Alles, alles darfst Du lieben ....

 

Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,

Und ertrage dein Geschick,

Neuer Frühling gibt zurück,

Was der Winter dir genommen.

 

Und wie viel ist dir geblieben!

Und wie schön ist doch die Welt!

Und mein Herz, was dir gefällt,

Alles, alles darfst du lieben!

                                                    Heinrich Heine

 

Ludwig van Beethoven (1770-1827)... und mein Herz liebt diese wunderschöne Musik, auch wenn der Frühling noch nicht so wirklich das zurück gegeben hat, was der Winter genommen. Dumme Gedanken kreisen um dumme Sachen. Dummes Herz will Dummes machen... Es hat solche dummen Ideen und läßt sich nicht davon abbringen. Wieso nur, es weiß doch jetzt, daß es eigentlich aussichtslos ist - oder doch nicht? Seufz - eigentlich darf es ja nicht, aber es will trotzdem ....

Was hilft da besser gegen diese dummen Gedanken als ein Konzertbesuch. Da kann Frau sich so schön hineinfallen lassen und die dummen Gedanken hören auf um die dummen Sachen zu kreisen.

Und diesmal ließ ich mein dummes Herz in das wohl allerschönste Flötenkonzert fallen, was ich jeh gehört habe. Das die Flöte in diesem Fall wohl nicht gerade die beste Idee war sich von den dummen Gedanken ablenken zu lassen war schon klar, aber das Konzert von Giuseppe Saverio Mercadante ist einfach zu schön um es wegen dummer Gedanken um dumme Sachen zu verpassen.

Na, jetzt wundert Ihr Euch sicherlich, was dieser Absatz wohl bedeuten sollte - tut mir Leid. ich werde es Euch nicht verraten, aber ich brauchte das jetzt einfach mal..... dummes Zeug!

 

Giuseppe Saverio Mercadante (1795-1870) - Quelle: Programmheft des KonzertesDiesmal war ich im Kongreß- & Kulturzentrum hier in Halle zu zwei wunderschönen Konzerten. Unsere Philharmonie spielte das Konzert für Flöte und Orchester (e-Moll) von Mercadante und die "Pastorale" von Beethoven. Was für ein erstklassiges Programm!

Als ich laß, daß sie Mercadante spielen wollten, konnte ich mich nicht mehr halten. Das ist so ein tolles Konzert, wo Frau einfach hin mußte. Erst dachte ich, naja, das K&K ist schon ein bißchen winzig. Was soll da wohl bei raus kommen. Bestimmt eher ein Kammerkonzert. Aber die Neugierde Mercadante das erste mal live zu hören siegte und ich besorgte mir zwei Karten.

Ich war das erste mal im K&K zu einem Konzert. Sonst gehe ich hier nur immer zum Frisör. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, daß die dort einen richtigen Konzertsaal haben. Aber sie hatten. Das ganze Ambiente war wundervoll. Ein sehr schönes Gebäude und der Saal war erstklassig. Alles glitzerte und funkelte und sah so nobel aus. Ich fühlte mich sofort wohl und beglückwünschte mich schon jetzt zu der Idee, daß Konzert zu besuchen.

Platzwahl war frei, aber da wir zeitig genug ankamen, hatten wir eine schöne Auswahl und entschieden und für Plätze in der zweiten Reihe.

Nach und nach füllte sich der hübsche Saal und schnell waren fast alle Plätze besetzt. Eine Weile dauerte es noch und ein Teil des Orchesters erschien - sehr merkwürdig - nur Streicher und dann auch noch in einer sehr eigenartigen Aufstellung - zwei Geigen, ein Cello, wieder zwei Geigen und dann zwei Cellis, dann wieder zwei Geigen u.s.w. Na was soll denn das? Mercadante mit einer Hand voll Streicher?! Wollen die uns hier veralbern? Ich weiß zwar, daß die in seinem Konzert auch nur Streicher haben, aber ein paar mehr sollten es schon sein und auch nicht in so einer komischen Aufstellung. Der Dirigent erschien. Diesmal sollte das Stäbchen Hans Rotman für uns schwingen. Ihn hatte ich noch nie gehört, Hans Rotman - Quelle: Programmheft des Konzertes aber gelesen, daß er sehr viel neue Musik spielt. Na prima - dachte ich - der wird doch nicht irgend Johannes Bernardus van Bree (1801-1857) - Quelle: Programmheft des Konzertes etwas ummodeln? Nein, das kann nicht sein - aha, eine Erklärung vorab. Mit ruhiger und angenehmer Stimme erklärte uns der gebbürtige Holländer in einem einwandfreiem Deutsch, daß sie diese merkwürdige Besetzung und Aufstellung wählten, weil sie mit einem Allegro für 4 Streicher von Johannes Bernardus Van Bree beginnen wollten. Ach, ich Idiot - haben wir das Programm wiedermal nicht aufmerksam genug gelesen. Da kommt ja vor Mercadante noch etwas anderes. Gott war ich froh. Hatte schon Panik, daß das eine Katastrophe werden würde. Manchmal bin ich aber auch wirklich blöd - tztztz.

Seine kurze Einführung war sehr gut gesprochen und interessant und so bekamen wir mal ein Stück von einem holländischen Komponisten zu hören. So etwas scheint es auch zu geben.

Und ich muß Euch sagen, das war wirklich wunderschön. Wie die Töne von einer Seite zur anderen wanderten - einfach herrlich. Das ging sofort ins Ohr. "Was für eine gute Idee, vielen Dank dafür, Herr Rotman, so etwas möchte ich bitte öfter haben!" Ich muß mal sehen, ob ich das Teil irgendwo auf CD bekomme. Scheint nicht so einfach zu sein, da sie im Programm schrieben, selten gespielt und viele seiner Werke sind in Vergessenheit geraten oder gar verloren gegangen. Da muß ich wohl im Internet mal auf die Suche gehen. In den "Plattenläden" kann man das ja vergessen. Die haben noch nicht mal mehr die gängigen Sache. Heute war ich im Kaufhaus "Müller" hier in Halle, auf der Suche nach Schostakowitschs 11. - da letztens gehört und nun süchtig danach ;-)

Na die haben sich total zurückentwickelt. Vor ein paar Monaten hatten sie dort noch eine wunderbare Auswahl an klassischer Musik, aber jetzt nur noch ein sehr dürftigen Abklatsch davon. Nein, ich glaube, da braucht man als Klassik Liebhaber nicht mehr hingehen. Schade eigentlich :-( Bleibt einem wirklich nur noch das Internet.

 

Christina Fassbender - Quelle: Programmheft des KonzertesNach diesem Glanzstück der 4 Streichquartette folgte nach ein bißchen Umbau nun das Flötenkonzert. Die Flötistin war eine hübsche, blonde, junge Frau (*1973) und ich war sehr gespannt auf das Konzert. Bis jetzt kannte ich es nur von Sir James Galway und nur auf CD. Ich hatte es noch nie im Konzertsaal gehört.

Das Orchester wurde also um ein paar Streicher mehr aufgestockt und bekam nun auch die gewohnte Form. Der Dirigent brachte die Flötistin mit und begann. Oh ja, genau das war es. Was für ein wunderschöner Klang. Ja, das muß ich noch unbedingt sagen. Der Konzertsaal des K&K hat einen erstklassigen Klang. Hätte ich nie für möglich gehalten. Es war spitze hier! Da komme ich ganz bestimmt wieder.

Der erste Satz war wunderschön, obwohl mir der Letzte, das Rondo Russo daraus am besten gefiel. Und dann kam der Flöteneinsatz. Christina Fassbender spielte ihre hübsche Melodie. Es war bestimmt nicht einfach. Sie kam kaum zum Luftholen und irgendwie war sie ziemlich laut damit. Aber wahrscheinlich ist das so. Ich habe keine Ahnung davon. Bei James Galway hört man jedenfalls nichts, aber das war ja auch eine Aufnahme. Da ist das sicherlich anders. Und die Töne vibrierten irgendwie, aber es klang trotzdem nicht schlecht. Vielleicht saßen wir einfach nur zu nah dran. Das Orchester war spitze und Hans Rotmans ruhige Art zu dirigieren gefiel mir auch sehr gut. Er sah zwar mehr aus wie ein Rechtsanwalt, aber seine Arbeit war spitzenmäßig!

Leider war das kleine Konzert viel zu schnell vorbei und die Pause viel zu schnell heran. Christiane Faßbender bekam einen wunderbaren Beifall und ich war zufrieden Mercadante mal life gehört zu haben. Schade, daß sie den so selten spielen. Dieses Flötenkonzert würde ich mir lieben gern noch einmal anhören.

Programm des KonzertesIm Programm steht, daß er auch 21 Opern geschrieben hat. Warum bekommt man da nie etwas von zu hören? Immer nur die gleichen Sachen. Das wäre doch mal interessant. Von dem würde ich mir gern mal eine Oper ansehen, anstelle in jedem Haus zur selben Zeit und immer wieder "Die Zauberflöte".

 

Zur Pause gab es ein kleines Glas Wein in einem hübschen Pausensaal und dann ging es weiter mit Ludwig van Beethovens 6. Sinfonie, der "Pastorale". Ich hatte sie ja schon einmal im Gewandhaus mit Kurt Masur gehört. Das war ein Hochgenuß!!! Und jetzt mit Hans Rotman, der bei Kurt Masur in die Schule ging. Er interpretierte Beethoven völlig anders, aber auch erstklassig. Jede Sekunde ein wahrer Genuß. Wundervoll! Warum haben sie den nicht die 9. zu Silvester dirigieren lassen? Das Ergebnis wäre bestimmt um einiges besser gewesen.

Diese Sinfonie ist so wunderschön, daß ich wirklich fast alles um mich herum vergessen konnte. Ich war mit Beethoven im Wald und hörte die Vögel singen. ich war mit ihm am Bach und hörte ihn plätschern und ich sah wie er die Gewitterwolken aufziehen und versteckte mich vor ihnen in einer Höhle bei den Felsen am Waldrand. Ja, er hat die Natur vortrefflich interpretiert. Ich bin sooft da draußen und erkannte alles wieder. Seine Umsetzung war nahezu perfekt! Ich verspürte sofort wieder den Dang auf Wanderschaft zu gehen und den Frühling einzuatmen. Heute hätten wir sogar die Temperaturen dazu gehabt und die Sonne strahlte auch vom Himmel. Ich hätte Lust im Harz zu wandern, oder zur Rotenburg im Kyffhäuser oder an der Barbarossahöhle vorbei hinauf ins Karstgebiet bis zur Prinzenhöhle, wo man sich an einem heißen Sommertag so schön von der schweißtreibenden Wanderung abkühlen konnte.

Oh ja, ich freue mich schon auf den Frühling und auf wunderbare Wanderungen durch die einzigartige Natur. Auf die Freuden der Ruhe in diesen wunderschönen Landschaften, auf die Vögel, die meine Schritte mit ihren wunderschönen Gesängen begleiten und auf die ersten Knospen die mir das gute Gefühl eines Neuanfanges geben. Diese herrliche Zufriedenheit dort draußen in der Natur zu sein -  was für ein Glück für uns Menschen dies zu haben und so wunderschön sie ist, so wunderschön hat sie Beethoven in seiner "Pastorale" beschrieben - was für ein Meisterwerk, was schöner nicht sein kann!

 

Wenn dich ein Weib verraten hat,

So liebe flink eine andere;

Noch besser wär es, du ließest die Stadt -

Schnüre den Ranzen und wandre!

 

Du findest bald einen blauen See,

Umringt von Trauerweiden;

Hier weinst du aus dein kleines Weh

Und deine engen Leiden.

 

Wenn du den steilen Berg ersteigst,

Wirst du beträchtlich ächzen;

Doch wenn du den felsigen Gipfel erreichst,

Hörst du die Adler krächzen.

 

Dort wirst du selber ein Adler fast,

Du bist wie neugeboren,

Du fühlst dich frei, du fühlst: du hast

Dort unten nicht viel verloren.

                                                                Heinrich Heine

 

Was für eine wunderbare Freiheit, die einem nur die Natur geben kann. Wie wunderbar ist es auf einen Berg zu steigen. Seine ganze Kraft zu verwenden die mühseligen, steinigen und manchmal auch gefährlichen Pfade hinaufzusteigen um dann diese wunderbare Freiheit dort oben zu spüren. Über alles hinwegschauend, den Wind sich ins Gesicht wehend, alles vergessend und nur glücklich stehend genießen. Das ist das wahre Gefühl der Glückseeligkeit und das ist Leben und Gefühl und Liebe und Schönheit! Und es wird nie etwas Besseres geben und der Augenblick besiegt den Alltag und den Kummer und es gibt kein Vorher und kein Nachher, nur das Jetzt und Hier und das ist es, was glücklich macht und befreit. Laßt uns darauf anstoßen, daß wir diese wunderbaren Gefühle nie missen werden! Oh Natur, ich danke Dir dafür!

 

Jetzt sitze ich hier, höre diese wunderschöne Musik und denke an diese wunderschöne Natur mit ihren wunderschönen Bergen, Seen, Karstgebieten, Höhlen und glasklaren Quellen. Und ich denke, was haben wir Menschen doch für ein Glück dies alles bewundern zu dürfen. Und ich denke, was ist da unser kleiner Liebesschmerz dagegen? Ein Nichts, was untergeht in Anbetracht dieser gewaltigen Schönheit, also warum denn da traurig sein? Es gibt viel mehr, weit aus Größeres im Leben, als diese blöden, verrückten, verliebten Gefühle, die alles nur durcheinander bringen und eigentlich keinen Spaß machen, wenn sie nicht erwidert werden können.

 

Ja, das heutige Konzert war wirklich ein wahrer Hochgenuß. Die Konzerthalle war klasse, Dirigent und Orchester spitzenmäßig und die Flötisten, trotz des lauten Luftholens, super. Alles in allem ein sehr gelungener Abend. Vielen Dank dafür,

 

 

Eure Jana