Mond klar - Sternen hell ....
Leider waren die
beiden Geschichten an diesem Wochenende nicht so, wie es uns dieser Song aus
Kurt Weills "Street Scene" vorgaukeln möchte. "Mond klar, Sternen hell...", ja
so kann das Leben sein - ist es aber nicht .....immer. Meist doch wohl eher so,
wie in dem neusten Stück des nt's
"Ganz unter uns", oder wie in "Street Scene",
was das Anhaltische Theater Dessau zu seinem diesjährigen "Kurt Weill Fest"
wieder im Repertoire hatte.
Ich habe das
unwissend wieder perfekt ausgesucht: Alan
Ayckbourns Stück "Ganz unter uns",
welches uns auf eine sehr amüsante Art zeigte, wie traurig Beziehungen sein
können und wie schwer sich die Menschen doch tun, einen Schlußstrich unter Dinge
zu setzten, die sowieso schon vorbei sind und sie jetzt nur noch in einen
Abgrund hinunter ziehen bis es zu spät ist. Und Kurt Weills Oper, die uns genau
das selbe über Beziehungen sagt. Ehe bis in den Tod? Peng! - Das war's...
Da fragt Frau sich doch, warum lassen es die Menschen soweit kommen? Wieso klammern sie sich so konservativ an die Ehe und leiden in ihr? "Bis das der Tod Euch scheidet" - Nein Danke, soweit sollte man es nun doch nicht kommen lassen! Da ist mir doch der Dirigent Christoph von Dohnányi sehr sympathisch, der sagte: "Aber wahrscheinlich ist in einer Zeit, in der die Menschen alle so alt werden, eine Ehe ohnehin nur eine Halbzeit." Das ist doch eine gesunde Einstellung, oder?
Auf alle Fälle besser, als unter einer Beziehung zu leiden, die einen nur hemmt und einschränkt .... und letztendlich tötet...
Am Freitag waren
wir zur Premiere von "Ganz unter uns". Seit einiger Zeit bin ich öfter in der
Schweiz unterwegs und somit hatte ich kaum Zeit für unser Theater. Es fehlt mir sehr und
ich freute mich riesig, daß es diesmal wieder mit einer Premiere klappte. Wie
immer hatte ich keine Ahnung, was mich erwartete und war schon gespannt, was
sich das "nt" diesmal aus den unendlichen Weiten des Theateruniversums heraus
gepickt hat. Und wie immer hatten sie auch diesmal ein glückliches Händchen bei
der Wahl des Stückes.
"Das Problem bei
Menschen ist - sie entmagnetisieren sich ..." eben, genau, das was ich oben
schon sagte. Alan Ayckbourn trifft den Nagel auf den dummen menschlichen Kopf.
Die beiden Paare in seiner Geschichte sind verheiratet und leiden darunter. Sie
sind unzufrieden und zerstören damit nach und nach ihr Leben. Sie haben
Träume
und verfluchen ihre jetzige Situation. Aber warum zur Hölle bleiben sie denn
dann noch zusammen? Warum ändern sie ihre Situation nicht? Wieso versagt da der
Selbsterhaltungstrieb? Gehorcht der Mensch doch zu sehr den
Gesetzten, die er sich selber aufdiktiert hat? Wieso schränkt er sich so ein?
Ok, ich war noch nie verheiratet. Ich verstehe nichts von Ehe und den
Verpflichtungen daraus, aber irgendwie verstehe ich auch nicht, wie Mann und
Frau sich solche Zwänge auferlegen können? Da könnten sie mit einem einzigen
kleinen Schritt alles ändern, es gäbe wieder eine Chance die Zukunft zum
Besseren zu wenden, aber was machen sie, sie halten an alten Ansichten fest, nur
der Ansichten wegen und leiden und leiden und leiden bis das der Tod sie
scheidet - - -
Aber keine Angst,
das Stück ist keineswegs so tiefgründig, wie meine Gedanken dazu. Es ist eher
locker und leicht und es gibt viel zu Lachen. Das Ende war zwar für mich
irgendwie unpassend, ich hätte es ganz gewiß anders enden lassen, aber die ganze
Handlung sowas von aus dem Leben gegriffen.
Zwei Pärchen begegnen sich durch die Absicht ein Auto zu verkaufen bzw. zu kaufen (tolles Bühnenbild! - wo haben sie nur diese alte Kiste her?) Sie werden sozusagen Freunde.
Die Zuschauer tauchen dadurch in einen Abschnitt ihres Daseins ein und begleiten deren kleinbürgerliches Leben bis zur Zerstörung mit. Hier fast sich natürlich jeder an den Kopf, warum sie nicht einen Schlußstrich unter ihre Situation ziehen, aber keiner merkt so richtig, daß es eigentlich vielen von ihnen genau so geht.
Der verklemmte
Neil, der seiner emanzipierten und eigentlich selbstbewußten Frau ein Auto
kaufen möchte und das nicht fertig bringt. (Armer Peter W. Bachmann! Diese
Löckchen hat er nicht verdient!)
Das dauernd lachende Muttersöhnchen Dennis, das
mit seiner Mutter zusammen systematisch seine Ehefrau in den Wahnsinn treibt.
Die emanzipierte, kühl scheinende Ehefrau von Neil, der das Auto völlig egal ist, die nur
will, daß ihr Mann endlich mal etwas entscheidet und die Angst vor ihrer eigenen
Courage hat. Super Ideen im Kopf, aber keinen Mut diese umzusetzen. Und die am
Rande eines Nervenzusammenbruches gebrachte Ehefrau des dauernd lachenden, sich
in seiner Garage vor der Wirklichkeit versteckende Idioten, die es nicht schafft
ihrer Schwiegermutter Paroli zu bieten. Was für wunderbare Beziehungen. Bei
soviel Dummheit kann Frau nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich
wundern.
Andreas Range war klasse in der Rolle des Dennis und Peter W. Bachmann gefiel mir auch sehr gut in seiner Löckchen-Rolle als Neil. Die drei Damen spielten hervorragend. Danne Hoffmann als Pam, Neils Frau, Anja Pahl als Vera, Dennis Frau und Marie Anne Fliegel als Dennis Mutter Marjorie, paßten von der Besetzung her prima.
Diesmal waren wir
zu fünft dabei und allen hat das Stück gefallen. Die "Sex-Szene" war super! Gute
Choreographie <grins>.
Nach so einem herrlichen Stück fehlte uns nur noch ein herrlicher Wurstsalat in "Strieses Biertunnel" und ein zwei Bier zum Anstoßen auf weitere Premieren im nt.
Am Samstag dann wunderbar lange ausschlafen, ein paar Stunden Frühstücken und den Tag gemütlich angehen lassen. Das nächste Highlight für dieses Wochenende war das "Kurt Weill Fest" in Dessau. Ich mag Kurt Weill schon wegen der "Dreigroschenoper", die er zusammen mit Brecht verzapft hat. Aber diesmal waren wir zu einer anderen Oper von ihm: "Street Scene". Ich war sehr neugierig darauf, da ich mir so wirklich eine Oper von Kurt Weill nicht vorstellen konnte. War dann auch so. Ich hätte das Stück eher als Musical eingestuft. Keine Ahnung, wie sie da auf Oper kommen. Naja, war eine amerikanische Oper. Die kennen das wohl nicht besser ;-)
Aber egal, es war auf jeden Fall super. Was ich auch vom Anhaltischen Theater in Dessau nicht anderes erwartete. Die sind immer super! Diesmal war es zwar kein Felsenstein jr., aber Nicholas Muni's Inszenierung gefiel mir genauso gut. Schon das Bühnenbild war erstklassig. Ich habe mich sofort in die Nachkriegszeit zurückversetzt gefühlt und mir lief ein kalter Schauer den Rücken hinunter.
Ronald Müller hat in seinem Programmheft den ersten Auftritt mit Erich Kästners Zeilen nicht besser beschreiben können:
"Ich steh euch im Weg, wo ich steh, wo ich bin,
Und es schneit. Und mich friert.
Und es schneit ...
Wo kam ich her, wo soll ich hin?
Ihr habt für mich keinen Raum, keine Zeit.
Und es schneit. Und mich friert.
Und es schneit ..."
Ein Mädchen geht
einsam durch die
Ruinen der zerbombten Stadt, einsam im Schnee, deprimierend....
Die Stimmung kam wunderbar rüber. Dann träumt sie sich mit Hilfe der "Voice Of
Amerika" in eine andere Welt, die wärmer zu sein scheint und wo man erst durch
näheres Hinschauen die Kälte erkennt. Kein Schnee, nur freundliche, liebe, nette
Nachbarn nach Außen .... und scheinheilig, konservativ und nicht ein bißchen
tolerant hinter dem Rücken der Anderen. Ach sind sie nicht wieder alle nett
miteinander ... "und hast Du gesehen, was der hat und was die tut und ist das
nicht furchtbar. So etwas kann man doch überhaupt nicht glauben! Das die sich
nicht schämen ..." Tratsch und Klatsch wie eh und jeh, bedauernswert sind die
armen Leute, die darauf hören und sich davon auch noch beeinflussen lassen. Man
sollte meinen, das ist der Menschheit liebstes Hobby, über andere Herzuziehen.
Leider bringt das in dieser Geschichte Tod und Verderben - Liebe, Eifersucht bis
hin zum Mord.
Da frage ich mich doch, warum tue ich mir das an, wo ich doch eigentlich lieber Happy Ends mag? Hmmm ... ja, zwar war die Handlung so traurig, aber es kam so viel Gefühl rüber, daß ich heulend in der Dunkelheit saß. Was für eine wunderbare Inszenierung und eine super Leistung der Sänger. Ulf Paulsen paßte wirklich perfekt in die Rolle des Frank Maurrant und Janice Hall spielte seine Frau Anna erstklassig. Sehr gut hat mir auch gefallen, wie das Mädchen am Radio sich in Ihre Tochter Rose verwandelte. Der Wechsel zwischen den Geschehen war perfekt dargestellt. Alles war perfekt und somit auch mein Wochenende. Vielen Dank an alle Beteiligten! Ihr wart spitzenmäßig - wie immer!
Eure Jana