Orgelkonzert mit Edgar Krapp

Edgar Krapp (Quelle: Programm Gewandhaus)Eigentlich habe ich ein Konzert  für den 22.11.03 gesucht, weil ich mir nach der anstrengenden Prüfung zur "Finanzierung" etwas Gutes gönnen wollte. Ich brauchte etwas, was mich den Prüfungsstress vergessen ließ. 
Begonnen mit meiner Suche habe ich natürlich hier in Halle mit der Händelhalle. So eine wunderbare Konzerthalle und was finde ich dort - "The Chippendales". Das darf doch wohl nicht wahr sein. Für eine Konzerthalle ist doch so etwas peinlich - oder? Warum gibt es denn so wenig Konzerte dort? Vom Busfahrertreffen bis "Griechenland, wo die Götter wohnen", aber kaum ein vernünftiges Konzert - wirklich schade - was für eine Verschwendung <seufz>. Also bleibt mir wieder nichts anderes übrig als in Leipzig zu suchen. Das Gewandhaus hatte ein Orgelkonzert mit MIDORI (Photo by T. Oda; Quelle: Ihre Homepage)Edgar Krapp auf dem Spielplan. Ja - gut, Bach wollte ich schon immer mal live hören und da Weihnachten nun auch so gut wie vor der Tür steht entschloss ich mich für das Orgelkonzert.

Auf dem Weg nach Leipzig brachte ich mich schon mit Midoris Violinenkonzert von Bruch in Stimmung. Den 3. Satz in Schleife gelegt und volle Lautstärke - was kann es Schöneres geben. Ich mußte bloß aufpassen, daß ich nicht allzu auffällig mitdirigierte. Mein Vordermann guckte schon sehr nervös in seinen Rückspiegel. Ich schenkte ihm mein goldigstes Lächeln, aber das schien ihn keineswegs zu beruhigen.

Das Konzert begann um 20:00 Uhr. So blieb noch ein bißchen Zeit, im Gewandhausshop zu stöbern. Die haben wirklich tolle Klassik CD's dort. Man bekommt ja sonst kaum noch etwas, außerhalb vom Internet in den Läden, aber dort ist es das wahre Paradies. Diesmal entschied ich mich für Mahlers 4. Sinfonie. Seit ich Mahlers 6. gehört habe, kann ich von ihm gar nicht genug bekommen. Ich muß fast zugeben, daß er mir besser gefällt als meine "alten" Lieblinge Beethoven und Wagner und langsam zu meiner Nummer 1 avanciert.

Diesmal saß ich ziemlich weit vorn in Reihe 3, was für ein Orgelkonzert nun nicht gerade der beste Platz ist. Wie sich später herausstellte, konnte ich aber ganz bequem tauschen, da der Konzertsaal nur zu höchstens 20% gefüllt war. Ja, was für eine Schande und wie peinlich für Leipzig. Da haben sie nun fast 300 000 Einwohner und mit Halle zusammen fast 550 000 Einwohner und schaffen es nicht den Saal halbwegs voll zu bekommen. Wirklich traurig. Die großen Konzerte sind ja normalerweise fast ausverkauft. Ich frage mich, warum es mit dem Orgelkonzert so schwierig war. Am Organisten kann es ja wohl kaum liegen, denn der war erstklassig und am Programm wohl auch nicht, denn das war auch erstklassig. Aber wahrscheinlich setzt man sich einfach lieber gemütlich mit der Bildzeitung vor den Fernseher und schaut "Deutschland sucht den Superstar".

Schuke - Orgel im Gewandhaus, LeipzigDie Gewandhausorgel gefällt mir sehr gut. Ich muß zugeben, besser als unsere in Halle. Es ist eine Schuke Orgel. 
Edgar Krapp begann mit Johann Sebastian Bach. 
Es ist schon überwältigend, wie ein einzelner Mann so ein großes Instrument bedienen kann. Und es ist immer unheimlich, wie solch großartige Töne aus einem so unbeweglichem, mit Pfeifen bestückten Unikum kommen können. DJohann Sebastian Bach (1685 - 1750)as lässt einen fast vor Ehrfurcht erstarren. 

Bach gefiel mir sehr gut. Die ersten beiden Stücke waren klasse, aber am Besten gefiel mir die Toccata, welches sie als letztes Stück vor der Pause gewählt haben. Es war ein bißchen tiefer als die ersten beiden und ich mag ja tiefe Töne. Wunderschön - und Edgar Krapp bekam eine Menge Applaus. 

Edgar Krapp stammt ursprünglich aus Bamberg und studierte in München und Paris. 1971 bekam er beim Münchner ARD-Wettbewerb den 1. Preis und begann seine internationale Karriere als Konzertorganist und Pädagoge. Wie alle Musiker kam er viel herum in der Welt und landete letztendlich wieder in München an der Hochschule für Musik und er ist Mitglied des Direktoriums der NeuePaul Hindemith (1895 - 1963)n Bachgesellschaft in Leipzig. Jaja, die Leipziger sind wieder sehr einnehmend, wo Bach doch eigentlich in Eisenach geboren ist und lieber in Köthen und Weimar gearbeitet hat. Es gibt ja jetzt noch Streitereien, wann und wo er welches Stück geschrieben hat. "Mein lieber Herr Bach, das nächste mal bitte die Daten draufschreiben! Sie beschäftigen hier Heerscharen von Leipziger Wissenschaftlern, die herauszufinden versuchen in welcher Zeit Sie wohl welches Werk verfasst haben. War Robert Schumann (1810 - 1856)es schon die frühe Leipziger Zeit, oder sind sie doch unglücklicherweise noch Ihrer Schaffenszeit in Weimar zuzuordnen?" Mir war das eigentlich gleich, ob nun aus Leipzig oder sonst woher, ich genoss einfach diese wunderbare Musik. 

Nach der Pause ging es weiter mit Robert Schumann, welcher Bach nun nicht gerade nachstand. Ja, die Musik war anders, da moderner, aber ebenfalls wunderbar. Die Moll - Stücke aus "Sechs Studien in Kanonform" waren natürlich wieder meine Lieblinge.

Mit der Sonate Nr. 1 lotete Paul Hindemith die Klagwelt der Max Reger (1873 - 1916)Orgel über ihre gesamte Bandbreite aus und Max Reger ließ den Konzertsaal erbeben. Eureka - was für eine Lautstärke! Aber ich denke, Max Reger gefällt mir sehr gut. Hoffentlich erschlägt mich jetzt keiner, wenn ich sage, sogar besser als Bach. Nein, man kann es auch nicht vergleichen. Max Reger ist natürlich fast  200 Jahre moderner als Bach.

Wie es aussah gefiel Max Reger Edgar Krapp auch sehr gut. Denn als die 20 % Zuschauer am Schluß klatschten wie 100 %, bekamen wir noch eine Max Reger Zugabe: Benedictus. Es war ein sehr ruhiges Stück und wirklich gut gewählt zum Ausklang - wunderschön.

Ja, ich bin sehr zufrieden mit meiner Wahl, mir dieses Orgelkonzert angehört zu haben. Schade nur, daß so viele es verpasst haben.
Vielen Dank Herr Krapp und bitte urteilen Sie wegen des leeren Saales nicht so schlecht über uns. Ich hoffe, es hat Ihnen trotzdem Spaß gemacht, in Leipzig zu spielen.

Schöne Grüße
Jana aus Halle