2.
Sinfoniekonzert
Abschlusskonzert zu den Halleschen
Musiktagen
Heute mal wieder ein Konzert, weil es ist ja auch
so schön in der Nähe..... nein - eigentlich bin ich wiedermal zufällig
darüber gestolpert als ich auf der Suche nach Abwechslung zu meiner Lernerei
war. Ich mußte unbedingt raus, sonst wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen.
Ein Mensch kann eben nicht nur von Arbeit leben, ein bißchen Vergnügen braucht
Frau auch. Ich habe mich schon wieder erwischt, als ich beim Abtippen meiner
Finanzierungs-Vorlesungsunterlagen abschweifend auf diversen Kulturseiten
stöberte, ob da nicht etwas Interessantes zu finden sei.
Was für eine dumme Bemerkung, natürlich finde ich immer etwas Interessantes.
Als erstes war ich beim Spielplan des Leipziger
Gewandhauses, weil mir der Sinn nach einem Konzert stand. Da bin ich dann
auch schon über Peter Ruzicka gestolpert. Leider aber zu spät, das Konzert war
schon vorbei - ärgerlich. Ihn wollte ich schon immer mal erleben, wo Frau doch
schon so viel von ihm gehört hat. Sonst gab es im Gewandhaus nichts, was mir
für November zusagte.
Somit stöberte ich, nach ein paar Seiten Finanzierung tippen, weiter durch
Halles Kultur-Webseiten und landete wieder auf den Seiten unseres
Opernhauses, aber diesmal nicht bei den Opern, sondern bei den
Sinfoniekonzerten. Aha, was ist denn da so los im November? Klick und siehe da, Peter
Ruzicka und dann dirigiert er auch noch meinen Liebling Beethoven - na so
ein Zufall. Fantastisch - da konnte Frau natürlich nicht wiede
rstehen.
Warum auch, sie hat ja endlich das gefunden, was sie suchte und schon ging das
mit dem Lernen auch wieder besser voran.
Das es diesmal interessant werden würde hatte
ich schon an der Mischung gesehen: Mozart, Lachenmann, er selbst und Beethoven.
Mozart und Beethoven ist ja kein Thema, aber von Lachenmann habe ich noch nie
etwas gehört und von Peter Ruzicka ein, zwei mal eines seiner älteren Werke
irgendwo im Radio oder Fernsehen. Damals fand ich sie furchtbar aber jetzt hat
es mich sehr interessiert und ich war gespannt wie es sich live anhören würde.
Ich konnte meinen besten Kumpel Thomas wieder überreden mitzukommen, so
brauchte ich nicht allein zu
gehen.
Wir saßen ziemlich weit vorn, in der 3. Reihe, was für ein Konzert nicht sehr
günstig ist, sich aber dann doch als ganz guter Platz herausstellte.
Das Konzert begann mit Wolfgang Amadeus Mozarts
Konzert für Klarinette und Orchester (A-Dur). Die Solo - K
larinette
spielte Sharon Kam.
Eigentlich bin ich kein allzu großer Mozart-Fan, aber dieses Stück hat mich
vom ersten bis zum letzen Ton fasziniert. Wahrscheinlich lag das aber eher an
dieser hübschen Frau, die so bemerkenswert und mit so viel Gefühl ihre
Klarinette spielte, als an Mozart.
Es passte alles perfekt zusammen, das hallesche Orchester wie immer wunderbar,
Peter Ruzicka dirigierte und die Klarinette war erstklassig. Ich hätte
stundenlang zuhören können - ach war das wieder ein herrlicher Abend
<seufz> und das Leben kann so schön sein. Bei diesen Klängen könnte man
alles vergessen und sich nur noch fallen lassen.
Leider ging der erste Teil viel zu schnell vorbei, aber ich denke Sharon Kam
habe ich nicht zum letzten Mal gesehen und gehört.
Gleich
im Anschluss, vor der Pause dann Helmut Lachenmann, Tableau Stück für
Orchester. Da wurde ich gleich wieder aus meinen Träumereiern herausgerissen.
Ein krasser Gegensatz zu den weichen Mozartklängen. Ich glaube, das ist nicht
so richtig meine Musik, sehr hart und düster und für mich irgendwie
disharmonisch oder einfach nur modern. Genauso auch nach der Pause mit Peter
Ruzickas eigener Komposition, Memorial per G.S. für Orchester. Ich fand
beide Stücke sehr ähnlich. Die Klänge verbreiteten sich über das ganze Orchester.
Ich glaube es ist auch sehr schwer zu spielen und zu dirigieren.
Ich dachte mir, wenn ich jetzt die Augen schließe und einfach nur zuhören
würde, könnte ich mir vorstellen, daß ich in Schweden oder Dänemark an der
Küste stehe, es sehr kalt und regnerisch ist, vielleicht November oder
Dezember, die Wellen fast über mich drüber brausen und es langsam dunkel wird.
Alles ist grau in grau und sehr u
ngemütlich.
So ein Tag, wo man lieber zu Hause im Warmen sitzen möchte.
Irgendwie hat mich die Musik an die Krimis von Per Wahlöö und Maj Sjöwal
erinnert - kalt, düster, trostlos, beklemmend. Das ging unter die Haut.
Dann konnte man wieder aufatmen - Beethovens 4.
Sinfonie in alt gewohnter Weise. Was für ein schönes Stück und super
dirigiert von Peter Ruzicka.
Unsere Sitzplätze, die im ersten Teil sehr günstig waren, waren hier wieder
nicht so gut. Man bekam zu wenig vom Orchester zu sehen und vom Dirigenten
sowieso nur den Rücken ;-). Allerdings war es wieder ein Genuss für mich die
Geigen und Celli zu beobachten - ok - und natürlich auch den Dirigenten.
Ja, es war ein wunderbares Erlebnis Peter Ruzicka live zu sehen aber ein noch
größeres Erlebnis war es Sharon Kam spielen zu hören und zu sehen. Vielen
Dank an beide für den schönen Abend und natürlich einen speziellen Dank an
unser Orchester. Ihr wart wieder spitze.
Die Zusammensetzung der Stücke war interessant und gut gewählt. Selbst die beiden, für meine Ohren ungewohnten, Exkurse in eine andere Musikwelt haben mir gefallen und Thomas Kommentar dazu: "Das war das beste Konzert, was ich bis jetzt mit dir besucht habe" - na wenn das kein Kompliment ist ;-).
Eure Jana