Maria
Stuart
Durchkreuzte Pläne
Da unser USA - Trip nun schon wieder so lange her war, beschlossen meine Freundin Uli und ich, uns mal wieder auf ein Schwätzchen bei mir in Halle zu treffen. Uli heute mit schickem neuen Frankfurter Kennzeichen <blink> und ich noch genervt von meiner Freitags-Vorlesung. Ja, auch die schönste Ferienzeit geht mal vorbei und mein Studium ging wieder los. Ich hatte heute eine Vorlesung zu Finanzierung/ Investition von 13:00 bis 20:00 Uhr <schnarch>, obwohl man sich diesmal nicht beklagen konnte. Unser Dozent, Dipl.-Kfm. Baar, hat sich doch ganz schön verbessert im Vergleich zum letzten Mal. Die Vorlesung war sehr gut strukturiert und er hat den Stoff wunderbar erklärt. Es hat Spaß gemacht zuzuhören..... aber ich wollte nicht abschweifen vom Thema....
Da Uli und ich ab und zu etwas Kultur
brauchen, habe ich für den 21.09.03 zwei Tickets für Goethes
"Egmont" im Goethe-Theater
Bad Lauchstädt besorgt. Sonntag war prima, da konnten wir am Samstag
einen schönen Einkaufsbummel in Leipzig einplanen - ist das nicht ein schönes
Leben? Alles an einem Wochenende: schwatzen mit Freundin, Shopping und Theater.
Es kann nicht perfekter sein.
Leider machte das Theater uns einen Strich dur
ch
die Rechnung: "..... die Veranstaltung "Egmont" am 21.09.2003
um 14.30 Uhr fällt aus. Sie können aber am Samstag, 20.09.2003 zu "Maria
Stuart" kommen. Bitte geben Sie uns Bescheid......" Nicht Goethe,
sondern Schiller wäre ja noch ok, aber was ist mit unserem Einkaufsbummel am
Samstag? Das Theater fängt in Bad Lauchstädt leider schon 14:30 Uhr an. Das
ist doch nie im Leben zu schaffen, wenn wir am Vormittag noch nach Leipzig
rüber fahren wollen und ich brauchte doch unbedingt noch ein schönes neues
Outfit für die "Midsummer Night's Dream" Gala in Sheffield Anfang
Oktober!!!
Trotz dieses triftigen Grundes entschieden wir uns für "Maria Stuart"
und ich muß sagen, wir haben es nicht bereut.
Bad Lauchstädt ist ein hübscher, kleiner Ort
mit einem schönen Park und diesem alten Theater, welches 1802 mit Mozarts Oper
"Titus" eröffnet wurde.
Es ist schon etwas Besonderes, auf den alten Holzbänken zu sitzen und daran zu
denken, wie alt das Gebäude ist und daß Johann Wolfgang Goethe zur Eröffnung
genau hier wandelte.
Wir
waren, wie immer, viel zu zeitig da. Ich hatte noch Trecker und Sonntagsfahrer
auf der Landstraße nach Bad Lauchstädt eingeplant, aber wie durch ein Wunder
war nichts davon unterwegs. Somit hatten wir noch Zeit, uns den kleinen Park
anzusehen. Das Wetter war herrlich und der Park ist wunderschön. Wir holten
unsere Tickets von der Theaterkasse und schauten uns das kleine Theater erst mal
von außen an. Eigentlich sah es eher aus wie eine Scheune, aber das war ja beim
Globe in London auch nicht anders.
Die Türen waren so zeitig noch verschlossen und man konnte am "Kiosk"
nebenan ein Gläschen trinken oder einen Happen essen. Park und Theater waren
sehr gut gepflegt. Eine hübsche Idee, fand ich, waren die altertümlichen
Kostüme des Personals, bei denen ich mein Programm kaufte. Diese Idee war bis
jetzt einmalig. Das gab es auch nicht im Globe, obwohl die auch auf so etwas
Wert legten.
Wir machten noch einen kleinen Spaziergang zum
Springbrunnen im Park um die restliche
Zeit bis zum Einlass zu überbrücken und dann ging es los.
Das Theater war innen so klein, wie es von außen schien. Es hatte Holzbänke
mit roten Sitzkissen, hübsche Malereien an der Decke und eine niedliche, kleine
Bühne, die bei der Aufführung gar nicht mehr so klein schien. Ich denke,
ich werde mal einen Besichtigungsrundgang mitmachen. Die Bühnentechnik soll
sensationell sein.
Der Orchestergraben schien mir sehr winzig, aber den brauchen sie ja jetzt
nicht.
Wir hatten wie immer gute Plätze in Reihe 5, ziemlich in der Mitte. Das Theater
füllte sich langsam und die Tragödie begann.
Maria Stuart - Das Stück
Eigentlich
ist Schiller nun nicht gerade mein Liebling, aber seine Maria Stuart hat mir
sehr gut gefallen. Die Dialoge und Wortgefechte waren zwar langatmig, aber
ich muß zugeben, gut durchdacht. Natürlich war es eine traurige Geschichte,
sicherlich jedem bekannt. Elisabeth lässt ihre "schwesterliche
Königin" Maria köpfen und ihre
"Berater" versuchen, sie nach ihrem Sinne zu beeinflussen.
Können Frauen wirklich so böse und Männer so intrigant sein?
Inszeniert wurde Maria Stuart vom "neuen
theater" und Regie führte Peter Sodann. Ich war sehr darauf gespannt,
da Peter Sodann
ja nun kein Unbekannter ist. Im Ganzen betrachtet war die Inszenierung sehr gut.
Er hat zwar etliches weggelassen, aber es hat den Ablauf nicht gestört. Es gab
auch wieder ein paar kleine Einlagen, die mir nicht gefielen, da sie mir zu
albern erschienen. Beispielsweise das Schnarchen der Königin, oder der
bayrische? Akzent des Wilhelm Davison (Stanislaw Brankatschk). Ich frage mich
immer noch, was sie sich dabei gedacht haben.
Das Publikum schien es auch nicht zu mögen, denn sie bekamen für diese Szenen
nur ein paar Lacher. Ich war beeindruckt und es war mir sofort sympathisch - das
Publikum.
Das Bühnenbild war sehr spartanisch. Eigentlich erschien nur einmal der Thron der Königin und zum Schluß ein Tischchen mit Füller?!? wegen der Unterzeichnung des Todesurteils. Aber deswegen nicht erschrecken. Es hat nicht im geringsten gestört. Die Szenenwechsel zwischen Schloß, Kerker und Garten waren perfekt durch "Tapetenwechsel" und Beleuchtung dargestellt. Es bedurfte keiner weiteren Utensilien.
Elke Richter spielte Elisabeth. Im ersten
Moment
fand ich sie für die Rolle zu grob und zu burschikos, aber letztendlich, denke
ich, passte die grobe Erscheinung und es gab einen großen Gegensatz zur zarten,
hübscheren Maria. Die Rolle der harten Elisabeth brachte Elke Richter sehr gut
rüber, allerdings der Wechsel zum Weichen, Fraulichen gelang ihr nicht so
gut. Die Tränenszenen und die doch eigentlich schwache Frau kamen für
mich nicht glaubhaft rüber. Auch hatte ich nicht das Gefühl der
Unentschlossenheit Elisabeths, Maria Stuart zu köpfen. Man merkte kaum etwas
von einem "inneren Kampf". Allerdings gelang ihr die Darstellung einer
Königin - bis auf das Rennen auf der Bühne - ganz gut.
Beeindruckt war ich von Daniela Schober. Sie stellte Maria sehr gut als stolze
Frau dar. Sogar im Kerker, in Lumpen gekleidet, nahm ich ihr sofort die Königin
ab. Am Besten gefiel mir ihre klare, deutliche Aussprache und stolze Haltung.
Sie ist perfekt für diese Rolle.
Ihre Kammerfrau Margareta Kurl dagegen, gespielt von Mila Bruk, sprach für
mich viel zu schnell und aufgeregt. Ich denke, sie stand noch nicht sehr oft auf
der Bühne.
Überzeugend fand ich auch den Grafen von Leicester, gespielt von Peer-Uwe Teska.
Er ist ein sehr guter Schauspieler meiner Meinung nach. Seine Mimik und sein Auftreten passten
wunderbar zum Grafen.
Die Rolle des Mortimer war durch Till Schmidt gut besetzt, obwohl ich meine, daß
er manchmal etwas zu zappelig war. Sonst hat er diese jugendliche
Verrücktheit und Ungeduld des Mortimer wunderbar rüber gebracht.
Im Großen und Ganzen waren die Inszenierung,
die Besetzung und die Leistung der Schauspieler sehr gut und das Stück
empfehlenswert und ich liebte die Idee, daß die Wahl der Bühne auf das
Goethe-Theater in Bad Lauchstädt fiel.
Vielen Dank an alle Beteiligten. Mir hat es gefallen.
Eure Jana.