Super, hervorragend, genial, unübertreffbar, einzigartig!

Eigentlich steht meine Meinung zu dem Donnerstagskonzert unserer Philharmonie schon in meiner Überschrift. Dieses Konzert bedarf nicht der vielen Worte. Ich könnte auch sagen: "Ich bin sprachlos!" ... und DAS kommt bei mir äußerst selten vor und wenn es vorkommt bin ich entweder sehr nervös oder wirklich beeindruckt. Sehr nervös war ich hier nicht.

Für dieses Konzert habe ich mir erst sehr kurzfristig Karten besorgt, da ich eigentlich für die Prüfung, welche am Samstag war, lernen und nicht Dienstag und Donnerstag davor noch zum Konzert gehen wollte. Aber den Dienstag wollte ich auf keinen Fall verpassen da ich zum Einen immer zu den Sinfoniekonzerten des Opernhauses gehe und zum Zweiten, weil diesmal dieser Spitzen Trompeter Reinhard Friedrich trompetete. Tja, und dann bekomme ich zum ersten Mal diesen Newsletter von der Philharmonie, wo ich doch schon sooft versucht habe ihn zu abbonieren und es bis jetzt aus irgendwelchen Gründen nie funktioniert hatte - und - das erste, was ich lese ist 'Violinenkonzert mit Julian Rachlin' und das Zweite 'Dirigent Krzysztof Penderecki'. Also, kann man denn bei solchen Namen 'nein' sagen? - Natürlich nicht.

Ausnahmsweise war ich froh, daß die Konzerte in Halle nicht so gut besucht sind, wie in Leipzig, denn so bekam ich noch zwei Spitzenplätze in der Empore - wunderbar!

Auch diesmal entschloss ich mich auf die Konzerteinführung zu verzichten, um mir lieber im "Goldenen Herz" den Magen mit einem guten rustikalen Essen zu füllen. Ich wollte ja schließlich nicht, daß er knurrt, wenn der Maestro nachher sein Stöckchen schwingt.

Satt und zufrieden kletterten wir zu unseren Sitzplätzen in die Empore hinauf und harrten der Dinge, die da kommen mögen. Die Händelhalle war so gut wie ausgebucht. Und wie wahrscheinlich jeder hier im Saal, war auch ich war sehr gespannt auf das Konzert. Ich hatte schon viel von Krzysztof Penderecki und Julian Rachlin gehört, aber keinen von beiden je live gesehen.

Krzysztof Penderecki (*1933)Der erste Teil vor der Pause war "Metamorphosen", ein Konzert für Violine und Orchester von Krzysztof Penderecki selbst komponiert.
Er fing sehr vorsichtig an und Julian Rachlin war mit seiner Geige kaum zu hören. Dies steigerte sich im Laufe des Konzertes vom Lüftchen bis zum Orkan, welcher mich umgehauen hätte, wenn ich nicht gesessen hätte.
Es war ein sehr modernes Stück, ich glaube erst 1995 komponiert. Ich fand, es verbreitete eine düstere, fast unheimliche Stimmung und zog mich in seinen Bann, so daß ich die Augen nicht vom Geschehen abwenden und wie sonst immer, in die Musik eintauchen konnte. Was für eine Macht der Musik!
Julian Rachlin Es gefiel mir vom ersten Ton an und Krzysztof Penderecki dirigierte erhaben und souverän, mit einem ruhigen Schwung. Der Mann hatte wirklich Charisma. Er gleitete durch die Töne mit solch einer Eleganz wie ich es bei noch keinem Dirigenten gesehen hatte. Er strahlte eine Ruhe und Kraft aus und das mit seinen 71 Jahren. Mit kleinen Julian Rachlin Bewegungen brachte er das Orchester von leisen und sanften Tönen hinüber zum Kraftvollen und Lauten. Es war berauschend.
Die Geige fing ganz vorsichtig an dem Orchester Paroli zu bieten und wurde mit jeden Takt stärker. Es war ein wahrer Genuß Julian Rachlin zuzusehen. Auch er wirkte souverän und ruhig, als ob das alles ein Kinderspiel wäre. Seine Finger glitten spielend leicht über die Saiten und brachten die schrillen, hohen Töne exakt und klar hervor. Jetzt verstand ich auch, warum ihn so viele mit Paganini vergleichen - was für ein Spiel! Der reine Wahnsinn! Am besten gefiel mir natürlich das wunderbare Solo. Es war einfach perfekt - er war perfekt.
Das Orchester war ruhig und nur die Geige spielte diese düster, berauschenden Töne. Julian Rachlin Was für eine Brillanz! So etwas hatte ich noch nie erlebt. Auch, daß er mitten im Spiel des Orchesters seine Geige stimmte. Ich fragte mich, wie er da wohl noch etwas hören konnte.
Ich fand die ganze Komposition von Krzysztof Penderecki war brillant. Das Bratschen - "Solo" gefiel mir besonders gut und das Orchester spielte hervorragend. Es war ein einzigartiger Genuß einer modernen Arbeit. Diese Musik hat mich wirklich überzeugt, obwohl ich bei so modernen Stücken immer skeptisch bin. Er komponiert so ganz anders als Ruzicka oder Lachenmann. Es ist einfach perfekt.
Für diese grandiose Leistung bekamen Dirigent, Solist und Orchester auch einen wunderbaren Applaus.

Nach der Pause ging es weiter mit der 6. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch, die leider kein Violinenkonzert war. Schade, ich hätte zu gern noch mehr von Julian Rachlin gehört. 
Krzysztof Penderecki betrat das Geschehen und begann in seiner erhabenen Art mit deDmitri Schostakowitsch (1906-1975)m ruhigen ersten Satz. Die Geigen schwirrten und ich dachte, daß sie dieses Konzert wirklich gut zusammengestellt hatten. Diese Sinfonie von Schostakowitsch paßte sehr gut zum ersten Teil.
Von Schostakowitsch hatte ich noch nicht allzu viel gehört und somit war auch der Teil nach der Pause neu für mich. Der erste Satz gefiel mir sehr gut. Am liebsten mochte ich die Flöteneinsätze, wie mutig sie vorangingen und wie brav die Geigen folgten. Der Flötist war erstklassig und bekam zum Schluß auch seinen wohlverdienten Beifall. Auch die Piccoloflöte spielte hervorragend. Alles war sehr gut aufeinander abgestimmt und Krzysztof Penderecki führte das Orchester erstklassig. Er ist der beste Dirigent, den ich bis jetzt erleben durfte. Was für ein Meister!
Im dritten Satz führte er die Kavallerie zum Sieg, daß die Händelhalle bebte und donnerte. Es war für mich der schönste Satz dieser Sinfonie. Schostakowitsch hätte seine wahre Freude gehabt. Krzysztof Penderecki hat alles aus dem Orchester herausgeholt - Kraft und Lautstärke, Ruhe und Gelassenheit, Schwung und Elan. Es war das zweite Mal diese Woche, daß ich so begeistert bin, aber es ist das erste Mal in meinem Leben, daß ich so einen großartigen Konzert beiwohnen durfte. Vielen Dank an Dirigent und Solist und an das erstklassige Orchester unserer Philharmonie.

 

Eure Jana