Und es leuchteten die Sterne ...

 

 

.... und es duftete die Erde

... es knarrte die Gartentür

... und Schritte streifen über den Sand.

Sie trat ein, duftend, sank mir in die Arme.

Oh! Süße Küsse, o sehnsüchtiges Kosen,

indes ich bebend den schönen Körper enthüllte!

 

Für immer ist mein Liebestraum verflogen ...

Die Stunde ist vorbei und ich sterbe verzweifelt! ...

Und hab das Leben niemals so sehr geliebt!

 

 

... und ich liebe Puccini für diese wunderbare Oper! Für mich ist "Tosca" die Vollendung. Diese Oper ist einfach wunderschön - seufz - Ich sitze nun hier, gemütlich im Kerzenschein mit einem Glas Rotwein und lausche den Arien ... einfach herrlich ... Giacomo Puccini 1858-1924 (Quelle: Programm der Staatsoper Hamburg) ein wirklicher Genuß ... man möchte den Kopf zurück lehnen, die Augen schließen und einfach nur dieser wunderbaren Musik lauschen ... tja, aber so ein Bericht tippt sich nun mal nicht von allein und irgendwie spüre ich das Verlangen einen über mein letztes Wochenende zu schreiben ;-)

 

 

Gestern Abend bin ich von Hamburg nach Hause gekommen. Die Autobahn war schön leer, so daß ich wieder mit meinen 200 km/h wunderbar durch die Dunkelheit düsen konnte. Jaja, ich weiß, daß 130 km/h die Richtgeschwindigkeit ist (blaues Schild mit weißer Zahl drin - oder so), aber wenn die Autobahn schön leer ist, macht es mir einfach Spaß auf's Gas zu treten, auch wenn man letztendlich nicht viel schneller am Ziel ist.

Es war ein herrliches Gefühl, um mich herum stock finstere Nacht, die Fahrbahn war schwarz und kaum zu erkennen. Nur die Leuchtstreifen gaben schillernd das Licht meiner Scheinwerfer wieder. Man sah die Umrisse der Bäume am Straßenrand vorbeijagen und ein paar rote Lichter der vor mir fahrenden Autos leuchteten mich an. Was für ein wunderschönes Rot und dann Brahms 1. Klavierkonzert im CD Player - wow! Das ist fast wie Sex - Da steigen Frau so manch schöne Gedanken in den Kopf....

 

 

 ... ich schaue ihm in die Augen und lege meine Finger auf seinen Mund "... psst die Musik ... " und langsam lasse ich sie übers sein Kinn zum Hals hinunter gleiten bis zum Hemd. Die ersten beiden Knöpfe sind schon offen, ich nehme den Dritten, und den Vierten, den Fünften ... meine Finger gleiten über Brust zu den Rippen ... zum Bauch... und bleiben am Hodenbund hängen ... dann kam der dritte Satz und ich wurde wieder aus meinen Gedanken gerüttelt. Verrückt, was Frau da manchmal so in den Kopf steigt.  ...  ich meine, hat das schon mal jemand probiert? Sex und Brahms? ;-)

 

Der Anlaß des diesmaligen Hamburgaufenthaltes war also Puccinis "Tosca" in der Hamburger Staatsoper. "Tosca" habe ich noch nie gesehen und als ich im Netz so auf der Suche war, checkte ich natürlich auch Hamburg ab. Das geht jetzt prima, denn Frau hat ja nun eine Bleibe dort. Sofort fiel mir "Tosca" ins Auge. Blöd war nur, daß sie schon am Freitag war. Nagut, einmal kann Frau ja in Halle ein bißchen zeitiger Feierabend machen, damit sie es pünktlich 19:30 Uhr zur Oper nach Hamburg schafft.... soweit so gut, das hätte auch wunderbar geklappt. Meine Kalkulationen waren erstklassig und hatten auch schon einen Stau eingeplant - normalerweise gibt es nie Staus, wenn ich fahre - aber da habe ich ja auch immer Zeit. Am Freitag wollte ich pünktlich sein und peng, 80 km vor Hamburg lief nichts mehr. Aber egal, es war 15:30 Uhr und es war noch genügend Zeit. Dann gibt es zwar kein Dinner vor der Oper, aber macht nix, man muß ja nicht immer soviel essen, das macht nur fett.

Ich war gelassen und mit Mahlers Erste konnte mir auch kein Stau etwas anhaben. Ab und zu ruckte es ein Stück weiter, aber da es mir doch arg langsam ging, schaltete ich erst mal den Verkehrsfunk ein. Mal sehen, was da los ist. Normalerweise habe ich den nie an, da er meine schöne Musik stört - ich stehe ja sonst auch nie im Stau. "Gefahrguttransport umgekippt - Vollsperrung auf der A 24 - 10 km Stau - Umleitung über Hagenow." Na wunderbar! Damit hätten wir einen Volltreffer gelandet. Also wenn schon, dann richtig. Für 3 km hätte ich jetzt schon mal eine Stunde geraucht und meine Hochrechnungen machten mich jetzt doch ein wenig kribbelig. 17:30 Uhr sah ich dann aber Gott sei Dank schon von Weitem das orange Blinken des Umleitungsschildes. Naiv, wie Frau so ist, dachte ich natürlich, noch 1/2 h bis zum Schild, das wäre dann 18:00 Uhr und dann jipiii und ich müßte 19:00 Uhr in Hamburg sein - dann gibt es zwar kein Abends-Ausgeh-Outfit und rote Lippen, aber "Tosca" ist noch zu schaffen. 18:00 Uhr war ich auch ungefähr am Schild und dann.... von wegen freie Fahrt. Alsdann quälte sich eine riesige Blechlawine von einer Ampel in Hagenow zur Andren - das war das Aus für "Tosca" und ich war sauer. Da freut man sich die ganze Woche auf diese wunderschöne Oper und dann so etwas. Hätte der Stau nicht passieren können, wenn wir Samstags in die Oper gehen? ... und jetzt ist auch noch der Tank leer. Ich schleppte mich noch mit dem letzten Tropfen zu nächsten Tankstelle, wie ein paar andere auch, tankte für wahnsinnige 1,17 EUR pro Liter, was mich nicht gerade milder stimmte und tuckerte weiter in der Schlange Richtung Hamburg. 'Bye bye Tosca' dachte ich mir, 'aber heulen hilft jetzt auch nichts'. Die Tränen meiner Seele begannen zu trocknen und die Straße wurde immer leerer. Es dauerte keine 5 Minuten und ich konnte auf's Gas treten. Ab dann lief es wie geschmiert. Wieder auf der A 24 konnte ich, bis auf die Baustelle, mit 200 km/h durchdüsen und so war ich 19:45 Uhr bei Freundin Uli an der alten Wöhr. In 10 min umgezogen, Haare hochgesteckt, etwas Lippenstift und ab zur Oper, bis 19:30 Uhr ist Pause und 19:25 Uhr saßen wir auf unseren supertollen Plätzen, völlig außer Atem, aber glücklich es noch zu Akt 3 und 4 geschafft zu haben.
Tja Leute und somit kann ich Euch jetzt auch nur etwas zu dem Geschehen nach der Pause berichten. ABER! Die Hetzerei hat sich letztendlich doch noch gelohnt. Wir hätten wirklich etwas verpaßt.

Und was hat Frau wieder dabei gelernt? - Sie sollte nicht am Freitag in die Oper gehen, wenn sie bis dort hin noch mehr als 400 km Autobahn fahren muß.

 

Die Oper füllte sich langsam wieder, aber leider waren die bequemen Plätze nicht alle besetzt. Sieht so aus, als geht es Hamburg auch nicht besser als Halle oder Leipzig.

Naja, das Bühnenbild fand ich nun nicht so toll. Es war eine Bretterbühne und ein gedecktes Tischchen zu sehen. In der Ecke stand ein Bild der Tosca, aber sonst war es ziemlich leer auf der Bühne. Da gefiel es mir das letzte Mal zu "La Traviata" bedeutend besser.

Man konnte nicht erkennen, daß es Nacht war und das wir uns eigentlich in einer Villa befanden. Das Bühnenbild deutete eher auf eine Absteige über irgendeiner Bühne hin.

"Ich begehre. Und was ich begehre verfolge ich, sättige mich daran und werf es weg, neuer Speise zugewandt. Gott schuf verschiedene Reize, verschiedene Weine. Ich will genießen, soviel ich kann, von der göttlichen Schöpfung!" Scarpia begehrt Tosca, aber diese liebt Cavararossi den Mahler. Scarpia interessiert das nicht, er will Tosca besitzen und um das zu erreichen benutzt er seine Macht.

Spoletta, sein Polizeiagent, sollte den flüchtigen Angelotti aufspüren. Wir haben ihn leider mit dem ersten Akt verpaßt - schade, hätte gern mal Alexander Tsymbalyuk kennengelernt. Wäre interessant zu wissen, ob der auch so gut ist, wie die anderen Akteure. Alberto Cupido als Cavaradossi und Franz Grundheber als Scarpia fand ich jedenfalls super. Aber am allerbesten gefiel mir Olga Romanko als Tosca. Sie hat wirklich eine geniale Stimme. Die Arie die sie im 3. Akt sang war spitze. Ich würde fast sagen, die steckte die Männer noch in den Sack.

 

Programm zu Tosca (Staatsoper Hamburg)Spoletta hat den Burschen natürlich nicht finden können, was seinen Herren und Meister ziemlich sauer machte. Um die Prügel ein wenig abzumildern bringt Spoletta den Mahler Cavaradossi ins Spiel und will ihm Verrat in die Schuhe schieben. Scarpia hat schon lange ein eifersüchtiges Auge auf ihn geworfen und nutzt somit die Gunst der Stunde. Er läßt Cavaradossi im Beisein von Tosca vorführen. Diese ist natürlich in den Mahler verliebt, was Scarpia noch verrückter macht. Er spielt seine Macht aus und läßt beide dafür bluten.

Cavaradossi hält natürlich den Flüchtigen versteckt, aber leugnet die Tat und lacht Scarpia ins Gesicht. Der läßt ihn dafür foltern und bringt Tosca damit an den Rand der Verzweiflung. Scarpia meint zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Er will Toscas Liebe und bietet dafür das Leben des Mahlers. Tosca fleht und bettelt, kommt aber nicht dagegen an und willigt letztendlich ein - i gitt. Arme Frau, kann gar nichts dafür, daß sie zwischen die Fronten geraten ist und das sich Scarpia ausgerechnet in sie verliebt und sie somit auch besitzen will.

Sie bringt Scarpia dazu, ihr und Cavaradossi freies Geleit zu unterzeichnen, bevor er sie besitzen kann. Dann bringt sie ihn mit einem Dolch um, was er auch verdient hat, zieht sich wieder an und geht. Der Abgang war klasse dargestellt, fand ich. Die Lichteffekte durch die Tür, durch die sie verschwand waren super gemacht. Ja, das hat mir gefallen. Ich fand, die Beleuchtung war im allgemeinen super gemacht.

 

Die Szene, wo Cavaradossi, durch die Folter ohnmächtig, zu Tosca gebracht wurde, fand ich nicht so gut dargestellt. Da war für meine Begriffe zu wenig Gefühl dabei. Jedenfalls kam es nicht so richtig bei mir an. Sie hätten das mit dem Sofa drin lassen sollen und ihn nicht auf die Erde legen dürfen. Ich denke, Scarpia war da stilvoller. Die Einrichtung seiner Villa war einfach zu spärlich. Nur ein Tisch mit Stuhl und das Bild ist für meine Begriffe nicht ausreichen. Mit einem Sofa läßt sich da besser arbeiten. Sie hätte sich zu ihm setzen können, daß Blut aus dem Gesicht wischen, was ja eigentlich durch den Stachelring um die Schläfen hätte da sein müssen und sich viel mehr kümmern können. Das Sofa würde eleganter wirken und die Perspektive für die Zuschauer wäre auch besser gewesen. Normalerweise wecken solche Szenen immer ungeheures Mitgefühl in mir, aber da passierte nichts. Die ganze Sache kam einfach nicht so richtig rüber. Die Sofa Szene hätte sein müssen. Auch als er erfährt, daß Tosca den Aufenthalt Angelottis verraten hat und sich gegen sie wehren will, was natürlich nicht gelingt, da er viel zu schwach ist, war nicht so gut gemacht. Nach so einer Folter kann er doch nicht noch laufen und sie von sich stoßen. Nein, das gefiel mir nicht.

 

Die Handlung nimmt ihren Lauf und sie Szenen werden immer trauriger. Cavaradossi betrauert seine Lage und hat Sehnsucht nach seiner Tosca. Die Arie war auch klasse - seufz - da kommen Frau fast immer die Tränen. Und dann taucht Tosca im Kerker auf und zeigt ihm den Passierschein in ein glückliches gemeinsames Leben. Diese Szene gefiel mir wieder gut. Da kam sogar ein bißchen Erotik rüber und alles schien in Ordnung. Sie bereitete ihn auf seine vorgetäuschte Hinrichtung vor, was mit Scarpia ja abgesprochen war und der Zuschauer ahnt schon, was passieren wird. Ja, und so passiert es auch. Natürlich hätte Scarpia nie klein bei gegeben und die beiden laufen lassen. Also war die vorgetäuschte Hinrichtung doch nicht vorgetäuscht und Tosca verliert ihren Geliebten und ich einige Tränen. Warum muß das immer alles so traurig enden? Und um dem Ganzen noch einen Drauf zu geben und weil es von der Handlung her gar nicht anders kommen konnte, läßt Puccini den Tod Scarpias entdecken und Tosca kann nur noch mit einen Sprung in den Tod entkommen ....

 

Ja, eine wunderschöne Oper und hier in Hamburg auch super gesungen. Am liebsten würde ich sie mir gleich noch einmal ansehen. Aber für diesen Abend waren wir erst mal zufrieden und hatten nur noch das Bedürfnis etwas zu essen zu bekommen. Glücklicherweise hatte das chinesische Restaurant, was uns das letzte Mal so begeisterte, noch offen und wir bekamen von sehr freundlichen und zuvorkommenden Obern noch ein exquisites Dinner serviert.

 

 

 

Eure Jana

 

 

Triumphierend,

neuer Hoffnung,

erbebt die Seele

in göttlicher,

wachsender Glut.

Und in gemeinsamen Flug

steigt sie schon

zum Liebesrausch auf.