Peter Ruzicka (geb. 1948) Quelle: seine Homepage2. Sinfoniekonzert
Abschlusskonzert zu den Halleschen Musiktagen

Heute mal wieder ein Konzert, weil es ist ja auch so schön in der Nähe..... nein - eigentlich bin ich wiedermal zufällig darüber gestolpert als ich auf der Suche nach Abwechslung zu meiner Lernerei war. Ich mußte unbedingt raus, sonst wäre mir die Decke auf den Kopf gefallen. Ein Mensch kann eben nicht nur von Arbeit leben, ein bißchen Vergnügen braucht Frau auch. Ich habe mich schon wieder erwischt, als ich beim Abtippen meiner Finanzierungs-Vorlesungsunterlagen abschweifend auf diversen Kulturseiten stöberte, ob da nicht etwas Interessantes zu finden sei. 
Was für eine dumme Bemerkung, natürlich finde ich immer etwas Interessantes. Als erstes war ich beim Spielplan des Leipziger Gewandhauses, weil mir der Sinn nach einem Konzert stand. Da bin ich dann auch schon über Peter Ruzicka gestolpert. Leider aber zu spät, das Konzert war schon vorbei - ärgerlich. Ihn wollte ich schon immer mal erleben, wo Frau doch schon so viel von ihm gehört hat. Sonst gab es im Gewandhaus nichts, was mir für November zusagte. 
Somit stöberte ich, nach ein paar Seiten Finanzierung tippen, weiter durch Halles Kultur-Webseiten und landete wieder auf den Seiten unseres Opernhauses, aber diesmal nicht bei den Opern, sondern bei den Sinfoniekonzerten. Aha, was ist denn da so los im November? Klick und siehe da, Peter Ruzicka und dann dirigiert er auch noch meinen Liebling Beethoven - na so ein Zufall. Fantastisch - da konnte Frau natürlich nicht wiederstehen. Warum auch, sie hat ja endlich das gefunden, was sie suchte und schon ging das mit dem Lernen auch wieder besser voran. 

Das es diesmal interessant werden würde hatte ich schon an der Mischung gesehen: Mozart, Lachenmann, er selbst und Beethoven. Mozart und Beethoven ist ja kein Thema, aber von Lachenmann habe ich noch nie etwas gehört und von Peter Ruzicka ein, zwei mal eines seiner älteren Werke irgendwo im Radio oder Fernsehen. Damals fand ich sie furchtbar aber jetzt hat es mich sehr interessiert und ich war gespannt wie es sich live anhören würde.
Ich konnte meinen besten Kumpel Thomas wieder überreden mitzukommen, so brauchte ich nicht allein zu Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)gehen. Wir saßen ziemlich weit vorn, in der 3. Reihe, was für ein Konzert nicht sehr günstig ist, sich aber dann doch als ganz guter Platz herausstellte.

Das Konzert begann mit Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Klarinette und Orchester (A-Dur). Die Solo - KSharon Kam / Quelle: Ihre Homepagelarinette spielte Sharon Kam
Eigentlich bin ich kein allzu großer Mozart-Fan, aber dieses Stück hat mich vom ersten bis zum letzen Ton fasziniert. Wahrscheinlich lag das aber eher an dieser hübschen Frau, die so bemerkenswert und mit so viel Gefühl ihre Klarinette spielte, als an Mozart. 
Es passte alles perfekt zusammen, das hallesche Orchester wie immer wunderbar, Peter Ruzicka dirigierte  und die Klarinette war erstklassig. Ich hätte stundenlang zuhören können - ach war das wieder ein herrlicher Abend <seufz> und das Leben kann so schön sein. Bei diesen Klängen könnte man alles vergessen und sich nur noch fallen lassen. 
Leider ging der erste Teil viel zu schnell vorbei, aber ich denke Sharon Kam habe ich nicht zum letzten Mal gesehen und gehört.

Helmut Lachenmann (geb. 1935)Gleich im Anschluss, vor der Pause dann Helmut Lachenmann, Tableau Stück für Orchester. Da wurde ich gleich wieder aus meinen Träumereiern herausgerissen. Ein krasser Gegensatz zu den weichen Mozartklängen. Ich glaube, das ist nicht so richtig meine Musik, sehr hart und düster und für mich irgendwie disharmonisch oder einfach nur modern. Genauso auch nach der Pause mit Peter Ruzickas eigener Komposition, Memorial per G.S. für Orchester. Ich fand beide Stücke sehr ähnlich. Die Klänge verbreiteten sich über das ganze Orchester. Ich glaube es ist auch sehr schwer zu spielen und zu dirigieren. 
Ich dachte mir, wenn ich jetzt die Augen schließe und einfach nur zuhören würde, könnte ich mir vorstellen, daß ich in Schweden oder Dänemark an der Küste stehe, es sehr kalt und regnerisch ist, vielleicht November oder Dezember, die Wellen fast über mich drüber brausen und es langsam dunkel wird. Alles ist grau in grau und sehr uLudwig van Beethoven (1770 - 1827)ngemütlich. So ein Tag, wo man lieber zu Hause im Warmen sitzen möchte. 
Irgendwie hat mich die Musik an die Krimis von Per Wahlöö und Maj Sjöwal erinnert - kalt, düster, trostlos, beklemmend. Das ging unter die Haut. 

Dann konnte man wieder aufatmen - Beethovens 4. Sinfonie in alt gewohnter Weise. Was für ein schönes Stück und super dirigiert von Peter Ruzicka. 
Unsere Sitzplätze, die im ersten Teil sehr günstig waren, waren hier wieder nicht so gut. Man bekam zu wenig vom Orchester zu sehen und vom Dirigenten sowieso nur den Rücken ;-). Allerdings war es wieder ein Genuss für mich die Geigen und Celli zu beobachten - ok - und natürlich auch den Dirigenten.
Ja, es war ein wunderbares Erlebnis Peter Ruzicka live zu sehen aber ein noch größeres Erlebnis war es Sharon Kam spielen zu hören und zu sehen. Vielen Dank an beide für den schönen Abend und natürlich einen speziellen Dank an unser Orchester. Ihr wart wieder spitze.

Die Zusammensetzung der Stücke war interessant und gut gewählt. Selbst die beiden, für meine Ohren ungewohnten, Exkurse in eine andere Musikwelt haben mir gefallen und Thomas Kommentar dazu: "Das war das beste Konzert, was ich bis jetzt mit dir besucht habe" - na wenn das kein Kompliment ist ;-).

Eure Jana