Honk if you miss pluto

 

Wörlitzer Park Herbst 2005Gestern also wurde unserem letzten Planeten im Sonnensystem der Planetenstatus aberkannt. Dem kleinen Kerl, der mich schon mein ganzes Leben lang als Planet begleitete, dem mir liebsten unter den Planeten: Pluto.

Ich gab mich heute dem Vergnügen auf Naxos hin in freudigem Spaß und ohne auch nur eine Sekunde an diesen armen kleinen diskriminierten Kerl zu denken. Die Entscheidung der IAU in Prag erschüttert die Menschheit und Planetenwelt. Die Götter donnern im Zorn und das war selbst bis auf die Insel Stein in Wörlitz zu hören und zu spüren!

Da muss der große römische Gott Pluto (= griechischer Gott Hades) schon die Unterwelt hüten, bekommt auch nur noch den kleinsten Planeten ab und jetzt letztendlich wird er noch weiter degradiert. Na ob das dem Herrscher der Unterwelt wohl gefallen wird? Also langsam sollten wir uns hier oben auf der Erde vorsehen. Wenn der da unten einmal sauer ist kann es ganz schön Ärger geben. Der wartet nicht. Der nimmt sich, was er will --> siehe Wörlitzer Park - Insel Stein - Herbst 2005 Fruchtbarkeitsgöttin Persephone ( = Proserpina)!  Nur Orpheus und Eurydike (siehe Orpheus in der Unterwelt) konnten ihm entfliehen, der Rest schmort noch immer dort unten. Also, liebe Planetenforscher, seht Euch vor, mit wem Ihr Euch hier anlegt!!!

Selbst dem Theseus legte er Schlangenfesseln an, als dieser versuchte oben genannte Persephone zu befreien und hielt ihn in der Unterwelt fest - aber das kommt später - zuerst verdrehte Theseus der hübschen Ariadne den Kopf und nahm sie mit auf die Insel Naxos und mich sozusagen in das Wörlitzer Gartenreich auf die Insel Stein mit konzertanter Aufführung der Ariadne auf Naxos in der Brandes-/ Bendaeschen Fassung.

 

Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust auf Gondelfahrt und war sehr ärgerlich, daß sie uns nicht erlaubten "Ariadne auf Naxos" ohne Gondelfahrt auf der Insel Stein erleben zu dürfen. Denn das war eigentlich das, was mich hier an der ganzen Sache interessierte. Ich wollte wissen, wie das auf der "neuen" Insel musikalisch und gefühlsmäßig so rüberkommt. Ich wollte nicht wissen, wie mein Magen gefühlsmäßig beim Essen auf schaukelnder Gondel so reagiert. Wörlitzer Park - Gondelfahrt - Ariadne auf Naxos - August 2006 Aber es blieb mir nichts anderes übrig, als die 69 EUR zu zahlen und die schaukelnde Fahrt durch die Wörlitzer Seenlandschaft mitzumachen.

 

Ok, wenn ich ehrlich bin, muß ich zugeben, daß ich  zwei Gondelfahrten mit Kammermusik im letzten Jahr auch mitgemacht habe, auch aus reiner Neugierde, wie das alles so abläuft. Die Organisation war sehr gut, das Dinner auf schaukligem Boden hervorragend und unter dem Strich eine gute Sache, die man weiterempfehlen kann. Vor allem möchte ich das an die JUNGEN Leser meiner kleinen Berichte weiterempfehlen. Es ist wirklich sehr romantisch und liebevoll organisiert. Es macht Spaß, also bitte kommt und verdrängt diese vielen Rentner!!! Denn das war der Knackpunkt der ganzen Sache, der mir einfach nicht gefiel. Muss man denn, wenn man Klassik und Romantik liebt, dauernd von kaffeefahrenden Rentnern umgeben sein???? Nein, ich will hier wirklich nicht diskriminierend erscheinen, aber wenn sich dann die Herren Rentner noch einbilden 30 Jahre jüngere Frauen anbaggern zu können und bis zum unerträglichen aufdringlich werden und einfach nicht verstehen wollen, dass Frau davon schlecht ist und sie Wörlitzer Park - Gondelfahrt - Ariadne auf Naxos - August 2006 auf keinen Fall eine nähere Bekanntschaft eingehen möchte, dann ist selbst bei Frau das Fass am überkochen und die Gondelfahrt hat einen schlechten Beigeschmack hinterlassen. Man kann auf dem schmalen, schaukligen Boot leider nicht so einfach flüchten ohne nass zu werden.

 

Wiedererwartend und völlig entgegen meinen Vorstellungen war das dieses Mal nicht so. Wir waren eine interessante kleine gemischte Gruppe in unserer Gondel. --> Hurra!!! Die Jugend erobert die Seefahrt! -- und ich war erleichtert und begeistert zugleich, denn das was dann kam hätte ich ungern missen mögen.

 

Nachdem ich im strömenden Regen unter einem Baum an der Gondelstation stehend, noch einen kleinen Disput mit Zeus, der bei den alten Griechen auch für das Wetter zuständig war hatte, schaffte er es endlich die Wolken aufzulockern und die Sonne zum Vorscheinen zu bringen. Somit konnten wir unser trockenes Plätzchen unter dem Baum verlassen und mit den anderen Probanden, die hübsche kleine Gondel besteigen.

Wie schon gesagt, waren wir diesmal eine angenehme Gruppe mit einer überaus sympathischen und freundlichen, Gondolieri Führerschein innehabenden Gondolieri(-in), die uns sicher durch die schaukelnden Wogen der Wörlitzer Seenpracht und unter den vielen kleinen und schmalen Brücken hindurch jonglierte.

Wörlitzer Park - Gondelfahrt - Ariadne auf Naxos - August 2006Die Tische der schmalen Gondeln waren liebevoll gedeckt und das Dinner mit Wein sehr gut. Das Hotel "Stein" hat meiner Meinung nach hier eine wirklich gute Arbeit geleistet.

Bitte wundert Euch nicht, wenn ich das Wort "liebevoll" in diesem Bericht öfter gebrauche. Das kommt nicht daher, daß mein Wortschatz zu klein ist oder dass ich mein Lieblingswort "brillant" jetzt durch "liebevoll" ersetzt  habe, nein, daß kommt daher, daß das ganze Ereignis, in jeder Phase seines Ablaufes nicht nur perfekt organisiert war, sondern auch liebevoll umgesetzt wurde. Selbst der Verwaltungsdirektor Joachim Landgraf kümmerte sich von Beginn bis zum Ende liebevoll um seine Gäste.

Wo hat man das heute in der schnellen Massenabfertigung noch? Normalerweise sieht es doch mehr so aus: großer und schneller Durchlauf = höherer Gewinn. Da ist eigentlich kein Platz für "liebevoll" und DESWEGEN benutze ich das Wort in diesem Bericht sehr gern und danke liebevoll den Organisatoren und Ausführenden für diese liebevolle Aufführung der "Ariadne auf Naxos" und dem liebevollen Drumherum.

 

Wörlitzer Park - Gondelfahrt - Ariadne auf Naxos - August 2006Bei Sonnenschein und einem wunderbaren herbstlich aussehenden, spärlich bewölkten Himmel legten wir ab. Die Stimmung war unbeschreiblich. Es sah phantastisch aus, wie sich die Sonnenstrahlen den Weg durch die atemberaubend schönen Wolken bahnten - ein Bild für die Götter (Zeus, ich verehre Dich! Du bist ein Künstler!) und ich hatte meine Kamera nicht dabei. Welcher Gott hatte mich da nur irre geführt. So mußte ich leider mit der schlechten Qualität meines Handys vorlieb nehmen und Ihr jetzt hier auch - sorry für die schlechten Fotos. Ich habe mich unglücklicherweise von dem morgens schon absehbaren schlechten Wetter in die Irre führen lassen und das Handtaschengewicht stark belastende Fotografiergerät zu Hause gelassen. Asche auf mein Haupt und das Versprechen, daß ich mich das nächste Mal bessern werde!

 

Wunderschöne Spätsommerstimmung und leise Musik, die von Weitem an mein Ohr drang, tappte auf Zehenspitzen in mein Gemüt und meine Phantasie schlich sich in eine andere Zeit zurück.

Ein Pärchen in einer Gondel, welche langsam, von zarten Wellen umspielt der Abendsonne entgegengleitet - uhhh, das ist Romantik pur..... verfolgt von zwei weißen Schwänen, sitzt dicht Wörlitzer Park - Herbst 2005 beieinander, fast zu dicht, auf der einzigen kleinen Bank am hinteren Ende der schmalen, golden im Wasser schimmernden, Gondel. Von Ferne ertönt ganz leise barocke Musik. Am venezianischen Schloß tanzt man Menuett und gibt sich anderen Vergnügungen hin. Ungesehen auf dem verschlungenen Pfaden des Sees, geschützt von merkwürdig exotisch aussehenden Bäumen und Pflanzen, treibt die kleine Gondel unbemerkt der Anderen, hinunter zu einer kleinen einsamen Insel..... er schaut sie liebevoll an und sie schaut schüchtern zur Seite ... er nimmt ihre zarte, weiße Hand und ein leichtes Rot streift ihr ebenholzsanftes Gesicht.............. seufzzzzzzzzzzz ........ Fortsetzung zu lesen bei Rosamunde Pilcher & Co.

Alles Quatsch und deshalb weiter im wahren Leben und auf schaukelnder Gondel mit kleinen musikalischen Highlights auf dem Wege zur Insel Stein.

Wieder eine von den liebevoll umgesetzten Ideen: Musik und Tanz und andere kleine Überraschungen am Ufer, von der Gondel aus zu beobachten, machten die Fahrt nicht nur für Botaniker und Feinschmecker zu einem interessanten Erlebnis und ließen letztendlich die hübsche  Gondelfahrt viel zu schnell vergehen. Jetzt kam ein ganz anderer Gedanke, als noch am Beginn der Gondelfahrt, in meinen Kopf: Warum müssen wir schon wieder aussteigen? Könnten wir Ariadne nicht einsam auf der Insel Stein weilen lassen und lieber noch ein wenig mit der Gondel auf den hübschen Wassern im Wörlitzer Seenparadies verbringen?

Golo Berg und die Anhaltische Philharmonie würden das schon verschmerzen. Sie würden bestimmt auch lieber ein bißchen in der immer noch vorhandenen Sonne faulenzen als den Kultur und Musik völlig ahnungslosen Zuhörern ihre kostbare Zeit zu opfern. Ein böses Mundwerk würde ja sagen: Perlen vor die Säue werfen - ha - wie gut, daß ich kein so böses Mundwerk habe und es waren bestimmt auch ein paar mehr Leute dabei, die wie ich, diese Musik lieben und nicht wegen dem guten Essen gekommen sind ;-)

Also gab es dann doch kein Faulenzen in der Sonne für die Philharmonie und ihren Boss, sondern gute Arbeit für gute Zuhörer.

Nach einem kleinen Zeitverzug, begründet der Kapazitätsengpässe auf dem Frauenklo (wie immer), nahmen wir unsere sitzkissengepolsterten Steinsitze im Kolosseum der Insel ein und warteten auf den Start des Spektakels durch das Stöckchen des Maestro. Hervorragend Herr Berg! Lautstärke und Klang meisterlich! Klanglich natürlich nicht ganz so gut, wie damals im Konzertsaal, aber trotzdem hervorragend in einer sehr schönen Atmosphäre.

Der junge, gelockte Theseus (diesmal gesprochen von Lukas Umlauft), die hübsche Ariadne (Kristine Walther) leicht gewandet barfuss im Gras und die Bergnymphe Oreade (Maria I. Cobo Méndez) edel und anmutig auf einem Stein über dem Geschehen, zogen die Blicke der Zuschauer auf sich.

Nur Orchester & Dirigent im deprimierenden schwarzem Outfit passten jetzt nicht mehr so recht ins Geschehen. Genauso wie die überdachte Bühne versauten sie ein bißchen das Bild.  --- Jaja, ist ja schon gut, wohl oder übel brauchten wir sie ja wegen der Musik und wegen des Regens brauchten sie wiederum die überdachte Bühne - ich bin ja schon still hier. Nagut, nagut, sie haben ja auch eine sehr gute Arbeit geleistet. Sie waren auch alle ganz ernst bei der Sache, wie immer und wie immer war noch nicht mal dem GMD auch nur ein klitzekleines Lächeln zu entlocken - hmmm - ernste Musik eben.

Allerdings, als Zeus Donner, die tragischen Worte der Ariadne untermauerte, ging ein herrliches Lächeln nicht nur durch die Fraktion der Zuschauer. Da versteh einer mal wieder die Menschen. Normalerweise lachen sie nie, aber in einer tragischen Situation mit himmlischer theatralischer Untermauerung, kann sich wieder keiner ein Lachen verbeißen - haha.

 

Theseus tötete den Minotaurus und konnte mit Hilfe der Intelligenz Ariadnes auch wieder dem Labyrinth entkommen. Was eine liebende Frau alles für ihren Wörlitzer Park - Herbst 2005 Auserwählten tut - hätte sie es mal lieber gelassen, dann hätte er ihr nicht das Herz gebrochen. 

Frauen gehen einfach in ihrer Liebe viel zu weit. Sie lassen sich zu schnell von ihren Gefühlen lenken und folgen ihm viel zu blauäugig. Männer sind dagegen viel pragmatischer und berechnender. Da gibt es keine Blauäugigkeit, sondern viel mehr genaue Abwägung und Berechnung: "Was ist für mich das Beste!"

Genau so auch Theseus, er brachte die zarte und hübsche Ariadne auf diese karge Insel, erfüllte seine Wünsche und folgte dann seinen Kumpanen um seine nächsten Wünsche zu erfüllen. Naja, vielleicht war er ja auch nur ehrgeizig und was sollte er auch mit einer hübschen und liebenden Frau an seiner Seite anfangen. Die ist da eher ein Klotz am Bein und hinderlich für seine weitere Karriere. Soll sie doch auf der Insel bleiben und machen, was sie will. Da hat sie ja immerhin ihre Freiheit und kann anhimmeln wen immer sie mag. 

-- Schade, Theseus hätte es bei ihr gut haben können, aber so hatte er seine Freiheit und konnte im Verlauf seines weiteren Lebens noch viele Kreaturen um die Ecke bringen und seinem Ehrgeiz war hoffentlich dadurch genüge getan. Hmmm ... wahrscheinlich hätte ihre Intelligenz ihm weitaus mehr eingebracht. Er hätte es einfach nur versuchen müssen.

Wörlitzer Park - Herbst 2005Arme Ariadne, einsam auf der Insel zurückgelassen stürzt sie sich bei Blitz und Donner in den Tod.... und das im wahrsten Sinne der Worte "Blitz und Donner". Zeus hat wahrscheinlich ähnlich gedacht und ließ es jetzt in nicht sehr weiter, eigentlich unberuhigend naher Entfernung gewaltig krachen. Das gab eine wahnsinns Stimmung zurück zur Insel und passte hervorragend zum Stück. Ein bißchen inszenierter Blitz im Hintergrund der Bühne war auch sehr schön, aber der Echte war besser! Wer von Euch Organisatoren hat den Deal mit Zeus gemacht? DAS war klasse!

Leider kam mit dem Blitz und Donner des Zeus nicht nur die wunderbare Stimmung, sondern auch der Regen rüber, so dass alle Beteiligten und Unbeteiligten fluchtartig das Terrain verließen und der schöne Vulkanausbruch nicht mehr ganz so zur Geltung kam.

 

 

 

 

.... und eins verstehe ich jetzt an der ganzen Geschichte nicht. Warum läßt Brandes sich die arme Ariadne auf Naxos zu Tode stürzen? Wollte er etwa nicht, daß sie dem alten Säufer und Schwerenöter Dionysos heiratet?

Denn in der eigentlichen Geschichte ist Theseus gar nicht so Karrierebesessen, sondern nur ein Feigling, der auf Befehl des Dionysos (wen wundert's) seine geliebte Ariadne auf der Insel zurücklässt. Dionysos erteilte den Befehl selbstverständlich nicht ganz ohne Hintergedanken. Der schnappte sich nämlich dann die hübsche Frau - naja, der hatte eben Ahnung, ist ja auch der Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase ;-) - oh ja, die beiden hatten bestimmt ein paar phantastische Stunden zusammen....

 

Vielleicht war Zeus ja deswegen auch sauer und schickte uns seinen Donner mit Regen - der mochte nämlich seinen Sohn Dionysos und fand das Ende der Brandeschen Story wahrscheinlich überhaupt nicht toll.

Ich fand das Ende auch nicht so toll und hätte lieber das der Mythologie gehabt. Dionysos war sicherlich ein toller Mann und Liebhaber und das hat Ariadne eher verdient, als Leid und Tod auf der kargen Insel Naxos durch Theseus feigen Ehrgeiz.

Wörlitzer Park - Herbst 2005

 

Gute Nacht und meine allerbesten Wünsche,

Eure Jana