GROSSES  CONCERT

"Mythen und Wunder"

John Mauceri (geb. 1945)Ich habe lange überlegt, ob ich zu diesem Konzert gehen möchte. Filmmusik ohne Film - aber warum eigentlich nicht. Die Backgroundmusik hat sehr viel Einfluss auf den gesamten Film und es gibt da einige gute Sachen. Ja und außerdem beginnen sie mit Klassik: 
Richard Wagners "Walkürenritt", eines meiner absoluten Lieblinge, und Gustav Holsts "Jupiter, the Bringer of Jollity". 
Da ich also ein fröhlicher Mensch bin, entschloss ich mich mir das Konzert anzuhören. 
Der Dirigent, John Mauceri, ist übrigens auch kein Unbekannter und außerdem kam nichts anderes zur Zeit, was mich interessierte... und ich brauchte mal wieder ein bißchen Musik .... und so verkürzte ich auch die Wartezeit auf Uli, meine Freundin, die erst 23:50 Uhr mit dem Zug aus Frankfurt kam. 

Die Woche vor Weihnachten war sehr stressig und der Freitag ein verrückter Tag. Zeitig angefangen, alle Termine abgearbeitet, 13:00 Uhr zur Vorlesung über Buchführung (brrr) an die FH gedüst, die letzten 1 1/2 Stunden geschwänzt um noch etwas zu Futtern fürs Wochenende zu kaufen, da ja Besuch kommt, dann in "Abends-Ausgeh-Klamotten" geschmissen und ab nach Leipzig zum Gewandhaus
Leider waren die Sonntagsfahrer heute schon am Freitag unterwegs. Keine Chance auf ein Vorbeikommen, also tucker tucker hinterher. 
Trotzdem hatte ich gute Laune. Es war Freitag, ich hatte meine Lieblings CD im Player und es war noch genügend Zeit bis zum Konzertbeginn. Herrlich, trotz Stress eigentlich ein schöner Tag und hoffentlich ein schöner Abend. 
Unterwegs fiel mir ein, daß in Leipzig ja Weihnachtsmarkt ist - Mist! Da ist das Parkhaus am Augustusplatz immer voll.....ich muß mir das nächste mal meine Konzerttermine genauer überlegen. 

Trotz der Trödelfritzen unterwegs war ich pünktlich in Leipzig Zentrum. Wie ich mir schon gedacht hatte, zeigte das Parkhaus am Augustusplatz "voll" an. Nagut, versuchen wir es trotzdem ..... und siehe da, ich bekam wahrscheinlich noch den einzigen freien Parkplatz im gesamten Parkhaus - Glück muß der Mensch haben :-)
Ich hatte sogar noch Zeit im Gewandhaus-Shop zu stöbern und fand erfreulicherweise Saverio Mercadantes Flötenkonzert. Seitdem ich das Rondo Russo daraus im Fernsehen gesehen habe, bin ich verliebt in das Stück. Wunderbar, etwas für die Rückfahrt.

Der Saal füllte sich langsam und die Leute waren alle sehr gut für das Konzert angezogen. Ich fühlte mich richtig wohl. Diesmal hatte ich auch einen sehr guten Platz fast ganz vorn in Reihe 5. Neben mir der Platz war noch frei. Ich war gespannt, wer da wohl sitzen würde und hoffte auf etwas, für mich Interessantes. Leider wurde mein Hoffen nicht erhört. Neben mir saß dann ein Koloss in Jeans und ausgeleiertem Jackett, der etwas merkwürdig roch. Er hatte eine Kamera dabei, wohl jeRichard Wagner (1813-1883)mand von der Leipziger Volkszeitung. Er schien sich auch nicht sonderlich für das Konzert zu interessieren und gähnte dauernd. Seufz - man kann eben nicht alles haben.

Das Orchester betrat den Saal. Sie schauten alle ein bißchen traurig. Vielleicht gefiel ihnen ja Filmmusik nicht so gut. Wenig später folgte der Dirigent, der über das ganze Gesicht strahlte. 
Es ging los mit Wagner. Ein wunderbares Stück. Richard Wagner ist auch einer meiner Lieblinge. Seine Opern sind so schön geheimnisvoll und seine Musik düster - herrlich. Ich mag diese Magie. 

Ich fand John Mauceri dirigierte ein bißchen steif und verkrampft. Ich konnteGustav Holst (1874-1934) gar nicht hinsehen. Aber immer mit einen Lächeln auf den Lippen. Er scheint ein freundlicher Mensch zu sein, ein Amerikaner, 1945 in New York geboren. Seine Biographie klingt bedeutend. Er dirigierte sehr viele bekannte Orchester und ging bei Leonard Bernstein in die Schule. Ein sehr interessanter Mann. Wahrscheinlich auch sehr ehrgeizig. 
Zwischen den einzelnen Musikstücken sprach er zu Jedem ein paar Sätze in Deutsch. Er versuchte perfekt zu spPaul Dukas (1865-1935)rechen und es schien ihm nicht leicht zu fallen. Die deutsche Sprache ist zu hart für die Amerikaner. Ich fand es aber eine nette Geste. Normalerweise ist man so etwas nicht gewöhnt von  Amerikanern. Normalerweise erwarten sie, daß der kleine Rest der Welt englisch spricht. Also Hochachtung Mr. Mauceri. 

Als nächstes kam Holsts "Jupiter, der Bringer der Fröhlichkeit" aus "Die Planeten". Ich finde, daß ist ein sehr schönes Stück, welches sie ausgesucht haben. Eigentlich ist das ganze Werk sehr schön und wirklich hörenswert. Schade, daß es so selten gespielt wird.John Williams (geb. 1932)

Danach ging es dann weiter mit Paul Dukas "Zauberlehrling", ein Scherzo nach einer Ballade von Goethe. Ich glaube, sie haben es zu einem Disney Film gespielt. Bin mir aber nicht mehr sicher. Ich denke, daß ist nicht meine Musik. Sie ist mir zu still und zu langsam und erinnert wirklich sehr an Filmmusik. 

Als letztes vor der Pause Musik aus "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" von John Williams. Ich konnte mich sehr gut an die Stücke erinnern, aber so ganz ohne Film gefielen sie mir nicht so richtig. Filmmusik ist eben keine Klassik. 

Howard Shore (geb. 1946) und John Mauceri (geb. 1945)Nach der Pause ging es weiter mit Musik aus "Herr der Ringe" von Howard Shore. 
Wenn ich den Dirigenten richtig verstanden habe, hat Howard Shore daraus eine Sinfonie gemacht und sie spielten den 5. Satz, was eine europäische Erstaufführung war. 
Es war beeindruckend für mich, daß Howard Shore für die Herr der Ringe Trilogie über 14 Stunden Musik geschrieben hat. Und DAS ist nicht nur Menge, sondern auch Qualität. Das Stück was sie spielten gefiel mir sehr gut. Vor allem der Einsatz der Stimme des Knabensoprans (Maximilian Klas). Wunderbare Idee. Und das "Solo" der Oboe - einfach herrlich. Leider sagte der Dirigent nicht dazu, wer sie spielte. 
Im übrigen war die Orchesteraufstellung auch sehr merkwürdig. Nicht wie üblich die klassische Aufstellung, links die Geigen, rechts die Celli, Bratschen und Kontrabässe etc. Er hatte die Geigen vorn, dahinter in der Mitte die Celli. Die Oboen, Klarinetten und Fagotte rechts hinten, Harfen auch rechts, die Bässe links - verwirrend. Aber es hörte sich trotzdem gut an. 

Jetzt kam eine meiner Lieblingsfilmmusiken, eigentlich die Beste, finde ich: Das Hauptthema aus dem Film "Jurassic Park" auch von John Williams komponiert. Endlich waren die Flöten mal im Vordergrund, jedenfalls am Anfang. Wunderschön, ein herrliches Thema. 
Danach noch mal John Williams mit Musik aus "Die Unheimliche Begegnung der dritten Art". Nicht mein Geschmack und dann ein GMiklós Rózsa (1907-1995)lanzstücke aus dem Film "Ben Hur", komponiert von Miklós Rózsa. 
Was mir sehr auffiel bei den Filmmusiken ist, daß sie viel mehr mit Pauken, Trommeln und Bläsern arbeiten. Die Streicher hatten öfter mal Pause. Bei "Ben Hur" war das mehr als deutlich. Es klang kraftvoll, aber auf die Dauer nix für mein Gehör. Miklós Rózsa ließ es ganz schön krachen. Was für eine Wucht! Vor allem bei der Parade der Kampfwagen. Gut, es gab auch ein langsames Stück, das Liebesthema, wo Frank-Michael Erben die Solo-Violine spielte. Sehr hübsch.
Zwischendurch auch wieder eine Erklärung des Dirigenten zu Miklós Rózsa. Er hatte eine Zeit lang in Leipzig gelebt. Interessant, aber irgendwie muß ich sagen, daß mir die Erklärungen zwischendurch doch nicht so richtig gefielen. Ich glaube,  unser Opernhaus hat das, mit der Konzerteinführung vorher, besser gelöst. Letztendlich fand ich es doch störend. Wenn man gerade so schön in die Musik abgetaucht ist, kam wieder Text. 

Zum Schluß jedenfalls gab es einen tosenden Applaus, so daß Dirigent und Orchester noch zwei Zugaben spielten. Zuerst die Titelmusik aus "Harry Potter and the Philosopers Stone". Die gefiel mir bedeutend besser, als die Musik aus "The Chamber of Secrets" und zum Schluß die Titelmusik aus Indiana Jones. Das brachte die Menge zum Johlen ... und weckte bei mir alte Erinnerungen. 

Im Großen und Ganzen war es ein sehr schönes Konzert. Mal etwas Anderes. 
Aber ich muß ehrlich zugeben, daß ich doch lieber bei Klassik bleibe und die Filmmusik zusammen mit den Filmen ansehen werde.

 

Eure Jana.