auf dieses wundervolle Konzert mit diesem erstklassigen Klang im Forum
des Gebäudes verzichten müssen.
Das Gebäude hat
der GMD des Anhalti
schen Theaters, Golo Berg, sehr gut für sein Konzert
ausgesucht und den Gedanken phantastisch in die Tat umgesetzt. Das war eine brillante Idee,
Herr Berg, und nicht nur das, auch Ihr Programm an diesem Abend war
hervorragend.
Die erste Hälfte in Zusammenarbeit mit der in Dessau sehr gut bekannten Band "l'arc six" und der Philharmonie.
Ein etwas merkwürdiges Bild für mich, aber ein interessantes Ergebnis.
Ein paar der vordersten Stuhlreihen weg und ich hätte dazu tanzen können, die ganze Nacht hindurch. Das war erstklassige Musik und sehr schöne Texte... zum Träumen.... und die Querflöte war herrlich.....
Die Songs, die
sie ausgesucht hatten, waren alle hervorragend und die Begleitung durch die
Anhaltische Philharmonie einsame Spitze! Ja, das kann man nur so sagen.
Es war sehr schwierig für mich, still und ruhig auf meinem Platz sitzen zu bleiben. .... wir hätten da wirklich eine Tanzfläche gebraucht.
"Wenn ich ein Vöglein wär'..... flög' ich zu Dir...." och ja, das war süß.
Brechts Lied von der Wolke der Nacht auch super und dieses verrückte "Suninga" und der letzte Teil der ersten Hälfte gefiel mir auch sehr gut - aber eigentlich alles super und alles viel zu kurz. Ich hätte da noch stundenlang zuhören können..... eben die ganze Nacht hindurch.
Aber nein, das
ging ja nicht, denn eigentlich bin ich wegen der Alpensinfonie hergekommen. Wenn
die irgendwo in der Nähe gespielt wird, muß ic
h einfach dabei sein. Das ist so
eine phantastische Musik.
Das letzte Mal habe ich sie in Braunschweig zum Classix Festival gehört mit den Münchner Philharmonikern und Christian Thielemann.
Aber das Braunschweiger Classix Festival Publikum war kein Klassikpublikum. Beim schönen Anfangsteil haben sie gequatscht. Diesmal war es etwas besser. Golo Berg hat etwas lauter angefangen, als ich es normalerweise kenne, und dadurch war nach etwas kürzerer Zeit endlich Stille im Saal. Eine sehr gute Taktik, die Zuhörer dazu zu bringen endlich Ruhe zu halten, Herr Berg!
Denn der erste Teil, die Nacht und der Sonnenaufgang ist mit das Schönste. Ganz still erwacht das Licht und dann das Leben aus der Dunkelheit. Das war auch super in Tobias Melles Bildern umgesetzt. Obwohl - hmmmm ...... allerdings....... - ich denke, Herr Berg, Ihre Alpensinfonie kommt auch sehr gut ohne Projizierungen aus. Die Idee war erstklassig... aber.... sorry, ich traue es mich ja gar nicht zu sagen, aber ich bin immer so frech und sage was ich denke.... also .... die wunderbaren Fotos haben auch wunderbar von der noch besseren Musik abgelenkt. Ich hätte am liebsten die Augen geschlossen um mich nur auf die Musik konzentrieren zu können und auf meine etwas anders zu den Bildern verlaufenden Gedanken.
Ich habe eine sehr gute Fantasie und die empfindet "Vorgaben" als störend. Aber nichts desto trotz, ich bin in mancher Hinsicht sowieso ein bißchen merkwürdig. Darauf sollte man nichts geben. Die Idee und die Umsetzung dieser waren brillant und es sah wirklich toll aus! Da gibt es keine Zweifel dran... und ich suchte mir einfach einen anderen Bezugspunkt für meine Fantasie.
Und die
verschaffte sich dann auch sofort ihren Raum in meinem Kopf.
Wunderbare schwarze Nacht....... so still .... und ruhig in den Bergen. Doch langsam sieht man die Umrisse der Felsen und ein wärmendes Licht durchbricht die Dunkelheit.... ganz langsam.... aber dominant, sich nicht zurückdrängen wollend.... erst ganz zaghaft und dann mit voller Kraft und Orchesterlautstärke: der Sonnenaufgang.
Wieder ein Blick zu den Bildern auf der Leinwand und somit zu einem wunderschönen Sonnenaufgang in einer düsteren Nacht in Dessau - herrlich! - und es geht hinaus in die Natur, mit den ersten Sonnenstrahlen glücklich hinauf in die Berge.
Ein, zwei Kilometer in der Morgensonne noch durch den Ort und dann schon hinein in den kühlenden Wald.
Der noch leicht zu gehende Weg verläuft an einem hübsch
plätschernden Bach entlang. Glasklar und vom Kalk der Alpen in einem
wunderschönen Blau, begleitet er mich fast den ganzen Weg bis zum mächtigen
Wasserfall. Dorthin mache ich immer einen Abstecher um mir im glasklaren Wasser
Gesicht und Hände zu kühlen. Und jedes Mal denke ich, wie gern würde ich mich
darunter stellen um mich vom Wasser berieseln zu lassen. Das ist ein schöner
Gedanke, aber selbstverständlich völlig absurd. Das Wasser würde nicht auf mich
niederrieseln, es würde mich mit seiner Wucht erdrücken und die Kälte des
Gebirgsbaches würde mich erfrieren lassen.... aber es ist trotzdem ein schöner
Gedanke und ich gehe soweit heran, wie ich kann und meine Hände gleiten durch
die Wucht der niederströmenden Wassermassen. Gut, daß meine Bergschuhe
wasserdicht sind, sonst würde ich jetzt nasse Füße bekommen. Ich denke an diesen
wunderschönen Wasserfall der Oberstdorfer Alpen, den ich schon sooft besucht
habe und meine Blicke wandern wieder zur Leinwand. Auch dort peitschte das
Wasser hernieder und
Wassertropfen glitzern verspielt im Sonnenlicht. Das war
erstklassig getroffen, Herr Melle, und die Projektionen passten hervorragend zur
Musik.
Der Weg am Bach
entlang geht weiter und langsam wird der Wald lichter und ich betrete eine
blühende Sommerwiese. Es macht Spaß sie zu durchstreifen und alles duftet so
herrlich um mich herum. Die Sonne drückt vom Himmel, aber ich liebe diese
kleinen Alpenblumen... Vergießmeinicht, Eisenhut, blauer Enzian, hübsche einheimische Orchideen, Türkenbundlilien, Himmelschlüsselchen, winzige
Alpenveilchen, blaue Glockenblümchen, niedliche Stiefmütterchen und ............... viele 1000 Blumen und Gräser, die ich nicht
kenne. Wie gern würde ich mir jetzt einen Wiesenblumenstrauß pflücken oder mich
einfach auf dieser Wiese fallen lassen und dort den ganzen Tag in die Sonne
träumen - aber nein, das Ziel ist noch fern und der Aufstieg noch beschwerlich
und lang. Blumen darf ma
n hier sowieso nicht pflücken und wer möchte schon den
ganzen Tag faul in der Sonne liegen ;-)
Also weiter geht's durch Schneefelder bis hinauf zur Alm. Die Schneefelder-Projektionen waren super auf die Musik abgestimmt und haben mir sehr gut gefallen, aber die Alm kenne ich doch ein bißchen anders. Vor allem viel mehr Kühe. Ich hätte da wirklich lieber viel mehr Kühe gehabt und keinen so alten griesgrämigen Mann. Es gibt auch junge, gutaussehende Almwirte! Bei denen bekommt man dann auch ein schönes, kühles Glas Milch und Brot mit leckeren Käse. Meine Alm sah nie so verloren und einsam aus..... Aber gut, es hat etwas Romantisches, Herr Melle. Naja, ich gehe trotzdem weiter, genau wie die Musik, und klettere den Berg hinan.
"Wie kommt man am besten den Berg hinan ---
Steig' nur hinauf und denk' nicht dran."*
Da ist Strauß'
Musik für meine Begriffe ein bißchen zu fix. Auf den schmalen Wegen, durch die
Latschenkiefern und über Felsen, braucht man schon etwas länger, als er
uns
glauben machen möchte. Die Sonne brennt vom Himmel und das Klettern geht da
nicht so locker und leicht - nein - das dauert und es gibt einige
Verschnaufpause und Rückblicke auf den schon so hoch gestiegenen und mühselig
erklommenen Weg und hinunter zu der jetzt ganz winzig klein gewordenen Alm mit
nur noch Pünktchen, die erahnen lassen, daß das vielleicht Kühe sein können.
Wieder ein paar Schritte weiter und dann vor mir eine hübsche kleine Herde von
Gämsen mit sogar zwei Kleinen dabei. Ich bleibe sofort still stehen und traue
mich kaum zu atmen - was für ein hübscher Anblick und wie friedlich die Tiere
dort drüben auf dem anderen Hang doch grasen, ohne von mir Witterung
aufzunehmen. Der Wind scheint wohl aus einer anderen Richtung zu kommen.... und
meine Gedanken wandern zu diesem wundervollen Tag in den Alpen.... und ich
wandere weiter hinauf zum Gipfel, auf dem Tobias Melle mit seinen Fotos nun auch
angekommen ist. Eine super Idee
dort zu übernachten. Den Sonnenaufgang von dort
oben zu beobachten war bestimmt grandios - aber sicherlich auch saukalt... brrr.
Für solche Vorhaben muß man sich ordentlich warm einpacken.
Ich habe so etwas noch nie gemacht und liebe die Gipfel auch in der Sonne.
Was für ein wunderschöner Blick und was für ein tolles Gefühl nach solch einer Anstrengung dort oben zu stehen, sich den Wind um die Nase blasen zu lassen und diese wunderbare Freiheit zu spüren - Wahnsinn!!! Da weiß man gar nicht, wie man seine Freude im Zaum halten soll und beschließt nie wieder von dort wegzugehen.
Ich schließe
meine Augen und sauge die reine, klare Bergluft tief in mich auf... wunderbare
Ruhe.... und dann öffne ich meine Augen und vor mir erstreckt sich
ein
atemberaubendes Panorama der Giganten und ich stehe fast über ihnen. DAS Leute
ist ein erstklassiges Glücksgefühl und läßt mein Herz vibrieren - einzigartige
Schönheit der Natur, soweit das Auge reicht.
Ich schließe die Augen erneut und diese wundervolle Musik dringt zart in mein Ohr. Ich war noch auf dem Gipfel in der Sonne, aber Golo Berg läßt schon langsam die Nebel vom Tal her aufsteigen und eine merkwürdige Stille breitet sich aus.
Ich denke, ich sollte mich langsam
wieder an den Abstieg machen. Das sieht nicht gut aus. Die Wolken werden immer
dichter und der Himmel verfinstert sich immer rascher. Ich habe zu lange hier oben
geträumt und gar nicht bemerkt, daß ein Gewitter aufzieht. Und das geht so
verdammt schnell in den Bergen. Angst macht sich breit und auf der Leinwand tobt
schon der Sturm und die grandiose Musik donnert durch den Saal. Hervorra
gend,
Herr Berg, aber ich sehe jetzt doch zu, daß ich hier wieder hinunter komme.
Hagel peitscht mir ins Gesicht und meine Hände sind eiskalt erfroren. Blitze stechen dicht über mein Haupt hinunter in den Boden und ich beschleunige mein Tempo, achte kaum noch auf die gefährlichen und rutschigen schmalen Pfade hier oben, nur runter, runter, runter.... ich möchte kein weiteres Kreuz einsam am Felsen sein.... furchtbare Angst vor dieser gewaltigen Natur steigt immer schneller in mir hinauf und immer schneller, schneller, schneller laufe ich über die Felsen und durch das Gestrüpp nach unten.... der Hagel wird nun langsam zu Regen und auch mein Herz beruhigt sich ganz langsam wieder. Hier unten im Wald ist dann doch alles zunehmend freundlicher, auch wenn der Regen an mir hinunterläuft und meine Sachen, bis auf die regenfeste Jacke, völlig von diesem durchtränkt sind.
Die Wege werden wieder breiter und die Gefahr ist gebannt..... ich atme auf, genau wie die Wiesen jetzt rechts und links neben mir in der nun langsam wiederkehrenden Sonne. Niedrige Wolken schleichen an den Bergen hoch und ich gehe froh, das Ganze überlebt zu haben, zurück zur Pension.
Nach einer heißen Dusche und einem guten Abendessen, kann ich nun beruhigt und gemütlich auf dem Balkon sitzen, den Sonnenuntergang und das damit einhergehende Alpenglühen beobachten. Was für ein brillanter Tag in den Bergen --- und was für ein brillantes Konzert im Umweltbundesamt in Dessau!
Ich danke Euch für dieses Erlebnis,
Eure Jana
* Friedrich Nietzsche