Du wilde, minnige Maid

 

Ja so ist sie, die Isolde in der Dessauer Inszenierung - wild und wunderschön....

 

Tristan und Isolde - Anhaltisches Theater DessauLetzten Sonntag war ich zur Premiere des Anhaltischen Theaters Dessau von Wagners "Tristan und Isolde".

4 Stunden Wagnergenuss in einem nahezu ausverkauften Haus.

Am Pult Golo Berg zu einer wieder eindrucksvollen Inszenierung von Johannes Felsenstein mit Bühne und Kostüme von Stefan Rieckhoff.

 

Einige mögen diese Inszenierung zwar als "dürftig" bezeichnen, aber ich fand sie wundervoll. Erst diese Dunkelheit im Theater, die die Stimmung für einen wunderschönen Sonnenaufgang schuf und dann wogendes Meer und die spartanischen Planken eines alten Schiffes. Nein, das war nicht dürftig, das war brillant! Wogendes Meer, schaukelndes Schiff und bebende Herzen. Tristan und Isolde sahen sich an, die Luft knisterte und das Orchester begleitete diese Stimmung hervorragend. Zwar hätte das ein bißchen lauter sein dürfen, aber in der Parkettloge, wo ich diesmal saß, kamen diese erstklassigen Töne trotzdem sehr gut an. Darum an dieser Stelle erst mal einen lieben Dank an den Herren des Anhaltischen Besucherringes, der mir diese sehr guten Plätze bescherte!

Von der Parkettloge aus konnte man auch sehr gut dem Geschehen auf der Bühne folgen. 

Vom Parkett aus war das wahrscheinlich nicht ganz so einfach. Ich kann es nicht beurteilen, aber Dieter David Scholz hat es wohl ausprobiert. Hier findet Ihr seine Meinung dazu. ---> Link zu seiner Website.

 

Es ist zwar jetzt schon eine ganze Weile her, aber ich erinnere mich noch sehr gut an diese beeindruckende Inszenierung. Ja, ich sage beeindruckend, auch wenn so manch Kritiker da nicht meiner Meinung scheint. Ich fand das Bühnenbild und die Idee des Sonnenaufganges wunderbar. Für mich, als romantische Natur, war das genau der richtige und sehr gut gelungene Einstieg. Die Ouvertüre ist einfach herrlich.... und passt hervorragend zu einem Sonnenaufgang.... alles war finster, im Hintergrund ertönte sanfte, wunderschöne Musik und dann so ganz langsam ging die Sonne über dem Meer auf und ein Paar schaute sich schweigend an. Spannung lag in der Luft ----- Das, liebe Leute, ist Romantik pur und ein wahrer Genuss zuzuschauen.

Das Schiffsdeck schaukelte in den Wellen und ich fühlte mich sofort auf ein altes englisches Schiff, das auf den Weg von Irland nach England war, versetzt.

Das konnte nur ein Wagner nach meinem Geschmack werden und Johannes Felsenstein traf meiner Meinung nach, da wieder voll ins Schwarze und Stefan Rieckhoff mit seinem Bühnenbild setzte diese Ideen klasse um.

Golo Berg, diesmal und ungewöhnlicherweise, mit seinem Orchester im Hintergrund, hatte es da nicht so einfach die richtige Lautstärke zu finden. Klanglich und musikalisch war es jedoch ein Hochgenuß ihm und der Anhaltischen Philharmonie zu lauschen. Und ich muß ehrlich zugeben, ich habe mich sehr oft erwischt, wie ich an den Stimmen vorbei, lieber seiner perfekten Interpretation zuhörte.

 

 

Richard WagnerDie Handlung ist ja eigentlich eher kurz, aber Wagner verstand es wie immer sehr gut, das Ganze auf mehr als 4 Stunden auszudehnen. Also eine Hochleistung für alle Beteiligten.

Im ersten Akt starren sich Tristan und Isolde nicht nur an, sondern verlieben sich in einander mit Hilfe eines Liebeszaubertrankes, den Isoldes Vertraute den beiden an Stelle des Giftes reichte, was eigentlich durch Isolde befohlen war. 

Brangäne konnte es eben nicht ertragen die beiden jungen Menschen so einfach sterben zu lassen. Tja, so ist das im Leben, erstens kommt es immer anders, als man zweitens denkt. Blöderweise hilft das Isolde nun nicht gerade weiter. Jetzt ist sie noch mehr in Tristan verliebt und muß immer noch König Marke heiraten. Und der, so als König und Onkel Tristans hat wohl doch da das größere Recht auf sie. 

Was bin ich froh, daß wir hier in so modernen Zeiten und Gegenden leben und Frau sehr schön "Nein" sagen kann, wenn sie nicht will.

Aber in dieser alten Story, die sich, wie ich glaube gehört zu haben, im 13. Jh. zutrug, bleibt Isolde keine andere Wahl als diesen alten König zu heiraten. Sozusagen als Preis für den Sieg über ihr Land nachdem Tristan ihrem früheren Gemahl den Kopf abgeschlagen hatte.

Scheint so, als wäre ihr früherer Gemahl auch nicht gerade der Auserwählte gewesen. Das ist nun wieder der Vorteil bei diesen Pflichthochzeiten. Der Verlustschmerz ist dann nicht ganz so groß und man kann sich ganz schnell wieder in einen anderen verlieben, auch wenn der den eigenen Ehemann auf dem gewissen hat.

Allerdings kann das auch an dem Liebeszaubertrunk gelegen haben. Och ja....., ich glaube, so ein Gebräu zu besitzen wäre nicht schlecht. Ich denke, ich könnte schon etwas damit anfangen ;-)

Naja, nebenbei bemerkt, war das Zeug für Isolde wohl auch notwendig, denn sonst hätte sie sich wohlmöglich doch noch in den stattlichen und nicht nur stimmlich Tristan überlegenen König Marke verliebt. Das wäre dann allerdings nicht ganz so günstig gewesen, denn dann wären der korpulente Tristan und der romantische Wagner mit seiner traurige Handlung wohl leer ausgegangen. Na da seht Ihr mal wieder, es hat alles einen tieferen Sinn ;-)

 

Iordanka Derilova - Tristan und Isolde - Anhaltisches Theater DessauWas ich Euch gerade versucht habe ein bißchen umständlich rüberzubringen ist, daß ich die Besetzung der beiden Hauptdarsteller diesmal überhaupt nicht gelungen fand!

Iordanka Derilova ist zwar sehr hübsch als Isolde und spielte mit sehr viel Gefühl, aber irgendwie war das kein Wagner für mich. Ich habe den Text überhaupt nicht verstanden.

Genauso wenig habe ich den Text bei Sergey Nayda verstanden. Und Wagner sagt es ja selbst: "Letzte Bitte an meine lieben Genossen. !Deutlichkeit!..."* Das hätte ich mir hier auch gewünscht. Ich hätte jetzt gern mal gewusst, warum gerade die beiden für diese Rollen ausgesucht wurden.  Naja, ich habe keine Ahnung von solchen Sachen und kann mir vorstellen, daß es nicht einfach ist gute Wagnersänger zu bekommen. Also will ich mal hier nicht soviel meckern, denn dumm rummeckern kann jeder.

Der Chor der Seeleute war super und auch super inszeniert, so hinter dem Vorderdeck. Die restlichen Darsteller sangen sehr deutlich und hervorragend. Besonders hervorheben  möchte ich da Alexandra Petersamer als Brangäne, die, wie ich meine Iordanka Derilova stimmlich ganz schön die Show stahl. Und natürlich Ulf Paulsen, der perfekt für die Rolle des Kurwenal ist. Ein großer Mann mit großartiger Stimme und sein Kostüm stand ihm sehr gut.

Noch ein großer Mann mit großartiger Stimme ist, wie ich oben schon erwähnte, Marek Wojciechowski als König Marke. Das hat mir alles sehr gut gefallen und damit wieder zurück zur Handlung.

 

Iordanka Derilova und Sergey Nayda - Tristan und Isolde - Anhaltisches Theater DessauWie das immer so ist im Leben bekommt man nur selten das, was man will. Und so bekommt Isolde nicht ihren Tristan - zumindest nicht offiziell. 

Inoffiziell folgt jetzt der zweite Aufzug und ein Einblick in Isoldes Liebesleben. Kaum ist der König außer Haus, vergnügt sich Isolde mit Tristan im Garten. Ist ja wohl völlig klar, daß das nicht unentdeckt bleiben würde oder sagen wir mal so, überall gibt es Neider, die anderen ihr Glück nicht gönnen wollen. So denn auch hier. Melot, der mich auch ohne "r" irgendwie immer an diesen Rotwein erinnert, aber bei Weitem nicht so genussvoll ist, lockt das Paar in eine Falle, die dann, als auch sobald und unmittelbar zuschnappt. Shit happens --- Tristan findet sich in einer denunzierenden und somit ausweglosen Lage wieder und beschließt lieber aus dieser in das Schwert von Melot zu flüchten.

Aber da die Handlung dann irgendwie ins Nichts laufen würde, wir auch nicht erfahren würden, was aus der treulosen Isolde werden würde und die Oper außerdem schon nach zwei Aufzügen und somit nur 2,5 h zu Ende wäre, stirbt er natürlich nicht gleich an diesem Todesstoß und es gibt einen dritten Aufzug, der sich dann, wie sollte es auch anders sein, über eine Stunde mit dem Sterben befasst.

Natürlich, wie bei jeder Wagneroper, gibt es zum Sterben noch ein bißchen Beiwerk drumherum. Ein Hirte singt seine traurige Weise und bringt damit den Zuhörer und alle anderen Beteiligten in die richtige Stimmung. Der gutaussehende Kurwenal betrauert seinen Meister, prügelt sich mit Melot und beide sterben. König Marke verzeiht den beiden Liebenden, da er von Brangäne die Geschichte mit dem Liebestrank erfahren hat. Aber alles zu spät für Isolde und Tristan :-(

 

In dem wogenden Schwall,

in dem tönenden Schall,

in des Welt-Atems

wehendem All.....

ertrinken,

versinken

unbewusst

höchste Lust!

 

Iordanka Derilova und Sergey Nayda - Tristan und Isolde - Anhaltisches Theater Dessau"Der Mythos erzählt, daß König Marke die Leichen von Tristan und Isolde in Cornwall nebeneinander begraben ließ. Auf Isoldes Grab pflanzte er eine Rebe, auf Tristans Grab eine Rose: 'Rose und Rebe aber verschlangen sich ineinander und wuchsen auf, wie nur eine Pflanze: ein Zeichen, daß die Liebe auch mit dem Tode nicht stirbt.' Auch die Kunde, von der unzerstörbaren Liebe der beiden starb nie."**

 

--- seufz .... und wer trocknet jetzt meine Tränen?

 

 

NEIN! Nach so einem traurigen Ende konnte ich jetzt nicht so einfach nach Halle zurück fahren. Jetzt brauchte ich noch ein bißchen Ablenkung.

So entschlossen wir uns nach kurzer Abwägung, diesmal nicht rüber ins Steigenberger zu gehen, sondern einfach mal hinunter in die "Kantine" zur Premierenfeier. Sorry, aber Frauen sind eben neugierig.

Leider waren sie dort unten auch alle ein bißchen niedergeschlagen, weil wohl die Premiere nicht so lief, wie sie es gern hätten. Kann ich verstehen. Die lief auch nicht so, wie ich sie gern hätte.

Da half auch keine Aufmunterung durch den "Moderator" mehr. Selbst dem GMD Golo Berg, der am Nebentisch saß, war kein Lächeln zu entlocken.

"Aber nun, Leute! Wer wird denn so ein Trübsal blasen? Das war die Premiere. Damit ist doch sicher, daß die nächsten Aufführungen grandios werden! Laßt Euch nicht unterkriegen, Ihr habe einen super Beifall bekommen und Ihr seit brillant, die Inszenierung ist ebenfalls brillant und, Herr Berg, die Musik war das Beste. Da brauchten sie gar nicht so ernst zu schauen."

 

"Und Euch, meine lieben Leser, die es bis zum Schluß meines Berichtes durchgehalten haben, kann ich diese Inszenierung der Oper nur empfehlen. Ich finde, dieser Wagner lohnt sich auf alle Fälle, auch wenn alle nur meckern. Ich werde mir das Ganze im nächsten Jahr auf alle Fälle noch einmal ansehen und bin dann gespannt auf den Unterschied."

 

Vielen Dank, liebes Anhaltisches Theater, für diese Gelegenheit und laßt es Euch gut gehen

Eure Jana

 

 

 

 

 

*aus dem Programm des Anhaltischen Theaters zur Oper "Tristan und Isolde"; S.5

** aus dem Programm des Anhaltischen Theaters zur Oper "Tristan und Isolde"; S.27 (Günter de Bruyn - Rose und Rebe)