![]() ![]() ![]() ![]() |
|
|
|
Aus alten Märchen ....
.... winkt es Hervor mit weißer Hand, Da singt es und da klingt es Von einem Zauberland;
Wo große Blumen schmachten In goldnen Abendlicht, Und zärtlich sich betrachten Mit bräutlichem Gesicht; -
Wo alle Bäume sprechen Und singen, wie ein Chor, Und laute Quelle brechen Wie Tanzmusik hervor; -
Und Liebesweisen tönen, Wie du sie nie gehört, Bis wundersüßes Sehnen Dich wundersüß betört!
Ach, könnt ich dorthin kommen, Und dort mein Herz erfreun, Und aller Qual entnommen Und frei uns selig sein!
Ach! Jenes Land der Wonne, Das seh ich oft im Traum; Doch kommt die Morgensonne, Zerfließt's wie eitel Schaum.
|
.... und dieses
Land der Wonne, was Heinrich Heine so
hübsch beschreibt, will Rusalka verlassen
um Mensch zu werden. Und wieder die selben Gründe und Leiden, wieder geschieht
alles aus Liebe und bringt letztendlich nur Kummer. Sie sieht ihn, er sieht sie
und vorbei ist's mit dem ruhigen Leben. Das hört nicht auf, bis die Königskinder
endlich zusammen kommen...
An diesem
wunderschönen Herbsttag fuhr ich das erste Mal nach Dessau zur Oper. Ich habe
festgestellt, daß Dessau auch nicht weiter weg von uns ist als Leipzig und
beschloß somit das "Anhaltische Theater" etwas näher kennenzulernen. Darauf
gekommen bin ich eigentlich, als ich letztens etwas über das Theater gelesen
habe. Es sollte ziemlich groß sein und wurde damals für die Werktätigen der
Fokker-Flugwerke gebaut. Mich interessierten schon immer imposante Gebäude,
besonders der Bauhaus Stil und
wenn die noch eine Oper beherbergen ist das doch perfekt. Schade nur, daß Dessau
im Krieg so zerbombt wurde, wegen eben dieser Junker-Werke, dadurch ist das
Stadtbild nicht gerade ansprechend. Das Theater auf dem Friedensplatz
sieht
wirklich gut aus, aber die Gegend drumherum war mehr als trostlos und weckte in
mir alte Erinnerungen an unsere kommunistische Vergangenheit.
Es schien sich nicht viel verändert zu haben, ein paar vergammelte Plattenbauten und alte, verfallene Häuser aus traurigen Zeiten umsäumen das Theater. Merkwürdigerweise ragte ein "Steigenberger" aus der trostlosen Einöde hervor. Was die wohl bewogen hat hier zu bauen? Vielleicht weil der Bahnhof gleich um die Ecke ist und das Theater für Geschäftsreisende interessant oder eben die interessante Bauhaus Geschichte von Dessau.
Das Theater ist
wirklich riesig und sie haben sehr großzügig gebaut. Vor dem Theater eine
breite Straße mit breiten Straßenbahnschienen und einer Haltestelle, herbstliche
Bäume und ein Park darum. Ja, das könnte wirklich ein schöner Platz sein. Aber
die Straßen waren wie leergefegt und nirgends ein Restaurant, wo man hätte noch
einen Happen essen können. Irgendwie unheimlich - ein beklemmendes Gefühl von
Verfall und Trostlosigkeit kroch in mir hoch. Ich fühlte mich fast in die
Geschichte zurück versetzt und hörte schon die Motoren der alliierten Flugzeuge
mit ihren Bomben über mir - was für eine traurige Aura umgab mich hier nur.
Nein, ich glaube hier würde ich nicht leben wollen.
Wir gingen zum Theater rüber und versuchten die Theaterkasse zu finden. In anbetracht der kurzen Zeit, hatten sie diesmal die Karten für mich hinterlegt. Darum waren wir auch so zeitig hier und darum war auch noch kein Leben im Theater. Eine Frau gab uns einen Tip und meinte, wir können unten im "Restaurant" warten bis die Kasse öffnet und dort gäbe es auch eine Kleinigkeit zu essen und Kaffee, wenn wir mögen. Wir befolgten ihren Rat und stiegen die alten Stufen rechts am Theater hinunter.
Der Saal dort
unten war sehr modern eingerichtet und sah ganz hübsch aus. Ich hätte wirklich
eine alte Kantine aus Ost-Zeiten
erwartet und war angenehm überrascht einen
sanierten Saal vorzufinden. Leider konnte man das vom Kaffe nicht behaupten. Der
schmeckte noch wie früher. Es gab Kleinigkeiten zu essen ein paar Leute saßen
auch schon bei Kaffe und Kuchen. Naja, so richtig waren Kaffeekränzchen nicht
unser Ding und wir beschlossen doch lieber noch ein paar Runden vor der Tür zu
drehen. Wir umrundeten das Theater also ein weiteres Mal und dann war es auch
schon soweit die Karten zu holen. Sie ließen uns also hinein in das Foyer. Das
brachte mich erneut zum Staunen. Sie haben wirklich alles saniert. Auch hier
sehr modern, aber passend zum Baustil und wirklich hübsch. Alles glänzte und
funkelte .... und ich liebe es, wenn es glänzt und funkelt und vergaß darüber
auch die unheimlichen Gedanken des ersten Eindruckes der Gegend. Kaum zu
glauben, daß dieses Glanzstück in so einer Einöde zu finden ist.
Das Theater füllte
sich zusehends und trotz der 17:00 Uhr Vorstellung zum kleinen Preis waren die
meisten Leute gut angezogen und paßten in ein Opern - Geschehen. Viele Kinder
waren dabei und es freute mich, daß wenigstens die Großeltern ihren Enkeln ein
bißchen Kultur beibringen wollten.
Diesmal saßen wir in der Loge, zwar ziemlich weit hinten, aber hatten wunderbare, bequeme Plätze und einen schönen Blick auf das Innenleben des Theaters. Ich muß sagen, es gefällt mit immer noch.
Die Reihen füllten sich schnell und fast alle Plätze dieses riesigen Saales waren besetzt. Entweder liegt das jetzt an den billigen Karten, oder die Dessauer sind um einiges kulturbewußter als die Hallenser.
Naja egal, ich lehnte mich gemütlich zurück und das Spiel konnte beginnen.
Diesmal also eine
Oper, oder besser ein Lyrisches Märchen von Antonín Dvorák. Ich muß ehrlich
zugeben, daß ich bis dato noch gar nicht wußte, daß Dvorák Opern
geschrieben
hat und um so interessanter fand ich es mir das Spektakel anzusehen.
Ich war gespannt, wie sie werden würde, denn die Sinfonien von ihm sind ja
wirklich nicht schlecht. Die Story ist vielleicht ein bißchen kitschig, aber
warum nicht auch mal ein Märchen ansehen. Als Kind habe ich sehr viele der alten
Märchen gelesen, aber irgendwie bin ich da wohl mit der Zeit herausgewachsen.
Golo Berg, der GMD des Hauses dirigierte die Anhaltische Philharmonie Dessau. Ich hatte gehört, beide sollen sehr gut sein und wurde auch nicht enttäuscht.
Golo Berg machte
eine gute und elegante Figur und führte das Orchester meisterlich durch die
Oper. Bühne und Musik schienen mir zwar etwas leise dort hinten in der Loge,
paßten aber sehr gut zusammen. Ja, ich glaube Logenplätze sind nichts für mich.
Man hat zwar einen wunderbaren Blick auf die Bühne, aber ich hätte doch auch
gern einen wunderbaren Blick auf die Mimik der Sänger und den Dirigenten
hätte ich mir auch gern mal von Nahen angesehen ;-) Und vom Orchester sah ich
überhaupt nichts. Die waren in ihrem Graben verschwunden und noch nicht mal zum
Schluß, als sie aufstanden um sich ihren wohlverdienten Beifall abzuholen, hat
man auch nur ein Haar von ihnen sehen können. Naja, das nächste Mal, zur
Premiere von "Johanna d' Arc" sitze ich in Reihe 2. Da kann ich mir das Ganze
etwas näher betrachten. Übrigens, auch da der Preis von 26,50 EUR mehr als
erschwinglich. Gestern habe ich bei der Züricher Oper gestöbert, da es mich wohl
für ein paar Wochen in die Schweiz verschlagen wird, und mir blieben fast die
Finger in der Tastatur stecken. Die haben Preise!!! und trotzdem ausverkauftes
Haus. Da fragt man sich doch ernsthaft, was wir hier falsch machen. 320 SFR, also
208 EUR für die
Plätze, die ich hier für 26,50 EUR bekomme. Nee, soviel besser können Sänger,
Orchester und Dirigent dort auch nicht sein. Das kann sich ja kein
Normalsterblicher leisten - oder vielleicht nur einmal im Leben. Da kosten die
billigen Plätze hinter der Säule noch 98 SFR, also 64 EUR. Das kann doch nicht normal sein. Da kommt man oder
Frau, so als einfaches Leut wirklich nur noch selten in den Genuß einer Oper. Da
bin ich ja mit London, Flug, Hotel und Theater zusammen immer noch billiger.
Naja, die Schweizer sollen ja gut verdienen und wahrscheinlich wird die Oper
auch nicht vom Staat gestützt und muß sich selber tragen. Aber ok finde ich das
nicht, wenn da jemand mit Familie sich ein bißchen Kultur antun möchte, kann er
schon mal auf den Urlaub verzichten... oder das neue Auto ...
Nee, wo kommen wir da hin, wenn sich Kultur nur noch die "Reichen" leisten können - traurige Welt :-(
Die Ouvertüre klang
durch den großen Saal und auf der Bühne war
ein Waldsee zu sehen. Das Bühnenbild
gefiel mir sehr gut und eigentlich hatten sie mich damit schon gewonnen. Die
Farben und Lichteffekte waren klasse und das echte Wasser mitten auf der Bühne
wirklich eine super Idee. Der riesige Mond stieg empor und ich fühlte mich wie
in einer Mondnacht im Wald. Der Prinz erscheint und die "Wellen" umspielen
seinen Körper. Super inszeniert. Das kann man nicht besser machen. Ich fand die
Inszenierung war in allen Punkten wunderbar. Johannes Felsenstein hat die Oper
erstklassig umgesetzt. Der weiß, was das Publikum will. Die Kostüme waren
ebenfalls sehr schön. Das des Wassermannes gefiel mir am besten. Aber auch die
Kostüme für das Elfen- oder Nixenballett waren wunderbar und Rusalka in ihrem
zarten, blauen, anschmiegsamen Kleid sah wunderschön aus. Genau wie eine Elfe
aussehen sollte. Selbst die Fürstin in ihrem roten Kleid war perfekt getroffen.
Und die Hexe (Manuela Breß) sah wirklich aus wie eine Hexe - herrlich waren
immer die Ideen ihres Erscheinens, einmal als Feuerball quer über die Bühne oder
als roter Schal. Super gemacht!
Rusalka ist ein trauriges Märchen und ganz einfach erzählt:
Nixe sieht jungen
Menschenmann, verliebt sich in ihn, will um ihn zu treffen Mensch werden. Der
Wassermann meint, daß das keine gute Idee ist, womit er letztendlich auch recht
hat. Sie will aber unbedingt und wendet sich an die alte Hexe Jezibaba. Die
nimmt sich ihre Stimme für die Erfüllung des Wunsches. Rusalka ist stumm und ihr
Prinz will sie trotzdem heiraten. Leider kommt es, wie es kommen muß. Die schöne
Fürstin taucht auf und der Prinz verliebt sich in sie
und läßt die Hochzeit
platzen. Rusalka ist niedergeschmettert und tieftraurig und will zurück in ihre
alte Welt. Die Hexe gewährt ihr das nur, wenn sie ihrem Liebsten den "Todeskuss"
gibt. Sie sagt "nein" er sagt "ja" und verschwindet im Morast des Sees. Rusalka
kann nicht so wirklich zurückkehren und sucht die Menschen als Irrlicht heim.
Tja und somit wieder kein Happy End :-( aber eine wirklich schöne Inszenierung. Die Dvorák Arien sind nun nicht gerade sehr weltbewegend, aber die Akteure brachten ein wunderbares Leben hinein. Iordanka Derilova als Rusalka war ein Hochgenuß. Sie war nicht nur hübsch, sondern ich fand, sie sang auch gut. Und als Pärchen paßten sie und der Prinz (Jörg Brückner) wunderbar zusammen. Da haben sie ihre Akteure mit Verstand ausgesucht. Daniela Zanger als Fürstin gefiel mir auch bestens und Ulf Paulsen als Wassermann war die perfekte Wahl. Sogar der Jäger und die Küchenhilfe paßten schön zusammen. Die Kostüme und Interaktionen der beiden waren erstklassig. Also somit von den Stimmen, sofern ich das dort hinten mitbekommen konnte, zwar etwas leise, aber sehr schön. Das einzige, was mir nicht so recht gefiel waren die drei kräftigen Elfen in den zarten Kleidchen. Das paßte einfach nicht. Gesang super, aber Kostüme zu zart für die drei Damen.
Das zweite Bühnenbild, der Schloßgarten, war auch sehr gut umgesetzt. Der Wassermann auf seinen Sockel war perfekt. - Ja, ihr habt recht, ich verwende diesmal oft die Wörter 'perfekt', 'super', 'erstklassig', aber ich muß sagen, das hat diese Aufführung auch verdient. Es paßte alles bis auf's i-Tüpfelchen und ich freue mich schon jetzt auf die nächste Vorstellung, die ich in Anhaltischem Theater geplant habe. Bin gespannt, ob sie immer so gut sind.
Vielen Dank für die wunderschöne märchenhafte Inszenierung. Rusalka kann man nur weiterempfehlen. Es hat sich wirklich gelohnt nach Dessau zu fahren.
Eure Jana
![]() |
![]() |