Giuseppe Verdi (1813-1901)La Traviata - Giuseppe Verdi -

einer der größten Komponisten und eine der großartigsten Opern, die ich kenne. Aus diesem Grunde konnte ich natürlich die Aufführung im Opernhaus Halle nicht wieder verpassen. 
Ich war wie immer sehr neugierig darauf und habe mich, wie immer, um keine Kritiken vorher gekümmert. 

Diesmal war ich zu lange im Büro und mußte mich ganz schön beeilen um pünktlich zu erscheinen. Nur eine Stunde, zum Duschen, Haar waschen, Föhnen, Fingernägel lackieren, Schminken... etc. Das war wirklich eine Herausforderung, die Frau erst mal meistern muß. 
Die größte Herausforderung allerdings war, wie immer, die Suche nach einem Parkplatz. Ich mußte wiedermal fahren, da mein bester Kumpel Thomas nicht allzu gern in der Stadt fährt - tztztz. Normalerweise bekomme ich dafür ein Essen spendiert, aber diesmal fiel das ja leider flach, wegen der knappen Zeit. 
Es war ein ganz schönes Umhergekurve und die Straßen waren so was von voll. Wieso sind eigentlich immer alle unterwegs, wenn ich freie Bahn brauche?!? 
Thomas hielt sich schon immer die Augen zu und am Sitz fest. Nein! Normalerweise habe ich einen vernünftigen Fahrstiel, aber manchmal muß Frau eben zwischen den Autos hindurchmanövrieren und das so schnell wie möglich. Keine Sorge, das ist wie Walzer tanzen... einmal rechts herum, einmal links herum und keinen auf die Füße treten.... und ich fahre schon über 10 Jahre ohne einen Kratzer. Nein, noch nicht einmal die überall "beliebte" Heck-Pfahl-nicht gesehen-Einpark-Beule. Pavel Baleff *1970 (Quelle: Opernhaus Halle)

Nach ein bißchen Suchen habe ich auch wieder einen optimalen Parkplatz gefunden - in der Nähe des schon irgendwann mal erwähnten Griechen, der seit Neustem ein Inder ist. ... und siehe da, wir waren pünktlich zur Konzerteinführung im Opernhaus.
Ich finde es ist eine gute Idee des Opernhauses, daß man vor dem Konzert noch ein bißchen Theorie mitbekommt. Das verkürzt die Wartezeit, wenn man zu zeitig da ist und ist immer interessant. Diesmal erzählte uns der Dirigent Pavel Baleff seine Gedanken zu La Traviata. Er hätte gar nicht so aufgeregt sein müssen, ich fand er hat es wunderbar gemacht. Sehr gut hat mir gefallen, daß er zwischendurch seine Erklärungen mit kurzen Beispielen am Klavier verdeutlichte, welche ich auch nachher bei der Aufführung  wiedererkannte. 
Ich saß günstig, so daß ich seine Hände am Klavier sehen konnte und es hat mich beeindruckt, wie schnell er spielte. Ich denke, ich würde die richtigen Tasten noch nicht mal finden, wenn man mich mit der Nase drauf stülpen würde, geschweige dann noch so schnell. Ja, das hat mich beeindruckt - und es beeindrucken mich selten Männer, die auch noch jünger sind als ich. Ok, ist ja nur ein Jahr, aber trotzdem....vielen Dank Herr Dirigent, sie waren großartig!

Fast pünktlich 19.30 Uhr ging es dann los. Ich hatte diesmal wieder einen Platz in meiner Lieblingsreihe. Aber ich sehe schon, ich muß wohl die Reihe eins zu meiner Lieblingsreihe machen, denn leider sieht man in Reihe vier nichts mehr vom Orchester. Der Orchestergraben war schon wieder so tief. Jaja, ich weiß ja, daß es hier hauptsächlich um die Aufführung auf der Bühne geht, aber ein bißchen vom Orchester könntet Ihr wirklich zeigen. Ich sehe die Geiger so gern. Und diesmal hätte man wenigstens etwas gehabt um sich von dem scheußlichen Bühnenbild abzulenken. Tut mir leid, aber das hat mir die ganze schöne Stimmung verdorben. Vielleicht hat es ja dem Rest der Zuschauer gefallen, mir jedenfalls nicht.
Den Anfang mit Violetta als junges Mädchen fand ich noch ganz gut. Die Musik war wunderschön und die Kleine niedlich in ihrem hübschen Kleid, aber dann ging der Vorhang hoch und es eRomelia Lichtensein (Quelle: Opernhaus Halle)rschien ein überdimensionales Bett mit lauter Emanzen in Business Kleidung. Man konnte sie kaum von den Herren unterscheiden. Ich kam mir vor wie bei einer Managementsitzung. Die Stimmen allerdings waren wundervoll und das Orchester spielte erstklassig. Ich war schon drauf und dran die Augen zuschließen um diese grandiose Musik zu genießen und daß Bühnenbild zu vergessen. 
Romelia Lichtenstein, als Violetta Valery, sang wunderbar. Manchmal hatte ich zwar den Eindruck, als wären ein paar "Patzer" dabei, aber ich kann mich auch täuschen. Ich weiß, La Traviata ist schwer zu singen und ich habe eigentlich auch keine Ahnung von solchen Dingen - somit kurz, ich fand es sehr schön. 
Ihr Kostüm gefiel mir nicht. Ich verstehe nicht, warum man Ihr nicht etwas, für Ihre Figur Vorteilhafteres, gegeben hat. Schade, denn ich finde, sie ist eine hübsche Frau. Aber das Problem mit dem Kostüm gab es nicht nur bei ihr. Der schillernde Gürtel von Flora, ihrer Freundin, betonte auch nur ihren Bauch, obwohl Daniela Strothmann eine sehr schlanke und elegante Frau ist. Ich denke, man sollte auf so etwas achten. Das Kostüm der PutzfraVerdi Partituru war das Scheußlichste, dann die alten Jeansklamotten im Garten...... ok, ich glaube, ich belasse es damit. Mir steht ja nicht an hier zu meckern, aber das mußte ich nun mal los werden. Ich als Zuschauer möchte doch auch gern etwas für das Auge, sonst kann ich das nächste Mal ins Konzert gehen. Das Bühnenbild und die Kostüme verdarben die ganze schöne Stimmung. Liebe und Leid kamen gar nicht richtig rüber. Die Sänger sangen so wundervoll und der Chor ebenfalls, aber ich konnte mich einfach nicht dieser wunderschönen Oper hingeben und mich in die Charaktere vertiefen - ich hätte doch die Augen zu machen sollen. 
Marc Heller, als Alfredo Germont, gefiel mir mit dem Trinkerlied am besten. Das ist ja auch das Bekannteste in La Traviata und so erstklassig gesunden. Was für eine wunderbare Melodie, Pavel Baleff und sein Orchester brachten sie wirklich gut rüber. Ich hätte zu gern mitgesungen, aber dann hätten sie mich wahrscheinlich vor die Tür gesetzt und nie wieder rein gelassen. 
Die Fotografiererei zwischendurch auf der Bühne gefiel mir auch nicht. Soweit ich weiß war Alfredo nicht bei der Presse, aber vielleicht sollte er uns auch nur blenden um von dem Bühnenbild abzulenken?

Die Zuschauer klatschten nach jedem Bild und wenn die Sänger nicht schnell genug waren noch zwischendurch.  
Also ich kann mich erinnern, daß meine Großmutter immer sagte, man klatschMarc Heller (Quelle: Opernhaus Halle)t erst am Schluß  - und das fände ich auch passender, denn dann ist es nicht so störend. Naja immerhin lachten sie diesmal nicht dauernd. Es gab allerdings auch keine lächerlichen Einlagen - vielen Dank dafür an die Inszenierung !!!

Nach der "Bett" - Szene kam die Unkraut - Szene. 
Eigentlich stellt man sich beim 2. Akt ein schönes Landhaus mit herrlichem, gepflegtem Garten vor, wohin Alfredo und Violetta sich zurückziehen um glücklich zu sein - oh wie romantisch <seufz>. Und was bekommt man: Ein IKEA Sofa im Unkraut mit schnarchender Violetta. Ok, das IKEA Sofa sah gut aus, passte nur nicht so richtig zum darumstehenden Gestrüpp. Und Violetta schnarchte natürlich nicht. Ihre Position war nur ein bißchen komisch, so daß man den Eindruck hatte, als schliefe sie mit offenen Mund. Was ich nicht sehr vorteilhaft fand.
Die Haushälterin saß im Fenster und schälte Äpfel, wobei sie die Schalen auf den Fußboden fallen ließ. Das macht doch keine Dienerin. Letztendlich hat sie die Arbeit und muß den Dreck wieder weg räumen. Aber vielleicht saß sie ja auch auf einem Baum im Garten. Da bin ich mir nicht so ganz sicher, was es darstellen sollte. Ich hätte mir in dieser Szene eher gedacht, daß Violetta elegant auf einer schönen, weißen Gartenbank sitzt um sie herum gepflegter, "französischer" Rasen, vielleicht ein paar Blumen und Ihre Dienerin serviert Ihr Tee oder so ungefähr - aber wie gesagt, ich habe ja keine Ahnung von solchen Dingen. Dieser Ökogarten und die Jeansklamotten nahmen der Szene die ganze Eleganz und Romantik. Violetta und ihr "Garten" wirkten einfach schäbig. 
Dann kam der Teil als Alfredos Vater ihr seinen Sohn ausreden wollte. Ich hätte sofort gedacht, daß der Landsitz nicht in der Nähe von Paris sondern in Italien ist. Vielleicht möchte man dem Zuschauer weiß machen, daß Sizilien ein Vorort von Paris ist? Jedenfalls sah der Papa nicht aus wie ein Kaufmann, sondern eher wie ein Mafiosi mit seiner Sonnenbrille und dem Geldkoffer. Ich meine, auch wenn sie italienisch singen muß doch nicht gleich die Mafia im Spiel sein?!? 

So, ich glaube ich höre hier auf. Ich will nicht weiter schimpfen. Tut mir leid, aber es ärgert mich sehr, daß man eine so schöne Oper durch Bühnenbild und Kostüm so entstellen kann.
Ich finde aber, daß wegen der guten Musik, dem erstklassigen Orchester und der wunderbaren Stimmen der Sänger sich ein Opernbesuch lohnt. Allerdings sollte man besser die Augen zumachen.

Eure Jana