Objekt 5

 

Um die hallesche Kulturwelt außerhalb von Opern, Konzerten und Theater zu erkunden, startete ich ja schon einen Versuch bei einer After Work Party im Havana Club Vergnügen zu finden. Dieser Versuch missglückte schändlich. Das dort war irgendwie nicht mein, sagen wir mal, gewünschtes Umfeld. Und im betriebswirtschaftlichen Sinne stimmen hier ganz und gar nicht meine Kundenerwartungen mit den vom Management angenommenen überein. Der angesprochene Kundenkreis scheint einfach ein Anderer zu sein, als der, dem ich angehöre, was eigentlich schade ist. Denn After Work Party klingt schon nicht schlecht und interessant für mich, aber das sich dahinter nur eine einfache, laute Disko verbirgt hat mich enttäuscht.

 

Natürlich lasse ich mich nicht so leicht unterkriegen und startete einen zweiten Versuch in einem anderem Etablissement. Gebrandmarkt vom letzten Erlebnis tapste ich nun mit vorsichtigen Schrittchen in eine andere Kulturwelt, dem Objekt 5 hier in Halle. Angelockt durch ihre ansprechende Homepage und bereit für einen zweiten Versuch, pickte ich mir einfach irgendein Konzert heraus, nur um mal zu testen, wie die Atmosphäre dort ist.

Diesmal passend zum Umfeld in Jeans und sportlich, zog es uns erst mal ins Hallesche Brauhaus zum deftigen Essen mit Bier. 

Naja, vom ersten Besuch bis zu diesem, hat die Küche auch etwas nachgelassen. Leider ist das immer ein Problem, wenn Gaststätten neu öffnen. Erst versuchen sie mit Kampfpreisen und gutem Essen den Kunden zu locken und dann, wenn sie meinen, sie hätten nun ihre Stammkunden, lassen sie die Qualität schleifen und erhöhen die Preise. Das nennt man dann im betriebswirtschaftlichem Sinne, Prozessoptimierung und Kostenreduzierung. Schade, das die Optimierungsmaßnahmen immer zu Kosten der Qualität ausfallen, und das auch nicht nur im Gaststättengewerbe.

Ja, heute schwirrt mir, in Anbetracht der Steve Wynn & Miracle 3 - Objekt 5 in Halle 01.11.2005 nächsten Prüfung am Samstag, wiedermal die Betriebswirtschaftslehre im Kopf herum und ich sehe überall Synergien zum Gelehrten. Vom Marketing bis zum Innovationsmanagement. -- Alles ist teuer, also bei welchen Teilen vom Produkt kann ich sparen? Was ist dem Kunden weniger wichtig? Aufsplittung der Zielkosten mit Hilfe der Vektorberechnung. Aber irgendetwas muß da bei der Kundenbefragung schief gelaufen sein, denn Geschmack sollte dem Kunden einer Gaststätte schon wichtig sein.

In der Schuhindustrie, z.B., ärgert mich das immer am meisten. Sie verkaufen teure Schuhe, die zwar hübsch aussehen, aber viel zu hart für die Füße sind. Wahrscheinlich kam da bei der Kundenumfrage heraus, daß gutes Aussehen viel wichtiger als Bequemlichkeit ist. Also werden die bequemen Einlagen in der Sohle einfach weggelassen und Frau kann sich mit harten, hübschen Hackenschuhen die Füße ruinieren. Und es ist ja nicht so, daß die Schuhindustrie das nicht weiß! Nein, sie verkaufen die Geleinlagen, die eigentlich in die Schuhsolen gehören separat. Eine neue Innovation - ein Heil dem Innovationsmanagement und der Produktoptimierung!

http://www.stevewynn.net/UND! Ich würde das ja vollstens verstehen, wenn die Billiganbieter sich auf so ein Niveau herablassen. Das ist in Ordnung, dafür sind die Schuhe eben billig, aber die teuren Nobelschuhhersteller sollten sich etwas schämen uns so einen Schund anzubieten! Und ein Dank an die Idee mit der Erhöhung der Umsatzsteuer, dann wird das alles noch schlimmer! 

Also gut, soviel zur betriebswirtschaftlichen Seite meiner heutigen Exkursion, weiter mit Erfreulicherem. Denn meine Objekt 5 Erfahrung war wirklich erfreulich. Nach längerem Suchen eines Parkplatzes in näherer Umgebung stellten wir fest, daß wir den am Nächsten dran liegenden, sozusagen den vor der Tür, einfach ignoriert hatten. So ist das wenn Mann schon mal fahren darf und nichts trinken muß - manchmal denke ich, genau aus diesem Grund parken die Herren aus reiner Boshaftigkeit so weit weg.... aber ich hatte diesmal flache und bequeme Schuhe an.

Neben dem Objekt 5 gab es auch eine Art gastronomischen Erlebnisbereich. Schade, daß wir das vorher nicht wussten, sonst hätten wir diesen getestet an Stelle im HB kulinarisch enttäuscht zu werden.

 

Wir gingen also durch den schmalen Eingang bis zur "Abendkasse", die ein rockerähnliches Outfit vorwies. Was auf den ersten Blick ein wenig abschreckend schien, entpuppte sich als lustiger, kommukativer Bursche und ich fühlte mich sofort heimisch in dieser Umgebung. 

Der "Saal" war nicht groß, aber sehr passend und gemütlich dekoriert. Die Kronenleuchter, scheinbar aus russischer Vorkriegszeit, gefielen mir sehr gut. Ja, dieser Raum hatte Atmosphäre um Hasenlängen besser als der im Havana Club in der Palette. Auch das Umfeld an diesem Abend gefiel mir. Alles Leute in meinem Alter und aufwärts, interessante Gesichter, intelligente Unterhaltungen,  Grüppchen, diSteve Wynn & Miracle 3 - Objekt 5 in Halle 01.11.2005e Spaß hatten, Lachen, Freundlichkeit - genau, das ist es. In diesem Augenblick schon beschloss ich hier öfter herzukommen. Viele kannten sich schon, begrüßten sich und es wurde immer voller und voller in dem kleinen Raum. Viel Qualm und Hitze - das nächste Mal sollte ich mich nicht so warm anziehen. 

Ca. eine Stunde dauerte das Geplauder und dann erschien die Band auf der Bühne. Steve Wynn & Miracle 3 rockten sofort los in einer Lautstärke, die mein Trommelfell detonieren ließ und für den kleinen Raum eigentlich viel zu laut war. Ok, das war mein erster Versuch hier. Vielleicht hatte ich nur die falsche Band erwischt. Allerdings für die falsche Band waren sie nicht schlecht. Die drei Herren mit ihren Gitarren und eine Dame am Schlagzeug, die ganz schön viel Kraft und Ausdauer hatte. Das war geballte Power, die uns die amerikanische Band da bot. Der halbe Saal und ich rockten mit. Ja, ich muß sagen, es hat mir Spaß gemacht und ich denke, nach dem Konzert konnte Mann und Frau sicherlich noch ein bißchen Schwatzen und etwas trinken. Wir mußten uns leider schon auf den Nachhauseweg machen, da zur arbeitstätigen Bevölkerung gehörend, nicht mehr die Jüngsten und es erst Dienstag war. Was hieß, daß uns noch eine ganze arbeitstätige Woche bevorstand. Das nächste Mal werde ich mir einen Freitag aussuchen.

Also Fazit hier: sehr gute Atmosphäre, interessantes Publikum in meiner Altersklasse, vielleicht ein bißchen zu laut und zu verqualmt, aber lohnenswert für einen weiteren Besuch. Allerdings nicht zu oft, da Frau sonst Gefahr läuft einen Gehörschaden davonzutragen.

 

 

Eure Jana