MICHAELA PETRI - Konzerte auf barocken Blockflöten

Nun sitze ich hier, gemütlich am Fernseher - ja, so etwas kommt bei mir ab und zu auch mal vor - und schaue mir nach 12 Jahren mal wieder einen Tatort an. Das aus dem Grund, weil meine Freundin gerade anrief und sagte: "Du wolltest doch Peter Sodann gern mal im Fernsehen sehen. Dann schalt jetzt ARD ein. Es läuft gerade ein Leipziger Tatort. Da spielt er den Kommissar." 
Ahhh ..... und wenn ich jetzt gerade richtig gesehen habe, spielt Lutz Teschner auch mit. Bin mir aber nicht sicher - ich sollte vielleicht nicht nebenbei Tippen und mich mehr auf den Film konzentrieren. Aber eigentlich braucht so ein Film nicht meine ganze Aufmerksamkeit. Na mal sehen, ob ich noch mehr "alte Bekannte" aus dem "nt" sehe. 
Hmmmm ... so ganz überzeugend spricht Peter Sodann den Leipziger Dialekt aber nicht. Er klingt doch mehr nach Halle ;-).
Oh - jetzt wird es gerade spannend. Sie klappern soeben die Verdächtigen ab. Ich habe bloß noch nicht so richtig mitbekommen, wer nun mit wem schläft und welche Ehen nun glücklich sind und welche in der schwierigen Phase. Sieht aus, als ob sie alle in der Krise stecken.
Aber eigentlich wollte ich hier nicht über dem Film schreiben sondern über ein hübsches, kleines Kammerkonzert.

Batzdorfer HofkapelleHeute Nachmittag war ich mit meiner Arbeitskollegin zu Michaela Petris Flötenkonzert in Bad Lauchstädt. Ein schönes Highlight an so einem trüben Wintertag. 
Ich hatte schon einiges von ihr gehört und war neugierig auf ihr Spiel. Die Batzdorfer Hofkapelle begleitete sie. Ein etwas irritierender Name, finde ich. Man muß unweigerlich an eine Blaskapelle denken. Aber keine Sorge, natürlich war es keine. Sie heißen nach dem idyllischen Schloß Batzdorf, welches in der Nähe von Dresden liegt. Im Programmheft steht, daß das alte Schloß mit seinem historischen Rittersaal durch die Künstler vor dem Verfall gerettet wurde und dort nun Konzerte stattfinden und Opern aufgeführt werden. Eine sehr nette Idee. Ich freue mich über jedes alte Gemäuer was sie für uns und die Nachwelt erhalten. Hier in der Nähe, in Dieskau, passiert etwas Ähnliches. Sie sind dabei das alte Schloß zu restaurieren. Es gibt noch sehr viel zu tun, aber man kann jetzt schon in den alten Gemäuern eine schöne kühle Gose trinken und sich im danebenliegenden ParkSchloß Dieskau (Quelle: Homepage Dieskau) die Beine vertreten. Auch dort gibt es im Sommer wieder Konzerte, welche ich ganz sicher besuchen werde.

Wie immer waren wir viel zu zeitig in Bad Lauchstädt und so blieb noch etwas Zeit für eine Tasse Kaffe und einen leckeren heißen Apfelstrudel im Restaurant "Lauchstädter Gaststuben" gleich neben dem Kurhaus. Schade, daß es zu kalt war. Im Sommer kann man hier bestimmt wunderbar draußen sitzen. Drinnen war es ein bißchen klein, aber ganz hübsch.

Das Kurhaus sah schon von außen sehr gut aus, aber innen gefiel es mir noch besser. Alles war wunderschön restauriert, Kronenleuchter an der Decke und nette Wandmalerei um uns herum. Die Stühle paßten auch sehr schön in den Saal. Das Ambiente stimmte schon mal bis aufs i-Tüpfelchen und stimmte mich für das Konzert ein.
Wir hatten ganz gute Plätze in der 6. Reihe, schön weit vorn. So konnten wir doch ganz gut sehen. Weiter hinten hätte man nicht sitzen dürfen. 

Die schönen alten Instrumente lagen schon an ihrem Platz und nachdem es im Saal ruhiger wurde, begrüßten die Zuschauer die Musiker. 
Sie hatten ganz interessante Instrumente dabei. Ein kleines Cembalo, gespielt von Michaela Hasselt, eine Laute, welche Stephan Rath spielte und am Interessantesten war die Theorbe von Stefan Maass. Es war ein wirklich schönes Instrument und bestimmt nicht einfach zu spielen. 
Das kleine Orchester bestand weiterhin aus zwei Geigen, Daniel Deuter und Wolfgang von Kessinger, einer Viola, Caroline Kersten, dem Cello, gespielt von Bernhard Hentrich und dem Baß, welchen Donatus BMichaela Petriergemann mit viel Gefühl spielte. 
Nach dem Stimmen der Instrumente kam dann endlich Michaela Petri. Sie ist eine hübsche, aber eher bescheiden wirkende Frau. Mir war sie vom ersten Augenblick an sympathisch. Ihr rotes Kleid stand ihr gut und machte einen altertümlichen Eindruck. Das Konzert hätte Georg Philipp Telemann (1681-1761) bestimmt auch sehr gut in den Batzdorfer Rittersaal gepaßt. 
Michaela Petri ist Dänin und mich beeindruckte, daß sie schon mit drei Jahren ihren ersten Blockflötenunterricht bekam. Es ist bestimmt nicht einfach für ein Kind in dem Alter schon zu verstehen, was das soll. Aber es war gut, daß ihre Eltern auf diese Idee kamen, so konnten wir das Ergebnis heute genießen. 
Das schönste Stück kam auch gleich am Anfang: die Suite a-Moll von Georg Philipp Telemann. Wunderbar, wie Sie die Altblockflöte spielte. Es war wirklich ein Genuß und ich konnte wiedermal herrlich in dieser Musik abtauchen. Das Orchester spielte hervorragend. Nur der 1. Geiger schien mir nicht immer so recht bei der Sache zu sein. 
Die Bögen der Geiger hatten ein etwas merkwürdiges Aussehen. Ein schönes altes Design, welches ich hier das erste mal gesehen habe. Vielleicht waren es Steckfroschbögen - aber ich bin mir nicht sicher.

Nach Telemann gab es eine Pause für die Flötistin und für die ZuschaJohann Friedrich Fasch (1688-1758)uer Johann Friedrich Faschs Sonata in d-Moll. Auch ein sehr schönes Stück, welches ich vorher noch nie gehört hatte. 
Danach ging es weiter mit Antonio Vivaldis Konzert in G-Dur für Blockflöte und Streicher. Hier spielte sie eine Sopraninoblockflöte - och war die niedlich. Nicht viel größer als die Piccolo Flöten und genauso schrill - sorry, so etwas sagt man ja eigentlich nicht zu so einem grandiosen Konzert. Selbstverständlich klang es nicht schrill. Ich mag nur lieber die tiefen Töne.
Sie spielte die hohen Töne perfekt. Meine Kollegin, die selber Flöte spielt, meinte, daß das gar nicht so einfach ist. Das kann ich mir vorstellen aber für sie schien es ein Kinderspiel. Sie spielte so klar und sauber das ganze Konzert hindurch und das völlig ohne Noten. Sie war sehr konzentriert und wagte erst ein Lächeln als sie mit tosendem Beifall in die Pause entlassen wurde. 
Das Publikum und ich waren begeistert. Es war diesmal ein sehr vorbildliches Publikum. Sie klatschten zwar sehr ausdauernd, aber immer an den richtigen Stellen. Meist waren es ältere Herrschaften, nur ganz wenige in meinem Alter und ein paar Kinder in der ersten Reihe, die selber Flöte spielten, wie sich später herausstellte.

Ah, der Kommissar in meinem Tatort-Krimi saß auch gerade mit seiner Freundin in einem Kammerkonzert und schon klingelte sein Handy - ja, Kommissare sind immer schwer beschäftigt. Dann drängelte er sich zum telefonieren durch die ganze Reihe von ganz links, nach ganz rechts und zu guter Letzt ließ er beim rausgehen die Tür knallend ins Schloß fallen - was für eine Katastrophe. Ich hoffe, daß ich so etwas nie in einem Konzert erleben werden. Aber in diesem Fall war es wirklich lustig. 
Irgendwie habe ich in meinem Film den Faden verloren. Sie haben plötzlich zwei Leichen, oder sind es schon drei? Ich sollte besser aufpassen, sonst verpasse ich noch, wer der Mörder ist und Peter Sodanns köstlichen Dialekt. Er spielt seine Rolle als Kommissar wirklich gut und irgendwie nicht sehr ernsthaft, habe ich so den Eindruck.

Giovanni Battista Sammartini (um 1700 - 1775)Nach der Pause ging es weiter mit Giovanni Battista Sammartinis Konzert in F-Dur. Wieder ein Stück, was ich nicht kannte und diesmal spielte Michaela Petri auf einer Sopranblockflöte - wunderschön. Nach Sammartini gab es wieder eine Pause für die Flötistin und für uns Vivaldi mit dem Konzert in d-Moll "La Folia".

Zum Schluß spielte sie eines der schönsten Stücke von Vivaldi, das Konzert in C-Dur, mit dem wunderschönen langsamen Zwischenteil.  Ich hätte dahinschmelzen mögen - was für eine herrlich traurige Melodie.
Ich konnte es kaum glaube, daß das Konzert schon wiederAntonio Vivaldi (1678-1741) zu Ende war. Sie bekamen einen großartigen Applaus und Standing Ovation, was sie sich wirklich verdient hatten. Von mir aus hätte sie wieder von vorn anfangen können. Allerdings denke ich, daß die Musiker wohl doch lieber ihren wohlverdienten Feierabend haben wollten. Sie gab noch zwei Zugaben und bei der Dritten streikte die Band ;-).
Die erste Zugabe war ohne Orchester. Sie spielte ein dänisches Volkslied in verschiedenen Variationen. Es hat mir sehr gut gefallen. Bei der zweiten Zugabe mußte das gestresste Orchester noch einmal raus. Man sah ihnen an, daß sie die Nase für heute voll hatten. Wahrscheinlich hatten sie einen anstrengenden Tag und freuten sich auf ein gutes Essen, ein kühles Bier und eine erholsame Nachtruhe. Ich hoffe, sie haben das auch bekommen und mußten nicht gleich wieder weiter.
Somit einen besonderen Dank an das Orchester und ich hoffe ich kann Euch mal in der eigenen Burg zuhören und vielen Dank an Michaela Petri, es war ein wirklicher Genuß. Ich freue mich, daß wir sie in Bad Lauchstädt erleben durften - eine sehr gute Idee!

Eure Jana

 

ps. jetzt weiß ich doch nicht, wer nun der Mörder war.