"Bei des Feuers mattem Flimmern,

Geister, Elfen, stellt Euch ein!

Tanzet in den bunten Zimmern

Manchen leichten Ringelreihn!

Singt nach meiner Lieder Weise!

Singet! hüpfet! lose! leise!....."*

 

Irgendwie ruft mir Tschaikowskis hübsches Weihnachtsmärchen jedes Mal Shakespeares "Sommernachtstraum" in den Sinn. Das Eine hat zwar mit dem Anderen so gut wie nichts gemein, steht eigentlich temperaturmäßig sogar im krassen Gegensatz zueinander, aber  irgendwie wird mir bei beiden so merkwürdig warm ums Herz und ich fange an, wieder an Märchen zu glauben. Geister und Elfen erwachen zur Weihnacht und Geister und Elfen tanzen den Reigen der Verliebten. Beides so unwirklich hübsche Fantasie mit märchenhafter Romantik.

 

Mit dieser märchenhaften Romantik versteht das Operhaus Halle jedes Jahr zur Weihnachtszeit erneut mit liebevoller Liebe und zauberhaften Zauber die Herzen der Zuschauer zu erobern. Mit einem wunderschönen weihnachtlichen Bühnenbild und der dazugehörenden Romantik tanzt sich das Ballett des Opernhauses zu Tschaikowskis wundervoller Musik und Youri Vàmos grandioser Inszenierung jedes Jahr um die Weihnachtszeit in die Herzen des Publikums.

Was gibt es also Schöneres zu dieser Zeit im Theater, als Tschaikowskis "Nussknacker" mit wunderschön altmodisch-romantischem und überhaupt nicht modern übertriebenen, einfach nur fürs Herz und Auge wundervollem Bühnenbild (Michael Scott). 

Mit Tänzern in hübschen glitzernden Kostümen inmitten einer hübschen glitzernden Welt der Fantasie und weihnachtlichen Nächstenliebe. Das Böse verliert und wandelt sich zum Guten und das Gute triumphiert am Weihnachtsabend - herrlich! Da ist es einem, als ob man wieder Kind ist und die Welt um einen herum mit bösem Teufel im Glitzerschnee versinkt. 

Man schaut in einen Winterwald, der Schnee funkelt an den Bäumen und wenn man die Äste aus versehen berührt, fällt Einiges der funkelnde Pracht auf einen hernieder und die dunkeln Haare bekommen weiße Sternchen als Schmuck - wunderschöner Winterwald und glitzernd funkelnde Schneepracht.

Wunderweißer Winterwald....... leider war es dieses Jahr mit der winterlichen Schneepracht nicht weither. Die Wolken hingen zwar im tiefen grau über Halle, aber es war viel zu warm für einen wunderweißen Winterabend. Im letzten Jahr hatten wir etwas mehr Glück. Da war es wirklich wie im Märchen. Es hatte frisch geschneit und alles glitzerte herrlich, als wir das Theater verließen und eigentlich hatte man da überhaupt keine rechte Lust schon nach Hause zu gehen. Viel lieber wollte man noch ein bisschen im Schnee spazieren. Halle sieht toll aus, wenn der Schnee noch so frisch im herrlichsten Weiß daniederliegt und wenn man noch den Nussknacker im Herzen und im Sinn hat, ist die weiße Pracht um einen herum noch viel schöner. Man fühlt sich fast in die Geschichte und alte Zeit hineinversetzt und wartet gespannt auf den Schneeflockenwalzer.

Aber auch ohne Schnee hatte ich einen phantastischen Tag. Es war der letzte Arbeitstag vor dem wohlverdienten und lang ersehnten Urlaub.

Dieser endetet diesmal auch schon am frühen Nachmittag, so daß noch Zeit blieb für eine erholsame Dusche mit Blumenwalzer und eine schöne Tasse arabischen Kaffees.... und ein kleines bisschen Schokolade. Zwar nicht zum spanischem Bolero, aber trotzdem sehr lecker. Danach ein exzellent kulinarisches Treffen im Restaurant der "Zanzibar" mit neuem Koch, neuem Menü, aber immer noch in alt bewährter, aber hervorragender Weise.... vielleicht mit etwas neueren Preisen. Nichts desto trotz, eines der besten Restaurants am Platze und immer noch sehr empfehlenswert für kulinarisch anspruchsvolle Gaumen. Wir genossen das königliche Ambiente mit verführerischem Abendmahl, hervorragendem Wein und freundlicher Oberin und ich bin immer wieder erstaunt und überaus erfreut, daß auch Halle so etwas Extravagantes zu bieten hat.

 

Jung und alt zog es diesmal wieder in unser kleines Opernhaus zu diesem jährlich weihnachtlichen Höhepunkt, so daß es fast aus den Nähten platzte. Der alte Samtvorhang verbarg noch romantisch das Bühnenbild, das Orchester bezog langsam Position, die Leute um uns herum schwatzten ihr fröhliches Geschwätz und alle schienen vergnügt mit lächelnden Gesichtern. Irgendwie zog ein eigenartig, aber wunderbares Gefühl von Wärme durch den Saal und ich war sehr zufrieden auch dieses Jahr mir diese hübsche Weihnachtsgeschichte des halleschen Opernhauses anzusehen.

Kaum merklich mit anfangs zartem Ton begann die Ouvertüre den Saal zur Ruhe zu bewegen und es dauerte ein ganz schönes Weilchen, bis sie das auch durchgängig schaffte.

Der alte Samt liftete sich und gab ein romantisch winterliches Treiben frei, welches uns auf einfache Weise und mit wunderschöner Melodie in die Handlung einführte. Man sollte kaum meinen, daß ein Mann, der so depressiv war, so etwas wunderschönes und Herzerfreuendes zu Stande bringen konnte und bei dieser Inszenierung auch fast nicht zu glauben, daß die Geschichte auf dem Märchen "Der Nussknacker und der Mäusekönig" von E.T.A. Hoffmann beruht. Aber in diesem Fall ist es eigentlich auch egal, denn es war einfach wunderschön gemacht.... und eigentlich war es ja auch ein Mix aus E.T.A. Hoffmanns Nussknacker und Charles Dickens hübschem Weihnachtsmärchen.

 

Nach dem Markttreiben und dem Vorstellen der später agierenden Puppen folgt die Szene in Drosselmeyers/ Scrooges Schlafgemach. Jewgeni Mamrenko war perfekt in dieser Rolle. 

Der Teufel (Rafal Zeh) mit seinen Kreaturen eroberte die Bühne und brachte sie in wildem Tanz zum Glühen. Bis auf ein paar Gesten, die ich völlig unpassend fand, war sein Tanz teuflisch gut. Das wüste Treiben wurde erst durch die glitzernde  Fee/ der Weihnachtsgeist (Marketa Slapotova) gestoppt, die den feurigen Teufel/ den Todesgeist in seine feurigen Schranken zurück wies und uns, den alten Drosselmeyer/ Scrooge und eine Schar Kinder in ihren hübschen Winterwald entführte um Klärchen/ Clara (Ludivine Revazov-Dutriez) und den Prinzen/ der Nussknacker (Michal Sedlacek) beim Tanz zu beobachten und um die vielen wunderschönen Geschenke auszupacken.

Ein Weihnachtsbaum begann zu erstrahlen und eine Pracht riesiger Gaben baute sich davor auf.

 

AM WEIHNACHTSABEND**

 

Ein armer Junge jammert im Bette:

"Ach, wenn ich doch auch einen Weihnachtsbaum hätte!!"

Kaum hatte er diese Worte gesprochen,

Kommt mancherlei aus dem Ofen gekrochen:

 

Ein Schaukelpferd, Wagen und Bleisoldaten,

Eine Trommel, ein Buch, ein Kaufmannsladen,

Ein Eisenbahnzug und ein Reifenspiel,

Ein Luftschiff, ein Fahrrad, ein Automobil

Und Äpfel und Nüsse und Zuckerschaum

Und ganz zuletzt noch ein Weihnachtsbaum.

Die Engel im Himmel singen mit Macht

Das Festlied: Stille Nacht, heilige Nacht.

 

.... wisst Ihr Leute, ich liebe Weihnachten! Die Kerzen brennen und alles strahlt so eine gemütliche Wärme aus. Die Bratäpfel duften aus dem Ofen und ich nasche selbstgebackene Plätzchen. Meine ganze Wohnung ist weihnachtlich geschmückt und alles glitzert und funkelt. Mein Engelorchester bekommt jährlich Zuwachs und diesmal war es sogar ein Klavier mit samt Pianistin. Im Hintergrund spielt die Spieluhr Weihnachtslieder und heute habe ich alle meine Geschenke eingepackt und die leckeren Plätzchen gebacken.

Gerade komme ich von der Oper Leipzig. Dort war ich zur "Lustigen Witwe". Die Vorstellung war furchtbar, aber das Dinner im Augustus diesmal hervorragend und morgen ist Heilig Abend :-)) Ist das nicht ein wunderbares Leben? Manchmal kommt es einen wirklich vor wie im Märchen, fast wie ein Walzer aus Tschaikowskis "Nussknacker" mit dem man sich dreht und sich freut, daß alles um einen herum so wunderbar freundlich aussieht, die vielen Lichter in den Fenstern und wenn man die Menschen anlächelt, lächeln sie sogar zurück. Das Einzige, was wirklich noch fehlt ist der schöne weiße glitzernde Schnee, durch den man Abends Hand in Hand einen romantischen Spaziergang machen kann.... naja, und mit dem "Hand in Hand" sieht es dieses Jahr auch nicht so gut aus. Aber egal, ich hätte trotzdem gern weißen Glitzerschnee über die Feiertage! Darin wandert es sich auch am Tage und mit Freunden sehr gut. Winterwanderungen durch die Elster Aue oder über die Rabeninsel, den Pulverweiden bis zur Peißnitzinsel, zu den Klausbergen und darüber hinweg sind wirklich etwas Feines und weil ich weiß, wie die Wälder im Schnee aussehen, fand ich das Bühnenbild der Winterlandschaft im Nussknacker sehr gut gelungen. Genauso auch die Kostüme und die Choreografie der ausländischen Tänze. Es war immer wieder spannend zu sehen, was einen als nächstes erwartet. Jedes Detail war liebevoll arrangiert - von der Uhr, die auf Mitternacht zugeht, über den alten Schlitten, bis hin zu den Kindern, die mit ihren Nachthemdchen im Riesenbett wie die sieben Zwerge nebeneinander lagen.

Klärchen und ihr Prinz tanzten wundervoll und das Orchester spielte hervorragend dazu. Es war wirklich rundum ein gelungener Abend und eine gelungene Vorfreude auf Weihnachten - auch ohne Schnee.

 

 

... und in diesem Sinne, mit Romantik und Liebe im Herzen, wünsche ich Euch all das und ein wunderbares Weihnachtsfest,

Eure Jana

 

 

 

 

 

 

*William Shakespeare "Ein Sommernachtstraum" 5. Aufzug 1. Szene

**Joachim Ringelnatz "Am Weihnachtsabend"