Ein Sommernachtstraum

"Verliebte und Verrückte sind beide von so brausendem Gehirn.
So bildungsreicher Phantasie, die wahrnimmt,
Was nie die kühlere Vernunft begreift."

 

(1564-1616) ???Oh yes Mr. Shakespeare, wie recht sie doch haben und was für eine schöne Geschichte sie doch über die Wirren der Liebe geschrieben haben. Was für ein schönes Begehren und was für eine schöne Phantasie die Menschen wie die Elfen doch unter dem Vollmond einer Midsummer Night heimsucht. Es ist wie eine Sinfonie mit so viel Melodie und Romantik in die Frau sich wunderbar fallen lassen kann. Jaja, ich weiß, ich bin wieder hoffnungslos romantisch, aber so ein paar kleine Fehler hat eben jeder...

 

Zwei Tage Qualitätsaudit, meinen Umzug in die neue Wohnung und die Prüfung zur internationalen Wirtschaft hinter mich gebracht endlich wieder im Theater. Diesmal zur Premiere des Sommernachtstraums von William Shakespeare hier am neuen theater. Ich war sehr gespannt auf diese Inszenierung. Es ist eines meiner liebsten Stücke und ich habe es das letzte Mal in Sheffield im Crucible gesehen. Da hat es das nt wirklich schwer dem gegenüber zu bestehen. Ich denke die Michael Grandage Inszenierung ist nicht mehr zu toppen. Aber egal, wenn unser nt den "Midsummer Night's Dream" auf die Bühne bringt bin ich natürlich dabei - keine Frage. Und da Frau es nie abwarten kann, natürlich wieder zur Premiere. 

Ich habe mich wirklich schon eine ganze Weile darauf gefreut, erst recht, als ich der Einladung des nt folgte und zu einer ihrer Proben mir schon mal einen Vorgeschmack geholt habe. Mit einer Freundin aus alter Buna-Zeit getroffen und nach einem Schwatz im "Las Salinas" nutzte ich die Chance an einer Probe des nt zum Sommernachtstraum teilzunehmen. Ich finde solche Sachen immer interessant und da der Eintritt frei war - warum nicht hingehen und es sich ansehen. Meiner Meinung nach eine gute Idee vom nt. Der Regisseur war sympathisch und ich konnte wiedermal ein paar Fragen loswerden. Aber gut, ich will ja nicht über die Probe schreiben, sondern über das Stück.

 

Den ganzen Tag wegen Teppich und Lampen umhergefahren, war ich froh am Abend ein bißchen Abwechslung im Theater zu bekommen. Leider hat die Zeit für ein Dinner nicht mehr gereicht und ich mußte mit knurrendem Magen in die Vorstellung. Das "Las Salinas" wird mich schon vermissen.

Trotz unser etwas späteren Ankunft, bekamen wir noch gute Plätze in einer der vordersten Reihen. Die Premiere war natürlich wieder ausverkauft und langsam kenne ich auch die Zuschauer schon. Ein paar bekannte Gesichter, darunter auch der Rest der nt-Crew konnte ich ausmachen. Das Bühnenbild fand ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht und die Auswahl der Schauspieler war perfekt. Genau so hätte ich es auch gemacht. Lutz Teschner spielte den Oberon/ Theseus und völlig klar Wolfgang Boos den Puck, seinen besten Freund und Gehilfen. Elke Richter als Titania/ Hippolyta fand ich auch sehr gut gewählt. Genauso wie Hilmar Eichhorn als Zettel. Mit der Übersetzung der Namen komme ich noch ein bißchen durcheinander. Im Englischen war das doch nicht so ganz das selbe. Zettel hieß dort z.B. Bottom. So richtig habe ich noch nicht heraus gefunden, warum sie die Namen anders übersetzten und die armen Zuschauer so durcheinander bringen. Aber natürlich war es für mich im Deutschen viel einfacher der Handlung zu folgen..... aha, darüber haben sie also gesprochen <grins>.

Programm des nt

Es begann mit Theseus und Hippolyta. Da Theseus Hippolyta aus ihrem Reich entführt hatte, wollte diese sich natürlich nicht so richtig mit ihm verloben. Elke Richter gefiel mir sehr gut in der Rolle der Hippolyta und Lutz Teschner überzeugte mich auch als Theseus. Ja, das paßte gut. Leider stört Egeus die "traute" Zweisamkeit mit seinen Problemen - ja, wieder die Liebe im Spiel. Der eine liebt die eine, aber die liebt einen anderen - traurig, aber so ist es im Leben nun mal. Ganz selten bekommt man das, was man wirklich will. Shakespeare hat das schon sehr schön erkannt und wunderbar umgesetzt. Die Geschichte würde sehr traurig enden, wenn es da nicht diesen Vollmond gäbe, der die Liebenden durcheinander bringt, aber leider bei unserer Inszenierung nicht so richtig rüber kam. Sonst gefiel mir der Anfang sehr gut und die Kostüme paßten meiner Meinung nach auch.

Dann kam der Wechsel in das Elfenreich. Da fand ich die Inszenierung von Michael Grandage besser. Er ließ Oberon als König auftreten. Seine Erscheinung damals war sehr beeindruckend und ließ uns den Atem anhalten - ja, DAS war ein König! Hier ging diese Erscheinung ein wenig unter, obwohl das Kostüm und die Besetzung wirklich sehr gut waren. Das Erhabene und Königliche hat leider gefehlt. Gut, aber das ist Geschmacksache. Unser Oberon war eben ein bißchen verspielter, was wahrscheinlich auch zu den Elfen passt. Er neckte sich mit Puck und die beiden hatten ihren Spaß noch vom letzten Schabernack. 

 

Die Szene vorher gefiel mir auch sehr gut. Danne Hoffmann als Bohnenblüte, eine Elfe aus Titanias Gefolge hatte auch ihren Spaß mit Puck und es war wirklich ein schönes Pärchen. Ich würde fast sagen, daß war eine der besten Szenen aus dem Stück. Ich fand die Elfen waren überhaupt sehr gut inszeniert und gespielt. Außer Danne Hoffmann waren da noch Mila Bruck, die Spinnweb spielte, Alexandra E. Kurziel als Motte und Daniela Voß als Senfsamen. Allerdings, was das mit der "Zerstückelung" von dem Kind auf sich hatte, habe ich bis jetzt nicht verstanden. Es war zwar hübsch gespielt und alles paßte zusammen, aber warum hatte jede ein Teil von dem Kind? Naja gut, man muß ja auch nicht immer den Gedankengängen des Regisseurs folgen können.

 

Herrlich war wieder die Eifersuchtszene zwischen Oberon und Titania - Ich finde diese Frau klasse! ... und was sich neckt, das liebt sich. Aber diesmal zeigt sie ihm die kalte Schulter. Armer Oberon, aber selbst daran schuld. "Wie, Oberon ist hier, der Eifersücht'ge? Elfen, schlüpft von hinnen, denn ich verschwor sein Bett und sein Gespräch." Hehe, ja, da hilft nur eine kalte Dusche. Aber Titania ist nicht minder eifersüchtig - och ist die Liebe nicht ein schönes Spiel?

Und dann geht es rund. Weil Oberon Titania nicht mehr mit Worten und Persönlichkeit gewinnen kann versucht er den Trick mit der Blüte, deren Saft Titania wieder verliebt in ihm machen sollte. Tja und natürlich kommt es erstens immer anders und zweitens als man denkt. Oh wie perfekt Shakespeare das Stück doch durchdacht hat. Was für ein Genie! Und um den Wirrungen noch eins drauf zu setzen bringt unser Puck auch einiges bei den anderen beiden Pärchen durcheinander.

Och, ich glaube, ich sollte hier nicht so durcheinander schreiben. Shakespeare hat da schon eine richtige Reihenfolge ;-). Natürlich wird der Zuschauer am Anfang in Szenerie eingeführt. Shakespeare stellt uns die sternenäugige Hermia, gespielt von Daniela Schober und ihren Liebhaber Lysander (Martin König) vor. Das wäre ja schön, wenn da nicht Demetrius (Tobias Schulze) wäre, der Hermia begehrte und ihren Vater überreden konnte zu seinen Gunsten zu entscheiden. Was nun Hermia? Tod oder ein leben in Keuschheit? Was für ein Opfer Theseus da von ihr verlangt, nur um den Vater der Braut zufriedenzustellen. Völlig klar, daß die beiden Liebenden fliehen und sich dazu im Wald treffen wollen. Genau dort, wo Puck und Oberon mit der Blüte gerade ein Chaos fabrizieren. Wie kann Puck aber auch Lysander mit Demetrius verwechseln. - Oh, ich habe noch etwas vergessen, es gibt natürlich nicht nur die unglückliche Liebe der beiden Königskinder, die nicht zusammen kommen können, sondern auch die arme Helena, die unglücklich in Demetrius verliebt ist. "Ach Du arme Helena (Anja Pahl) verschwende nicht deine Zeit mit einem der nicht will - eine Tür schlägt zu und tausend stehen noch offen. Such' Dir etwas anderes, er hat Dich nicht verdient...." aber leider ist das in der Liebe nicht so einfach. Sie kann nicht von ihm lassen und läuft ihm permanent hinterher. Er kann das gar nicht leiden und will sie loswerden - oh wie erniedrigend! Das dachte sich auch Oberon und beauftragte Puck den Saft der Blüte auch in die Augen Demetrius' zu träufeln, so daß er sich in Helena verliebe und es endlich ein Happy End gibt - hehe, und somit wären wir wieder bei: erstens kommt es anders, als man zweitens denkt. Es wäre ja keine Komödie, wenn es nicht solch herrliche Verwechslungen gäbe. Natürlich verwechselte Puck Demetrius mit Lysander und Helena hatte letztendlich zwei Kerle am Hals, was ihr aber auch nicht so richtig paßte. Versteh einer diese Frau. Statt es zu genießen läuft die vor ihnen weg! Hermia wußte auch nicht wie ihr geschah, denn plötzlich waren die Männer nicht mehr hinter ihr her - wie sonst. Tja, das brachte einige Verwirrung in ihr Leben und die Zuschauer amüsierten sich auch noch darüber. "Also meine Damen und Herren! Zeigt gefälligst mal ein bißchen Mitleid und lacht nicht unentwegt!" Aber das Schönste war natürlich, daß Oberon selbst auch nicht das bekam, was er wollte, da ein anderer Schneller war als er und dann auch noch ein Mensch - oder in dem Moment ein Esel - und diesen Streich hatte sein getreuer Freund Puck auf dem Gewissen - tja, Oberon selbst daran schuld, was setzt Du dem Puck auch solche Flausen in den Kopf. Verwandelt unseren armen Zettel einfach in einen Esel. So schlecht war das Stück der Handwerker nun auch wieder nicht, daß er so etwas verdient hätte. - Oh, das hatte ich auch vergessen zu erwähnen - naja, aber ich denke, Ihr kennt alle das Stück und wisst, was ich meine. Was, Ihr könnt Euch nicht mehr an die Bande von Handwerkern erinnern, die ein Theaterstück proben um dies zur Hochzeit von Theseus und Hippolyta aufzuführen? Also Leute, das ist doch so ein wunderbarer Geniestreich von Shakespeare den sollte man wirklich nicht vergessen.... und die Herren vom nt waren so goldig in ihren Rollen. Da gibt es wirklich nichts zu meckern. Meiner Meinung nach waren sie perfekt und im Vergleich zu Michael Grandage Inszenierung sogar besser.

 

Dann kam der erotische Teil, Titania verliebt sich in das erste Geschöpf, was sie erblickt .....

 

"Was du wirst erwachend sehn,

Wähl es dir zum Liebchen schön,

Seinetwegen schmacht und stöhn.

Sei es Brummbär, Kater, Luchs,

Borst'ger Eber oder Fuchs,

Was sich zeigt an diesem Platz,

Wenn du aufwachst wird dein Schatz;

Sähst du gleich die ärgste Fratz'!"

 

... tja Oberon, Pech gehabt, diesmal war es Zettel als Esel.

Michael Grandage damals ließ es gewaltig knistern. Harald Fuhrmann konnte das nicht so gut rüber bringen, war aber vielleicht auch nicht so gewollt. Er versuchte es mehr auf die lustige Art und Mr. Grandage ließ da eher die Atmosphäre vibrieren. Titania vergnügt sich mit dem Esel und der Rest der Liebenden jagt sich bis zur Erschöpfung durch den Wald.

Oh jeh, soviel Liebeswirren machen einen ganz schön besoffen und um die Gedanken etwas zu entwirren gab es jetzt eine Pause mit Rotwein. Ob der Rotwein bei mir allerdings zur Klarheit beitrug wage ich zu bezweifeln. Aber egal, Sommernacht, Vollmond und Liebeswirren bringen die Gedanken eh schon durcheinander, da macht das bißchen Rotwein auch nichts mehr.

 

Und wieder im Wald wird das Chaos langsam entwirrt. Oberon sieht das Desaster und versucht das Geschehen wieder in die richtigen Bahnen zu lenken und er wäre kein Elfenkönig, wenn ihm das nicht auch gelingen würde.

Wald - hmmm, irgendwie konnte ich mich bei dieser Inszenierung nicht so richtig in die Stimmung eines nächtlichen Waldes hineinversetzen. Ich denke, sie hätten etwas mehr mit der Beleuchtung herausholen müssen. Da war das Crucible in Sheffield unübertreffbar, oder auch unser Opernhaus hat diesbezüglich einiges mehr drauf. Naja, vielleicht lag es auch mehr an der Technik und nicht am Können der Beleuchter oder der Inszenierung. Das Bühnenbild mit den "Stahlplatten" war schon ok, aber ich konnte schlecht den Unterschied zwischen der Elfenwelt und dem hier und jetzt, oder besser dem vorher und früher erkennen. Nein, das fand ich nicht so gut.

Die Bühne auf der Bühne und das Drumherum allerdings war wieder gut gemacht und das Spiel im Spiel war perfekt. Es gab dem Zuschauer einiges zu Lachen. Das muß man sich einfach ansehen. Arme Wand, mußte einiges aushalten.

 

"Hier kommen die Verliebten, froh entzückt.

Glück, Freunde, Glück! Und heitre Liebestage

Nach Herzenswunsch!"

 

Ja, solch ein Ende ist mir das Liebste und ich schließe mich den Wünschen an. Draußen ist Frühling und man könnte wirklich Lust bekommen es den Herren und Damen im Stück gleich zu tun.

 

Das nt war wie immer Spitze und um den netten Abend einen netten Ausklang zu geben zog es Susi und mich wie immer in Strieses Biertunnel. Naja.... ich muß ehrlich zugeben, es lag wohl mehr daran, daß ich solch einen Knast hatte - nein, nicht weil Liebe hungrig macht, eher weil ich in diesem Falle kein Mittag hatte und meine Seele nach einem leckeren Wurstsalat lechzte, den ich in Strieses Biertunnel mit Sicherheit bekommen würde.

 

Nun ja und ein kühles Bier nach solch einem hitzigen Stück ist auch nicht zu verachten. Und das dachte sich wohl auch so mancher Herr an der Bar - PROST!

 

Eure Jana

 

ps. Jetzt hätte ich doch fast etwas vergessen....ich muß doch noch erwähnen, daß der Sound einsame Spitze war - super Herr Nilius, das hat mir wirklich gefallen!