Camille Claudel "La Valse" (Quelle: Programm des Opernhauses Halle).... ertrinken --- versinken --- unbewußt --- höchste Lust!

 

Arme Isolde, so wunderbar verliebt und glücklich und so schnell alles vorbei und traurig. Da hat mich Richard Wagner schon ganz schön hängen lassen und erst recht unser Opernhaus.  Nach viereinhalb Stunden so ein düsteres Ende - nein! Das habe ich nicht verdient. Ich möchte hier bitte ein anderes Ende, Herr Wagner, oder wenn es schon seins sein muß, dann sollte es doch auch seins sein, liebes Opernhaus! Ich hätte bitte gern Jürgen Trekel auch noch im letzten Aufzug gehabt. Was habt Ihr mit dem Ende gemacht? Ich war gestern völlig verwirrt .... Es sah aus, als hättet Ihr zum Schluß keine rechte Lust mehr gehabt. Kann ich irgendwie gar nicht verstehen, ich für meinen Teil habe dieses herrliche Wochenende von Anfang bis Ende richtig genossen. Und jetzt sitze ich hier und weiß gar nicht, wie ich das alles in meinen Bericht unterbringen kann. 

 

Letzte Woche habe ich "Den Besuch der alten Dame" von Dürrenmatt im nt gesehen und war begeistert. Ich habe mir gleich darauf (da 5 - EUR - Vorstellung) "Nächstes Jahr, gleiche Zeit" angesehen und fühlte mich erstklassig unterhalten. Am Freitag, nach einer ganz guten Vorlesung zu "Planung & Logistik" war ich im Gewandhaus zu Kurt Masur (Quelle: Programm des Gewandhauses) Kurt Masur. Er dirigierte Beethovens "Pastorale" und Schostakovitschs 5. Sinfonie. 

DAS! war die Krönung dieses Wochenendes. Ich war bei Kurt Masur immer skeptisch, dachte, das "in den Himmel heben" wäre nur dummes Getue von Leipzig und so große Unterschiede könnte es bei den Dirigenten doch wohl nicht geben, aber das, was ich da erlebt habe, grenzte wirklich an Genialität. Was für ein phantastisches Konzert! Der Mann ist eine Legende. Er hat mich wirklich beeindruckt. Das Konzert war ein wahrer Höhepunkt, einfach spitzenklasse!!!! - hätte so etwas nie für möglich gehalten. (... oder die Techniker der Bühne waren so gut ....)

Noch in diesem Hochgenuß schwebend, habe ich mir mit meinen Kollegen am Samstag "Sekretärinnen" im "neuen theater" angesehen, was ich nicht schlecht fand und dann am Sonntag "Tristan und Isolde" in unserem Opernhaus, wo ich noch nicht genau weis, ob ich es gut oder schlecht fand. Jedenfalls fand ich diese Inszenierung von René Kollo schon etwas sonderbar. 

Tja und nun sitze ich hier, die Flyer des Opernhauses Halle wunderschöne letzte Woche nachhallend, in den schönsten Weihnachtsträumereien. 

Der Totensonntag ist seit gestern vorbei und somit konnte ich heute anfangen meine Wohnung weihnachtlich zu schmücken 

- ach - seufz - ist es nicht wieder schön. Alles gemütlich und kuschelig, die Kerzen brennen im geheizten Wohnzimmer und draußen bläst der eisige Wind um die Häuser - oh ich liebe dieses Gefühl von Behaglichkeit. 

Im Hintergrund Schostakovitschs 5. Sinfonie, da gerade in diesem grandiosen Konzert gehört, und auf meinem Schoß das Laptop um einen Bericht für Euch zu tippen. 

Eigentlich könnte ich es fast sein lassen, denn ich kann niemals soviel Emotionen, welche ich in den letzten Tagen erlebt habe, rüberbringen. 

Ich sitze hier, die ganzen Programmhefte auf einen Berg gestapelt, wissend, daß ich es niemals schaffe, diese tollen Events ihnen gebührend zu beschreiben, und dabei schwirren mir auch noch allerhand wundervolle Gedanken über so manch "feinstoffliches" Wesen im Kopf rum, mit dem ich mich Tag und Nacht beschäftigen könnte. Hmmmm - was soll Frau da jetzt machen?

 

Ja, ich könnte von vorn anfangen und mich durch die ganzen Events durcharbeiten, gute Idee - nur leider braucht das eine Menge Zeit und am Donnerstag bin ich schon wieder mit meine Kollegen im Theater unterwegs und am Sonntag in der Oper und zwischendurch muß ich für die nächsten Prüfungen lernen und auch noch meinen Lebensunterhalt verdienen. Da komme ich dann ja überhaupt nicht mehr hinterher - nee, das funktioniert so nicht. 

Hmmmm, ich könnte mir auch das Schönste heraussuchen und darüber berichten, aber welches war das Schönste? Kurt Masur war spitzenklasse, aber "Nächstes Jahr, Gleiche Zeit" war auch spitzenklasse und "Sekretärinnen" gefiel mir auch und "der Besuch der alten Dame", und über "Tristan und Isolde" würde ich auch gern etwas schreiben.....  - wisst Ihr was, ich fange einfach an und wenn ich keine Lust mehr habe höre ich einfach wieder auf. 

 

Elke Richter & Peter W. Bachmann (Quelle: Programm des nt) Schwer empfehlen möchte ich Euch auf alle Fälle "Nächstes Jahr, Gleiche Zeit" im nt. Elke Richter und Peter W. Bachmann zeigten auf so phantastischer und unterhaltsamer Weise wie Frau und Mann am besten fremd gehen.

Ich habe eine Weile gebraucht um mich mit dem Stück anzufreunden, denn ich kannte den Film mit Alan Alda dazu und habe damals wie ein Schlosshund vorm Fernseher geheult. Gott fand ich den traurig und das dann auch noch als Theaterstück und nur mit zwei "Mann". 

Naja, aber da es eine 5-EUR-Vorstellung war, packte ich meine Taschentücher ein und beschloß mir die Sache mal anzusehen und ich muß Euch sagen, von wegen "heulen". Vor der Pause haben wie nur gelacht. Die Vorstellung war sehr gut besucht und alle haben sich köstlich amüsiert. Ob blanker Hintern oder Geburtenhilfe, es war zum Schreien. Auch nach der Pause verstand es die Inszenierung (Peter Sodann) die Zuschauer zu amüsieren, selbst wenn nun doch ein paar traurige Passagen unsere Herzen brechen und Tränen fließen ließen. 

Diese Inszenierung der Komödie von Bernhard Slade war ihre 5 Euro wert -  ... und wenn ich ehrlich bin, habe ich ein ganz schlechtes Gewissen für so eine Glanzleistung nur 5 Euro gezahlt zu haben.

 

 

 

Im Hintergrund läuft immer noch Schostakowitschs 5. und erinnert mich an die zweite Glanzleistung dieser Woche. 

Ich hatte diesmal nur eine Karte bekommen können und fuhr somit einsam und allein zum Konzert ins Gewandhaus nach Leipzig. Ich wollte unbedingt Kurt Masur mal live erleben. Bis jetzt kannte ich nur seine CD's und die Lobgesänge auf seine Person.  

Zu Ost-Zeiten bin ich nie ins Gewandhaus gekommen und somit war dieses Konzert mein erstes mit Kurt Masur. Da ich nicht viel vom Hochstilisieren einzelner Personen halte, war ich natürlich sehr skeptisch und auch neugierig, was mich da wohl erwarten würde. Auf alle Fälle Beethovens Ludwig van Beethoven (1770-1827) wundervolle "Pastorale" und eine Sinfonie von Schostakowitsch, die ich noch nicht kannte. 

Ich hatte einen super Platz in der Orchesterempore, also den besten Blick auf Dirigent und Orchester. Was will Frau da mehr? Und nachdem das Orchester Stellung bezogen hatte, folgte auch die Legende. Hmmm, ja, immerhin ist er auch schon Mitte 70 und macht immer noch eine gute Figur..... und dirigierte das Gewandhausorchester so ganz ohne Partitur und Stöckchen. 

Thomas meinte mal, er war nach jeDimitri Schostakowitsch (1906-1975)den Konzert früher, immer zerzaust und k.o., aber in diesem jetzt hatte er eine ruhige und gelassene Art - vielleicht liegt's am Alter. Ich konnte jede Bewegung beobachten. Er führte das Orchester sanft und bestimmt. Jeder Einsatz war zu sehen und das was zu hören war, war der Genuß pur. Es war die beste "Pastorale" die ich bis jetzt hören durfte. Für mein Ohr war es der Gipfel der Perfektzonalität. Er kostete jeden Takt vollständig aus und ich zerfloß in dieser Delikatesse.

 

Die Pastorale so fröhlich, leicht und locker und Schostakowitschs 5. so düster und traurig. Beethovens Liebe zur Natur und Schostakowitschs Angst vor dem Regime. Was für ein krasser Gegensatz in diesem Konzert. Wo bei dem einen die Freudentränen rinnen, wandelten sie sich bei dem Anderen in Tränen der Trauer - ja wirklich, der dritte Satz war so traurig, daß mir bald die Tränen kamen. 

Da kam soviel Gefühl rüber, sollte man nicht für möglich halten! Schon Schostakowitschs erster Satz kündigte in seiner unheimlichen Art ein nahendes Unheil an. Ganz leise kroch es einen ins Gemüt und gab ein Gefühl einer traurigen Vorahnung wieder. Es paßte sehr gut, wenn man bedenkt in welcher Zeit er diese Sinfonie komponiert hatte. Da wundere ich mich doch, daß Stalin die duldete, wo sie doch seine Oper zum Anlaß nahmen ihn so zu kritisieren, daß er sich nicht traute seine 4. Sinfonie zur Aufführung zu bringen. Statt dessen schrieb er die 5. und Stalin ließ sie trotz dieses eindeutigen Hintergrundes durch gehen. Wahrscheinlich war Schostakowitsch schon weltweit zu anerkannt, als daß man ihn hätte einfach verschwinden lassen können. 

Beim zweiten Satz hatte ich den Eindruck Schostakowitsch zieht in den Kampf. Im Programm des Gewandhauses steht in der Interpretation dazu zwar etwas anderes, aber irgendwie kam mir beim Hören immer der Gedanke an Krieg in den Sinn und im dritten Satz die Niederlage und Trauer. Ich sah mit fassungslosen Blick auf ein weites, totes Land und ausgebrannte Häuser. Im vierten Satz ein letztes Aufbegehren, der hartnäckige Versuch alles umzudrehen, welcher für mich das Endgültige offen zu scheinen läßt ...

"... Absolute Niedergeschlagenheit befiel mich. Gleichsam über Nacht waren alle meine bisherigen Arbeiten getilgt, meine künftigen unmöglich gemacht ... Ich ... war wie ein Aussätziger. Keiner besuchte mich, niemand erkannte mich auf der Straße." ... und das kam mit voller Wucht rüber in seiner 5. Sinfonie.

 -- So, und nun sitze ich hier in dieser düsteren, traurigen Stimmung.... Ich denke, ich werde mal lieber die Pastorale einwerfen und widSekretärinnen - Wolfgang Boos - neues theater (Quelle: MZ Halle)me mich den "Sekretärinnen". Die waren zwar auch meist ziemlich gefrustet, aber das mehr zur Belustigung der Zuschauer. 

 

Frieder Venus hatte diesmal die Regie für das Stück im großen Saal und er hat es für meine Begriffe sehr gut hinbekommen.

Wir durften ihn in gemütlicher Runde beim nt-Stammtisch vorab schon mal kennenlernen und ich fand er ist ein sehr angenehmer Mensch. Ich hätte mich stundenlang mit ihm unterhalten können. Ihr kennt das doch sicherlich, wenn einer einem vom ersten Augenblick an sympathisch ist und Frieder Venus war so ein Mann. Genauso war mir auch seine Inszenierung des Liederabends um den Büroalltag betreffender Sekretärinnen sehr sympathisch. Die Kostüme waren super und das Bühnenbild fand ich auch sehr gut. 

Wolfgang Boos und Matthias Nilius waren die einzigen beiden Männer im "Büro" und hatten es somit nicht sehr leicht zwischen den 8 Damen. Beide schlugen sich tapfer in ihren Rollen und Wolfgang Boos war spätestens nach seinem grandiosen Solo nicht nur der Liebling der Damen auf der Bühne. Da hat er sich doch hinterher sein Bier in "Strieses Biertunnel" mit den zwei hübschen Mädels an seiner Seite redlich verdient - PROST!

 

Zu den Damen des Geschehens kann man nur sagen SPITZE! Sie agierten perfekt in ihre Rollen und Performance und Gesang waren passend. Am liebsten mochte ich Hannelore Schubert, die wahrscheinlich immer noch auf ihren Seemann wartet ;-) und Barbara Zinn traf mein Bild einer Sekretärin am Besten Programm Sekretärinnen (neues theater - Halle) und auch sonst hat Frieder Venus ganz gut den Sekretärinnencharakter getroffen. Schade, daß das Ganze so kurz und so abrupt vorbei war.

(ps. die Schreibmaschinen waren klasse. Ich frage mich, wo sie so viele von den alten Dingern noch auftreiben konnten.)

Ja, dieser Abend war sehr gut gelungen und meine Kollegen und ich ließen ihn bei Bier und Wurstsalat noch wunderbar in "Strieses Biertunnel" ausklingen.

 

... und dann endlich am Sonntag ausschlafen - herrlich! ... und gemütlich frühstücken - noch besser! Sonntage sind doch etwas Wunderbares. Und am Abend schön Dinieren und dann wieder in die Oper - kann es einen besser gehen?

 

Ich sah das erste Mal Wagners "Tristan & Isolde" und das auch noch in unserem Opernhaus und in Regie von René Kollo. Es hat mich beeindruckt, daß er unser kleines Opernhaus überhaupt gefunden hat und ich war sehr gespannt auf die Inszenierung und wie viele Zuschauer wohl kommen werden. Denn das war schon ganz schön schwerer Stoff für so ein kleines Hallesches Opernhaus ;-)

Und Überraschung, der Zuschauersaal war fast voll, sogar die Ränge - hätte nicht gedacht, daß wir so viele Wagnerliebhaber hier in Halle haben. 

Ich mochte Wagner schon immer und so freute ich mich auch riesig, daß unser Opernhaus ihn zur Aufführung bringt. Tja und wie ich später in der kleinen Ausstellung, die im Opernhaus zu sehen war feststellte, war das nicht die erste Wagneraufführung. Sieht so aus, als ob Halle da schon etwas Tradition hinter hat - interessant. 

Schade, daß man das wieder nirgends auf der Homepage des Opernhauses nachlesen kann, aber schön, daß sie diese kleine Ausstellung so hübsch gestalteten. Hat mir gefallen...... Nachtrag: Vergesslich wie ich bin, habe ich natürlich den "Fliegenden Holländer" unseres Opernhauses vollkommen unter den Tisch fallen lassen. Nein, das hat er nicht verdient, denn die Aufführung unseres Opernhauses dazu war spitze!

 

Das Orchester bezog Stellung und wir unsere Plätze. Ich hatte wieder gute Plätze in meiner Lieblingsreihe.

Ich finde unser Opernhaus ist schoGraham Sanders & Kirsi Tiihonen (Quelle: TV-Halle)n ein hübsches, kleines Ding. Am liebsten mag ich diesen wunderschönen roten Vorhang, der so samtig und geschmeidig auf die Bühne fällt. - Rot ist sowieso eine schöne Farbe, finde ich. Die verbirgt so viel Leidenschaft in sich. Heute erst habe ich bei Tchibo ein wunderbares rotes Seidennegligé gekauft. Das paßt super zu meiner Bettwäsche. Nur leider etwas zu kalt für diese Jahreszeit. Aber im Sommer wird es toll aussehen :-) Ja, da hätte Frau dann gern auch mal wieder ein bißchen Leidenschaft!!! Sie könnte sich das schon ganz gut vorstellen, nur leider ist das Objekt ihrer Begierde soweit weg und sie weiß nicht, ob .... STOP! Ich muß aufpassen, was ich hier schreibe. Es könnte ja sein, daß es jemand ließt, der mich kennt. Also machen wir mal lieber weiter mit Wagner und "Tristan & Isolde" und denken uns den Rest. Obwohl es bei denen ja auch ganz schön knisterte vor Leidenschaft - zumindest nach dem Liebestrunk - hmmm, so ein Zeug würde ich auch gern mal besitzen.

 

Das Bühnenbild (Peter Sykora) gefiel mir ganz gut - im ersten Akt nicht besonders, aber im Zweite super. In diesem sah man ein steinernes Bett und kalte steinerne Säulen, welche in mir das Gefühl suggerierten in einer schönen, alte englischen Burg zu sein. Auch als das Bett verschwand und eine große Halle imitiert wurde oder zum Schluß die vom Kampf zerstörten Mauern fand ich eine gute Idee. Und super wieder die Lichteffekte, dieser große Mond verbreitete eine herrliche Stimmung. Ich würde fast sagen die letzte Szene war die beste, trotz der merkwürdigen Änderungen.

Von den Kostümen her für mich ok, aber die hinter mir meinten der Held sähe eher wie ein Bauernlümmel aus. Naja, da sieht man mal wieder Geschmäcker sind halt verschieden.

 

Graham Sanders (Quelle: TV-Halle)Die Ouvertüre und überhaupt die Musik waren klasse. Klaus Weise dirigierte unser Opernhausorchester spitze und alles paßte gut mit der Bühne zusammen. 

Sehr gut gefiel mir die Stimme von Tristan (Graham Sanders) - das war eine Lautstärke, die das ganze Theater erzittern ließ. Und ich fand auch, daß er sehr deutlich sang, wo ich bei Isolde (Kirsi Tiihonen) schon meine Schwierigkeiten hatte. 

Jürgen Trekel (König Marke) und Gerd Vogel (Melot) gefielen mir auch sehr gut - schade nur, daß sie zum Schluß nicht mehr mit dabei waren. 

Jürgen Trekel hätte ich fast nicht wiedererkannt. Sie haben ihn so gut geschminkt, daß er gleich 20 Jahre jünger aussah - und auch von den Kostümen her, gefiel mir seins am besten.

Auch Nils Giesecke fand ich am Anfang als Stimme des jungen Seemanns spitzenmäßig - das klang wirklich gut. Als Hirte allerdings war er mir ein bißchen zu leise - sollte aber wohl so sein. Tja und dann wären da noch, um die Sache rund zu machen, Ulrike Schneider als Brangäne und Johann Werner Prein als Kurwenal.

 

Kirsi Tiihonen (Quelle: TV-Halle)Die erste Szene, als sich die beiden Frauen "unterhielten" fand ich ein bißchen sehr langatmig. Lag vielleicht auch daran, daß ich sie so schlecht verstanden habe oder daß ich doch lieber Männerstimmen mag.

 

Isolde war schon ganz schön sauer auf Tristan, wo er doch ihren Verlobten umgebracht hat, und würde ihn am liebsten Tod sehen - tja, da sieht man mal wieder wie schnell die Dinge sich ändern können.... erst noch bis auf's Messer gehasst und dann unsterblich in einander verliebt. Eigentlich würde man meinen, daß das meist doch eher umgedreht ist ...

 

"..... Beide, von Schauder erfaßt, blicken sich mit höchster Aufregung, doch mit starrer Haltung, unverwandt in die Augen, in deren Ausdruck der Todestrotz bald der Liebesglut weicht."

 

Der Liebestrunk muß wirklich gut gewesen sein. Ab dann konnten beide nicht mehr von einander lassen.

 

"Wie sich die Herzen

wogend erheben!

Wie alle Sinne

wonnig erbeben!

Sehnender Minne

schwellendes Blühen,

schmachtender Liebe

seliges Glühen!

Jach in der Brust

jauchzende Lust!"

 

Wow! .... und so ein Text von Richard Wagner, wo der doch ein Mann war. Ich dachte immer nur Frauen haben solche romantischen Anwandelungen.

 

"Du mir einzig bewußt,

höchste Liebeslust!"

 

Die beiden starrten sich an und es knisterte bis in den Zuschauersaal. Oh, wie romantisch!

Für ein vernünftiges Happy End hätte die Story hier zu Ende sein müssen, aber leider waren wir erst beim ersten Aufzug, also viel zu kurz für Ende und somit konnte sich Wagner dann boshafterweise so richtig böse austoben. 

Liebe schön und gut - zwischen den beiden. Pha! Wo gibt es denn so was? Da muß jetzt noch ein bißchen Tragik hinein. Wer will denn wollen, daß jemand glücklich ist? Es gibt immer einen Haken und hier war der Haken daß Tristan sie ja eigentlich zu seinem König bringen sollte. Der wollte sie heiraten und jetzt, so kurz vor der Ankunft in Kornwall, stehen sie da, in inniger Umarmung und lassen sich erst durch Brangänes Verzweiflungsrufe wieder wachrütteln  - nee Leute, wenn Wagner wenigstens ein bißchen fair gewesen wäre, hätte er den Liebestrunk schon etwas eher ins Spiel gebracht? Die beiden hätten die ganze Fahrt für sich haben können. Die schöne vertane Zeit, die sie mit Jammern und nach Rache sinnen verbringt und er mit Schiffchen steuern, hätten sie sich stundenlang anstarren, sich umarmen, sich lieben können ... - nee, jetzt wo keine Zeit mehr ist wollen sie nicht mehr von einander lassen. Da schlägt man doch als Zuschauer nur die Hände über dem Kopf zusammen und ist wiedermal der Leittragende, da somit schon wieder kein Happy End in Aussicht und Frau wiedermal deprimiert nach Hause gehen muß.

Ja gut, Ihr habt ja recht. Das wäre kitschig und außerdem kennen wir Wagner und wußten, was auf uns zukommt. Also dann werden wir mal sehen, was er sich für den zweiten Aufzug noch so einfallen läßt.

Aha - wie sollte es auch anders kommen. Natürlich konnten sie nicht von einander lassen und als der König unterwegs zur Jagd war, nutzten sie die Gunst der Stunde.

 

"Ist es kein Traum?

O Wonne der Seele,

o süße, hehrste,

kühnste, schönste,

seligste Lust!"

 

Ach wie schön verliebt zu sein <seufz>. Ich saß träumend im Zuschauersaal und mir schwirrten allerhand wunderbare Gedanken im Kopf herum. Hehe, nein, die schreibe ich hier jetzt, aus schon mal erwähnten Grund, nicht auf. Aber es war schön daran zu denken <grins>. 

 

Die beiden hatten es wirklich gut - für diese eine Nacht - Aber! selbstverständlich gab es einen Verräter - es gibt immer Neider - welcher auch noch der Freund Tristans war, und sie werden erwischt.

Es eskaliert - der König zwar gnädig, aber der falsche Freund blutrünstig. Das kann nicht gut enden - tat es auch nicht. Tristan im Zweikampf verwundet und Isolde unglücklich wieder sicher verwart.

 

Kurwenal ihm treu zur Seite und glücklich, daß er noch lebt hält Ausschau nach Isoldes Schiff. Und somit erscheint in der zweiten Szene des dritten Aufzuges auch wieder Isolde und Tristan stirbt in ihren Armen in einem phantastischen Bühnenbild. Tja und Ende - zumindest bei der Inszenierung unseres Opernhauses. Ein Toter ist ja auch völlig ausreichend. Was soll noch dieses Gemetzel? Aber Melot hat es schon verdient zu sterben. Das ganze Desaster geht ja schließlich auf seine Kappe. Hätte er den König nicht in das Liebesnest geführt, hätte er nichts davon erfahren und niemand wäre zu Schaden gekommen. Aber dank ihm, haben wir jetzt drei Leichen, eine deprimierte Isolde, eine mit ihr fühlende Brangäne, einen traurigen König und eine Menge furchtbar ruhiger Zuschauer. Obwohl man bei Letzteren nicht weiß, ob es der 4 1/2 stündige Wagnermarathon war, oder die Inszenierung von René Kollo oder wirklich das traurige Ende...

 

Eure Jana

 

 

René Kollo zu seiner Inszenierung (Quelle: TV-Halle)

 

Ausschnitt/ Porträt René Kollo von TV-Halle zu "Tristan und Isolde" (wmv, ca. 3,5 mb)