Sagt nur davon nichts meinem Mann!

's ist der Schäfer nebenan!

 

Na das war doch mal ein Glanzstück unseres Opernhauses - Ja, wirklich! - Ich bin immer noch beeindruckt. Eigentlich bin ich kein so großer Freund von Musical und Operette, aber da ich etwas gesucht habe, wo ich zusammen mit meinen Eltern hingehen kann, also auch etwas, was mein Vater mögen könnte, habe ich mich für Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" entschieden. Das hallesche Opernhaus hat diese Operette für drei Jacques Offenbach (1819 - 1880) Vorstellungen wieder auf dem Spielplan und so entschloß ich mich gleich für die Erste und hoffte, daß es eine gute Inszenierung werden würde. Ehrlich gesagt hatte ich da große Zweifel, da sie mir manchmal die Opern schon zu albern inszenieren. Was würden sie dann wohl erst mit einer Operette machen.

 

Diesmal konnte ich meine Eltern zu einem Essen überreden. Sonst sind sie sehr sparsam und gehen wirklich selten Essen, aber ich finde, zum Abends Ausgehen, gehört einfach auch ein Essen dazu und da ich meine Eltern liebe und sie wirklich etwas Besonderes sind, sollte dieser Abend auch besonders schön für sie werden.

Leider mußten wir feststellen, daß das "Las Salinas" bis zum 30. Oktober 2004 renoviert und da uns nichts anderes einfiel, was in der Nähe des Opernhauses war, landeten wir wieder im "Drei Kaiser". Die haben zwar ein schönes Ambiente, sind aber auch ganz schön teuer und das Essen läßt so manchmal zu Wünschen übrig. Aber eins muß man sagen, das Personal ist wirklich sehr höflich und zuvorkommend.

Die Speisekarte war immer noch dieselbe, was ich schon mal nicht so gut finde, denn ab und zu, so in den Jahren, könnte man das Angebot schon mal wechseln. Allerdings hatten sie an unserem Abend Trüffelabend, was ich wiederum eine gute Idee finde, das bringt ein bißchen Abwechslung in die sonst so triste Speisekarte, nur leider mag ich das Zeug nicht. Aber die am Tisch hinter uns hatten ein Essen mit Trüffelspänen bestellt und denen schien es auch gut zu schmecken. Wir blieben bei "Convenience", was dann auch so schmeckte und trotzdem 11 EUR kostete. Schade, die waren schon mal besser. Ich kann mich noch erinnern, als ich vor Jahren das allererste Mal mit meinen Kollegen dort war, war das Essen erstklassig. Was ist passiert? "Leute! Ihr hat so ein tolles, gemütliches Restaurant und eine super Bedienung, aber tut was mit dem Essen, sonst laufen Euch die Kunden weg!"

Sogar der Himmel weite darüber. Ja, bei Sonnenschein sind wir losgegangen und als wir das Restaurant verlassen wollten begann es zu regnen und dann zwei Frauen ohne Schirm - Tragödie!!! Gott sei Dank half uns die sehr zuvorkommende Bedienung aus der Patsche und leihte uns ihren Schirm. Vielen Dank noch einmal dafür, das rettete uns das Leben!

 

Das Opernhaus füllte sich langsam, völlig ungewohnt, mit einerMenge Jugendlicher - aha - Schulausflug. War wohl eine Pflichtveranstaltung, denn einige schauten ganz gequält.

Diesmal saß ich in Reihe 10 und mußte feststellen, daß Frau auch von dort eine sehr gute Sicht hat. Leider war hinter uns alles frei. Wenn sie die Teenager nicht verdonnert hätten, wäre das Opernhaus wohl völlig leer gewesen. Das stimmt mich immer sehr traurig, denn ich finde, auch wenn sie manchmal nicht unbedingt meinen Geschmack mit ihren Inszenierungen treffen, haben sie doch ein sehr gutes Orchester und sehr gute Anke Berndt (Quelle: Homepage Opernhaus Halle) Sänger und deshalb meine ich lohnt es sich immer, ab und zu in eine Aufführung zu gehen. Selbst die Preise sind sehr human. Wenn ich da an Leipzig oder Hamburg denke, sind sie geradezu billig. Auch das Repertoire ist gut gewählt. Sie haben für jeden etwas dabei. Woran liegt es also, daß unser Opernhaus so schlecht besucht ist? Sind die Hallenser wirklich so kulturfaul und lassen sich nicht hinter dem Fernseher vorlocken? Das will ich einfach nicht glauben. Die Menschen hier können doch nicht so tief gesunken sein, daß sie das schwachsinnige Programm so mancher Sender einer Oper oder in diesem Fall Operette vorziehen? Ok, bei einer Oper verstehe ich, daß das nicht unbedingt was für jedermann ist, aber eine Operette ist doch wirklich leichte Kost und von jedem verdaubar. - Tja und die Kost des heutigen Abends war sehr leichte Kost. "Orpheus in der Unterwelt" ist eine wunderbare ironische Operette und vom ersten bis zum letzten Takt Roland Seiffarth (Quelle: http://www.lehrergesangverein.de) hörenswert. Bei manchen Liedern, wie dem Can Can, möchte man am liebsten aufstehen und mitmachen. Bei solchen Sachen ist es für mich immer sehr schwer ruhig auf meinem Platz sitzen zu bleiben. Ich fand Roland Seiffarths musikalische Leitung klasse und um es schon vorweg zu nehmen, auch die Inszenierung von Karl Absenger war erstklassig. Das Bühnenbild (Bernd Leistner) war ganz schön aufwendig und gefiel mir sehr gut und mit den Kostümen (Christiane Dorst) haben sie sich diesmal selbst übertroffen. Die haben perfekt zum Stück gepaßt. So etwas habe ich noch nie bei unserem Opernhaus erlebt, daß sie die Kostüme so super ausgewählt haben. Jungs und Mädels, es war ein Genuß für's Auge! Am liebsten mochte ich das grüne Kostüm der Jagdgöttin Diana. Die grünen Stiefel und das Jäckchen paßten auch wunderbar zur Darstellerin, Andrea Stadel. 

Anke Berndt als Eurydike sah wirklich zauberhaft aus und man konnte wahrhaftig glauben, daß die Götter verrückt nach ihr waren. Auch ihre Art zu spielen und zu singen war super. Eigentlich perfekt. Da gibt es nichts daran auszusetzen. Also wirklich! Diesmal waren sie alle gut, Axel Köhler als Orpheus mit seinen Geigensolos, Gerd Vogel als Pluto, einfach perfekt, Jürgen Trekel als Jupiter gefiel meiner Mutter am besten. Monika Deibele wirkte, im Gegensatz zu ihrer letzten Rolle als Papagena in der Zauberflöte, hier als Venus richtig elegant. Ich hatte fast den Eindruck, als wäre sie um einiges dünner, als ich sie das letzte Mal sah. Aber das kann auch an dem Kostüm der Papagena gelegen haben.

Melanie Hirsch spielte und sang den frechen Cupido super und Björn Christian Kuhn war als Merkur ein richtiger Akrobat auf seinen Inlineskates. Die Idee mit den Inlineskates für den geflügelten Merkur, fand ich auch genial. Ki-Hyun Park in seinem gut gewählten Mars Kostüm gefiel mir ebenfalls sehr gut und Gunter Sonneson als Hans Styx war in seiner Rolle brillant. Der spielte wirklich erstklassig. Ich habe ihn sofort den steifen, alten Styx abgenommen und das Lied war die Krönung. Das paßte wie die Faust auf's Auge. "Als ich einst Prinz war von Arkadien, ... " Hehe - herrlich.

Und - nicht zu vergessen, die "öffentliche Meinung", die mich am Anfang schon ein bißchen irritierte, als sie lautstark die halbe Reihe Zuschauer hochscheuchte. Meine Mutter guckte ganz entsetzt, wie sich die Zuschauer heut zu Tage doch benehmen - wunderbar inszeniert! Gabriele Bernsdorf paßte auch perfekt in die Rolle der Zuschauerin, die dauernd etwas über das leichte, frivole Volk dort auf der Bühne zu meckern hatte.

"... Tret' ich aus der Kuliss' heraus,

und teile laut um zu belehren,

Bald Beifall und bald Tadel aus.

Die Gattin mag vor mir erbeben,

die in der Treue schlecht besteht;

Doch auch der Gatte, der im Leben,

Bisweilen Seitenpfade geht..."

Gunter SonnesonJa, der Stoff dieser Operette war ganz und gar aus dem Leben gegriffen und Jacques Offenbach zog wirklich alle Register, aber in einer so amüsanten Art und Weise, daß es spannend war der Handlung zu folgen und es durch die ganze Operette nie langweilig wurde. <grins> Das ist ja auch das, was die Menschen interessiert, Liebelei und Seitensprünge und am besten die der anderen - oder doch nicht die anderen?  Eurydike jedenfalls hat die Nase voll von ihrem Orpheus und will doch gern auch mal etwas anderes ausprobieren. Was läge da näher, als der Schäfer in der Nähe. Sie macht sich auf den Weg, doch leider durchkreuzt Orpheus diesen und ertappt sie an der Hütte des Schäfers. Nein, da helfen auch keine Ausreden mehr. Beide haben sie eigentlich nichts zu vergeben und sagen sich das auch mit spitzer Zunge. "Ich kenne deine mondsüchtigen Schwächen. Doch wozu viel Worte! Du liebst eine andere, als mich; ich liebe einen anderen, als dich. Geh du deine Wege und laß mich die meinen gehen!" ... "Es muß endlich heraus! Orpheus ich bin deiner müde. Als ich die Deine ward, glaubte ich, einen Künstler zu heiraten, der fähig wäre, die zarten Saiten meines Herzens zu süßer Harmonie zu stimmen. Aber ich hab' mich getäuscht! Orpheus, du bist eine gewöhnliche Geigernatur!" - tja da kann einem der arme Orpheus richtig leid tun <seufz>, so ein feinstoffliches Wesen - muß sie denn gleich so hart zu ihm sein? Aber er rächt sich sofort mit seinem neusten Violinenspiel. Für sie abscheulich, für ihn erfreulich und für mich auch erfreulich, denn ich mag die Violine und Axel Köhler brachte das wirklich genial. Ich fand, er machte auch sonst eine gute Figur und paßte perfekt in die Rolle. Bloß die Countertenorstimme erschreckt mich jedes mal. Irgendwie verschwinden da sofort meine Vorstellungen von einem Mann und - . Nein, das kann Frau so richtig abschrecken. Da mag sie doch lieber die feinstofflichen Wesen, die Flöte spielen und mit tieferer Stimme sprechen <grins>, auch wenn sie die vermutlich wohl nicht haben kann, was sie aber irgendwie nicht so richtig versteht <seufz>. - Ja, das ist wieder kompliziert, darum weiter mit der einfacheren Handlung.

Orpheus ärgert seine Eurydike, was wieder klasse von den beiden Akteuren dargestellt wurde, bis sie sich endlich einig sind und sich trennen wollen, was natürlich der öffentlichen Meinung überhaupt nicht paßt - da fragt man (oder Frau) sich doch, was geht die denn das an??? 

Orpheus und EurydikeDie beiden gehen und Aristeus, der Schäfer, erscheint mit seinen Schafen (die übrigens sehr gut aussahen) auf der Bühne. Auch hier Darstellung und Outfit wieder erstklassig. Man kann sich kaum vorstellen, daß Papageno und Aristeus von ein und der selben Person dargestellt wurden. Gerd Vogel kann sich wirklich super in die so verschiedenen Rollen hineinversetzen.

Tja und das war dann sozusagen der Wolf im Schafspelz - der letztendlich überhaupt nicht "lyrisch-fromm, idyllisch-harmlos und naiv-naturschwelgerisch" ist. So siehe da, in manchem Mann steckt wohl doch noch ein Wolf. Und selbst der Wolf kann sich noch verlieben und begehrt des anderen Weib - hmmm - was soll's, Hauptsache, es macht Spaß und glücklich - oder doch nicht? Jedenfalls bringt er sie dazu für ihn zu sterben und mit ihm zu gehen. Er gibt sich als Höllengott Pluto zu erkennen und Eurydike gefällt das neue, faszinierende Spiel.

Pluto verschafft Orpheus ein Black out und als dieser wieder erwacht ist er froh, seine Eurydike verloren zu haben. Nur leider ist die öffentliche Meinung da anderer Meinung und fordert ihn auf sie wieder zurückzuholen, was ihn nicht gerade sonderlich begeistert - wo er doch jetzt so schön frei war. Aber was hilft das Jammern, er muß und auf geht's zum Olymp.

 

Das nächste Bild zeigt uns den Olymp, wie er leibt und lebt - nein - er zeigt uns den Olymp, wie er gerade schläft. Alles in trostlosen, langweiligen hellblau. Wieder super durch die Lichteffekte und Bühnenbild dargestellt.

"O Seligkeit, im Schlaf zu liegen!

Ach, würd' er niemals uns gestört!

's ist ja das einzige Vergnügen,

Das im Olymp man uns gewährt!"

Na herrlich - mal ausschlafen ist ja nicht schlecht, aber sonst wüsste ich da auch etwas besseres. Die ganze Gesellschaft langweilte sich zu Tode und lechzte nach Abwechslung. Alle jammern und nichts ist wie früher. Dem Götterboss laufen die Seile aus dem Ruder. Diana kommt ihr Actäon abhanden. Homer ist ein Federfuchser, Cupido ein Schelm, der nur Blödsinn im Kopf hat, aber nicht seinen Job macht. Venus findet Jupiter langweilig und das Ambrosia schmeckt ihnen auch nicht mehr. Alles in Allem, woanders ist es immer besser und interessanter. Der Olymp ist langweilig in seinem "Berlinerblau".

Juno verdächtigt ihren Mann - wohlweislich - Eurydike entführt zu haben. Aber diesmal war es nicht Jupiter und natürlich glaubt ihn Juno das nur, weil Merkur herausgefunden hat, wer der wahre Übeltäter ist. Der jammert, daß er kaum noch hinter den Menschen hinterher kommt seit dem sie Dampfkraft besitzen - ja, so ist das mit den Menschen, wollten schon immer den Göttern gleich sein. Jetzt sind sie schon soweit, daß die Götter nicht mehr hinterher kommen. Hmmm - ja, ich habe den Wink verstanden. Ich sollte besser auch nicht schneller fahren, als mein Schutzengel fliegen kann. Wie es aussieht bin ich in vielen Dingen viel zu schnell und zu ungeduldig. Manches braucht eben seine Zeit <seufz> aber das langsame Treten ist wirklich nicht so einfach, wenn man etwas unbedingt und auf der Stelle, jetzt gleich und sofort haben möchte. Aber gut, ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben geduldiger zu werden und vielleicht erfüllen sich ja so manche Wünsche eben etwas später.

 

Axel Köhler (Quelle: seine Homepage)"Sie lieben den Schwindel. Der Schwindel hat deine Macht verdrängt. Er ist allgewaltig auf Erden." Mit diesem Satz hat Offenbach seinem Merkur wirklich eine Menge Wahrheit in den Mund gelegt. Die Menschen lieben es belogen zu werden. Ob durch die Medien, oder in ihrer eigenen Traumwelt. Wahrscheinlich hilft das ein bißchen über so manche Probleme und vor allem über ihre Unzufriedenheit hinweg zu kommen. Die einen sind unzufrieden und freuen sich, wenn andere noch unzufriedener sind, dann geht es ihnen besser, und die anderen sind unzufrieden und flüchten sich in eine Traumwelt um sich zu betäuben. Sie sind mit ihrem Leben und ihrem Singledasein oder ihrer Ehe nicht zufrieden und flüchten sich in Mystik und Märchen. Sie treffen sich im Internet mit Gleichgesinnten und verlieben sich in romantische Filme und Schauspieler. Sie träumen vom wahren Glück, was immer das sein mag, und flüchten in andere Welten. Nur wenige sind zufrieden mit dem, was sie haben. Warum? Ist es möglich, daß so viele Menschen einsam sind, obwohl sie in einer Beziehung leben? Oder braucht der Mensch hin und wieder einen Traum, den er nachjagen kann?

Hmmmm..... so ist wohl das Leben, aber gut, aus Unzufriedenheit entsteht auch Wachstum, der Wunsch und die Tat es besser und schöner zu machen und das treibt wohl letztendlich jeden voran. Nur leider bleibt die Frage offen, ob das Vorwärtsjagen auch das bringt, was man sich erhofft? Oder ist die Menschheit einfach nur unersättlich? Wenn sie eins erreicht hat, will sie das Nächste - und ist das nun schlecht oder bringt es den Fortschritt und ist Fortschritt nun gut oder kommen damit nur immer mehr Probleme.... naja, ich glaube, ich bin mit allem, bis auf einen Punkt, zufrieden so wie es ist. Alles ist zwar sehr interessant und spannend, aber leider drehen sich letztendlich sich die Gedanken im Kreis und man kommt zu keinem Schluß, somit also weg mit diesen Gedanken und weiter mit "Orpheus in der Unterwelt".

Durch Merkur also erfahren sie, daß Pluto die Dame entführt hat und daß in der Unterwelt die "abgeschiedenen Seelen" seelenvergnügt sind. Der Olymp horcht auf und macht sich alsdann hinunter in die Abgründe des Daseins. Dies allerdings nicht ganz ohne Freude, endlich ein wenig Abwechslung zu haben. Tja, dem Olymp geht es nicht anders als den Menschen, das Böse ist eben interessant und anziehend. Somit das dritte Bild also in der Unterwelt.

Orpheus in der Unterwelt (Quelle: Oper Halle)Es zeigt Pluto's Boudoir und eine unzufriedene Eurydike. Ja, so hat sie sich das nun auch nicht vorgestellt. Irgendwie ist Pluto wohl doch nicht so aufregend, wie sie es sich vorgestellt hat. Alles das selbe, genau, wie bei ihrem Mann. Keine heißen, erotischen Liebesszenen, nur das Übliche "Eheleben". Sie langweilt sich und der Hausdiener Hans Styx geht ihr auf die Nerven. Er ist in sie verliebt und sie nervt das Ganze nur. Hier kann ich auch nur wieder sagen, klasse Inszenierung und super gespielt und gesungen von den Darstellern. Styx war für meine Begriffe perfekt. Und wieder hält uns Offenbach einen Spiegel vor. Eurydike ist im Alltag angekommen und haßt diesen. Hans Styx will die Wirklichkeit nicht sehen und denkt sie liebt ihn. - Ja, so kann man sich eine Menge vormachen. Leider ist Mensch so gepolt alles zu drehen, wie er (oder sie) es gern hätte. Eine realistische Betrachtung wäre einfach zu ertüchtigend. Das will keiner haben. Also dann "Es lebe die Einbildung!" solange sie uns befriedigt. Das Problem ist nur, daß man irgendwann auf den harten Boden der Tatsachen plumpst und das kann ganz schön weh tun - autsch! Aber egal, die Szene mit Hans Styx war jedenfalls super und sein Lied, was schon zum Ohrwurm hinaufstilisiert ist, ein wahrer Genuß. Och war der schön melancholisch - seufz.

Da Eurydike sich nun so langweilte nutze Jupiter die Gunst der Stunde und machte ihre Hölle heiß - so als summende Fliege. Diese Szene war auch klasse inszeniert. Jürgen Trekel so als Fliege war schon ganz putzig und das Fliegenballett phantasiereich inszeniert. Wunderbar, Herr Rossa, bis auf den ersten Teil hat es mir super gefallen.

Der Jupiter hat es schon gut, ich würde auch gern mal ab und zu an bestimmten Orten Mäuschen spielen, oder Fliege in diesem Fall. Da würde sich sicherlich einiges aufklären, wo ich jetzt so unwissend hin und her rätsle. Aber gut, wo kämen wir da hin, wenn jeder so rumschwirren würde, wie er wollte - das gäbe sicherlich ein herrliches Chaos und bösen Mord und Totschlag. Dann doch lieber unwissend rätseln und auf ein eindeutiges Zeichen warten.... oder auch nicht warten und sich mit anderen interessanten Dingen beschäftigen und darüber die Rätsel vergessen.

 

Auf zum vierten Bild und in den tiefen Schlund der Hölle. Tja, sieht wohl so aus, als ob die Hölle der Himmel ist - naja, jedenfalls ist dort ein hübsches Treiben und keiner, bis auf Styx, scheint unglücklich zu sein. Im Gegenteil sie genießen ihr Dasein in allen Zügen. Wein, Weib und Gesang, was kann es Schöneres geben - PROST!

Der Olymp freut sich auf die entzückende Abwechslung und Eurydike sucht das Weite und am Liebsten mit Jupiter. Pech nur für die Zwei, daß Pluto nicht ganz auf den Kopf gefallen ist und den Braten riecht. Tata - enttarnt und entdeckt. Und es kommt noch schlimmer - Orpheus soll seine Eurydike wieder zurück nehmen. Weder er will, noch sie und gut, daß es da noch einen Ausweg gibt.....

 

Vielen Dank, liebes Opernhaus, diesmal habt ihr mir einen köstlichen Abend beschert. "Orpheus in der Unterwelt" ist Euch rundum gelungen. DAS kann man nur weiterempfehlen.

 

 

Eure Jana