4. Sinfoniekonzert
Robert Schumann & Igor
Strawinsky
Es erklingen alle Bäume
Und es singen
alle Nester -
Wer ist der Kapellenmeister
In dem grünen
Wald-Orchester?
Ist es dort der graue Kiebitz,
der
beständig nickt, so wichtig?
Oder der Pedant der dorten
Immer kuckuckt,
zeitmaßrichtig?
Ist es jener Storch, der
ernsthaft,
Und als ob er dirigieret',
Mit dem langen Steckbein
klappert,
Während alles musizieret?
Nein, in meinem eignen Herzen
Sitzt
des Wald's Kapellenmeister,
Und ich fühl' wie er den Takt schlägt,
Und ich
glaube Amor heißt er.
So schön beschreibt Heinrich Heine den Frühling. Die
Liebe erwacht genauso wie die Natur um uns.
Leider ist es hier grauer
Februar und wir müssen noch ein bißchen auf diese wunderbare Zeit warten. Aber
was gäbe es Schöneres um die Wartezeit zu verkürzen als ein Frühlingskonzert?
Unser Opernhaus traf da genau meine Vorstellungen und ich konnte mich trotz der
vielen Events die ich diesen Monat geplant habe nicht zurückhalten. Diesmal fand
das Konzert in der Händelhalle statt. Etwas außergewöhnlich, da sie sonst immer
im Opernhaus musizieren.
Aber gut, ich war das letzte Mal zur Eröffnung der
Händelfestspiele in der Händelhalle und wußte schon gar nicht mehr wie sie
aussah. Es ist wirklich ein Jammer, daß sie so wenig für Konzerte genutzt wird
obwohl sie viel schöner ist, als das Gewandhaus
in Leipzig. Es ärgert mich, daß
ich als Hallenser immer nach Leipzig fahren muß um ein großes Konzert zu hören.
Was ist mit unserer Philharmonie? Ich finde sie spielen viel zu selten in der
Händelhalle. Sie ist doch nicht für Verkaufsveranstaltungen und dumme Shows a la
Chippendales gebaut. Ich finde den Klang dort sehr gut und ich verstehe nicht,
daß in Leipzig die Konzerte fast immer ausverkauft sind und hier in Halle sich
nichts tut. Ich würde mir wirklich wünschen auch in Halle öfter in ein
großes Konzert gehen zu können. Na wenigstens versucht unser Opernhaus das mit
ihren Sinfoniekonzerten ein bißchen zu kompensieren.
Wo wir somit beim 4. Sinfoniekonzert des Opernhauses,
diesmal also in der Händelhalle, wären. Zu diesem Sinfoniekonzert haben
sie sich wirklich zwei krasse Gegensätze ausgesucht, die krasser nicht hätten
sein können: Robert Schumann mit seiner 1. Sinfonie und Igor Strawinsky mit dem
Frühlingsopfer. Mit Schumann haben sie den Frühling angelockt und mit Strawinsky
gleich wieder vertrieben. Aber gut, es ist ja erst Februar. Was soll der
Frühling denn da auch schon hier ;-).
Leider bekam ich diesmal kein so gutes Abendessen, da ich die Zeit vor dem Konzert zur Besichtigung meiner neuen Wohnung nutzen mußte. Endlich! Nach ca. einem Jahr suchen habe ich etwas gefunden, was mir zusagte und meine Stimmung für diesen Abend auf ein Jahrhunderthoch brachte. Was für ein schöner Tag - eine neue Wohnung und ein Frühlingskonzert - ich liebe diese Aufbruchsstimmungen. Das ist doch wirklich der beste Start in den Frühling. Jetzt fehlt nur noch die Liebe. Dann wäre die Frühlingsstimmung perfekt.
Die Konzerteinfühlung war wie immer sehr interessant.
Leider habe ich nicht den geringsten Schimmer von Musikgeschichte und
-interpretation.
Ich bin jedes Mal begeistert, was man so alles über die
Werke wissen kann oder sollte. Eigentlich ärgert es mich, das ich so wenig
darüber weiß und ich versuche diese gute Gelegenheit immer zu nutzen und mir so
viel wie möglich davon zu merken. Das Merken klappt auch, bis die Musik meine
Ohren berauscht, aber dann vergesse ich alles um mich herum und tauche ein in
eine andere Welt. Und jetzt sitze ich hier und kann mich nur noch an diese
schöne Musik erinnern, aber leider nicht mehr viel an ihre Geschichte und
Interpretation <seufz>.
Der Dirigent, Roger Epple, begann mit Schumanns
Sinfonie Nr. 1, der Frühlingssinfonie. Ähnlich eines Bächleins Plätschern,
plätscherte sie an mir vorüber. Nein, es ist ein wirklich schönes Werk, aber
irgendwie ist Schumann nicht gerade mein Liebling. Ich weiß zwar nicht warum,
denn die Frühlingssinfonie ist wirklich sehr schön, aber wahrscheinlich fehlt
mir bei Schumann die richtige Power. Roger Epple holte alles an Power raus, was das Stück
hergab, aber trotzdem klang es für mich eher seicht, eben wie eines Baches
plätschern.
Für mich ist Frühling doch mehr kraftvoll, auf zu neuen Taten! Laßt
das Leben erwachen und laßt die Liebe erwachen! Bei Schumann hatte ich doch mehr
den Eindruck er macht ein kleines Mittagsschläfchen in der Frühlingssonne - auch
nicht schlecht, aber das hebe ich mir doch lieber für den Sommer auf ;-). Aber
gut, das Stück war schon sehr schön von unserem Orchester interpretiert. Mehr
kann man da wirklich nicht herausholen.
Es war wie immer schön das Orchester zu beobachten. Meiner Meinung nach waren viele neue Gesichter dabei. Die erste Geige spielte diesmal Dorothée Stromberg. Wir kennen sie schon von ihrem brillanten Solo aus dem 3. Sinfoniekonzert: Brahms für Geige und Cello. Die "zweite" erste Geige war diesmal unter den Zuschauern und beobachtete das Treiben. Hans-Jörg Pohl spiele das erste Cello wie immer perfekt und unübertroffen.
Nach der Pause ging es weiter mit Strawinskys "Le
sacre du printemps", das Frühlingsopfer. Eigentlich ein Ballett, wo er versuchte
alte heidnische Bräuche in Musik zu transferieren, was ihm meiner Meinung nach,
sehr gut gelang.
Von Strawinsky kannte ich bis jetzt nur die Oper "The Rake's
Progress", welche wir eine Woche vorher gesehen haben. Und da hatte mich seine
Musik begeistert. Aber als bei der Konzerteinführung gesagt wurde, daß diese
Sinfonie aus einer anderen Schaffensepoche des Künstlers stammte und mit der
Musik aus der Oper überhaupt nichts zu tun hatte, machte ich mir schon Sorgen,
daß sie mir vielleicht nicht gefallen könnte. Der Anfang, die
Introduktion, schien das zu bestätigen. Sie klang in meinen Ohren ein bißchen
wirr und überhaupt nicht hörenswert. Ganz im Gegensatz zu der Musik der Oper.
Aber wir wurden ja bei der Konzerteinführung gewarnt, daß diese Musik etwas
sonderbar ist und eigentlich gar keine Musik. Sogar die Menschen zu Strawinskys
Zeit waren erschüttert. ABER dann..... mit den Tänzen der Jünglinge schlug er
uns die Töne nur so um die Ohren und mir begann die Musik zu gefallen.
Strawinsky arbeitete viel mit den tiefen Tönen. Er prügelte die Celli, daß
der Bogen von Hans-Jörg Pohl sogar ein paar Haare lassen mußte. Was für eine Wucht. Er
schmetterte die Töne durch den Saal, daß sie einen richtig in den Magen fuhren -
wunderbar! Sogar der Dirigent sprang daß das Potest wackelte und ich schon Sorge
hatte, daß es zusammenbräche. Nein, er war nicht sehr elegant, dafür aber sehr
kraftvoll. Sein Stil paßte zu Strawinsky.
Die Sinfonie gefiel mir immer
besser, aber ich denke, es lohnt sich nicht eine CD zu kaufen. Ich glaube
Strawinsky muß man life erleben. Diese Wucht hat nur Face to Face mit dem
Orchester Wirkung. Es freut mich, daß wir diese Chance noch öfter haben werden.
Zur Zeit spielen sie ihn überall - wohlmöglich haben wir ein Strawinsky
Jahr.
So und hiermit möchte ich schließen. Es ist jetzt fast Mitternacht und ich hab morgen einen ereignisreichen Tag vor mir. Immer noch habe ich Strawinsky im Ohr und mein Herz freut sich auf den Frühling und die Liebe und das nächste Sinfoniekonzert des Opernhauses. Weiter so und vielen Dank!
Eure Jana