SPETTACOLO  BAROCCO

Was stellt man sich unter Spettacolo Barocco vor? Barock-Musik? Nicht einfach was? - ja, darum bin ich auch völlig unvoreingenommen hingegangen und las erst im Programm, daß es um Zauberer, Hexen, Magie und Liebe geht. Ein nettes Märchen also. Ja schön, dachte ich mir. Könnte interessant werden. Ich mag Märchen von Zauberern, Hexen, Magie und Liebe :-) Was mich aber eigentlich dazu bewegte hinzugehen, war der Veranstaltungsort. Ich fand es eine gute Idee, das Ganze im Hof der Moritzburg stattfinden zu lassen - Open Air. Ich habe die ganze Woche gehofft, daß es nicht regnet! Und wie es aussah, hielt sich das Wetter, obwohl Gewitter angesagt war. 

Und es war eine Inszenierung von Axel Köhler. Von ihm habe ich schon eine Menge Gutes gehört, u.a. hat er auch die Oper "Teseo" (Händelfestspiele 2003) inszeniert. Leider hatte ich aus Zeitgründen keine Chance, es mir anzusehen, aber sie bekam sehr gute Kritiken und nächstes Jahr soll es wohl eine Wiederaufführung geben :-).

Da ich mir das Spettacolo unbedingt ansehen wollte, habe ich es zwischen meine beiden London-Trips geschoben. Leider gab es keine andere Möglichkeit. Busy Week ;-)

 Unsere Moritzburg gefällt mir sehr gut. Vieles ist neu restauriert und ich bin öfter hier, mal nur so zum spazieren gehen, aber hauptsächlich wegen Ausstellungen. (Darum auch ein paar ältere Abbildungen. Gestern waren einfach zu viele Menschen da und der Innenhof - völlig klar - kaum zu erkennen, wegen der Bühne)

Es hat mich sehr gefreut, daß das Opernhaus auf die gute Idee kam die herrliche Atmosphäre der alten Burg für ihre Aufführung zu nutzen. Das Spektakel fing auch erst 21:30 Uhr an. So war es schon ein bißchen schummerig und gab dem Ganzen noch einen besonderen Touch :-). 

Da ich zeitig genug da war, bekam ich auch einen guten Platz in der dritten Reihe und konnte mir in Ruhe eine ganze Stunde lang das Bühnenbild ansehen. 
Es war auch gut, zeitig da zu sein, so bekam man wenigstens noch einen halbwegs guten Parkplatz in der Nähe. Wie man als Hallenser weiß, sind die Parkmöglichkeiten auf dem Friedemann-Bach-Platz SEHR beschränkt. Gott sei Dank weiß man als Hallenser auch, wo die Schleichwege sind und wo man sonst noch so parken kann ;-). Als ich ankam, waren aber leider schon die meisten meiner liebsten Parkplätze besetzt :-(.  Es waren zu viele Hallenser da. Jede noch so kleine Lücke wurde ausgenutzt, aber ich fand noch ein - mehr oder weniger als Parkplatz anzusehendes - Plätzchen und mußte nur ein paar Schritte laufen - kein Problem. Wäre aber trotzdem schön, wenn wir in der Nähe ein Parkhaus hätten, schon weil das Opernhaus ja auch in der Gegend ist und man immer den selben Trouble mit der Sucherei hat - jaja - ich weiß, man könnte ja auch Straßenbahn fahren - aber Leute, ich kann doch nicht jedes Mal zeitiger Feierabend machen, damit ich 1 1/2 h mit der Straßenbahn in die Stadt gondeln kann!!!! ... und das auch noch bei den Preisen - nein Danke, da suche ich lieber eine halbe Stunde nach einem Parkplatz für mein sowieso schon kostendes Auto.

Die Opernbesucher strömten schon alle in Richtung Moritzburg und es war für eine Stunde vorher ganz schön viel los. Dank der guten Organisation des Opernhauses verlief das Plätzefinden ohne Gedränge. Ja, das muß man einfach sagen: die Organisation war perfekt. Programmhefte gleich am Eingang, nette Einweisung zu den Plätzen, ganz Durstige konnten sich sogar noch vorher ein Bier genehmigen. Der ganze Innenhof war voll Sitzplätze, Scheinwerfergestelle, Orchester"graben" und Bühne. Sie hatten bestimmt ganz schön zu tun, alles  unterzubringen. Haben es aber gut gelöst. 

Das Orchester war, ungewohnterweise,  hinter der Bühne und schien ziemlich groß zu sein. Die Bühne war grün und in zwei kreisförmige Platten unterteilt. Später habe ich mitbekommen, daß es sich um Inseln handelte. 
Um die grünen Inseln war Wasser in Form von kleinen blauen Plastbällen - ähnlich, wie McDonalds das für die Kids macht. Um die Bühne waren Schiffsteile aufgestellt - jedes einer Rolle zugeordnet. Rechts, links und hinter uns standen die Gestelle für die Beleuchtung. Sie waren riesig, störten aber
nicht. Im Großen und Ganzen war alles gut aufgestellt.

Der Beginn rückte immer näher, die Sitzplätze füllten sich und man konnte hier und da schon ein paar Gestalten in merkwürdigen Kostümen umherlaufen sehen. Ich lehnte mich zurück, blätterte noch ein wenig in meinem Programm und beobachtete mit einem Auge, wie das Orchester langsam eintraf und seine Instrumente stimmte.

So, ich denke jetzt ist es Zeit, erst 'mal etwas über die Handlung zu schreiben. Ich lasse mir da nichts Neues einfallen, es war alles sehr gut im Programm beschrieben.

Die Handlung (Quelle: Programm Spettacolo Barocco; Opernhaus Halle)

Die Vorgeschichte

Die böse Zauberin Alcina liebt den Krieger Medoro und den Ritter Ruggiero. Sie hält beide auf ihren Inseln fest. Die Gräfin Bradamante hat sich durch einen Zauberring in den Ritter Astolfo verwandelt, um an Alcinas Hof aufgenommen zu werden. Sie liebt Ruggiero, der sein Herz an Angelica verloren hat. Bradamante will ihn befreien und seine Liebe zurückerobern. Der weise Zauberer Atlante gibt sich als Ritter Orlando aus. Er steht Bradamante bei und will seinen Zögling Ruggiero vor Alcina beschützen. Atlante ist Alcinas geschworener Feind, denn Alcina hält auch den heiligen Lorbeerbaum auf ihrer Insel verborgen, der allen Menschen Glück bringen könnte. Die Prinzessin Angelica liebt Medoro. Und Medoro liebt Angelica in unwandelbarer Treue, seitdem er sie zum ersten Mal sah. Alcinas Verführungskünste richten bei ihm nichts aus. Angelica will Medoro heiraten, also macht sie sich zu Schiff auf den Weg in Alcinas Zauberreich.

Die Handlung

1. Teil

Angelica wird von Alcina erwartet. Sie bittet Alcina, den Lorbeer berühren zu dürfen und Medoro freizugeben. Alcina geht darauf ein, aber nur zum Schein. Atlante und Bradamante warnen Angelica vor Alcinas Ränken. Ruggiero ist auch in Angelica verliebt. Trotzdem will er Medoro zur Flucht verhelfen. Angelica will mit der Hilfe von Bradamante und Atlante die Rache Alcinas verhindern. Bradamante sorgt sich um den treulosen Ruggiero. Atlante tröstet sie: Sein Zauberschild wird ihn vor Gefahren schützen. Alcina tobt vor Eifersucht uns Hass, sie sinnt auf Rache. Sie beschwört ihre bösen Geister., damit sie Angelica und Medoro vernichten.

2. Teil

Angelica wurde von Alcinas Geistern gefangen genommen. Ihre einzige Sorge ist, was aus Medoro wurde. Wenn nur er am Leben bleibt, dann will sie getrost und tapfer sterben. Alcina ist tief gekränkt, weil Medoro nicht sie gewählt hat, sondern nach wie vor Angelica liebt. Das soll er büßen. Wenn er ihr jedoch entsagt, dann darf Angelica in Freiheit die Inseln verlassen. Angelica und Medoro halten trotz der Drohungen treu zueinander. Alcina ruft das Meeresungeheuer, das Angelica vor den Augen des Medoros verschlingen soll. Bradamante und Ruggiero retten jedoch beiden das Leben. Atlante verhindert, daß Bradamante sich jetzt schon Ruggiero zu erkennen gibt. Auf ihn warten noch größere Taten. Ruggiero wird aus Liebe zu Angelica weiter kämpfen. Atlante tröstet Bradamante: Alles wird gut werden. Dann ruft er zum Kampf gegen Alcinas Zaubergeister auf.

3. Teil

Alcina hat keine Macht mehr über das Schicksal von Medoro und Angelica, doch den Glück bringenden Lorbeer will sie noch vernichten. Listig benutzt sie Ruggieros Liebe zu Angelica, um ihn gegen Medoro aufzuwiegeln. Angelica und Medoro sind wieder vereint. Atlante verspricht, daß der ewig grünende Lorbeer ihr Glück besiegeln wird, wenn Alcinas Burg in Staub zerfallen ist. Alcina ruft die Geister der Luft, der Erde und der Hölle herbei, doch sie gehorchen nicht mehr. Sie weint, weil ihre Zauberkräfte schwinden. Ruggiero stellt Medoro zum Zweikampf um Angelicas Liebe. Den Streit der Kampfhähne schlichten Atlante, Angelica und Bradamante. Atlante verbindet Angelica und Medoro auf ewig, gleichzeitig begreift Ruggiero seine Untreue gegenüber Bradamante und hofft auf Verzeihung. Alcina verhöhnt das Glück der Anderen: Noch befindet sich der Lorbeer und Angelicas Gefolge in ihrer Macht. Atlante befreit den Baum und die Gefangenen, dann gibt er sich zu erkennen. Alcina bittet um Hilfe, die alle, denen sie nach dem Leben trachtete, verweigern. Bradamante verwandelt sich wieder in Ruggieros Geliebte. Alcina legt ihr Leben in Angelicas Hände. Die Prinzessin aber lässt Milde walten. Sie schenkt Alcina das Leben.

Meine zwei Cent

Der erste Akt begann sehr vielversprechend. Das Orchester saß hinter der Bühne, mehr oder weniger in zwei Hälften aufgeteilt. Möglicherweise mit Absicht oder aus Platzmangel. Steffen Leißner dirigierte. Es hörte sich sehr gut an, als die Melodie von der linken Seite auf die rechte Seite überschwappte. Genauso gut klang der Chor, der links und rechts von den Zuschauerreihen sang. Der erste Aufzug gefiel mir sehr gut und ich freute mich schon auf eine gute Vorstellung.

Die Oper wurde in Deutsch gesungen. Das klang ein bißchen befremdend für mich, da ich Opern in Italienisch lieber mag. Aber das wusste ich ja vorher. 

Der erste Akt begann mit drei niedlichen Delphinen, die sich durch die blauen Bälle, welche das Wasser darstellten, kämpften. Vom Geräusch her klang es wirklich wie Wasser und war, meiner Meinung nach, eine gute Idee. Die Kids unter den Kostümen haben ihren Job sehr gut getan, aber was das Ganze mit der Oper zu tun hatte, weiß ich nicht. Dem Publikum schien es zu gefallen - es lachte. Konnte aber auch sein, daß das Lachen nichts weiter zu bedeuten hatte, denn manche Leute im Publikum lachten sowieso immer, selbst als das Meeresungeheuer den Delphin verschlang, oder Medoro gefesselt und getrennt von seiner Liebsten am Burgturm aufgehängt wurde.

Die Zauberin Alcina, gesungen von Romelia Lichtenstein,  tauchte mit ihrem Gefolge und zwei Kriegern in Ketten auf. Sie sang und das Ballett, welches ihr Gefolge darstelle, tanzte. Leider ging der Gesang etwas in dem nicht sehr leisen Auftreten des Balletts unter und man mußte sich anstrengen, etwas zu verstehen. Ich nehme an, daß es eher an der Bühne als an der nicht sehr kraftvollen Stimme der Sängerin lag. Ich kann mir vorstellen, daß das Singen unter freiem Himmel sehr schwierig ist, da die Akustik sehr schlecht ist. 
Die Choreographie für das Ballett gefiel mir sehr gut, die Kostüme in gedämpftem Rot auch. Die Kleidung der beiden Krieger, Medoro, gesungen von Annette Reinhold, und Ruggiero, gesungen von Christian Zenker, hatte einen morgenländischen Touch. Das passte gut. Vom Gesang her waren mir ihre Stimmen zu hoch und zu flach. Ich hätte hier lieber etwas Kräftigeres gehabt, aber vielleicht sollte es so sein. Ich hatte sowieso den Eindruck, daß die komplette Oper in einer Tonlage gesungen wurde. Es gab mir zu wenig Höhen und Tiefen. 
Atlante (Daniel Blumenstein) als Bariton gefiel mir stimmlich schon besser. Meiner Meinung nach waren seine und die Stimme von Angelica ( Anke Herrmann) die Besten dieser Oper..... und ebenfalls meine ich, daß der Chor sehr gut war. Allerdings fand ich die Kostüme des ersten Auftrittes ein wenig kitschig. Den Sinn der blanken Busen und Bäuche habe ich bis heute nicht verstanden. Gott sei Dank wechselte das Outfit zum Besseren.

Atlante und Bradamante (Lorena Espina) waren ebenfalls im ersten Aufzug auf der Bühne. Da fand ich die Kostüme schon etwas schrill, aber noch schriller wurde es, als Angelica in Neongrün auftauchte. Nein, das war nicht mein Geschmack. Sonst entsprach sie der Beschreibung als hübsche Prinzessin. 

Und wie es so im Märchen ist, wurde die hübsche Prinzessin von den furchterregenden Geistern der bösen Zauberin gefangen genommen. Bis dahin konnte ich alles ganz gut ertragen, trotz einiger kitschigen Einlagen. Aber als Ruggiero nach dem Kampf eine Wiederbelebung mit Mund-zu-Mund Beatmung und Herzmassage bekam, verschlechterte sich meine Meinung über die Inszenierung drastisch und ich hoffte auf Regen um Weiterem entfliehen zu können. Es machte auch erst den Anschein, als ob die Engelchen dort oben mein Leid teilten, aber dann blieb es bis auf ein paar Tropfen doch trocken. Die Meute lachte wieder und ich dachte, ich wäre im falschen Film - oder hier Oper. Am grauenvollsten war die Tanzeinlage eines einzelnen  - Geistes?!?. Der Tänzer war gut, aber die Choreographie schlecht. Sorry für die Bemerkung, aber warum muß der lange dünne Bursche so mit seinem Röckchen rumwedeln und seinen schillernden grünen Bauch zeigen? Das ist ebenfalls etwas, was ich immer noch nicht verstanden habe. Die Szene im Verlies war ein richtiger Lichtblick. Meiner Meinung nach die beste Szene in der ganzen Oper. Die Geister mit ihren weißen Gesichtern - leider geklaut von Scream - waren gut inszeniert. Sie liefen mit ihren großen weißen Händen durchs Publikum und wirkten schon ganz schön unheimlich. Dann das Duett der beiden Gefangenen, die nicht von einander lassen wollten - auch gut inszeniert. Dann die Szene mit dem Meeresungeheuer, wie es mit glühenden Augen aus dem Wasser auftaucht - sehr gut. Dann wurde es leider wieder kitschig, indem es einen der drei  Delphine fraß und mit Wasser ins Publikum spritze - welches sich allerdings darüber freute und wiedermal lachte und ich mir etwas fehl am Platze vorkam.

Ruggiero, nach seiner Wiederbelebung, zog mit einem blendenden Zauberschild in den Kampf, welches ihn vor Gefahren schützen sollte. Das Schild war mit einem Tuch bedeckt und immer wenn es ein wenig geliftet wurde, blendete es strahlend weiß - sehr gut durch Lichteffekte dargestellt.

Es gab einen Kampf mit dem Ungeheuer und einen beeindruckender Kopfsprung von Ruggiero ins kühle "Nass". Ich meine, daß war schon SEHR mutig von Christian Zenker. Ich wäre bestimmt nicht so ohne weiteres kopfüber in blaue Plastikbälle gesprungen.

Das Ungeheuer, nach seinem gelungenen Tod, spukte auch wieder den halbverdauten Delphin aus, wobei das Publikum erleichtert aufatmete. Dann folgte durch Ruggiero angespornt von Bradamante, wieder eine Mund-zu-Mund Beatmung und Herzmassage für den Delphin. Das Publikum freute sich und mir wurde übel. Für wie dämlich halten sie uns wohl? Was sollte dieser Quatsch darstellen? 

Im dritten Akt gab es noch einen Zweikampf der beiden "männlichen" Kontrahenten. Ich würde ihn als gelungen bezeichnen, wenn nicht wieder diese albernen  Einlagen gewesen wären. 

Angelica bekommt ihren Medoro, Bradamante Ruggiero und Alcina eine gnädigere Strafe als sie verdient hatte. Das Publikum bekommt ein kleines Feuerwerk. Der grüne Lorbeer wird befreit und alle leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Wer Kitsch mag, für den ist diese Inszenierung der  Oper genau die Richtige. Mir persönlich gefiel sie nicht, aber das Publikum freute sich über jede lächerliche Einlage. Allerdings belohnte es diese zum Schluß nicht gerade mit sehr viel Applaus.

Tut mir leid, daß ich keine bessere Meinung von dieser Inszenierung habe, aber vielleicht liegt es auch an meinem komischen Geschmack.
Eure Jana.
Axel Köhler

 

ps. Gestern (24-01-04) habe ich ein Interview des Senders TV-Halle mit Axel Köhler gesehen. Ich denke, das könnte Euch interessieren (wmv; ca. 3,5 mb).