La
Traviata - Giuseppe Verdi -
einer der größten Komponisten und eine der großartigsten
Opern, die ich kenne. Aus diesem Grunde konnte ich natürlich die Aufführung im
Opernhaus Halle nicht
wieder verpassen.
Ich war wie immer sehr neugierig darauf und habe mich, wie immer, um keine Kritiken
vorher gekümmert.
Diesmal war ich zu lange im Büro und mußte mich ganz
schön beeilen um pünktlich zu erscheinen. Nur eine Stunde, zum Duschen, Haar
waschen, Föhnen, Fingernägel lackieren, Schminken... etc. Das war wirklich
eine Herausforderung, die Frau erst mal meistern muß.
Die größte Herausforderung allerdings war, wie immer, die Suche nach einem
Parkplatz. Ich mußte wiedermal fahren, da mein bester Kumpel Thomas nicht allzu
gern in der Stadt fährt - tztztz. Normalerweise bekomme ich dafür ein Essen
spendiert, aber diesmal fiel das ja leider flach, wegen der knappen Zeit.
Es war ein ganz schönes Umhergekurve und die Straßen waren so was von voll.
Wieso sind eigentlich immer alle unterwegs, wenn ich freie Bahn brauche?!?
Thomas hielt sich schon immer die Augen zu und am Sitz fest. Nein! Normalerweise
habe ich einen vernünftigen Fahrstiel, aber manchmal muß Frau eben zwischen
den Autos hindurchmanövrieren und das so schnell wie möglich. Keine Sorge, das
ist wie Walzer tanzen... einmal rechts herum, einmal links herum und keinen auf
die Füße treten.... und ich fahre schon über 10 Jahre ohne einen Kratzer.
Nein, noch nicht einmal die überall "beliebte" Heck-Pfahl-nicht
gesehen-Einpark-Beule. 
Nach ein bißchen Suchen habe ich auch wieder einen
optimalen Parkplatz gefunden - in der Nähe des schon irgendwann mal erwähnten
Griechen, der seit Neustem ein Inder ist. ... und siehe da, wir waren pünktlich
zur Konzerteinführung im Opernhaus.
Ich finde es ist eine gute Idee des Opernhauses, daß man vor dem Konzert noch
ein bißchen Theorie mitbekommt. Das verkürzt die Wartezeit, wenn man zu zeitig
da ist und ist immer interessant. Diesmal erzählte uns der Dirigent Pavel
Baleff seine Gedanken zu La Traviata. Er hätte gar nicht so aufgeregt sein
müssen, ich fand er hat es wunderbar gemacht. Sehr gut hat mir gefallen, daß
er zwischendurch seine Erklärungen mit kurzen Beispielen am Klavier
verdeutlichte, welche ich auch nachher bei der Aufführung wiedererkannte.
Ich saß günstig, so daß ich seine Hände am Klavier sehen konnte und es hat
mich beeindruckt, wie schnell er spielte. Ich denke, ich würde die richtigen
Tasten noch nicht mal finden, wenn man mich mit der Nase drauf stülpen würde,
geschweige dann noch so schnell. Ja, das hat mich beeindruckt - und es
beeindrucken mich selten Männer, die auch noch jünger sind als ich. Ok, ist ja
nur ein Jahr, aber trotzdem....vielen Dank Herr Dirigent, sie waren großartig!
Fast
pünktlich 19.30 Uhr ging es dann los. Ich hatte diesmal wieder einen Platz in
meiner Lieblingsreihe. Aber ich sehe schon, ich muß wohl die Reihe eins zu
meiner Lieblingsreihe machen, denn leider sieht man in Reihe vier nichts mehr
vom Orchester. Der Orchestergraben war schon wieder so tief. Jaja, ich weiß ja,
daß es hier hauptsächlich um die Aufführung auf der Bühne geht, aber ein
bißchen vom Orchester könntet Ihr wirklich zeigen. Ich sehe die Geiger so
gern. Und diesmal hätte man wenigstens etwas gehabt um sich von dem
scheußlichen Bühnenbild abzulenken. Tut mir leid, aber das hat mir die ganze
schöne Stimmung verdorben. Vielleicht hat es ja dem Rest der Zuschauer
gefallen, mir jedenfalls nicht.
Den Anfang mit Violetta als junges Mädchen fand ich noch ganz gut. Die Musik
war wunderschön und die Kleine niedlich in ihrem hübschen Kleid, aber dann
ging der Vorhang hoch und es e
rschien ein überdimensionales Bett mit lauter Emanzen
in Business Kleidung. Man konnte sie kaum von den Herren unterscheiden. Ich kam
mir vor wie bei einer Managementsitzung. Die Stimmen allerdings waren wundervoll
und das Orchester spielte erstklassig. Ich war schon drauf und dran die Augen
zuschließen um diese grandiose Musik zu genießen und daß Bühnenbild zu
vergessen.
Romelia Lichtenstein, als Violetta Valery, sang wunderbar. Manchmal hatte
ich zwar den Eindruck, als wären ein paar "Patzer" dabei, aber ich
kann mich auch täuschen. Ich weiß, La Traviata ist schwer zu singen und ich
habe eigentlich auch keine Ahnung von solchen Dingen - somit kurz, ich fand es
sehr schön.
Ihr Kostüm gefiel mir nicht. Ich verstehe nicht, warum man Ihr nicht etwas,
für Ihre Figur Vorteilhafteres, gegeben hat. Schade, denn ich finde, sie ist
eine hübsche Frau. Aber das Problem mit dem Kostüm gab es nicht nur bei ihr.
Der schillernde Gürtel von Flora, ihrer Freundin, betonte auch nur ihren Bauch,
obwohl Daniela Strothmann eine sehr schlanke und elegante Frau ist. Ich denke,
man sollte auf so etwas achten. Das Kostüm der Putzfra
u war das Scheußlichste,
dann die alten Jeansklamotten im Garten...... ok, ich glaube, ich belasse es
damit. Mir steht ja nicht an hier zu meckern, aber das mußte ich nun mal los
werden. Ich als Zuschauer möchte doch auch gern etwas für das Auge, sonst kann
ich das nächste Mal ins Konzert gehen. Das Bühnenbild und die Kostüme
verdarben die ganze schöne Stimmung. Liebe und Leid kamen gar nicht richtig
rüber. Die Sänger sangen so wundervoll und der Chor ebenfalls, aber ich konnte
mich einfach nicht dieser wunderschönen Oper hingeben und mich in die Charaktere
vertiefen - ich hätte doch die Augen zu machen sollen.
Marc Heller, als Alfredo Germont, gefiel mir mit dem Trinkerlied am besten. Das
ist ja auch das Bekannteste in La Traviata und so erstklassig gesunden. Was für
eine wunderbare Melodie, Pavel Baleff und sein Orchester brachten sie wirklich
gut rüber. Ich hätte zu gern mitgesungen, aber dann hätten sie mich wahrscheinlich
vor die Tür gesetzt und nie wieder rein gelassen.
Die Fotografiererei zwischendurch auf der Bühne gefiel mir auch nicht. Soweit
ich weiß war Alfredo nicht bei der Presse, aber vielleicht sollte er uns auch
nur blenden um von dem Bühnenbild abzulenken?
Die Zuschauer klatschten nach jedem Bild und wenn die
Sänger nicht schnell genug waren noch zwischendurch.
Also ich kann mich erinnern, daß meine Großmutter immer sagte, man klatsch
t erst am Schluß - und das fände ich auch passender, denn dann
ist es nicht so störend. Naja immerhin lachten sie diesmal nicht dauernd. Es
gab allerdings auch keine lächerlichen Einlagen - vielen Dank dafür an die
Inszenierung !!!
Nach der "Bett" - Szene kam die Unkraut -
Szene.
Eigentlich stellt man sich beim 2. Akt ein schönes Landhaus mit herrlichem,
gepflegtem Garten vor, wohin Alfredo und Violetta sich zurückziehen um
glücklich zu sein - oh wie romantisch <seufz>. Und was bekommt man: Ein
IKEA Sofa im Unkraut mit schnarchender Violetta. Ok, das IKEA Sofa sah gut aus, passte
nur nicht so richtig zum darumstehenden Gestrüpp. Und Violetta schnarchte
natürlich nicht. Ihre Position war nur ein bißchen komisch, so daß man den
Eindruck hatte, als schliefe sie mit offenen Mund. Was ich nicht sehr
vorteilhaft fand.
Die Haushälterin saß im Fenster und schälte Äpfel, wobei sie die Schalen auf
den Fußboden fallen ließ. Das macht doch keine Dienerin. Letztendlich hat sie
die Arbeit und muß den Dreck wieder weg räumen. Aber vielleicht saß sie ja
auch auf einem Baum im Garten. Da bin ich mir nicht so ganz sicher, was es
darstellen sollte. Ich hätte mir in dieser Szene eher gedacht, daß Violetta
elegant auf einer schönen, weißen Gartenbank sitzt um sie herum gepflegter,
"französischer" Rasen, vielleicht ein paar Blumen und Ihre Dienerin
serviert Ihr Tee oder so ungefähr - aber wie gesagt, ich habe ja keine Ahnung
von solchen Dingen. Dieser Ökogarten und die Jeansklamotten nahmen der Szene
die ganze Eleganz und Romantik. Violetta und ihr "Garten" wirkten
einfach schäbig.
Dann kam der Teil als Alfredos Vater ihr seinen Sohn ausreden wollte. Ich hätte
sofort gedacht, daß der Landsitz nicht in der Nähe von Paris sondern in Italien
ist. Vielleicht möchte man dem Zuschauer weiß machen, daß Sizilien ein Vorort
von Paris ist? Jedenfalls sah der Papa nicht aus wie ein Kaufmann, sondern eher
wie ein Mafiosi mit seiner Sonnenbrille und dem Geldkoffer. Ich meine, auch wenn
sie italienisch singen muß doch nicht gleich die Mafia im Spiel sein?!?
So, ich glaube ich höre hier auf. Ich will nicht weiter
schimpfen. Tut mir leid, aber es ärgert mich sehr, daß man eine so schöne
Oper durch Bühnenbild und Kostüm so entstellen kann.
Ich finde aber, daß wegen der guten Musik, dem erstklassigen Orchester und der
wunderbaren Stimmen der Sänger sich ein Opernbesuch lohnt. Allerdings sollte
man besser die Augen zumachen.