... und diesmal tanzte Dessau im Rampenlicht, so dass selbst ich mich nicht dem Fieber entziehen konnte. Nein, ich spreche nicht von London, Wien, Zürich.... Nein, Ihr habt schon richtig gelesen, diesmal verbrachte ich ein verlängertes Wochenende in Dessau. Ganz zu Ehren eines der bedeutendsten Komponisten der klassischen Moderne, wie Herr Birnbaum, der Intendant des Kurt Weill Festes Dessau so schön erklärte, und ganz zu meinem Vergnügen. 

Ich liebe den Tanz des Lebens. Es ist immer wieder interessant wohin einen die Musik trägt und welche Möglichkeiten sich einen bieten und diesmal bot sich mir die Möglichkeit das Kurt-Weill-Fest in vollen Zügen zu genießen, von der Werkeinführung zum diesmaligen Highlight "Tango Palast" über der Eröffnung der Kurt Weill Ausstellung im Dessauer Rathauscenter bis hin zum Erleuchteten Berlin und ich tanzte diesen Tanz natürlich mit Freuden mit.

Anhaltisches Theater Dessau - März 2007

Die Ereignisse, die mich dieses Wochenende so herrlich genießen ließen begannen also eigentlich schon eine Woche früher mit der Werkeinführung zum neuesten Dessauer Streich, dem "Tango Palast".

Wer dieses Werk jetzt im Weillschen Repertoire sucht, wird bei oberflächlichen Hinsehen in der Finsternis umhertappen. Selbst beim genauen Hinsehen wird die Finsternis nicht sehr viel heller und das Licht am Ende des Tunnel verschwimmt zu einem grauen Brei undeutlicher Fragmente wohlklingender und irgendwie bekannter Melodien. Keine Frage, das klingt nach Brecht und Weill und nach der Nostalgie der 20er oder 30er Jahre. Das klingt nach Dreigroschenhymnen, nach Happy Ends in der Wüste des Vergnügens und das klingt auch nach amerikanischen Straßenszenen, nach Bauhaus und Kultur vom Feinsten. Das klingt einfach nach einem richtig gutem Wochenende.

 

Es ist diesmal also keine Weill Oper, die uns das Kurt-Weill Fest beschert, sondern ein Tango durch alle weillschen und ähnlichen Register und das Umgesetzt als Ballett. Also nicht das einzige Ballett, das Kurt Weill in seinem Leben geschrieben hat, sondern ein Sammelsurium aus den verschiedensten Tangomelodien in einer Choreografie der Gregor Seyffert Compagnie. Dies Fest des Tanzes thront alles sagend und ohne Zweifel dann auch mit dem Slogan "Weill getanzt" über Dessaus Theaterhimmel als leuchtender Stern des Erfolges mit der Erklärung, daß Weill in seinen Werken sehr viel dieses wundervollen Rhythmus verarbeitet hat. Aha, dieser Stern bringt also Licht in die Finsternis. Suchen wir also nicht nach einem Operntitel, sondern suchen wir nach Tangomelodien im Weillschen Repertoire und siehe da, selbst ich als Laie werde fündig.

Die Tango Ballade der Dreigroschenoper ist mir sehr gut bekannt und hier der Einstieg in eine wunderbare Zeitreise durch einen getanzten Weill..... ok, mit ein paar Abstechern ins Astor Piazzolla Universum.

 

Den ersten Eindruck zum Stück bekam ich also zur Werkeinführung, im Übrigen meine Erste, am Anhaltischen Theaters Dessau auf der Probebühne desselben. 

Es war schon sehr spannend das Theater mal von für den Zuschauer hinten zu sehen und eine Herausforderung mit den anderen Interessierten die Stufen bis zum 4. Stock zu erklettern und noch einen der knappen Plätze zu ergattern. Ganz allein den Umstand meines alleinigen Erscheinens war es zu verdanken, daß ich noch einen der begehrten Plätze in den vordersten Reihen besetzen konnte.

Gregor Seyffert & Compagnie - Tango Palast - Anhaltisches Theater Dessau - Kurt Weill Fest 2007Der ziemlich große Raum der Probebühne war voll gestopft mit interessiertem Publikum, so daß es kaum noch Platz für die Tänzer gab. Eine gemütliche Runde also.

Ich weiß nicht, ob das Theater so viele Interessenten erwartete, aber ich denke, geplant war dieser große Ansturm nicht, denn es mussten noch etliche weitere Stuhlreihen angebaut werden, so dass wenigstes 90% der Damen und Herren Ballettneugierigen bestuhlt war. Es war ein Genuss die Organisation zu beobachten und die Freude der Menschen an diesem Sonntag Morgen so nah am Geschehen zu sein um ein bisschen interne Theaterluft zu schnuppern. Das Spektrum war genau wie die Weillsche Musik breit gefächert, von ganz jung bis ganz alt, waren alle Interessengruppen vertreten und alle warteten voller Spannung auf die Damen und Herren, die die Einführung gestalten sollten.

Die Damen und Herren betraten auch alsdann die steinigen Bretter der Probebühne und nahmen gut sichtbar auf ihren dafür vorgesehenen Plätzen platz. Kurze Vorstellung und Einführung ins Geschehen durch (er hat seinen Namen leider nicht genannt) und schon wurde Weill getanzt.

Die "skurrilen Persönlichkeiten, die den Tango lieben"** zeigten dies mit Bravour nach einer kurzen Einführung der Herren und Damen vom Podium: Gregor Seyffert als Choreograph + Regisseur, Mathias Wulff für das Bühnenbild, Gabriele Kortmann für die hübschen futuristischen Kostüme, Clements Birnbaum als Intendant des Kurt Weill Festes Dessau und Michael Pregler aus der Tonabteilung des ATD für das Soundkonzept des Abends.

Da ich ziemlich nah am Geschehen saß, konnte ich mir nicht nur die hervorragenden Tanzfähigkeiten der Tänzer anschauen, sondern auch die Gesichter und Mimiken beobachten.

Es war interessant zu sehen, wie viele  verschiedene Charaktere Gregor Seyffert für sein Team ausgesucht hat. Jeder einzelne Charakter mit seinem Gesicht dazu, passte exzellent zu seiner Rolle. Normalerweise bekommt man das als Zuschauer durch Maske und Abstand ja nicht so wirklich mit, aber hier konnte ich genau sehen, wie vortrefflich alles harmonierte. Genau so hätte auch ich die Charaktere ihren Rollen zugeordnet. Das war einfach brillant und ich war schon überwältigt von soviel Präzision, geschweige denn von der Präzision des Tanzes den die Damen und Herren uns sonst noch so mit Leichtigkeit darboten. Ich habe ja schon des Öfteren erklärt, daß ich kein Ballett-Fan bin, aber das hier lässt mich fast zu einem werden. Auf alle Fälle ließ es schon mal eine gewisse Neugierde auf das Stück in mir hochsteigen.

Die gute Stunde an diesem Sonntag morgen ward also schon mal sinnvoll verbracht und ich fuhr zufrieden und in Vorfreude auf das kommende Ereignis und mein Frühstück nach Halle zurück.

 

Rathauscenter - Kurt-Weill-Fest Dessau 2007Am Freitag morgen folgte ich dann wieder dem Kulturpfad nach Dessau und landete als erstes im Rathauscenter, der Shoppingmeile der Stadt, und schon wieder war ich beeindruckt. Nicht im Traum hätte ich vermutet, daß Dessau solch einen Einkaufspalast gleich um die Ecke hat und dabei kenne ich so gut wie jeden davon im halleschen Umkreis, der sich gut und gern auch mal bis nach Berlin, Hamburg und Leipzig erstreckt.

Über die Abfahrt Dessau Süd von der A9 aus, gelangte ich bequem und durch sehr gute Ausschilderung über Dessau Süd und Umgehungsstraße direkt ins Parkhaus des Giganten. Leider und in Anbetracht meines etwas späten Ankommens konnte ich nicht mehr durch die vielen interessanten Geschäfte bummeln, sondern musste mich sofort auf den Weg machen die Kurt Weill Ausstellung zu suchen, damit ich wenigstens noch etwas von der Eröffnungsveranstaltung mitbekommen konnte. 

Der Infostand unten in der Halle half mir damit auch sehr gut weiter. Endlich!!! Endlich mal ein Kaufhaus, das den Service anbietet, jemanden fragen zu können, wenn man bestimmte Geschäfte oder Ähnliches nicht findet. Das ist eine sehr gute Idee, Frau Röske, und ich hoffe, der steht nicht nur da, wenn Kurt Weill mit Anhang durch Dessau tourt. 

Der Herr an der Theke erklärte mir freundlich, wo ich das gesuchte Karstadt Restaurant finde und ich fand es gaaaaanz hinten in der Ecke. Dort fand ich dann auch die kleine Ausstellung mit Eröffnungspublikum und -podium.

Die hübsche junge Managerin des Centers, Daniela Röske, führte kompetent in das Geschehen ein und übergab das Mikro für das restliche Geschehen an Hubert Ernst, den Präsidenten der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V.

Die Ausstellung hat sich die "Dreigroschenoper", das wohMeine Schellackplatte zur Seeräuber Jenny mit Lotte Lenya!l bekannteste weillsche Werk zum Thema genommen und führte uns mit hübscher Dekoration und mit Liebe ausgesuchten Accessoires, leider aber ein bisschen versteckt dort oben in der "Abstellkammer" des Karstadt Warenhauses, durch die Ära des berühmten Stückes. Ein kleines Highlight, was ich eine sehr gute Idee fand, war die Vorführung des 1930er Filmklassikers von Georg W. Pabst zum Thema. Ich saß später noch eine ganze Weile auf der schönen Bauhauscouch und ließ mich von der alten Interpretation bezaubern, die doch schon sehr arg von den Neueren abweicht. Ich schaute zu und wünschte mir, daß das Dessauer Theater doch vielleicht diese "Dreigroschenoper" mal wieder auf sein Programm nehmen würde. So ein schönes Teil, so ein Kassenrenner und nirgends wird es gespielt. Man kann da als Zuschauer schon echt verzweifeln. Naja, dafür kann man sich Don Giovanni, die Zauberflöte, Boris Godunow, Romeo & Julia, Hexe Hillary ..... in sämtlichen verschiedenen Fassetten überall zur selben Zeit anschauen. Jaja, ich weiß ja, daß das auch Kassenrenner sind, aber könnt Ihr nicht mal eine Ausnahme machen und von den Spielplänen der anderen Häuser ein wenig abweichen?

Aber gut, ich will ja nicht immer nur meckern, sondern folge viel lieber dem dargebotenen Filmchen, was ja immer hin besser als gar nix ist.

Schon bei der Einführungsrunde durch Clements Birnbaum und seinen wissenswerten Ausführungen zu den einzelnen Vitrinen, lauschte ich mit einem Ohr genussvoll den Klängen aus dem Lautsprecher und die Seeräuber Jenny versetzte mich in heimlich nostalgisches Schwärmen.

Jetzt sitze ich gemütlich im Wohnzimmer und neben mir vom Grammophon singt Lotte Lenya genau den selben Song und versetzt mich zurück in alte Zeiten. Ein schönes Gefühl und genau dieses Gefühl überkam mich auch bei diesem Film und begleitete mich durch das ganze Wochenende hindurch. Dessau, mit seinem Theater und dem Bauhaus ist einfach wie geschaffen dafür und das Kurt Weill Fest ist ein sehr schöner Anlass sich darin versinken zu lassen.

 

ESteigenberger Dessau - März 2007in Blick aus dem Karstadtfenster ließ eine schöne Dekoration von Außen erkennen, eine hübsche Reklame für Dessau und ich finde ein gutes Stadtmarketing für so eine doch so gebeutelte Stadt, die vom Kulturmekka und Bauhausmittelpunkt durch Krieg und Sozialismus zur unbedeutenden Provinzstadt verkam. Es freut mich zu sehen, daß sie sich jetzt ganz langsam wieder zu einem wenigstens für Kunstliebhaber attraktiven Ausflugsziel hocharbeitet.

Die Dekoration ist gut gewählt und die Ausstellung eigentlich so interessant, dass man sie sich ruhig während eines Einkaufsbummels ansehen kann. Es war nett Herrn Landgraf, den Verwaltungsdirektor vom Anhaltischen Theater, als einen der ersten Gäste in diesen heil'gen Hallen sehen zu dürfen.

In den heil'gen Hallen der Dessauer Theatergeschichte fand ja immerhin die dritte Aufführung nach der Uraufführung statt, so kurz nach Berlin und Wien..... tja, Kulturmekka eben.

Mit dem Kurt Weill Fest zieht Dessau wieder die Aufmerksamkeit der Welt auf sich. Jedes Jahr ein klein wenig mehr und in diesem Jahr mit sage und schreibe 9 000 verkauften Karten, was ca. 90% Besucherauslastung bedeutet. Es freute mich sehr zu hören, daß sich nicht nur das Land Sachsen-Anhalt als Geldgeber beteiligt, sondern auch große Verbundpartner wie die Sparkassen Finanzgruppe und die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt. Es ist schön zu hören, daß wenigstens ein bisschen Geld, was man in diese Institutionen investiert, wieder und auf angenehme Weise zu einem zurück kommt.... und ich meine die NORD/LB nicht nur in diesem Zusammenhang als Sponsor schon einmal gehört zu haben und folgenden schönen und wahren Satz möchte ich aus Dr. Jürgen Allerkamps (Mitglied des Vorstandes der NORD/LB) für meinen kleinen Bericht missbrauchen: "Das [Kurt Weill Fest] ist nicht nur für Musikliebhaber, Musikwissenschaftler und Musiker selbst eine stets erneute kulturelle wie intellektuelle Herausforderung, sondern vor allem für die Bürger Dessaus und der Umgebung, aber auch für die vielen auswärtigen Gäste ein enormer Gewinn." Vielen Dank an die NORD/LB und an alle anderen der vielen Sponsoren, dass Sie uns dWassily - Dessau März 2007iese kulturelle und intellektuelle Herausforderung erleben lassen und uns nicht durch Sparmaßnahmen, wie es ja zur Zeit und im Allgemeinen so üblich ist, zwingen, unser kulturelles und intellektuelles Niveau soweit herunterzuschrauben, das wir es ertragen können dieses vorm Fernseher und in diversen Diskotheken versacken zu lassen.

 

Da ich an diesem Tag noch kein Frühstück hatte und ich auch nicht wollte, daß mein Magenknurren die Vorstellung am Abend stört, beschlossen ich und Kumpeline Uli, die wegen dem Kurt-Weill-Fest extra aus Hamburg (soviel zu den auswärtigen Gästen) angereist ist, um die Ecke bei Wassily einen Happen zu essen. Wir übernachteten zwar im Steigenberger, aber wie wir durch die Vergangenheit schon des Öfteren lernten, haben die nie etwas, wenn wir Hunger haben. Also versuchten wir es diesmal und später gar nicht erst dort, sondern suchten uns gleich ein anderes Etablissement um unsere Gelüste zu befriedigen - bezüglich des knurrenden Magens ... nur falls hier einer ob meiner Satzwahl etwas anderes vermuten sollte.

Wassily ist eine nettes kleines Bistro in der Kavalierstraße (für Auswärtige: gleich bei der Post über die Ampel) mit netten und ganz gut schmeckenden Speisen UND! mit überaus hervorragend schmeckenden selbstgebackenen Kuchen! Der Kuchen ist unbedingt zu empfehlen und unbedingt zu kosten, wenn man sich in Dessau befindet. Ich habe die Bäckerin persönlich kennen gelernt und ihr Kuchen überzeugt selbst meinen sonst Kuchenverschmähenden Gaumen.

Mit dieser hervorragenden Stärkung waren wir gut prepared für diesen noch lang werdenden Abend und zogen und in unser Domizil mit sehr gutem Zimmer zurück.

 

Ein paar Schritte über die Straße, hinein ins Theater, die Treppen hinauf zur Eröffnungsveranstaltung und erschrocken stehen bleibend, geschockt bei soviel politischem Interesse. Unglaublich! Da sieht man Leute, die sonst noch nie in ihrem Leben im Anhaltischen Theater zu Gast waren.

 

Es freute mich unsere neue Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados, mit Fuchsimitat um den Hals, zu sehen. Ich hoffe doch, daß das ein Imitat war, denn sonst wäre das für einen Politiker doch recht gewagt, würde ich sagen. Das graue Kerlchen hat schon ganz schön die Zähne gefletscht.... und Herr Prof. Dr. Böhmer war auch da, aber der musste ja, denn er hat ein Grußwort gesprochen. Die Botschafter und Schirmherren schickten wie immer ihre Vertretung, die auch ein Grußwort gesprochen hat und zwischendurch tanzte zu den Grußwörtern das Duo Stravaganza in Person von Ulrike Schladebach und Stephan Wiesner zu diversen Tangomelodien. Wir zogen es diesmal vor bei einem Gläschen Wein und einem Schwätzchen mit nettem Ober zu Tischreservierungen in der Theaterkantine auf das kommende Ereignis zu warten und blieben somit nicht bis zum Schluss der Eröffnungsveranstaltung.

 

Gregor Seyffert & Compagnie - Tango Palast - Anhaltisches Theater Dessau - Kurt Weill Fest 2007Das Ereignis kam rasch und überzeugte vom ersten Schritt des etwas verstaubten Gustav (Gregor Seyffert) auf leerer, aber wie sich später herausstellte, hervorragender Bühne. Allerdings hatte ich das nach der hervorragenden Werkeinführung des letzten Wochenendes auch nicht anders erwartet.

 

Gustav schwelgt in Erinnerungen an bessere Zeiten und versucht sich mit Hilfe eines roten Grammophons (da isses wieder :-) in Diese hineinzuversetzen um ein bisschen zu Träumen bevor er seinen Laden für den Publikumsverkehr frei gibt. Kurt Weills Tango Ballade ertönt aus dem Trichter..... und spielt und spielt und spielt.... tja, das muß wirklich ein phantastisches Grammophon gewesen sein, was er da hatte. Ich bei meinem muß dauernd die Feder mit Hilfe der Kurbel aufziehen und fortwährend die Nadel wechseln. Wir wissen ja, wie rasend schnell sich diese abnutzen und die Töne sind dann nicht mehr so schön klar in dieser einzigartigen Klangqualität. Jaja, ich weiß, ich bin wieder pingelig, aber dieser Gustav hat es da auch viel besser, sein Grammophon läuft wie von Geisterhand und was noch besser war, er hatte seine Band gleich unter dem Fußboden. Also wenn die Feder nachlässt, hat er die Damen und Herren unter Leitung von Lothar Hensel sehr schnell mit ein paar Handgriffen aus dem Keller hervorgezaubert und die spielen dann im wunderschönen Tangotakt als Begleitung für die folgenden tänzerischen Darbietungen. Hervorragende Inszenierung, Herr Seyffert! Sehr gut ausgedacht. So was hätte ich auch gern im Keller.

Die Musik schmettert durch den Saal und die Tänzer agieren passend zur Musik und zu ihren Charakteren mit wunderbar, treffenden Kostümen und vor allem Frisuren - super gemacht Frau Kortmann.

Ein Tanzfest der Sinne wurde uns hier geboten und ich genoss es in vollen Zügen. Gregor Seyffert führte uns durch "die Veränderungen, die sich bei der Interpretation über einen Zeitraum von 80 Jahren Tangogeschichte zwangsläufig einstellten."*** und ich ließ mich durch diesen wunderbaren Tanzpalast von ihm führen. Die Vorstellung der einzelnen Charaktere war brillant, überhaupt den Rollen feste Charakteren zuzuschreiben war brillant.

Da waren die etwas naive und altbackene Burgunde Walz-Schlüpp (Aureline Guillot), die coole Aqua Oc. (Gabriele Rolle), die Zwillinge Anaiis Enortuz und Inaiis Enortuz (Gemma Poulton und Marie-Luise Kastler), die Figur ohne Gesicht, Neutrinus Zero (Mu-Yi Chen), die fesche Blu Lulu (Sandra Resende) und die etwas schrille Helly B. Lau (Denise Gregor Seyffert & Compagnie - Tango Palast - Anhaltisches Theater Dessau - Kurt Weill Fest 2007 Churchward) - meine Güte, wer denkt sich solche Namen aus???? Ich tippe hier schon Achten in meine Finger!

Die Herren im Bunde waren der etwas steife General Rott Hack (Alexander Mateev), der spießige Monte Cobald zu Azur (Enrico Palvarini), der Kerl mit den Palmen auf dem Kopf - immer und überall gut zu erkennen, D'Red Marredcho (Noala DeAquino), der  verspielte G.G. Grien (Andre Baeta) und das verrückte, ich sage jetzt mal Küken, wie niedlich, Dottrich Kück Egg (Sascha Pieper) - also die Namen sind wirklich herrlich gewählt. Gregor Seyffert selbst verkörperte den etwas dümmlich naiv erscheinenden Gustav.

Die Kostüme waren passend und die Figuren blieben sich treu. Sie tanzten und spielten sich durch die Geschichte. Das einzige Rätsel was blieb, war die schöne Unbekannte die Gustav den Kopf verdrehte und immer wieder in den einzelnen Bildern auftauchte. Ich sitze hier und zermartere mir immer noch das Hirn, wer von den einzelnen anwesenden Damen das wohl war.

 

Im zweiten Teil zog es die anwesenden Damen und Herren in die Sommerfrische und das Orchester des Anhaltischen Theaters unter Leitung von Golo Berg in den Orchestergraben und somit in das Geschehen.

Die farbige Quadratur der Bühne wechselte sich und die Akteure mit samt ihren Kostümen und Equipment passten sich dem Spiel der Anhaltischen Philharmonie an. Das Equipment zeigte sich originell und in hübschen Farben (Jörg Felix Müller). Es wurde hin-und-her geschleppt, attackiert, beturnt und umgestoßen und ich fragte mich, ob das Zeug auch wirklich sicher war.

Gregor Seyffert brach alle Regeln und seine Compagnie tanzte sie hervorragend durch das Geschehen. Also auch, wenn ich mich wiederholen sollte, das war brillant und ich war begeistert und überaus zufrieden mit diesem Abend.

 

Der dritte Teil sollte dies nicht mindern trotz moderner Dolby Surround Musik (Michael Pregler/ Tino Müller) und Videosequenzen (Curuba Media Dessau). Im Gegenteil, es war beeindruckend, wie gut doch alles zusammengepasst hat. Die Tänzer zum Film, der Film zum Tanz und der Tanz zur Musik, auch wenn Golo Berg den Kopf schüttelte über Gustavs vergebliche Versuche beim Sound mitzumischen. Das Endergebnis war nichts desto trotz brillant.

Es ist interessant, wie oft der Film in Form einer Videobearbeitung jetzt Einzug in unsere Theater hält. Ob in "Herkules" zu Halles Händelfestspielen 2004, oder gerade jetzt in der "Möwe" des "neuen theaters" Halle, so eben auch zum Kurt Weill Fest in das Anhaltische Theater. Alles ein bisschen schrill, aber durchaus sehenswert

Nach diesem 1 1/2 stündigen Potpourri durch die Weillsche und Anderer Tangowelt waren wir munter und vergnügt und hatten überhaupt noch keine Lust rüber ins Steigenberger zu gehen um zu schlafen. Also entschieden wir uns wieder der Premierenfeier der Anhaltischen Crew beizuwohnen, oder besser, den phantastischen Abend in Ruhe schwatzend bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen. Die Premierenfeier ist dafür ein gutes Portal, man mischt sich unter die Leute, genießt die Stimmung und muß nicht "gesittet" und brav im sterilen Steigenberger dahinvegetieren. Kurz, wir konnten wieder mal herrlich Lachen, das Gesehene und Gehörte auswerten, die Leute beobachten und die Atmosphäre dort unten genießen. Ich fand diesmal war es eine sehr gelungene Premierenfeier, nicht zuletzt der guten Musik im Hintergrund geschuldet. Ein Blick nach Links und ich sah Stefanie Wüst, die übrigens nicht nur Kurt Weill hervorragend singt, umherlaufen. In der selben Blickrichtung schwatze der Verwaltungsdirektor an langem Tisch, rechts neben uns trafen langsam die Balletttänzer mit Anhang ein und Gregor Seyffert nahm hinter uns Platz. Es erfolgte eine Ansprache mit viel Beifall, durch den Burschen, denn ich schon in der Werkeinführung nicht zuordnen konnte und Golo Berg bekam Applaus für die musikalische Begleitung des zweiten Teils. Wie immer würdigte er dem Geschehen nicht die geringste Anteilnahme oder gar ein Lächeln auf die erfolgreiche Aufführung. Dabei hatte er gar keinen Grund für solch Ernsthaftigkeit. Es lief doch alles hervorragend. Naja, vielleicht war es ja dem Umstand geschuldet, daß er dort hinten, wo er stand keinen freien Platz mehr finden konnte. Och Herr Berg, wären Sie doch mal einen Schritt hervor gekommen aus Ihrem Versteck dahinten am Buffet, dann hätten Sie gesehen, daß unseren Tisch noch ein freier Stuhl zierte und vielleicht hätten Sie es ja mit einem guten Platz auch, wie einige Andere bis früh um 3 hier ausgehalten.

 

Meisterhäuser - Bauhaus - Dessau - März 2007Da wir diesmal das Wochenende in Dessau verbrachten, mussten wir das Theater nun auch nicht so zeitig verlassen, wie sonst immer. Die gute Aussicht auf ein bequemes Bett nebenan und ein gemütliches Ausschlafen am darauf folgenden Tag, ließ es uns noch ein Weilchen dort unten zwischen den feiernden Künstlern aushalten. Wir diskutierten den morgigen Tag und beschlossen vor "Berlin im Licht" uns die Meisterhäuser des Bauhauses mit samt Inneneinrichtung anzusehen. Da ich ja ein großer Fan des Malers Lyonel Feininger bin und Uli, so als Wessi und in Hamburg lebend, noch nie die Dessauer Highlights erleben durfte, planten wir diesen Tag, ganz im Sinne des Bauhauses und der 20er Jahre zu verbringen und Ursprünglich wollten wir es noch schaffen uns im Rathauscenter diesen schönen alten Dreigroschenfilm vollständig anzusehen.

 

Das Bauhaus ist eines meiner schönsten Konversationsthemen und das erst recht, zu einem Ereignis, wie dem Kurt Weill Fest, was so schön dazu passt. Ich ließ mich fallen in die Zeit- und Kunstepoche der 20er/ 30er Jahre und stapfte auf den Spuren von Walter Gropius, Lászió Moholy-Nagy, Alfréd Kemény, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Hannes Meyer, Oskar Schlemmer und Lyonel Feininger im Dessauer Regen zu den Baudenkmälern dieser Zeit.

Das Bauhaus, der Vorläufer von sozialistisch, minimalistischer Plattenbauweise und schwedischem IKEA Stil ist ein unwahrscheinlich interessantes und weit umfassendes Thema. Nein, man solle jetzt nicht in anbetracht dieser Beispiele denken, Bauhaus ist stillos und billig, nein, weis Gott nicht, auch Wassily Kandinsky hat Meissner Porzellan in diesem Stil bemalt. Das Bauhaus ist einfach und schlicht weg, das Einläuten einer neuen Epoche des Baustiles, die Epoche des Industriebaus und der Minimalisten, die sich bis heute immer mehr durchzusetzen scheint.

Das Bauhaus brachte interessante Künstler dieser Epoche hervor, nicht zuletzt meinen Liebling Lyonel Feininger. Er hat die besten Hallebilder, zwar ziemlich kubistisch, aber doch überaus hervorragend gezeichnet. Davon leben einige Leute und Ausstellungen jetzt noch. Wann nach dem Bauhaus kristallisierte sich jemals wieder solch eine namenhafte und individuelle Architektur und Kunstform heraus. Wo sind die Frei- und Andersdenkenden? Wo ist das herausheben aus der langweiligen grauen Masse der Fernsehinvaliden? 

Ich liebe das Bauhaus für seine verrückten Ideen und individuellen Individuen. Ich liebe es für seine Einzigartigkeit und ich bin froh, daß Dessau diese Einzigartigkeit mehr und mehr ausbaut und wieder zum Leben erwachen lässt, nicht zuletzt durch das Kurt Weill fest, was hier einmal pro Jahr mit mehr und mehr Erfolg und Akzeptanz stattfindet.

Es erstaunt mich immer wieder, daß dieser überaus moderne Bau- und Kunststil schon in den 20er Jahren entstand. Das muß eine verrückte und vielfältige Zeit gewesen sein. Wien tanzt nach Kalman, Stalin schon fast nach Schostakowitsch, die Dadaisten verdrehen die Welt und Hitler formiert seine Ziele. Das Bauhaus existiert in dieser Welt und findet seinen eigenen modernen Stil, den man durchaus mit dem Heute, Hier und Jetzt vergleichen kann - unglaublich! Die Industrialisierung strebt nach Freiheit und wird erwachsen, die moderne Kunst zieht sich ihre Kinderschuhe an und spielt/ experimentiert mit Formen und Farben. Sie presst die industrialisierte Freiheit in die Einfachheit und löscht jede überflüssige Verzierung der Gemütlichkeit und des Zurücklehnens.

Bauhaus - Dessau - März 2007Die Meisterhäuser erscheinen kalt und steril und eigentlich möchte man nicht in so etwas wohnen. Beim Betreten der heiligen Hallen sieht man Bilder der damaligen Einrichtungen, die Nische für die Couch, die eigentlich nicht zum Baustiel passt, die winzigen Schlafzimmer und die unglaublich großen Ateliers. Aus dem Fenster den Blick in den Garten, mit hohen Bäumen und Rasen. Sie wollten nicht, daß man seine Zeit mit zuviel Haushalt verschwende und so wurde alles einfach und unkompliziert gehalten. Der erste Geschirrspüler ward erfunden. Kein Handgriff zu viel, lieber seine Zeit mit Freizeit und Kreativität verbringen. Damit liegen sie ganz und gar in meinem Sinne. Das Leben ist zu kurz, als das man es mit zuviel Haushalt verschwände.

Ja, das Bauhaus und dessen Philosophie ist spannend, aber ich möchte mich eigentlich nicht in Details verlieren, sonst wird dieser Bericht wieder endlos und Ihr schlaft mir noch ein beim Lesen. Also "fasse Dich kurz" - Anmerkung dazu, siehe unten.

Nach einer 2stündigen (!) Besichtigung der Meisterhäuser und nur kurzem Abstecher zum Bauhausgebäude für eine Tasse Kaffe in der Kantine im Keller, knurrte uns der Magen und verlangte nach Füllung. Wir entschieden uns nicht in der Kantine zu essen, sondern für einen Abstecher zum Kornhaus, von dem ich schon viel gehört, aber noch nie Gelegenheit hatte mir das Etablissement aus der Nähe anzusehen. 

Kornhaus Dessau - März 2007Der Weg dorthin führte uns an Villen vorbei, die ich niemals in Dessau vermutet hätte und endete vor einem etwas doch sehr hässlich aussehenden Betonklotz. Ich lief einmal Drumherum und stelle fest, von der Elbeseite aus, sah der Klotz doch um einiges besser aus als von der Parkplatzseite, was mich sehr beruhigte, da ich ja eigentlich hier gemütlich essen wollte. Für Ungemütlichkeit hätte ich auch im Steigenberger bleiben können. 

Ein Tisch am Eingang suggerierte uns die Annahme, "sie werden platziert", und wir blieben stehen in der Annahme, wir würden platziert.

Die Oberinnen liefen an uns vorbei, durch uns hindurch, neben und her und das ohne auch nur die geringste Notiz von uns zu nehmen. Eigentlich bin ich ja nicht so leicht zu übersehen, aber vielleicht stehen die hier nicht auf große dunkelhaarige Frauen. Wir beschlossen also nach mehr minütiger Wartezeit uns selbst einen Platz zu suchen und der Dinge, die dann auf uns zu kommen würden zu harren....... es kam nichts auf uns zu. Die Oberinnen liefen an uns vorbei, durch uns hindurch, neben uns her und das, ohne auch nur die geringste Notiz von uns zu nehmen. Also gut, somit hatten wir Zeit in Ruhe das Etablissement zu betrachten. 

Es war ein hübsches Gebäude von innen. Ganz im Stil der 20er Jahre, oder so fast. Ein bisschen die Zeiten durcheinander gewürfelt, hatte es aber trotzdem einen eigenen Charme, der angenehm und einzigartig war und ich dachte, wenn die Oberinnen hier ein bisschen zuvorkommender wären, könnte mir das Restaurant gefallen und ich würde öfter herkommen wollen. Just bei diesem Gedanken, erhaschten wir endlich Aufmerksamkeit des dienenden Personals. Ich war überaus glücklich, da ich schon Sorge hatte, hier überhaupt jemals etwas für meinen knurrenden Magen zu bekommen. Wahrscheinlich knurrte der Kornhaus Dessau - März 2007 Magen so laut, daß die Oberinnen uns nun doch bemerkten, wir die Karten zum Aussuchen der kulinarischen Köstlichkeiten bekamen und nach einem Getränkewunsch gefragt wurden. Ich wünsche mir sofort und auf der Stelle etwas zu trinken, da ich annahm, daß sie sonst in den nächsten Stunden nicht wiederkommen würde und ich sie damit an unseren Tisch fesseln konnte. Das war clever, denn sie musste, wenn sie die Getränke brachte, ja wohl oder übel wieder an unseren Tisch zurückkehren.

Nun waren wir daran so schnell wie möglich etwas für den knurrenden Magen auszusuchen, sehr in Panik, da wir vermuteten, daß sie bald wiederkommen könnte und es wäre ein Desaster, wenn wir bis dahin noch kein passendes Mahl gefunden hätten. Wir waren schneller den jäh und gewannen das Rennen. Sie musste unsere Bestellung aufnehmen. 

Phuuuuu, das war Schwerstarbeit, aber wir haben die Feuertaufe erfolgreich bestanden und bekamen dann auch unser wohlverdientes Mahl. Ein Prost auf das Kornhaus und ich komme wieder. So schnell lasse ich mich hier nicht unterkriegen!

So gut gesättigt, von einem ganz gutem Essen, konnte dem Abend nichts mehr im Wege stehen und wir freuten uns auf HK Gruber und das Ensemble Modern mit "Berlin im Licht" im Anhaltischen Theater Dessau. Ein Potpourri durch die Weill- und Brechtsche Musikwelt mit Wiener Chansonier und Dirigent und Frankfurter Ensemble.

Der Chansonier war gut an Selbstbewusstsein und -darstellung, aber auch hervorragend an erzählerischer Darstellung einzelner Brecht und Weill Anekdoten. Ich denke, wenn der mal eine Vorlesung im Fach Brecht und Weill geben würde, wäre ich zu gern mit dabei. Dafür würde ich sogar nach Wien fliegen.

Kornhaus - Dessau März 2007Die Moderation war hervorragend und überaus interessant und wissenswert, und die Musik klasse, nur der Gesang ließ ein bisschen zu Wünschen übrig, aber ich denke, das war nicht der Punkt, auf den es an diesem Abend ankam. Der Herr mit dem HK vor dem Gruber hatte Spaß am Gezeigten und sicherlich nicht den Anspruch das Publikum mit perfekter Stimme zu begeistern. Er war ein brillanter Entertainer.

Der Querschnitt durch das Weillsche Schaffen war gut gewählt und dargeboten und es waren Stücke an Bord, die ich in meinem Leben noch nie gehört hatte. Die Musik war so mitreißend, daß ich mir wünschte, das Theater hätte vorher die Theatersessel rausgeschraubt und wir hätten dazu tanzen können und ich stellte fest, daß wir eigentlich in Dessau so ein Etablissement bräuchten. 

Eine Stadt, die ihr Marketing auf Kurt Weill aufbauen könnte, könnte doch in der Nähe des Theaters, so zwischen den verfallen Häusern oder darinnen ein Restaurant mit Tanzsaal einrichten. Ein Restaurant in diesem Stil der 20er und 30er Jahre mit alter Grammophonmusik im Hintergrund, wo man vor dem Konzert- oder Opernbesuch noch einen Happen essen könnte und wo man ab und zu und besonders zum Kurt Weill Fest bei Livemusik das Tanzbein zu Foxtrott, Tango und von mir aus auch Twist schwingen könnte. Das Kornhaus gibt das nicht her, das ist nett, aber zu weit weg vom Geschehen und zu unflexibel. Das Steigenberger neben dem Theater ebenfalls. Statt ein Pre-Theater Dinner anzubieten, eröffnen die erst ihre Abendkarte 19.00 Uhr. Wer zur Hölle soll denn da noch etwas essen, wo man zu dieser Zeit schon gemütlich in diversen Vorstellungen des Anhaltischen Theaters auf deren hübschen Theatersesseln sitzt. Und nach der Vorstellung zum Abendessen? Das ist für meinen und so manch anderen Magen zu spät. Da reicht es nur noch für einen Salat oder ein paar Häppchen, vielleicht ein paar Nüssen an der Bar.

Hier könnte man sich doch ein Beispiel am "Augustus" in Leipzig nehmen. Die nutzen den Hunger der Gewandhaus- und Operngäste ordentlich aus und servieren vor den diversen Ereignissen auch diverse Köstlichkeiten.

Wie wäre es denn zum Beispiel mal mit eine Abstimmung der steigenbergischen Küche mit dem Spielplan des 10 Meter über der Straße befindlichen Theaters? Wie wäre es mal mit einer Zusammenarbeit beider Institutionen?

Ok, ich bin wieder unmöglich, aber ich kann mich einfach nicht bremsen, wenn ich meine Bedürfnisse gern befriedigt hätte und dies trotz vorhandenem Umfeld nicht bekomme. Stattdessen bekomme ich eine Kantine unten im Theater. Jaja, ich weiß, daß Lob gebührt der Mühe und ich sehe, daß Mühe aufgewendet wurde, um mir hungrigen Gast mit Hilfe einer Catering Firma ein Würstchen oder Brötchen mit Getränk zur Verfügung zu stellen. Die Ober an der Theke sind sehr höflich und zuvorkommen und die Würstchen schmecken auch nach Würstchen, wenn sie nicht zu lange im Wasser gelegen haben, aber irgendwie ist es nicht das, was ich von einem gelungenen Opernabend erwarte. Ja, ich weiß, ich bin einfach ein dummes, verwöhntes Gör, aber dieses dummer verwöhnte Gör, schätzt das Essen viel zu hoch, als das sie sich mit irgendwas dem Magen voll stopfen möchte, nur damit er bei der Vorstellung nicht knurrt. Nein, ich möchte Genuss und das auf ganzer Ebene und dazu gehört eben nicht nur eine gelungene Aufführung, sondern auch ein gelungenes Abendessen davor.

"Berlin im Licht" genoss ich sehr, besonders die Songs aus "Happy End". Das brachte mir wieder die hervorragende Aufführung des Anhaltischen Theaters dazu in Erinnerung. Ich würde da ja fast noch ein drittes Mal hineingehen.

Genauso werde ich auch das nächste Jahr wieder das Kurt-Weill-Fest besuchen und ich denke auch noch mehr Veranstaltungen davon. Das Wochenende hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich danke allen Beteiligten, Sponsoren und Organisatoren, daß so etwas Gutes in meiner Nähe existiert. Macht weiter so, Ihr werdet von Jahr zu Jahr besser!

 

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Zusatz: "Fasse Dich kurz"

Ich bin begeistert, daß Ihr mir bis hier unten hin gefolgt seit!!!! Dann gehört Ihr wohl auch zu denen, die doch gern mal etwas längere Texte lesen - Danke! Ich hoffe, Ihr bleibt auch dabei. Ich möchte nämlich keine noch kürzeren Zusammenfassungen meiner Kulturerlebnisse schreiben, so wie es mir gerade durch kompetente Wissenschaftler, wie Prof. Dr. Norbert Bolz - TU Berlin, angeraten wurde. Ein sehr interessanter Beitrag von F. Fischer und A. RBauhaus - Dessau März 2007ingling im 3sat Magazin "polylux" und in voller und ungekürzter Länge zu sehen unter: http://www.polylog.tv/videothek/videocast/5414/

 

Es gibt sogar schon eine Internetseite, die Bücher zusammenfasst. Wozu solle man denn das komplette Teil lesen, wo man doch auch so schon keine Zeit hat und es so viele davon gibt? Schade für die Autoren, wenn letztendlich nur noch die Zusammenfassungen von Rolf Dobelli (www.getabstract.com) gelesen werden, natürlich gegen ein kleines Entgelt, aber was tut man ja nicht alles um kulturell up-to-date dazustehen. Schade, daß einen dabei die schönen Nuancen, die jeden Schriftsteller vom anderen unterscheiden, entgehen, aber was soll's, wer will die Brillanz so mancher Autoren schon kennen.

Ich bin gespannt, wann die ersten Theaterstücke, Opern und Konzerte in Kurzform dargestellt werden. Das wäre doch mal interessant, Shakespeares gesammelte Werke in 15 Minuten, oder Wagners Ring in einer halben Stunde - Das hätte nicht nur den Effekt, daß wir die Jugend, mit ihrer knappen Zeit, in die Theater bekommen würden, sondern auch die Kosten für die einzelnen Stücke unwahrscheinlich reduzieren könnten.

Also danke noch mal für Eure Aufmerksamkeit, die doch so knapp ist und die Ihr mir trotzdem schenkt! Ich glaube, ich möchte mich nicht kurz fassen bei dem, was ich schreibe und mir wären Unterhaltungen in Kurzfassung auch zu langweilig. Allerdings arbeiten wir ja schon gewaltig bei unserer Kommunikation an der Reduktion auf das Wesentliche, z.B. entwickeln wir doch gerade eine neue Sprache mit Abkürzungen um uns kurz und prägnant per SMS auf dem Handy auszudrücken.

Fasse Dich kurz! <--- Das Ende der Kultur, oder eine neue Kultur?

 

 

So, für heute sp, wünsche Euch eine gn8 und hoffe t2ul8r mal wieder :-))

thx, ts und immer t+   ****

 

 

Eure Jana

 

 

 

*Hubert Ernst zur Pressekonferenz der Eröffnung des Kurt-Weill-Festes am 02.03.2007 in Dessau

** Gregor Seyffert zur Werkeinführung "Tango Palast" am 25.02.07; Anhaltisches Theater Dessau

*** Gregor Seyffert; "Weil getanzt"; Programm 14.02.2007, Kurt-Weill-Gesellschaft e.V., Artefakt Kulturkonzepte; S. 10

*** Übersetzung siehe : http://www.mobileup.de/handy-hilfe/sms-abkuerzungen.html