Trauerspiele

Eigentlich wollte ich mir das 5. Klavierkonzert von Beethoven anhören, aber irgendwie waren sich Händelhalle und Philharmonie wohl nicht so ganz einig über ihren Spielplan und somit fiel mein liebstes Klavierkonzert ins Wasser oder da wir hier in Halle sind, in die Saale ... und das stimmte mich schon ein wenig traurig. - Aber wahrscheinlich hat sich der liebe Gott da oben gedacht: 'Aber Jana, Du hast Dein Lieblingskonzert doch schon vor ein paar Wochen in London gehört und kennst es so gut wie auswendig. Jetzt ist mal etwas Neues fällig! Und damit Du siehst, daß ich es eigentlich gut mit Dir meine, gibt es auch ein klitzekleines Stück von Deinem Liebling Beethoven.' Tja und da der liebe Gott wohl von Haus aus ein witziger Bursche ist, gab es zu Anfang dieses Konzertes die Ouvertüre zum Trauerspiel "Coriolan". Genau passend zu meiner Stimmung. - Ok, DAS war wirklich eine gute Wahl. Ich finde, daß ist die beste Ouvertüre die Ludwig van Beethoven (1770-1827) Beethoven fabriziert hat und dann hat es auch noch etwas mit meinem Lieblingsthema 'Theater' zu tun. - Genau, denn hier sind wir eigentlich näher am Theater als am Konzert. Sieht so aus, als ob Beethoven das Theater auch mochte, denn er hat einige Ouvertüren für Theaterstücke geschrieben. Die Bekannteste ist wohl die "Egmont" Ouvertüre. Oh ja, die ist auch wunderschön.
Heinrich Joseph von Collin (1772-1811) Coriolan - Ich weiß, daß jetzt alle an Shakespeare denken, genau wie ich, als ich den Namen "Coriolan" das erste Mal las - aber nein, meine Damen und Herren. Hier schrieb Beethoven die Ouvertüre für ein Theaterstück von Heinrich Joseph von Collin (1772-1811). Also nicht zu verwechseln mit Shakespeares "Coriolanus" aber sicherlich auch ein sehenswertes Stück.

Diesmal betrat Karel Mark Chichon das Podium und führte unser philharmonisches Orchester mit Bravour durch diese düstere Musik. Er schien mir zwar ein bißchen steif und bückte sich oft so tief, daß mir schon vom Ansehen das Kreuz wehtat. - Na ob das seinem Kreuz auf lange Sicht gut tut?! 
Er und das Orchester brachten die Tragik wunderbar rüber und mich zum Schaudern. Was für ein herrliches Stück! Ich liebe diese kraftvolle, unheimliche Musik. Sie bringt soviel Gefühl rüber. Beethoven war wirklich ein Genie und ich kann immer wieder tief in seiner Musik versinken. Ich hätte die Augen zumachen und sie in mich aufsaugen können. Wahrscheinlich hätte ich das auch tun sollen, denn ich hatte diesmal einen schlechten Platz in der Empore Reihe 9 erwischt. Die Stange vom Geländer war so ungünstig angebracht, daß sie mir die Sicht auf das Orchester versperrte, was ich sehr ärgerlich fand. Normalerweise sind die Plätze in der Empore der Händelhalle sehr gut, aber die Reihe 9 sollte man meiden, wenn man kann.

Nach der kurzen Ouvertüre von Beethoven folgte das Klavierkonzert dieses Abends. Diesmal spielte Yuki Matsúzawa.
Der Aufbau des Klaviers dauerte eine Weile und so hatten Dirigent und Orchester ein paar Minuten VerschnaufpausKarel Mark Chichon (Quelle: Programm des Konzertes)e. Ich schaute mich im Saal um und stellte fest, daß das Konzert so gut wie ausverkauft war - und das an einem Montag. Langsam habe ich doch noch Hoffnung für die Hallenser. Leider waren viel zu wenig junge Leute anwesend. Wenn ich das richtig überschaue, war ich mit unter den Jüngsten und das mit meinen Mitte 30. 
Ich verstehe nicht, warum immer nur Rentner in Konzerte gehen. Wie kann man sich als junger Mensch so etwas Schönes entgehen lassen? DAS waren noch Kunstwerke, überhaupt nicht zu vergleichen mit der heutigen im Studio produzierten Musik - ich möchte jetzt nicht sagen für Hirnlose, weil ich da sicherlich einige beleidige, aber manchmal kommt es mir wirklich so vor. Ok, man kann ja auch nicht alles über einen Kamm scheren. Auch heute gibt es gute Sachen - aber irgendwie, wenn ich mir das so ansehe, habe ich den Eindruck bei den Hitparadensongs über den Tisch gezogen zu werden. Und immer denke ich dabei an schnelle Produktion, Kommerz und Marktbefriedigung aber nicht mehr an Können, Gefühl und Genuß. Ich finde die "Macher" Yuki Matsúzawa (Quelle: Programm des Konzertes) sind so leicht zu durchschauen und mich ärgert, daß sie recht haben und so viele darauf reinfallen. Im Marketing habe ich gelernt, daß sie die Menschen wie Produkte behandeln und in Klassen einteilen. Sie kalkulieren genau, wie Mensch reagiert, wenn ihm bestimmte Dinge vor die Nase gesetzt werden. Und ! Das Erschreckende ist, sie haben recht. Sie wissen, wie sie die Masse optimal ausnutzen können und die Masse macht mit bei dem Spiel und läßt sich ausnutzen. Ist das nicht furchtbar? Ja, so etwas stimmt mich traurig und macht mich wütend und deshalb schwimme ich nicht mit in ihrem vorprogrammierten Strom - nein, ich lasse mich nicht in Klassen einteilen. Ich gehöre lieber zu der Minderheit, die sie als "unberechenbar" bezeichnen - nicht kategorisierbar, nicht mit Label am Ohr "Ich bin ein Idiot, Ihr könnt mir alles andrehen!" Pakt mich ruhig in die Spalte 'Singlehaushalt' aber denkt ja nicht, daß ich auch nach diesem Schema funktioniere!"
Sorry, das gehört eigentlich nicht zum Konzert, aber es war mir ein Bedürfnis und eine bitte an Euch, laßt Euch nicht in die Kategorie "Bildzeitungslesende und am Abend schwachsinnige Spielshows ansehende, durch Werbung manipulierbare, kleine Idioten" einteilen. Macht denen einen Strich durch die Rechnung, laßt Euch nicht für dumm verkaufen, fördert nicht diesen Schwachsinn, den sie Euch im Fernsehen aufzwingen, schaltet die Kiste ab und beschäftigt Euch mit den Menschen, die Ihr liebt. Das Leben ist kurz und gehört nicht verschwendet mit solch überflüssigen, zeitvergeudenden Mist! Es ist Zeit, die Ihr nie wieder bekommt. Nutzt diese lieber für etwas Sinnvolles. Verschwendet nicht Euer Leben, lebt und genießt es!!!!
Robert Schumann (1810-1856) So, und damit zum zweiten Genuß and diesem Abend, dem Klavierkonzert von Robert Schumann. Ich hatte diese Stück vorher noch nie bewusst gehört und jetzt liebte ich es vom ersten Ton an. Was für ein Meisterwerk und das, wo es sein einigstes Klavierkonzert ist - was für eine Verschwendung. Ich finde, es ist viel besser als seine Frühlingssinfonie. Der erste Satz ist der Schönste, wie immer bei Schumann <grins>. Als die Oboe so dominierend ihr Solo spielte und das Klavier so zaghaft folgte hatten sie mich schon gewonnen. Was für ein brillanter Einsatz und dann die Streicher mit dieser wunderschönen Melodie, die einen gleich ins Ohr geht. Ich habe mich sofort in dieses Stück verliebt und mußte mir heute erst mal die CD dazu besorgen, welche ich ganz günstig bei Müller in Halle erstand. Die haben einiges an gängiger Klassik ziemlich preisgünstig (3 bis 5 EUR), so daß bei mir da diesmal nicht nur Schumann mitging. Aber mit Schumann bin ich natürlich vom Parkhaus bis nach Hause gefahren. Die Musik ist so gut, daß ich zu gern noch bis München durchgefahren wäre. Hmmm... hätte ich einfach manchen sollen, A9 einmal München und zurück - nein, bei den Spritpreisen undenkbar ;-)

Johannes Brahms (1833-1897)Nach der Pause ging es weiter mit dem 2. Sinfoniekonzert von Brahms, auch ein wunderschönes Teil. Beim ersten Satz schien mir das Orchester ein wenig ruhig, aber ich finde der erste Satz ist auch nicht so besonders hervorzuheben. 
Der zweite Satz ist, meiner Meinung nach, der schönste. Er ist so herrlich traurig, daß einem fast die Tränen kommen könnten und das Orchester brachte dies auch hervorragend rüber. 
Wenn es nicht albern aussehen würde, hätte ich zu diesem Satz zu gern ein paar Tränen vergossen. Man konnte sich so herrlich in diese Traurigkeit fallen lassen und würde zu gern seinen Gefühlen dazu freien Lauf lassen - seufz.
Dies änderte sich im 3. Satz, welcher die Traurigkeit ein bißchen davon blies. Die Einsätze der Bläser waren besonders schön und der abrupte Wechsel zu den Streichern gefiel mir sehr gut. Brahms ist einer der Besten seines Faches, finde ich. Alle seine Sinfonien sind hörenswert und es lohnt sich immer ein Konzert zu besuchen. Konserve ist zwar nett, aber live ist immer etwas anderes und das Live des heutigen Abends war wunderbar. Unser philharmonisches Orchester ist sehr gut und der Dirigent nutzte dies auch ganz gut aus. Natürlich kein Vergleich mit Penderecki oder Blomstedt, aber trotzdem sehr gut. Im 4. Satz ließ er das Orchester seine volle Power zum Ausdruck bringen. Er dirigierte zackig, so daß ich immer an Marschmusik denken mußte, wenn ich ihm zusah. Und das Ergebnis war hervorragend - was für eine Kraft und Lautstärke, was für ein einzigartiger 4. Satz! Im wahrsten Sinne des Wortes - vierte Sätze sind selten und dieser hat sich wirklich gelohnt.
Vielen Dank an Dirigent und Orchester für diesen gelungenen Abend!
Leider konnte eine Sache meine schöne Stimmung noch trüben, das Parkhaus "Spitze" in der Nähe der Händelhalle. Ja, das ist wirklich "Spitze". Wer hat sich so etwas einfallen lassen? Ganz abzusehen von den Kosten, die enorm sind, was soll das, daß es nur zwei Automaten und nur eine Ausfahrt gibt? Nach so einem wunderbaren Genuß in der Händelhalle, muß man erst um seine 5 EUR Parkgebühr loszuwerden am Automaten Schlange stehen und dann auch noch an der Ausfahrt. Leider ging es nicht sehr zügig voran, weil die idiotisch eingestellten Ampeln an der Kreuzung nur für 5 Sekunden auf "grün" schalteten und wenn man dann noch einen "SK" vor sich hat, ist das Herauskommen um einiges erschwert ;-). Aber mal im Ernst, ist es nicht möglich, wie in Leipzig, für die Konzertbesucher einen Rabatt auszuhandeln? Das würde mich schon um einiges milder stimmen. Das Schlangesehen kann man sicherlich nicht vermeiden, da die ganze Spitze schlecht konzipiert ist und man das nun nicht mehr ändern kann. - Vielleicht einen dritten Automaten in der Händelhalle? Würde aber wahrscheinlich auch nicht viel nützen, da sich die Autos dann an der Ausfahrt stapeln. Vielleicht würde es helfen die Ampelfrequenz für die Abendstunden zu ändern, aber eigentlich ist das Projekt Spitze versaut und man kann nicht heraus aus diesem Desaster. Schade, es hätte eine schöne Sache werden können. Nagut, vielleicht kann ich das als "Außenstehender" nicht richtig beurteilen. Also, wenn mich jemand vom Gegenteil überzeugen möchte, kann ich gern diesen Abschnitt meines Berichtes entfernen, aber jetzt mußte ich das erst mal los werden!!!

Eure Jana