Trauerspiele
Eigentlich wollte ich mir das 5. Klavierkonzert von Beethoven
anhören, aber irgendwie waren sich Händelhalle und
Philharmonie wohl nicht so
ganz einig über ihren Spielplan und somit fiel mein liebstes Klavierkonzert ins
Wasser oder da wir hier in Halle sind, in die Saale ... und das stimmte mich
schon ein wenig traurig. - Aber wahrscheinlich hat sich der liebe Gott da oben
gedacht: 'Aber Jana, Du hast Dein Lieblingskonzert doch schon vor ein paar
Wochen in London gehört und kennst es so gut wie auswendig. Jetzt ist mal etwas
Neues fällig! Und damit Du siehst, daß ich es eigentlich gut mit Dir meine, gibt
es auch ein klitzekleines Stück von Deinem Liebling Beethoven.' Tja und da der
liebe Gott wohl von Haus aus ein witziger Bursche ist, gab es zu Anfang dieses
Konzertes die Ouvertüre zum Trauerspiel "Coriolan". Genau passend zu meiner
Stimmung. - Ok, DAS war wirklich eine gute Wahl. Ich finde, daß ist die beste
Ouvertüre die
Beethoven fabriziert hat und dann hat es auch noch etwas mit
meinem Lieblingsthema 'Theater' zu tun. - Genau, denn hier sind wir eigentlich
näher am Theater als am Konzert. Sieht so aus, als ob Beethoven das Theater auch
mochte, denn er hat einige Ouvertüren für Theaterstücke geschrieben. Die
Bekannteste ist wohl die "Egmont" Ouvertüre. Oh ja, die ist auch wunderschön.
Coriolan - Ich weiß, daß jetzt alle an Shakespeare denken, genau wie ich, als
ich den Namen "Coriolan" das erste Mal las - aber nein, meine Damen und Herren.
Hier schrieb Beethoven die Ouvertüre für ein Theaterstück von Heinrich Joseph
von Collin (1772-1811). Also nicht zu verwechseln mit Shakespeares "Coriolanus" aber
sicherlich auch ein sehenswertes Stück.
Diesmal betrat Karel Mark Chichon das Podium und führte unser
philharmonisches Orchester mit Bravour durch diese düstere Musik. Er schien mir
zwar ein bißchen steif und bückte sich oft so tief, daß mir schon vom Ansehen
das Kreuz wehtat. - Na ob das seinem Kreuz auf lange Sicht gut tut?!
Er
und das Orchester brachten die Tragik wunderbar rüber und mich zum Schaudern.
Was für ein herrliches Stück! Ich liebe diese kraftvolle, unheimliche Musik. Sie
bringt soviel Gefühl rüber. Beethoven war wirklich ein Genie und ich kann immer
wieder tief in
seiner Musik versinken. Ich hätte die Augen zumachen
und
sie in mich aufsaugen können. Wahrscheinlich hätte ich das auch tun sollen, denn ich
hatte diesmal einen schlechten Platz in der Empore Reihe 9 erwischt. Die Stange
vom Geländer war so ungünstig angebracht, daß sie mir die Sicht auf das
Orchester versperrte, was ich sehr ärgerlich fand. Normalerweise sind die Plätze
in der Empore der Händelhalle sehr gut, aber die Reihe 9 sollte man meiden, wenn
man kann.
Nach der kurzen Ouvertüre von Beethoven folgte das
Klavierkonzert dieses Abends. Diesmal spielte Yuki Matsúzawa.
Der Aufbau des Klaviers dauerte eine Weile und so hatten Dirigent und Orchester
ein paar Minuten Verschnaufpaus
e. Ich schaute mich im Saal um und stellte fest,
daß das Konzert so gut wie ausverkauft war - und das an einem Montag. Langsam
habe ich doch noch Hoffnung für die Hallenser. Leider waren viel zu wenig junge
Leute anwesend. Wenn ich das richtig überschaue, war ich mit unter den Jüngsten
und das mit meinen Mitte 30.
Ich verstehe nicht, warum immer nur Rentner in
Konzerte gehen. Wie kann man sich als junger Mensch so etwas Schönes entgehen
lassen? DAS waren noch Kunstwerke, überhaupt nicht zu vergleichen mit der
heutigen im Studio produzierten Musik - ich möchte jetzt nicht sagen für
Hirnlose, weil ich da sicherlich einige beleidige, aber manchmal kommt es mir
wirklich so vor. Ok, man kann ja auch nicht alles
über einen Kamm scheren. Auch heute gibt es gute Sachen - aber irgendwie, wenn
ich mir das so ansehe, habe ich den Eindruck bei den Hitparadensongs über den
Tisch gezogen zu werden. Und immer denke ich dabei an schnelle Produktion,
Kommerz und Marktbefriedigung aber nicht mehr an Können, Gefühl und Genuß. Ich
finde die "Macher"
sind so leicht zu durchschauen und mich ärgert, daß sie recht
haben und so viele darauf reinfallen. Im Marketing habe ich gelernt, daß sie die
Menschen wie Produkte behandeln und in Klassen einteilen. Sie kalkulieren genau,
wie Mensch reagiert, wenn ihm bestimmte Dinge vor die Nase gesetzt werden. Und !
Das Erschreckende ist, sie haben recht. Sie wissen, wie sie die Masse optimal
ausnutzen können und die Masse macht mit bei dem Spiel und läßt sich ausnutzen.
Ist das nicht furchtbar? Ja, so etwas stimmt mich traurig und macht mich wütend
und deshalb schwimme ich nicht mit in ihrem vorprogrammierten Strom - nein, ich
lasse mich nicht in Klassen einteilen. Ich gehöre lieber zu der Minderheit, die
sie als "unberechenbar" bezeichnen - nicht kategorisierbar, nicht mit Label am
Ohr "Ich bin ein Idiot, Ihr könnt mir alles andrehen!" Pakt mich
ruhig in die Spalte 'Singlehaushalt' aber denkt ja nicht, daß ich auch nach diesem Schema
funktioniere!"
Sorry, das gehört eigentlich nicht zum Konzert, aber es war mir ein Bedürfnis
und eine bitte an Euch, laßt Euch nicht in die Kategorie "Bildzeitungslesende
und am Abend schwachsinnige Spielshows ansehende, durch Werbung manipulierbare,
kleine Idioten" einteilen. Macht denen einen Strich durch die Rechnung, laßt
Euch nicht für dumm verkaufen, fördert nicht diesen Schwachsinn, den sie Euch im
Fernsehen aufzwingen, schaltet die Kiste ab und beschäftigt Euch mit den
Menschen, die Ihr liebt. Das Leben ist kurz und gehört nicht verschwendet mit
solch überflüssigen, zeitvergeudenden Mist! Es ist Zeit, die Ihr nie wieder
bekommt. Nutzt diese lieber für etwas Sinnvolles. Verschwendet nicht Euer Leben,
lebt und genießt es!!!!
So, und damit zum zweiten Genuß and diesem Abend, dem Klavierkonzert von Robert
Schumann. Ich hatte diese Stück vorher noch nie bewusst gehört und jetzt liebte
ich es vom ersten Ton an. Was für ein Meisterwerk und das, wo es sein einigstes
Klavierkonzert ist - was für eine Verschwendung. Ich finde, es ist viel besser
als seine Frühlingssinfonie. Der erste Satz ist der Schönste, wie immer bei
Schumann <grins>. Als die Oboe so dominierend ihr Solo spielte und das Klavier
so zaghaft folgte hatten sie mich schon gewonnen. Was für ein brillanter Einsatz
und dann die Streicher mit dieser wunderschönen Melodie, die einen gleich ins
Ohr geht. Ich habe mich sofort in dieses Stück verliebt und mußte mir heute erst
mal die CD dazu besorgen, welche ich ganz günstig bei Müller in Halle erstand.
Die haben einiges an gängiger Klassik ziemlich preisgünstig (3 bis 5 EUR), so
daß bei mir da diesmal nicht nur Schumann mitging. Aber mit Schumann bin ich
natürlich vom Parkhaus bis nach Hause gefahren. Die Musik ist so gut, daß ich zu
gern noch bis München durchgefahren wäre. Hmmm... hätte ich einfach manchen
sollen, A9 einmal München und zurück - nein, bei den Spritpreisen undenkbar ;-)
Nach der Pause ging es weiter mit dem 2. Sinfoniekonzert von
Brahms, auch ein wunderschönes Teil. Beim ersten Satz schien mir das Orchester
ein wenig ruhig, aber ich finde der erste Satz ist auch nicht so besonders
hervorzuheben.
Der zweite Satz ist, meiner Meinung nach, der
schönste. Er ist so herrlich traurig, daß einem fast die Tränen kommen könnten
und das Orchester brachte dies auch hervorragend rüber.
Wenn es nicht albern
aussehen würde, hätte ich zu diesem Satz zu gern ein paar Tränen vergossen.
Man konnte sich so herrlich in diese Traurigkeit fallen lassen und würde zu gern
seinen Gefühlen dazu freien Lauf lassen - seufz.
Dies änderte sich im 3. Satz, welcher die Traurigkeit ein bißchen davon blies.
Die Einsätze der Bläser waren besonders schön und der abrupte Wechsel zu den
Streichern gefiel mir sehr gut. Brahms ist einer der Besten seines Faches, finde
ich. Alle seine Sinfonien sind hörenswert und es lohnt sich immer ein Konzert zu
besuchen. Konserve ist zwar nett, aber live ist immer etwas anderes und das Live des
heutigen Abends war wunderbar. Unser philharmonisches Orchester ist sehr gut und
der Dirigent nutzte dies auch ganz gut aus. Natürlich kein Vergleich mit Penderecki oder
Blomstedt, aber trotzdem sehr gut. Im 4. Satz ließ er das Orchester seine volle
Power zum Ausdruck bringen. Er dirigierte zackig, so daß ich immer an
Marschmusik denken mußte, wenn ich ihm zusah. Und das Ergebnis war hervorragend
- was für eine Kraft und Lautstärke, was für ein einzigartiger 4. Satz! Im
wahrsten Sinne des Wortes - vierte Sätze sind selten und dieser hat sich
wirklich gelohnt.
Vielen Dank an Dirigent und Orchester für diesen gelungenen Abend!
Leider konnte eine Sache meine schöne Stimmung noch trüben, das Parkhaus
"Spitze" in der Nähe der Händelhalle. Ja, das ist wirklich "Spitze". Wer hat
sich so etwas einfallen lassen? Ganz abzusehen von den Kosten, die enorm sind,
was soll das, daß es nur zwei Automaten und nur eine Ausfahrt gibt? Nach so
einem wunderbaren Genuß in der Händelhalle, muß man erst um seine 5 EUR
Parkgebühr loszuwerden am Automaten Schlange stehen und dann auch noch an der
Ausfahrt. Leider ging es nicht sehr zügig voran, weil die idiotisch
eingestellten Ampeln an der Kreuzung nur für 5 Sekunden auf "grün" schalteten und wenn man dann
noch einen "SK" vor sich hat, ist das Herauskommen um einiges erschwert ;-).
Aber mal im Ernst, ist es nicht möglich, wie in Leipzig, für die Konzertbesucher
einen Rabatt auszuhandeln? Das würde mich schon um einiges milder stimmen. Das
Schlangesehen kann man sicherlich nicht vermeiden, da die ganze Spitze schlecht
konzipiert ist und man das nun nicht mehr ändern kann. - Vielleicht einen dritten
Automaten in der Händelhalle? Würde aber wahrscheinlich auch nicht viel nützen,
da sich die Autos dann an der Ausfahrt stapeln. Vielleicht würde es helfen
die Ampelfrequenz für die Abendstunden zu ändern, aber eigentlich ist das
Projekt Spitze versaut und man kann nicht heraus aus diesem Desaster. Schade, es
hätte eine schöne Sache werden können. Nagut, vielleicht kann ich das als
"Außenstehender" nicht richtig beurteilen. Also, wenn mich jemand vom
Gegenteil überzeugen möchte, kann ich gern diesen Abschnitt meines Berichtes entfernen, aber jetzt
mußte ich das erst mal los werden!!!
Eure Jana