Die Panne - Friedrich Dürrenmatt
"... eine
Parodie auf etwas, was es nicht gibt und worauf die Welt immer wieder
hereinfällt, eine Parodie auf die Gerechtigkeit, auf die grausamste der fixen
Ideen, in deren Namen der Mensch Menschen schlachtet."
Ein Thema, aktueller denn jeh - aber keine Sorge, Dürrenmatt versteckt zwar
solch erschütternde Wahrheiten in den Reden seiner Akteure und wenn man möchte,
kann man in diesem Stück einen tieferen Sinn sehen aber man kann es auch einfach
als eine Komödie genießen. - Gestalten,
die sich in ein Desaster manövrieren, in dem es ihnen gefällt und aus dem sie
letztendlich gar nicht mehr hinauskommen möchten.
FEIN!
Letzten Montag beschloß ich, mir die Panne von Friedrich Dürrenmatt in unserem
"neuen theater" anzusehen. - Ja, manche Leute gehen auch Montag ins Theater -
und da war ich noch nicht mal allein. Fast alle Plätze im großen Saal waren
besetzt. Meine Freundin Susi hatte keine Lust - zum Montag - und somit mußte
mein bester Kumpel Thomas wieder herhalten.
Da waren wir mal einer Meinung. Wenn Montag schon der schlimmste Tag der Woche
ist, sollte man doch das Beste daraus machen und abends nicht nur auf Dienstag
warten, welcher uns dem Wochenende um einiges näher bringt, sondern diesen
grauenvollen Tag mit einem netten Theater Highlight abschließen und dem
schlechten Ruf der Montage trotzen!
FEIN!
... und zu einem gelungenen Montag gehört natürlich auch ein gelungenes Dinner.
Eigentlich wollten wir diesmal ein anderes Restaurant ausprobieren, aber dann
waren wir doch zu faul zum Suchen und entschieden uns wieder für das "Las
Salinas". Es ist einfach zu gut gelegen und Essen & Wein so lecker, daß man
nicht widerstehen kann. Diesmal war es sogar ziemlich voll und das zum Montag.
Sieht so aus, als wären wir nicht die einzigen, die aus einem Montag etwas
besseres machen wollen.
Oh jeh, ich glaube, ich sollte die Montage nicht so verurteilen. Mir fällt da
sofort ein Spruch von Mark Twain ein, welchen meine Kollegin am Computer kleben
hat ein: "Gib jedem Tag die Chance der schönste Deines Lebens zu werden." und
deshalb sollte ich die Montage ein bißchen besser schätzen. Sie sind ja schließlich
auch Tage in meinem Leben, die gelebt und genossen werden wollen, womit wir
wieder beim Theater wären. Geben wir dem Montag also eine Chance mit einem
Theaterbesuch.
FEIN!
Diesmal waren wir nicht ganz so zeitig, bekamen aber trotzdem noch ganz gute
Plätze. Der große Saal war so gut wie voll, und sogar Frau und Herr Doktor
Betriebsarzt waren heute anwesend.
Es war Schummerig und ohne Leselampe konnte man sich die Wartezeit nicht mit dem
Studieren des Programmheftes verkürzen. Thomas und ich hatten keine dabei und so
harrten wir im Düsteren sitzend, auf die Dinge, die da kommen mögen. Nach einer
Weile wurde es noch düsterer und ich meinte schon, daß das kein Dürrenmatt,
sondern ein Hitchcock wird. Im Hintergrund hörte man ein fahrendes Auto und
einem Mann fluchen. Das war ganz schön unheimlich - dunkele Nacht, einsame
Gegend und dann geht das Auto auch noch kaputt - uhh, gruselig. Könnte
eigentlich auch Regnen um der Sache noch einen drauf zu geben und wir befänden
uns mit gefrorenem Blut in den Adern in "Psycho".
Aber nein, ich denke, eigentlich war es später Nachmittag und der
Handlungsreisende Traps war mit seinem feurigen Schlitten unterwegs, als sein
Motor nicht mehr mitmachte - eine Panne. Der Zuschauer erfährt, daß es ein
größerer Schaden ist und unser Herr Traps wohl übernachten müsse. Leider hatte
die Dorfkneipe wegen der Kleinviehzüchtertagung keine Zimmer mehr frei und er
mußte sich nach Alternativen umsehen. Der Wirt empfahl ihm eine Villa, die noch
Gäste aufnimmt, wohin er sich alsdann auch auf den Weg machte.
FEIN!
Der Zuschauer wurde endlich erleuchtet und Herr Traps betrat das Geschehen.
Peer-Uwe Teska sah mit nach hinten gekämmten Haaren wirklich aus wie ein Jupi
und Geschäftsmann. Da haben sie den Richtigen für die Rolle gefunden. Kostüm und
Maske stimmten und ich war gespannt, wie sie den Rest der Crew zurecht gemacht
haben.
Das Bühnenbild gefiel mir bist jetzt auch.
Durch eine kleine
Gartentür trat er in den hübschen Garten der
Villa. Die Pflanzen und Bänke,
alles sah gepflegt aus. Ja, so würde ich mir den Garten einer Villa auch
vorstellen. Im Hintergrund war der Vorhang im Halbkreis heruntergelassen, was
das Haus darstellen sollte. Eine gute Idee, fand ich.
Ich denke Peter Sodann vermischt zwar ein bißchen das Hörspiel mit dem Theaterstück, läßt einiges weg und fügt auch etwas hinzu, aber es paßte wunderbar in den Fluß des Geschehens. Der Anfang ist kürzer, als im Buch beschrieben, aber der Zuschauer erfährt alles Wichtige und wird gut in die Handlung eingeführt.
Er läßt das Vorspiel weg und beginnt mit Traps erscheinen bei der Villa, der als erstes auf die schwerhörige Tante trifft. Hätte ich nicht vorher gewußt, daß Simone von Fuhr von Barbara Zinn dargestellt wird, hätte ich sie nicht wiedererkannt. Die Maske war erstklassig. Sie sah mindestens 40 Jahre älter aus und spielte die vornehme, alte adlige Dame so wunderbar, daß es ein Genuß war zuzusehen.
FEIN!
Justine, die elegante und schöne Enkelin des Richters, rettet Traps aus der misslichen Lage des Nichtverstandenwerdens und Traps witterte sofort eine Chance mit der 35jährigen etwas näher bekannt zu werden. Sofort versuchte er der Dame mit seinem Auto zu imponieren und ihr Komplimente zu machen. Auch sie war nicht ganz abgeneigt und es schien noch eine ganz interessante Geschichte mit den beiden zu werden. Ist es nicht schön, wie Mann sich so um Frau bemühen kann, wenn er will. Da staunt man immer wieder.
Justine war ein bißchen "schräg", was Anja Pahl gut rüber brachte und ehe die beiden richtig loslegen konnten, schritt das Stück voran und die Riege der alten Herren stand auf dem Plan. Tja, und jetzt wurde es turbulent und das eigentliche Spiel begann.
Wie in einem Schachspiel arbeiteten sie sich Zug um Zug vorwärts bis zum unerwarteten Höhepunkt. Ok, ein kluger Schachspieler hätte das Ende bestimmt schon vorausgesehen, aber ich war gespannt, wohin sich das Ganze noch entwickeln würde.
Die Herren gefielen mir wunderbar. Auch hier waren die Schauspieler kaum wiederzuerkennen. Ich hätte nicht gedacht, daß Schminke und Kostüm soviel ausmachen. Die sahen wirklich aus wie 80. - Obwohl.... eigentlich sieht man ja im Fernsehen und auf Reklamefotos, wie sie die Models zurecht machen können. Der Schein trügt also immer wieder. - FEIN!
Die Herren waren in
ihrem Alter noch ganz
schön munter und Dürrenmatt legte ihnen gut durchdachte
Worte in den Mund. Herrlich! Was für ein netter Herrenabend. Es war ein
Vergnügen dem Geschehen zu folgen. Man war immer gespannt, wie sie als nächstes
agieren.
Da waren der uralte pensionierte Richter. In unserem Falle von Siegfried Voß dargestellt. Die Rolle war ihm wie auf den Leib geschnitten. Es gab einen pensionierten Staatsanwalt, gespielt von Reinhard Straube und seinen "Gegenspieler", den alten Rechtsanwalt, welchen Thomas Just darstellte. Am Besten gefiel mir Klaus-Rudolf Weber in der Rolle des etwas albernen pensionierten Henkers. Gott war das ein goldiges Kerlchen, so mit seinen roten Schuhen und großen Faible für Wein - FEIN!
Ich finde unsere Herren Schauspieler spielten erstklassig. Jedes Detail stimmte. Ich staune immer wieder, wie man ein Stück so perfekt umsetzten kann.
Die Herren brachten unseren Trabs mit ihrem Schauprozess ganz schön ins Schwitzen. Trotz der Warnungen des Rechtsanwaltes, zog er sich durch seine angeberische Art mehr und mehr in die Tiefen eines fiktiven Verbrechens hinunter.
Für uns Zuschauer war der Prozess mit seinen erstklassigen Wortspielen ein herrliches Spiel. Es war wunderbar zu beobachten, wie die Herren ihren Wein genossen und mit jedem älteren Jahrgang immer mehr ins Straucheln gerieten, wobei immer noch bei klarem Verstand. Denn natürlich war das Trinkgelage für die Riege der alten Herren nicht so gravierend wie für unseren Traps, denn die hatten Übung - er nicht.
Ehe er's sich versah, hatten sie ihn also angeklagt und waren bereit das Urteil zu sprechen. Das Kuriose war, daß selbst er jetzt an seine Schuld glaubte und vor allem, daß ihm dieser Gedanke sogar gefiel! Für die Herren war es ein Spaß und unser Traps nahm es langsam ernst. Endlich schien er mal wirklich etwas auf die Reihe gebracht zu haben und der Gedanke gefiel ihm. Jetzt WOLLTE er verurteilt werden - was für eine Farce und was für ein brillante Idee von Dürrenmatt. Er dreht das Spiel einfach um.
Die Herren lassen Traps natürlich ein Hintertürchen offen, denn für sie ist es immer noch ein "übermütiger Herrenabend", eine kleine Abwechslung im tristen Ruhestandsdasein, aber Traps verliebte sich immer mehr in diesen absurden Gedanken, daß er nun unbedingt schuldig sein wollte.
"Wir spielten das
Spiel des Gerichts vom Menschen über Menschen, und nun spielen wir das Spiel vom
Gericht des Menschen über die Götter, welche die Welt regieren." - Tja, an allem
sind die Götter schuld! Das muß wohl so sein. Sie verleiten den Menschen zu
manch irrsinnigen Taten und gehören bestraft:
"Wir richten hin, wenn wir dich morden, uns selber, die durch dich geworden - Feuer!"
Ein letzter Schuss, der mich erschrecken ließ, beendet das Spiel - eigentlich.
"Der dumme Kerl nahm Euch alte Knacker ernst! - Eine Panne".
FEIN!
Eure Jana
ps zum "Eigentlich": Ich meine, das Spiel hätte hier auch enden müssen.