Die Insel der Glückseligen

 

 

 - oder auf der Suche nach dem heiligen Gral.

Eine schöne und interessante Geschichte, die Suche nach dem heiligen Gral. 

Da gibt es Parzival, der sich auf die Suche begibt, da gibt es die Tempelritter, die ihn wohl nie gefunden haben, die Artussage, die sich um solch schöne Geheimnisse rankt und da gibt es jeden einzelnen auf dieser Welt, der auf der Suche ist... vielleicht nach dem heiligen Gral, der ewiges Leben verspricht oder nach anderen interessanten Sachen.

Da gibt es eine wunderbare Wagneroper, die sich in diese tiefsten Geheimnisse begibt und dann gibt es ein Theaterstück im halleschen "neuen theater", welches das Thema auf die Bühne bringt.

Ja, was soll ich dazu sagen.... es ist noch nie vorgekommen, daß ich das Geschehen in der Pause verlassen und es vorgezogen habe lieber ein Bier in Strieses Biertunnel zu trinken.

Schöner Schwachsinniger - schöner Schwachsinn. Ja sicherlich hat das Stück auch eine tiefere Bedeutung. Ich glaube aber um die zu verstehen muß man wohl den Roman von Adolf Muschg gelesen haben, von dem ich glaube, das er sehr viel Potential zum Nachdenken bietet. 

In der Aufführung des "neuen theaters" habe ich den tieferen Sinn leider nicht verstanden. Nicht an der Stelle als ein erwachsener Mann nackt mit blauen Pappflügeln in Hobelspänen auf der Bühne umherläuft und der Kuh über die Straße helfen möchte, auch nicht als er sich beim zu lauten Pfeifen des Roten Ritters (´!*´*?) auf den Boden schmeißt - ok, es war ziemlich laut, aber dann müßte sich ja jeder Teenager beim Björn Geske (Quelle: Programm des nt zu Parzival) Diskolärm dauernd auf den Boden werfen - und auch nicht, als der Zwerg ihn in der "Gralsburg" mit Kekse fütterte und er die immer wieder ausspuckte - was für eine Sauerei. Ja, der Schauspieler ist bestimmt nicht schlecht denn es ist sicherlich sehr schwierig so einen Idioten so gut darzustellen. Die "politischen" Zwischeneinlagen machten sicherlich auch irgendwie Sinn, aber ich fand das Stück trotzdem irgendwie sinnlos und ganz schön albern, wenn nicht sogar peinlich und ich weiß bis jetzt noch nicht, was ich wirklich davon halten soll. Einige Szenen waren sehr gut dargestellt, wie der Anfang, als die "verstaubten" Leichen in einem "Spiegelbild" des Zuhörersaales in ihren Sitzen herumhangen -  liebes nt, so langweilig waren Eure Stücke nun wirklich nicht, daß ich bei Euch eingestaubt wäre. Dieses Spiegelbild ist nicht korrekt. Ich bin nicht auf der Suche nach dem Gral, wenn ich zu Euch stoße, eher auf der Suche nach Spaß und Vergnügen - naja, aber vielleicht soll Eure Interpretation der Gralssuche das ja auch wiedergeben.

Auch die Szene, als Parzival die Gralsburg betritt war super dargestellt, richtig unheimlich war die Szene mit dem Zwerg oder sie Szene, als die restlichen Irren an diesem Ort fast vom Wind weggeblasen wurden. Schade nur, daß die Hauptfigur sich so dümmlich geben mußte. Das versaute die ganze Darstellung. Was für eine blöde Interpretation des Romans. Ich muß mir das Buch unbedingt besorgen und nachlesen, ob der Kerl wirklich so bekloppt war, wie ihn Björn Geske darstellte und wohl überall hochgelobt wurde für dieses meisterliche schauspielerische Talent - na Danke! Hoffentlich versteht das nt das jetzt nicht als Ansporn für weitere hirnrissige Stücke. Sonst muß ich langsam befürchten mir ein anderes Stammtheater zu suchen :-(  In Dessau war ich bis jetzt nur in der Oper und zu Konzerten. Vielleicht sollte ich mal deren Theater probieren - oder Leipzig soll ja auch nicht schlecht sein. Im halleschen Thaliatheater war ich auch noch nie - ja, es gibt Gott sei Dank noch eine Menge anderer Möglichkeiten, die Frau ausprobieren könnte. Aber irgendwie bin ich da sentimental und es würde mir das Herz brechen, wo ich doch schon so viele schöne Stunden mit und in unserem Theater verlebt habe. Was tut Ihr? Wo sind die schönen Stücke, die mir so viel Spaß gemacht haben, wie die "Dreigroschenoper" und Shakespeares "Midsummer Nights Dream" und "Nächstes Jahr, gleiche Zeit"? Wo ist das Klassische geblieben, wie "Faust" und "Jedermann"? Wo die nachdenklichen Stücke, wie "Fabian" und "Speer" und die "Wannseekonferenz"? Wo die hervorragenden Komödien, wie "es war die Nachtigall" oder vielleicht auch "Kunst"? Ok, ich mag auch ganz gern mal etwas Modernes, aber liebes nt, doch nicht dauernd!!! Ich möchte meine kuschelige, fröhliche, gute Laune machende Kommode Quelle: "Die Bild" - Halle Feb. 2006 wiederhaben und nicht dieses dunkle deprimierende Loch, das Ihr Werft nennt und an ihrer Stelle habt. Den Raum hättet Ihr doch wirklich auch in irgendeinen Keller bauen können. Oh was bin ich froh, daß ich die letzen Jahre im nt so gut ausgenutzt und mir all diese hervorragenden Stücke angesehen habe. Es wäre ein Jammer gewesen die verpasst zu haben.

Aber vielleicht geht Euer neues Konzept ja auf, wo denn nun auch schon die "Bild" über Euch "schreibt". Ja, so tief sind wir gesunken, richtig gute Stücke werden nicht erwähnt, aber wenn ein nackter Mann sich 17 Minuten auf der Bühne zum Affen macht, daß kommt in die Medien, darüber spricht die Welt. Das ist Attraktion! Super! Prost Mahlzeit! Das schaukelnde Schiff sinkt in den Schlamm und bleibt im Dreck kleben auf der Reise ins Glück. Gut, daß wir/ einige runterspringen konnten aufs feste Land und weglaufen, bevor das Ding gänzlich im Dreck versinkt, aber vielleicht springen ja auch noch welche auf, vielleicht die, die sich täglich die Bilder in der "Bild" ansehen. Nein, wohl eher nicht, die haben es bequemer und gemütlicher vor dem Fernseher bei "Big Brother" und "Super Model" - nein, da setzt Ihr auf das falsche Boot. Die wechseln nicht die Flagge. Die bekommt Ihr auch nicht mit dümmlichen nackten Männern vom Fernsehsessel hoch. Vielleicht solltet Ihr es mal mit dümmlichen, nackten Frauen versuchen? Großer Busen und blonde Haare locken immer - oh mist, nein, das geht ja nicht. Die Piepshows gibt es ja woanders - falsches Etablissement - shit happens. --- oh böse, ich entschuldige mich für mein böses Geschreibsel, aber Ihr müsst mich verstehen, ich habe Angst, daß unser Theater zu so einem Scheiß verkommt, ich habe Angst, daß das nt an Niveau verliert. Ich habe Angst, daß es am Ende das selbe ist, wie das, was ich jeden Tag vermeide mir im Fernsehen anzusehen. Wisst Ihr, ich habe Angst, daß unsere Kultur verkommt, zu dem, was sie uns jeden Tag im Fernsehen zeigen, daß ich keine Ausweichmöglichkeit mehr finde, daß alles um mich herum nur noch Schwachsinn wiedergibt - das wäre furchtbar und unerträglich. Und deshalb bin ich so böse - sorry dafür, vielleicht sehe ich alles wiedermal viel zu schwarz.

Und es gibt ja auch noch Konzerte, wohin ich fliehen kann, wie das am letzten Freitag im Gewandhaus in Leipzig. Zwei große Brahms-Werke an einem Abend. Das war phantastisch. Da habe ich mich wirklich wie auf der Insel der Glückseligen gefühlt mit dem Gral in meiner Hand.

"Der Rote Ritter" von Georg Frederic Watts, 1875 (Quelle: untern erwähntes Buch)

Aber noch mal zurück zum Stück. Die Geschichte von Adolf Muschg hat schon Hand und Fuß. Er hat in seiner Weise den Weg von Parzival auf der Suche nach dem Gral beschrieben. Wie Herzeloyde ihren Sohn Parzival einsam aufzog und dieser Gondwiramus heiratete und Lohengrin zur Welt kam. Die Geschichte ist schon sehr interessant, bloß vom nt oder im Roman von Adolf Muschg etwas verwirrend dargestellt. 

Da die Schauspieler hier Doppelrollen spielten, fand ich es schwer die einzelnen Charaktere auseinander zuhalten, wie z.B. Ither von Gaheviez, den roten Ritter und Gawan (Yves Hinrichs), der vom selben Schauspieler gespielt wurden. Die ganze Geschichte ist etwas verwirrend und man muß sich schon gut auskennen in der Grals- und Artus Story, damit man dem Stück folgen konnte. Wer war denn nun eigentlich mit wem? Und wo ist denn eigentlich der rote Faden? Das ist doch das reinste Wirrwarr. ABER! Wenn man sich die Gralslegende so durch den Kopf gehen läßt, müßte man eigentlich zu dem Schluß kommen, daß die Inszenierung von nt gar nicht so weit hergeholt war. Parzival (Björn Geske) auf der Suche nach dem Gral, etwas albern vom nt dargestellt, aber die Story durchaus tragbar und ganz und gar der Legende folgend.

 

Parzival wird in eine Mythologie hineingeboren und wächst einsam, nur von der Mutter (Danne Hoffmann) großgezogen auf. "Oft fehlt ihm der Sinn für das Weltliche, doch ist ihm eine Unschuld eigen, die ihm in manchen Situationen den Beinamen 'tumber Tor' oder 'großer Narr' einbringt."* Da hat die Inszenierung vom nt (Claudia Bauer/ Rainald Grebe) vollkommen ins Schwarze getroffen, mit der etwas dümmlichen Interpretation des Parzival.

"Der Ritterschlag" von E.B. Leighton, England, 19. Jh. (Quelle: unten erwähntes Buch)Parzival verlässt seine Mutter und geht auf die Suche nach Abenteuer. Natürlich landet er am Hofe König Artus (Jörg Lichtenstein). Und dann weicht die Story leider ein wenig ab, König Artus schickt ihn nicht weg um den roten Ritter zu töten, damit er seine schöne rote Rüstung bekommt, sondern er schlägt ihn zum Ritter und nimmt ihn auf in seine Tafelrunde. Die Legende erzählt, daß er zwar dann immer noch ein bißchen tollpatschig war, aber sonst ein gutaussehender Mann - schade, daß das nt da auch abweicht von der Legende :-( Parzival zieht also los um die richtige Frage zu stellen, ein Unrecht zu rächen, den Gral zu gewinnen, standhaft und loyal zu bleiben oder eine Burg zu erobern.

"Während er dies alles tut, geht eine Wandlung mit ihm vor (Ich hätte doch nicht in der Pause verschwinden sollen, vielleicht wäre der zweite Teil nicht so albern geworden.) und durch seine Taten gelingt es ihm, den verletzten Hüter des Grals zu heilen und das Land wieder zu einem Paradies erblühen zu lassen."*

Die Legende geht hier dann wieder ähnlich einher, zu dem etwas arg plumpen Theaterstück weiter. Seine Mutter Herzeloyde erklärte ihm, wie er sich "draußen" zu verhalten hätte - dem Hilferuf einer Frau folgen und eine Jungfrau lieben. Ja, das tat er dann auch, mehr oder weniger eindringlich. Die Story stimmt und der Held bekommt Speis und Trank und einen Ring und verlässt die Schöne ohne weiter darüber nachzudenken. - Aha, ich sehe schon, es hat sich bis in unsere heutige Zeit nichts am Charakter "Mann" geändert. Warum lernen wir Frauen eigentlich nach so vielen Jahrtausenden nie dazu? - 

Er folgt weiter seinem Ziel, Ritter an König Artus Hof zu werden. Auf dem Weg dahin trifft er dann auch den Roten Ritter, der gerade den Becher geklaut und Königin Ginover zutiefst beleidigt hat. Der Rote Ritter gibt ihm eine Gralsburg (Alan Lee) Botschaft mit auf den Weg zu König Artus, in der er sein rechtmäßiges Land zurückfordert oder den Kampf um den Becher mit einem der Ritter. Leider vergießt der dumme Junge diese Botschaft über die schöne rote Rüstung und trifft dann auf König Artus uns sein Gefolge, die Angst vor dem Roten Ritter haben - passt wieder hervorragend zu Inszenierung. Letztendlich trifft es den armen Parzival, der naiv genug ist sich dem Roten Ritter entgegenzustellen und der schleudert seine Lanze, die das Helmvisier des Roten Ritters durchstößt und sich in sein Auge bohrt. Naja, im Theaterstück hat er da ein bißchen improvisiert. Lief aber auf das Selbe hinaus.

Dann wird er Ritter, in der Legende, wie auch im Theaterstück - ich glaube Gawan bringt ihm bei, wie er sich als Ritter zu verhalten habe. Blöderweise hemmen ihn diese soeben beigebrachten Regeln auf der Gralsburg und er versagt.

Zwischendurch trifft er noch Condwiramurs (Anja Pahl), verbringt mit ihr eine ganze Nacht in keuscher Umarmung, befreit sie von einem aufdringlichen Liebhaber, der Ihre Stadt belagert und heiratet sie dann. Legende passt zum verrückten Theaterstück und ein wenig zur derzeitigen halleschen Politik. In der Legende wendet sich die Politik und die Geschicke der Stadt zum Besseren, dem Held wird langweilig und ihm fällt seine Mutter wieder ein, nach der er sich dann auch sofort auf die Suche macht. Selbstverständlich mit dem Versprechen, bald möglichst wieder nach Haus zurückzukehren.... ja klar.

Naja und dann findet er die Gralsburg, die für alle unsichtbar ist, außer für die, die sich als Würdig erwiesen haben, und wird eingelassen. Nur leider, wie auch oben schon erwähnt, versagt er hier völlig und vergießt dem Fischerkönig diese wichtige Frage zu stellen, die alles wieder zum Besseren wenden würde. Tja und hier war dann Pause und ich bin gegangen, weil ich die Inszenierung nicht mehr ausgehalten habe und somit erfahrt Ihr hier leider nicht mehr das Ende der Story. Allerdings gibt es noch eine Hoffnung. Im März diesen Jahres ist die Premiere zu Wagners "Parzival" in der Leipziger Oper.....

 

 

 

Eure Jana

 

 

 

 

 

 

* Malcom Godwin "Der Heilige Gral - Ursprung, Geheimnis und Deutung einer Legende"  S. 15/16 - Wilhelm Heyne Verlag, München, 1997; ISBN 3-453-09894-3