Restaurant "Papageno" in London - Covent Garden - Oktober 2006Von Papageno bis Sarastro

 

"Wenn Tugend und Gerechtigkeit

Den großen Pfad mit Ruhm bestreut;

Dann ist die Erd' ein Himmelreich,

Und Sterbliche den Göttern gleich."*

 

Machen wir's den Göttern gleich, dann ist die Welt ein Himmelreich - genau wie der Olymp in "Orpheus in der Unterwelt" haben auch wir diesmal ein sehr faules verlängertes Wochenende hinter uns. Allerdings war unser Olymp etwas ereignisreicher und wir mußten dafür auch nicht in die Unterwelt hinabsteigen. Alles trug sich brav und selbstverständlich auf der Erde zu. Kann also somit die Erde ein Himmelreich sein? Ja, sie kann. Das ist bewiesen mit so einem phantastischen Wochenende ---- und der große Pfad, vielleicht nicht ganz so ruhmreich bestreut aber eben mit lauter kleinen Himmelreichen, zog sich von Halle über Dessau nach Leipzig, wieder zurück nach Halle und übers Wasser bis nach London, so daß wir als Sterbliche uns etwas anmaßend und ein bißchen überschwänglich den Göttern gleich fühlten.

Können also Sterbliche den Göttern gleich sein? Ha! Ob der Tugend und Gerechtigkeit wohl eher nicht, dafür sind wir zu menschlich, aber manchmal hat so mancher doch so ein kleines bißchen göttliche Freundlichkeit und Nettigkeiten gegenüber andren übrig, die so manchmal ein trauriges Herz göttlich erhellen können...... und wir ließen uns diesmal unsere Herzen wieder nett und freundlich durch Spaß und Freude erhellen. Also streichen wir besser das anmaßende "sich gleich den Göttern fühlen" und ersetzen es durch "sich fühlen wie Papageno beim Erklingen seines Zauberglöckchens." Laßt es uns also dem Papageno gleich tun, laßt uns das Leben genießen und beginnen mit der Premiere der "Zauberflöte" im Anhaltischen Theater in Dessau.

Diesmal waren wir nur zu zweit. Freundin Uli ist extra wieder aus Hamburg angereist, mit der Bemerkung ihres 87% kakaohaltiger Schweizer Lindt Schokolade liebenden Chefs, ob das Dessauer Theater wirklich so gut und dass doch die Hamburger Oper auch gar nicht so schlecht sei. Vielleicht sollte sie ihn ja das nächste Mal mitbringen, damit er sich selbst eine Meinung bilden und einen Vergleich anstellen kann. Diesmal allerdings zogen wir es vor unsere Oper allein zu genießen, weil, es "Die Zauberflöte" - Anhaltisches Theater Dessau - Oktober 2006 war Ulis Highlight, denn sie liebt die "Zauberflöte"..... naja und dann glaube ich auch kaum, daß er unseren Kulturmarathon hätte durchgestanden. Manchmal sind wir schon ein bißchen verrückt, aber manchmal ergeben sich die Dinge auch einfach so und plötzlich ist der Kalender voll -- hmmm.... ich liebe diese verrückten Wochenenden!!!

 

Leider saß ich mit der Reihe 11 sehr weit hinten, hatte zwar akustisch einen sehr guten Platz, auch mit sehr guten Blick auf das Geschehen, aber einem sehr schlechten Platz für die Details, die Frau sonst nebenbei auf und vor der Bühne beobachten kann.

Als Erstes stellte sich schon die überaus wichtige Frage, war der Bart des Dirigenten nur gestutzt oder war er ab? Jaja, ich weiß, so sind sie wieder die Frauen. Da gehen sie zur Lieblingsoper und für was interessieren sie sich? ... aber bitte! Er hat ja auch noch nicht angefangen, für was sollte Frau sich in dieser Totzeit denn sonst interessieren? Also, Haare gekämmt, Bart gestutzt, Herr Berg erhob das Stöckchen zur Ouvertüre und die Menge im vollen Saal unterbrach ihr Geschwätz und zollte der wunderbaren mozartschen Musik wunderbare würdige Aufmerksamkeit. 

Ich saß in meiner Reihe 11 und dachte 'ein bißchen lauter könnte es schon sein Herr Berg'. Allerdings verließ mich dieser Gedanke sofort wieder und wurde durch folgenden Gedanken verdrängt: 'Was will die Inszenierung uns damit sagen?' und 'Moment mal, das ist doch eine Felsenstein Inszenierung, wieso haben die da jetzt so ein merkwürdig eintöniges Bühnenbild und wieso martern Jörg Brückner - "Die Zauberflöte" - Anhaltisches Theater Dessau - Oktober 2006 sie uns mit so einem grausamen Film?' Entsetzen und Panik machte sich breit in meinem Gemüt und es dauerte ein Weilchen, bis mein romantisches Hirn die Situation erfasste - aha, also eine moderne Inszenierung mit modernen Tamino in Trenchcoat, aber dafür völlig schutzlos ohne Pfeil und Bogen und mit grausam folgenden Schlangen, die einem die traurige Welt vor der man eigentlich in die Oper fliehen wollte, wieder erschreckend nahe brachten. In diesem ersten Augenblick konnte ich mich gar nicht auf die Stimme des Tamino konzentrieren, sondern wurde abgelenkt durch diese überaus grausamen Schlangen. Na wie gut, daß es da diese drei tapferen Damen gab, die diese Ungeheuer sofort verstummen ließen.... hmmmm .... die diese Ungeheuer wieder von der Leinwand hinaus in die Welt verbannten und Tamino in die Traumphantasie und Romantik der Oper, wo er dann auch durch das ganze Operngeschehen hindurch blieb - hmmmm - wo ist der Bezug geblieben? Ja, den Anfang habe ich sehr gut verstanden, aber wo blieb der im Verlauf der Oper? Die Leinwand wurde abgebaut und das grausame Dunkel verwandelte sich in einen wunderbaren Tempel mit strahlenden Sternen, die den Zuschauer die ganze Inszenierung hindurch hypnotisierten und das Drumherum vergessen ließen. Also wie im wahren Leben: Zeigt den Menschen nettes Glitzern und Funkeln und schon vergessen sie alles andere um sich herum oder überfrachtet sie mit grausamen Nachrichten und schon macht der Mensch sich "gleichsam nach eigenem Belieben gefühllos"**..... oder gründet eine Gemeinschaft Gleichgesinnter, kürt einen Guru zum Allmächtigen und folgt ihm blind und ohne Fragen bis zum Massenselbstmord.

 Marek Wojciechowski - "Die Zauberflöte" - Anhaltisches Theater Dessau - Oktober 2006Sarastro also als Guru? Ok, ich denke den Felsensteinschen Gedankengang hätte ich somit verstanden, aber was ist mit dem mozartschen Gedanken zur Zauberflöte? Was ist mit der ihm sehr zweckdienlichen Gemeinschaft der Freimaurer? Einer Gemeinschaft, wo Stände zweitrangig betrachtet wurden und die dazu diente Netzwerke zu knüpfen um Existenzen aufzubauen und zu verfeinern? Ich habe so das Gefühl in mir, daß der mozartsche Gedanke zu Sarastro nicht der einer Sekte war. Aber gut, wenn man diesen altmodischen Gedanken beiseite legt und umdenkt, könnte man mit der Dessauer Inszenierung schon einer Meinung sein und meinen, daß es eine gute Idee war, so etwas auch einmal auszuprobieren. Das Publikum muß ja nun nicht immer nur Spaß haben, wenn es in der Oper sitzt, sondern sollte gefälligst auch einmal darüber nachdenken, was ihm da geboten wird..... oder was der Künstler uns damit sagen wollte. Ok, mein Geschmack hat diese Inszenierung schon getroffen, denn ich denke gern nach und ich diskutiere auch gern noch mit Freunden über das Gesehene und Gehörte und diesmal hatten Uli und ich nach der Vorstellung wirklich noch ein anspruchsvollen Gesprächsstoff, allerdings aber auch kein schlechtes Gewissen zu anfangs gezeigten Film und bezüglich des "üppigen" Mahles und des guten Weines, welchen wir bei unseren Diskussionen so ganz nebenbei und völlig gewissenlos genossen. Ich muß sogar sagen diese Vorstellung beschäftigte uns nicht nur an diesem Abend. Wir nahmen auch noch in London die Szenen auseinander und diskutierten über Sinn und Unsinn und auch in London konnten wir nicht alle Geheimnisse und uns bewegende Fragen diesbezüglich klären. Also somit läßt sich dazu schon mal eine gewisse Nachhaltigkeit nachweisen, worauf die Inszenierung schon stolz sein kann, ....... wenn sie das nicht nur bei uns erreicht hat.

 

Viktorija Kaminskaite & Andriy Maskakov - "Die Zauberflöte" - Anhaltisches Theater Dessau - Oktober 2006 Nachdem der erste Eindruck der Bühne so langsam verblasste, drang auch wieder die gute mozartsche Musik über mein Ohr in mein Gemüt und ich genoss die drei Damen, die sich um diesen hübschen Jüngling stritten.

Jule Rosalie Vortisch, Kristina Baran und Anne Weinkauf haben mir sehr gut gefallen. Sie sahen zwar nicht aus, als könnten sie solch gewaltige Schlangen zu Fall bringen, aber vielleicht .... wenn doch ... dann "Frauen an die Macht!" Für diese Äußerung gibt es eine ganze Menge Befürworter und sofort erwachte Tamino aus diesem Alptraum, singt ein paar Zeilen, schaut sich um und entdeckt ...... Papageno im hässlichen Kostüm.... aber ich glaube, er hat sich nicht erschreckt. Ich schon..... "Der Vogelhändler bin ich ja, Stets lustig, heißa, hopsasa!....." und somit betrat Andriy Maslakov in merkwürdigen Outfit das Geschehen. Diesmal keine Federn, aber eine hübsche Seppelhose - hmmm - ein putziges Kerlchen mit zur dargestellten Figur passender Stimme, wunderbarer Flötentechnik (haha), hervorragender Gestik und erste Reihe erschreckender schauspielerischer Leistung. Ja, liebe  Freunde vom Anhaltischen Theater, der Bursche ist Euch gut gelungen - und das ist ja letztendlich auch das Wichtigste, denn dieser alberne Kerl ist ja immer der Liebling des Publikums. Hat er einmal dessen Herz erobert ist der Rest ein Kinderspiel...... Das ist immer so, denn das Publikum sieht sich halt gern im Spiegel --> siehe Kishons "Song des Shakespeare"***.

Darum sind ja auch die "Lebenshilfe-" oder "Mein-geschiedener-schwuler-Ehemann-betrügt-mich-Shows" so beliebt. Die Menschen sehen gern Leuten zu, die entweder genauso blöd, oder noch blöder sind als sie selbst. Das erhebt sie ein wenig von Die drei Knaben - "Die Zauberflöte" - Anhaltisches Theater Dessau - Oktober 2006 ihrem trostlosen und langweiligen Dasein. Das gibt ihnen das Gefühl etwas besseres zu sein, als die Idioten dort im Fernsehen. Sorry, ich weiß, ich bin böse, aber ich hasse nun mal diesen Mist, der den ganzen Tag in die Hirne der sich vom Fernsehen bestrahlen Lassenden und nichts besseres zu tun Habenden wandert. Aber gut, eigentlich schaut sich ja niemand so etwas an - Gott sei Dank!

 

Papageno trällert sein Liedchen und Tamino nimmt ihn bei der Hand - in dieser Inszenierung symbolisch, was ja auch völlig Wurscht ist - und erkundigt sich nach Stammbaum und geschäftlichen Grundlagen seines Gegenübers, erklärt ihm nebenbei, daß er ein Prinz ist und fragt ihn nach der Gegend aus, in welcher er sich befände. Papageno ist genau wie seine Kleidung zeigt, einen gewitzter Gesprächspartner, der die einfachen,  aber wichtigen Dinge des Lebens liebt und der vor allem nicht sofort jedem Fremden seine Geheimnisse verrät..... von denen er wahrscheinlich bewusst auch gar keine Kenntnis hat. Alles bestens.

Allerdings gibt es jetzt ein kleines Problem, wie kann Tamino nach den Federn, die den Vogelfänger bedecken fragen, wo er in dieser Inszenierung doch eher gerupft ist und wie kann er vor der toten Schlange zurückweichen die er überhaupt nicht sehen kann? Nagut, was soll's, ich schon wieder mit meinen die Handlung überhaupt nicht beeinflussenden Nebensächlichkeiten.

Jedenfalls wird Papageno auch hier sofort von der Königin der Nacht durch ihre drei Damen mit Schweigen bestraft für eine Tat die er glaubt begangen zu haben, aber nicht hat. Ehe er sich's versieht hat er auch schon ein Schloß vor dem frechen Mund - was immerhin aus Gold ist - und summt ab jetzt seinen Text.

Monostatos (Marian Albert) - "Die Zauberflöte" - Anhaltisches Theater Dessau - Oktober 2006Im Gegensatz zu Tamino, den die Erscheinung der Tochter der Königin in Form eines Foto heimsucht und in diese er sich sofort verliebt, was er sogleich in Form einer Arie kund tut. Da kann die Inszenierung auch nichts machen, hier bleibt die Oper kitschig ... aber die Arie ist, wie sollte es bei Mozart auch anders sein, sehr schön und schon schlägt das am Anfang geschockte Frauenherz wieder romantisch verklärt den Takt mit. Nur ganz versinken konnte sie nicht in die hübsche Melodie mit Gesang, weil der Gesang nicht ganz dem Gewohnten entsprach. Jörg Brückner machte zwar eine hübsche Figur als Tamino, aber irgendwie komme ich mit seiner Stimme dazu nicht klar. Ich weiß ja, das Tamino und Pamina hier evtl. in ihrer Art ein Singspiel vertreten, was ja vielleicht auch etwas näher an einer Operette dran ist, aber irgendwie kenne ich die Stimme des Tamino anders, doch mehr in Richtung einer Oper..... hmmmm ... aber vielleicht haben ja auch die anderen alle mit der stimmlichen Figur des Tamino übertrieben.

 

Die Handlung nimmt ihren Lauf und die Königin der Nacht hat ihren ersten Auftritt..... oh jeh ... das ist nun also meine Lieblingsfigur dieser Oper. Darf ich hier bitte die Augen schließen? Ich habe die Dame, auch wenn sie eine Hexe ist, immer als elegante, gutaussehende und wunderbare Erscheinung im Gedächtnis - Herr Felsenstein geht da jetzt andere Wege:

Albern hinkend, wie mit einem Teufelsfuß (! ok, verstanden) klagt sie hinter der Staubwolke ihrer Puderdose mit einer sehr guten Stimme Tamino ihr Leid und kann ihn überreden sich in die Höhle des Löwen, oder besser in die Arme der Sekte zu begeben um die hübsche Tochter aus den Klauen des räuberischen Gurus zu befreien.Restaurant "Papageno" - London Covent Garden - Oktober 2006

Damit Tamino nicht ganz so waffenlos loszieht, bekommt er und sein beigeordneter Gefährte Papageno eine Zauberflöte und ein Glockenspiel.

Papageno verliert alsdann auch sein Schloß des Schweigens mit den überaus tief greifenden Worten:

 

"Bekämen doch die Lügner alle,

Ein solches Schloss vor ihren Mund;

Statt Hass, Verleumdung, schwarze Galle,

Bestünde Lieb und Bruderbund."****

 

Gott, wäre das dann still auf dieser Erde....

 

Papageno konnte nicht mehr flüchten und mußte sich somit und alsdann mit dem von Liebe geblendeten Tamino auf den Weg machen um die hübsche Begehrte zu befreien.

Jetzt gibt es einen Szenenwechsel und dem Zuschauer wird gezeigt, wie grausam doch dieser Sarastro ist, indem er die zarte Pamina so schlimm durch den schwarzen Mooren Monostatos behandeln läßt. Hier zeigt sich mal wieder, daß Mozart wohl noch nichts von "Diversity" ff. wusste, denn sonst würde er sich über diese Szene schämen. Ich so als Zuschauer des 21 Jh. versank sofort mit schlechtem Gewissen bezüglich Rassendiskriminierung dort hinten in meiner 11. Reihe, konnte aber von dort unten immer noch die hübsche Viktorija Kaminskaite als Pamina mit dieser wunderbaren Stimme im sehr guten Zusammenspiel mit Marian Albert als Monostatos bewundern und weiterführend das Aufeinandertreffen von Schwarz und Weiß und den daraus folgenden Abgang mit Schrecken oder Schrecken mit Abgang beobachten.

Stefanie Wüst als Königin der Nacht - "Die Zauberflöte" - Anhaltisches Theater Dessau - Oktober 2006Im ersten Akt lernen wir dann eigentlich noch den Tempel des Sarastro und die drei Knaben kennen die Tamino dort hineinführen. Gut, alles ein bißchen anders in der Dessauer Inszenierung, aber trotzdem sehr schön. Die drei Knaben und ihr jeweiliges Erscheinen haben mir jedenfalls immer sehr gut gefallen.

Sarastro zeigt sich auch noch, nach einer Vorhut seines Gefolges - hier krochen ich und mein bezüglich "Diversity" gebeuteltes Gewissen dann auch wieder heraus aus meinem Sitz in der 11. Reihe - gut gemacht von allen Beteiligten!

 

Die Handlung, oder sagen wir mal, der langweiligere Teil der Oper plätscherte zusammen mit den Prüfungen, die Tamino und Papageno auferlegt wurden dahin. Hier und da gab es durch Papagenos "Exzesse" auch etwas zu lachen, aber ich wartete gespannt auf die Rache-Arie der Königin der Nacht und deren dessausche Umsetzung. ....... und schon tauchte Stefanie Wüst, die Dame, die mir eigentlich als hervorragende Weill Sängerin bekannt war, wieder auf um mit Ihrer Tochter ein ernstes Gespräch zu führen, was in der phantastischen Arie der Königin der Nacht endete.

Also ich muß sagen, ich war geplättet. Das hätte ich nicht erwartet. Da sieht man sie noch in Kurt Weills "Mahagonny" durch die Bars tingeln und schon steigt sie empor zu einer Königin der Nacht. Sehr gut gemacht, liebe Frau Wüst. Sie waren meiner Königin der Nacht würdig und haben mir sehr gut gefallen und eigentlich müßte ich jetzt hier aufhören mit meinen Bemerkungen zur Dessauer Aufführung der "Zauberflöte". Man sollte immer aufhören, wenn es am Schönsten ist und das werde ich dann auch tun, aber nicht ohne vorher noch kurz weiteres Erwähnenswertes zu erwähnen.

Die nachfolgende Szene, als Papageno sein zukünftiges und so sehr gewünschtes liebes Weibchen zum ersten Mal trifft, war hervorragend gespielt von Andriy Maslakov und Sabine Noack und die daraus weiterführende Sex-Szene mit Gesang zwischen den beiden gierig Verliebten entlockte dem Publikum so manchen ausführlichen Lacher und Bemerkungen wie die der Dame hinter uns: "Schatz, die Hose könnte Dir auch stehen."

Es war ein Genuss im Publikum zu sitzen, zwischen all den fröhlichen Leuten. Vor allem die Männer waren sehr fröhlich, als Papageno seinen nackten Traum mit ihnen teilen durfte. Sabine Noack & Andriy Maslakov als Papagena & Papageno - "Die Zauberflöte" - Anhaltisches Theater Dessau - Oktober 2006 Wirklich gut gemacht, hervorragend die Idee mit den Palmen. So gut, daß meine bayrisch, katholische Freundin errötend die Augen schloss und flüsterte: "Da geht man schon in die Provinz und dann so was", allerdings der Italiener neben ihr hat vor Freude gejauchzt und ich dachte, die Männer haben es wieder gut und was haben wir Frauen davon ? Den Kunstgenuss? Also bitte! Seht Ihr, und genau deshalb ziehe ich den "Don Giovanni" der "Zauberflöte" vor!

"Heil sei Euch Geweihten!"*****

Jetzt haben wir zwar durch soviel Spaß nicht mehr den Bogen zum Eingangsbild schlagen können und im wahren Leben ist die Schlange natürlich auch nicht getötet und die dunkle Seite nicht mit Blitz und Donner in die Hölle versunken, aber was soll's: Standing Ovation für eine sehr gute Aufführung der Zauberflöte in den "heiligen Hallen" des Anhaltischen Theaters Dessau und laßt uns die Erde unser Himmelreich sein und Göttern gleich weiter schreiten auf dem großen Pfad zu Bernd Glemser in den Mendelssohn Saal des Gewandhauses.

 

Da Bernd Glemser nun so langsam zu meinen Lieblingspianisten avanciert und da mein Lieblingsdirigent mir mehrere Hinweise auf ihn und diesen Abend per e-Mail zukommen ließ, zog es mich und somit auch Uli, weil sie ja bei mir zu Besuch war und sich nicht wehren konnte, zu einem Klavierabend nach Leipzig.

Ich muß ehrlich zugeben, ich bin bezüglich Klavierabende immer sehr faul und laßt mich in den Boden versinken, das war erst mein zweiter Klavierabend, an den ich mich bewusst erinnere. Bernd Glemser kenne ich allerdings schon aus einigen Konzerten und ich muß sagen, er ist mir wirklich einer meiner Liebsten und dieses Konzert sagte mir mit Bach, Schostakowitsch und Rachmaninow sehr zu. Ok, ich gebe es ja zu, ich hätte hier lieber das dritte Konzert für Klavier und Orchester von Rachmaninow gehabt, als "nur" seine Elégie, Prélude, Sérénade, Barcarole,..... und Schostakowitschs und Bachs Fugen und Präludien, von denen ich nicht eine einzige kannte. Ich kam mir zwischen all denn Wissenden in diesem Konzert wirklich klein und unwissend vor, aber ich genoss es trotzdem..... irgendwie. Der kleine Mendelssohnsaal war voll gestopft mit Menschen, von denen die meisten sofort in stille Extase  versanken, als der Meister die ersten brillanten Takte auf Michael Fiechs Steinway & Sons anschlug. Es war so unheimlich still im Saal, so daß man eiBernd Glemser (Quelle: Programm des Konzertes)ne Stecknadel hätte fallen oder das Gras wachsen hören können. Ja, Ihr habt richtig gehört, es war mir unheimlich und ein sehr merkwürdiges Gefühl durchzog meinen Körper und meine Seele. Kein Gedanke konnte sich so wirklich in meinem Hirn formieren, nur Stille und der Klang des Klaviers, mal langsam, mal schnell, mal Bach, mal Schostakowitsch in einzigartiger und wunderbarer Klarheit, aber trotzdem in unheimlicher Stimmung.

Ich lauschte jedem Ton und beobachtete den Spieler und sein stilles Umfeld, welches er wahrscheinlich überhaupt nicht wahr nahm. Alles lief ab wie in einem alten s/w Film im Schnelldurchlauf, natürlich passend zur Musik, aber in rasender Geschwindigkeit durch alte, verstaubte Zeiten, zu Zeiten als solche Filmtechnik noch in ihren Kinderschuhen steckte. Es hätte toll ausgesehen, wenn solch ein Filmisches Programm im Hintergrund zu dieser Musik abgelaufen wäre und es hätte dem toten Saal ein bißchen Leben eingehaucht. Nagut, eigenartig eben, aber es war ein hervorragendes Konzert und irgendwie habe ich es schon genossen, aber es war eine merkwürdige Atmosphäre in diesem Raum und die habe ich nicht genossen.

Viel besser, wenn diesmal auch ebenfalls in merkwürdigen Räumen, gefiel mir der darauf folgende Abend mit der Aufführung des "Hauptmann von Köpenick" in der Ausweichspielstätte des "neuen theaters" im Fernsehstudio Waisenhausring in Halle.

 

Der Hauptmann von Köpenick - neues theater Halle - Oktober 2006 - Programm zum StückCarl Zuckmayers Paradestück der Bürokratie in einer Inszenierung von Intendant Christoph Werner am halleschen "neuen theater". 

Ich kann jetzt nicht sagen, daß der "Hauptmann von Köpenick" mich besonders interessierte oder dass ich mich irgendwie noch gut an die Handlung des Filmes mit Heinz Rühmann erinnern konnte, aber eine Bekannte wollte ihn sich unbedingt ansehen und den einzigen freien Termin, den ich in meinem Kalender finden konnte, war der Sonntag unseres Kulturwochenendes. Uli sagte 'ja' und der Entschluss ward gefasst.

"Der Paß ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird."*****

 

Ein weiterer Satz aus dem Programm zum Stück beschreibt diese hervorragende Inszenierung sehr treffend: "Daß "Der Hauptmann von Köpenick" das alles als zwerchfellerschütternde Komödie darstellt, ist ein weit verbreitetes Gerücht: Wilhelm Voigts Geschichte ist ebenso lustig wie mitmenschliche und behördliche Kälte."

 

Ich betrat an diesem Abend völlig erwartungslos die Ausweichspielstätte des "neuen theaters" und war angenehm überrascht. Nicht nur, daß wir noch einen Parkplatz in der Nähe ergattern konnten (das Parkhaus im Ritterhaus war leider, dumm und unverständlicher  geschlossen), nein, es war auch eine überaus angenehme Ausweichstätte und ich fühlte mich sofort wohl in den mit Liebe neu angestrichenen vier Wänden des großen Saales. Das schien auch nicht nur mir so zu gehen, sondern auch den restlichen Zuschauern des ausverkauften Saales. Selbst der Intendant persönlich war mit Tochter und Eltern (nehme ich an) anwesend und wenn er die Familie ins Theater schleift, dann muß das Stück wohl gut sein.... dachte ich so beim flüchtigen hinsehen. Eigentlich mag ich diesen Christoph Werner ja nicht so besonders, aber an diesem Abend gab er sich wirklich goldig und irgendwie menschlich mit soviel Liebe für seine Angehörigen. Das machte ihn nun doch wieder sympathisch und brachte ihn ein paar Pluspunkte auf meiner Lieblings- und weniger Lieblingsintendanten Skale ein und am liebsten hätte ich ihm an diesen Abend die Hand geschüttelt und zu dieser hervorragenden Inszenierung gratuliert und nebenbei hätte ich ihm gern gesagt: "Lieber Herr Werner, ich finde es ja phantastisch, daß sie so liebevoll Werbung für Spenden für das Dach des Saales des "neuen theater" machen, aber wo sind denn Ihre Sammelbüchsen aufgestellt?" 

Ich habe wirklich überall danach gesucht, aber nichts gefunden und ich hätte so gern ein paar Euro gespendet, weil ich unser "neues theater" mag und hoffe, daß das alte Dach bald wieder in Ordnung kommt. Ich war ja schon drauf und dran Herrn Werner 10 EUR in die Hand zu drücken, als er mir in der Pause über den Weg lief, aber Uli hielt mich zurück mit der Bemerkung, daß schickt sich nicht ;-) Also Leute, stellt die Büchsen zu den nächsten Stücken auf, ich komme wieder und Kleinvieh macht auch Mist!

An der Ausweichspielstätte gab es nicht das geringste auszusetzen, die war perfekt, selbst die Drehbühne war grandios inszeniert ;-) Nur die Kneipen im Umkreis trafen nicht so ganz meinen Geschmack. Mir fehlt hier das "Las Salinas". Der Italiener in der Nähe war zwar sehr freundlich, aber kulinarisch nicht unbedingt empfehlenswert. -- Aber gut, das war die erste Kneipe, die wir hier ausprobierten. Zum nächsten Stück gibt es eine neue Kneipe, vielleicht schließe ich ja viel zu frühzeitig von einer auf alle.

"Der Hauptmann von Köpenick" war diesmal vollständig mit der alten Mannschaft des "neuen theaters" besetzt. Ich freute mich wahnsinnig alle diese alten Bekannten auf einen Schlag wieder zutreffen. Ich war nach dem FühruDer Koch aus den Canterbury Tales - Gielgud Theatre Oktober 2006 Londonngswechsel schon lange nicht mehr im "neuen theater" und mein kultureller Geschmack hat sich jetzt doch etwas mehr in Richtung Oper und Konzerte verschoben, aber diesmal freute ich mich riesig all die "alten" Gesichter wieder zu sehen. Da waren also dann Reinhard Straube in der Titelrolle als Wilhelm Voigt, die geniale Danne Hoffmann in verschiedenen Rollen, die brillante Elke Richter u.a. als Frau Obermüller, die wunderbare Barbara Zinn u.a. als Marie Hoprecht, mein liebster unter allen Peter W. Bachmann u.a. als Adolf Wormser, das Dialektgenie mit dem unaussprechlichen Namen und schwungvollen Tanzbein Stanislaw Brankatschk, der zackige Thomas Just mit noch mehr verschiedenen Rollen, der sympathische Karl-Fred Müller, der ab und zu seinen Enkel (?) auf der Rabeninsel spazieren führt und der teuflische und immer dünner werdende Andreas Range als Hauptmann von Schlettow. Des weiteren Jörg  Simodes, den ich aus sehr vielen Stücken kannte und mochte, Peer-Uwe Teska, Joachim Unger und Klaus-Rudolf Weber. Ja, zwischen diesen alten Bekannten fProgramm zu den Canterbury Tales - London - Oktober 2006ühlte ich mich sofort wohl und geborgen.... und bei soviel exzellentem schauspielerischen Können wusste ich, daß dieses Stück ohne Zweifel perfekt werden würde. Was soll ich Euch also noch sagen, Leute? Es war perfekt! Jedes Detail, jeder Schritt der Schauspieler, jede Mimik, jeder Satz war purer Theater Hochgenuß und das Stück ist somit mehr als empfehlenswert.

Das Bühnenbild mit den Türen und dem Märchenwald drumherum gefiel mir sehr gut. Die Auf- und Abgänge durch die Türen war brillant gemacht und die beiden Herren, die die Drehbühne bedienten waren hervorragend einbezogen. Es passte alles bis auf's i-Tüpfelchen zum Stück -- und wisst Ihr was? Dafür liebe ich unser "neues theater" und seine Akteure. Die Qualität solch Schauspieles erkennt man erst, wenn man etwas Anderes erleben mußte, wie z.B. die Aufführung des Galileo Galilei in Bad Lauchstädt, was eher an eine Laiendarstellung erinnerte, als an Profis, wie die des "neuen theaters" in Halle. Als ich zur Vorstellung des Galileo Galilei war, dachte ich jede Sekunde mit Sehnsucht daran, wie es wohl wäre, wenn das "neue theater" dieses Stück aufgeführt hätte. Also Fazit, trotz des Intendantenwechsels und der merkwürdigen Eskapaden des Neuen, bleibt das "neue theater" immer noch eines der Hervorragendsten, die ich kennen lernen durfte und es bleibt weiterhin und immer noch empfehlenswert. Also kurz: Schaut Euch das Stück an, es wird Euch gefallen und Euren edlen Anspruch an gutem Theater befriedigen.

 

Mein edler Anspruch an guten Theater wurde diesmal nicht nur vom "neuen theater" befriedigt, sondern auch wieder im Londoner West End, diesmal vom Gielgud Theatre und dem ersten Teil zu den "Canterbury Tales". Das Kind in unseren Reihen meinte zwar, die Canterbury Tales habe sie in der Schule gelesen und die waren langweilig und sie ziehe "Warten auf Godot" vor, aber das schreckte uns keineswegs von unserer Intension ab uns dieses Stück, von dem wir meinten, daß es mit Rittern und alter englische Geschichte zu tun hat, in London anzusehen.

Geplant war diesmal eigentlich gar nichts. Wir wollten uns eigentlich nur mal wieder auf ein Schwätzchen im Pub treffen und da Bettina mit Tochter schon mal in London war, zwecks Aussuchen von UniversitäteGielgud Theatrre in London - Oktober 2006 - The Canterbury Talesn für das Kind, daß nun langsam mit großen Schritten auf das Studienalter zuschritt und sich an diversen dieser Universitäten Nähe London beworben hat, beschlossen Uli und ich kurzerhand aus unserem Wochenende in Halle auch gleichzeitig ein verlängertes Wochenende in London zu machen.

"Herrlich! - Himmlisch! - Göttlich! - Ha! ich bin jetzt so vergnügt, dass ich bis zur Sonne fliegen wollte, wenn ich Flügel hätte. - Ha! - mir wird ganz wunderlich ums Herz. - Ich möchte - ich wünsche - ja was denn?"*******

Also ich müßte Papagenos Arie ein wenig abändern, vielleicht auf Männchen? ;-) Aber sonst trifft's die Sache schon und die "Canterbury Tales" mit soviel Gezeter um die schönste Sache der Welt bringen Frau so manches Verlangen wieder in den Sinn. Kurz, die Inszenierung von Chaucer's kleinen Geschichten trieb Frau wiedermal ganz schön viele Phantasien in den Kopf, wo sogar die dessausche Inszenierung der "Zauberflöte" blass vor freizügigen Neid werden würde. Da fragt man sich doch, was das Kind wohl in der Schule gelesen hat, jedenfalls nicht die Adaption der "Canterbury Tales" von Mike Poulton, die eigentlich nur eine "version of Chaucer's Canterbury Tales designed to be spoken by actors and heard and enjoyed by audiences."*******

Also sehr viel hat er jetzt nicht geändert - hmmm - dann muß das wohl an der Inszenierung gelegen haben, daß uns überhaupt nicht langweilig wurde. Also ich kann Euch sagen, wir haben sehr viel und sehr herzlich gelacht. Ich muß jetzt noch lachen, wenn ich an die Story mit den Hühnern auf dem Bauernhof denke, oder an die freizügigen Geschichten des Müllers und des Vogts. Also die des Vogts war wirklich eine der Besten.... und wenn ich die Story so im Nachhinein lese, frage ich mich doch ernsthaft, wie man soviel herrliche Inszenierung (Gregory Doran, Rebecca Gatward, Jonathan Munby) dort hineininterpretieren kann.

Kampf der Prinzen aus den Canterbury Tales - Gielgud Theatre Oktober 2006 - LondonSchon der Anfang mit dieser mittelalterlichen Musik war ein wahrer Genuss. Obwohl diverse Schulklassen in den Reihen hinter uns noch angeregt über intimere und wohl für sie interessantere Details schwatzten, liebte ich dies Musik (Sylvia Hallett, Jan Hendrickse, Sahra Balls) in all ihren simplen, wunderbaren klanglichen Zügen.

Ich mag diese mittelalterliche Musik sehr und diesmal gab sie mir das Gefühl, daß dieses Stück sicherlich hervorragend werden würde. Das erste Gefühl täuschte mich nicht, das Stück wurde hervorragend - zwar sehr gewöhnungsbedürftig und auch etwas abstrakt und manchmal sehr albern, aber hervorragend. Wie machen das die Engländer nur immer wieder, daß sie ihre Theaterstücke so gut hinbekommen. Ich habe schon sehr viele gesehen und bis auf eins, waren alle brillant. Die Charaktere waren sehr gut ausgesucht und die Kostüme wieder erstklassig. Das Bühnenbild war zwar eher dürftig, aber völlig ausreichend und die Inszenierung mit den Steckenpferden und die Behandlung dieser durch die Schauspieler mehr als brillant und authentisch. Selbst der Turnierkampf zu Pferd ward phantastisch rübergebracht. Ein wahres Meisterwerk der Improvisation. Manchmal denke ich, die Engländer haben wirklich eine göttliche Hand für grandioses Theater. Ich hätte ja auch gern mal gewusst, ob sie eine göttliche Hand für die Oper haben. Zu der Zeit, als wir in London weilten, gab es im Royal Opera House in Govent Garden "La Boheme", aber leider nur noch mit Plätzen zu 170 Pfund. Ich wäre ja zu gern weich gewordeDas "Sarastro" - London Covent Garden - Oktober 2006n, aber bei 170 Pfund streikte diesmal mein Portmonaise. Das wollte lieber die 170 Pfund bei Karen Millen ausgeben. Gut, das Frau da nichts zu sagen hat.  Vielleicht sollte ich das nächste Mal etwas zeitiger eine Oper in London planen. Das "Sarastro" - London, Covent Garden - Oktober 2006 Denn dann gibt es noch Steh- und Höhrplätze für den kleinen Geldbeutel, der für den Rest des Geldes lieber bei Karen Millen einkauft..... oder wo auch immer in der Oxford oder Regent Street.

Demnächst soll es ja im Royal Opera House den Ring der Nibelungen geben und wer schon immer mal Wagner zusammen mit Placido Domingo in London sehen bzw. hören wollte ist mit nur 800 bis 850 Pfündern im Stall mit dabei. Naja, wer sich mit einen Stehplatz ohne Sicht begnügt kann dies für den kompletten Ring auch mit schlappen 50 Pfündchen abdecken. 

Bei solchen Preisen ist Frau doch immer wieder froh in Halle zu wohnen, mit Leipzig und Dessau und weiteren subventionierten Häusern in der Nähe... und sie betet und hofft von ganzen Herzen, dass diese finanziellen Unterstützungen nie versickern werden und weiterhin jedem die Gelegenheit geben in den Genuss solch phantastischer und individuellen Augenblicke zu kommen, wie ich an diesem Wochenende. 

Theater in London ist mit 20 bis 45 Pfund erschwinglich, aber wenn man in den Genuss einer Oper kommen möchte, sollte man lieber Leipzig, Dessau oder Halle bevorzugen. Aber gut, vielleicht werde ich es trotzdem mal testen, allerdings mit rechtzeitiger und somit preisgünstigerer Planung.

Die Canterbury Tales mit dem wunderbaren Abend in London hinter uns lassend besuchten wir nichts desto trotz am nächsten Tag das Londoner Opernhaus am Covent Garden.

Das "Sarastro" - London, Covent Garden - Oktober 2006Eine hübsche Gegend, die viele interessante Sachen zu bieten hat, unter anderem auch die beiden Restaurants "Papageno" und "Sarastro", welche wir in Anbetracht der Umstände in Augenschein nahmen und uns für das weniger Kitschige, das "Sarastro" entschieden. Im wahrsten Sinne des Wortes "goldig" war dieses Highlight der Londoner Restaurantszene sehr goldig. Ich war sofort verliebt in dieses hübsche Kleinod am Londoner Covent Garden - nein, ich war nicht verliebt in das nicht wirklich schmackhafte Lunch, aber ich war verliebt in die vielen hübschen goldenen/ goldigen frivolen Details und in die Besonderheiten und in die Idee unser Kulturwochenende, welches mit der Zauberflöte begann auch mit der Zauberflöte enden zu lassen. Von Papageno in Dessau bis Sarastro in London - ist das nicht das Himmelreich auf Erden?

"Oh holde Ruhe, steig hernieder;

Kehr in der Menschen Herzen wieder;

Dann ist die Erd ein Himmelreich,

Und Sterbliche den Göttern gleich. -"********

Und ich fühlte mich wirklich den Göttern gleich. Überall funkeln und glitzern und hübsche Details sogar bis auf die Toilette. Im Hintergrund erst Mozarts "Zauberflöte" und dann der "Don Giovanni" und dieses bezaubernde Restaurant in Mitten des Londoner busy life. Selbst Papageno bekommt seine Papagena - alles Freude und Glück - herrlich!

 

Kann also die Erde ein Himmelreich sein? Ja, sie kann!

 

Eure Jana

 

 

London, Covent Garden - Rund um die Oper - Oktober 2006

London, Covent Garden - Rund um die Oper - Oktober 2006

London, Covent Garden - Rund um die Oper - Oktober 2006

 

 

 

... und hier 4 MB (wmv) London ohne Krach aufgenommen mit meinem kleinen Fotoapparat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*Die Zauberflöte - Schlusschor erster Akt

** Bertholt Brecht "Die Dreigroschenoper" - Peachums Meinung zum Geschäft mit dem Mitleid im ersten Akt

*** Ephraim Kishon "Es war die Lerche"

**** Die Zauberflöte - erster Akt, achter Auftritt

***** Bertholt Brecht "Flüchtlingsgespräche" aus dem Programm zum Stück

****** Die Zauberflöte - zweiter Akt, zweiundzwanzigster Auftritt

******* Chaucer's "The Canterbury Tales" bearbeitet von Mike Poulton; A Note on the Text, Seite xi

******** Die Zauberflöte - zweiter Akt, sechsundzwanzigster Auftritt, Nr. 21 Finale