... doch was bleibt, wenn die Liebe verging? Ach, was bleibt Dir mein armes Herz? ...

 

Programm zu "Un Ballo in Maschera" - Ein Maskenball - Oper Leipzig, Oktober 2006Will man die Liebe wirklich aus dem Herzen verbannen? Was wäre, wenn es wirklich so ein Kraut gegen Liebeskummer geben würde? Würde uns das frei von diesen Gefühlen machen? Würden wir das wollen? Ich weiß es nicht. Manchmal ist es ganz gut in Liebeskummer zu versinken und solch ein Liebeskummer schreibt ja auch die besten Bücher und die besten Opern. Ohne ihn würde es wohl nur noch Sportsendungen im Fernsehen geben und Science Fiction im Kino und sämtliche der wundervollsten Opern wären nicht geschrieben wurden und noch schlimmer, wir müssten auf eine der schönsten Verdi Opern verzichten: "Un Ballo in Maschera", ein Maskenball.

Also ich würde ja sagen, das ist die schönste Verdi Oper überhaupt und mit Riccardo Chailly und der Leipziger Oper war es ein wahrer Hochgenuß. Eine Opernaufführung vom Feinsten und die beste, die ich bis jetzt in Leipzig erleben durfte. Ich bin sprachlos und geplättet. Diesmal hat Riccardo Chailly mich umgehauen und mein Herz überzeugt. Im Konzertsaal des Gewandhauses hat er mich fast jedes Mal verschreckt und ich war sehr skeptisch gegenüber dieser Opernaufführung der Leipziger Oper, aber das, was ich an diesem Samstag hören bzw. sehen durfte, war der pure Wahnsinn, ein wahrer wahnsinns Opernhochgenuss! Eine brillante Oper mit brillanten Sängern, brillanten Orchester und einem brillanten Riccardo Chailly.

 

Das war mit "Don Giovanni" in Bad Lauchstädt nun schon die zweite Oper in so kurzer Zeit hintereinander, die die Eigenschaft "brillant" verdiente und wenn mein Glück in diesem Fall nicht abreist, sollte Mozarts "Zauberflöte" in Dessau am kommenden Freitag auch brillant werden. Denn, wie jeder weiß, aller guten Dinge sind drei und Opern sind einfach die besten Dinge, die einem kulturell passieren können.... wenn sie gut gemacht sind.

Die Leipziger Inszenierung (Ermanno Olmi) war selbstverständlich wieder sehr modern, in diesem Fall sogar sehr futuristisch. Das Eingangsbild erinnerte mehr an die Marquise de Sade Aufführung in Vockerode oder an die "Borg" der Star Treck Serie "Voyager" als an das amerikanische Bosten Ende des 17. Jh. oder an das schwedische Königshaus, wo ursprünglich Verdis Geschichte spielen sollte.

Vielleicht sollte das Eingangsbild ein gigantisches Stadttor darstellen, oder es sollte den Zuschauer beeindrucken oder vielleicht war es auch nur einfach so, daß der Bühnenbildner (Arnaldo Pomodoro) schon immer mal diese Phantasie umsetzen wollte. Aber eins tat es nicht, es erinnerte auf keinen Fall an einen Saal im Hause des Gouverneurs Riccardo. Aber auch gut, dann treffen sich der Gouverneur, sein Volk und die Verschwörer eben vor den Toren der Stadt. UND! Es sah wirklich toll aus, so groß und mächtig. Es wirkte mächtig unheimlich auf mich kleinen Zuschauer dort unten in der 4. Reihe des Zuhörersaales. Wunderbar!

Massimiliano Pisapia als Graf Riccardo betrat das Geschehen - ............... "naja", war mein erster Gedanke, ein Frauentyp ist er ja nicht gerade. Also wieder nichts für's Frauenauge, aber diese Stimme - einfach wunderbar! Vom ersten Ton an perfekt. So perfekt, daß mein Herz die Gestalt sofort vergaß und in Extase bewundernd dahin schmolz. Diese Brillanz war unglaublich. Wer immer diese Besetzung ausgesucht hat, hatte bei mir schon gewonnen und das war noch nicht alles. Die selbe Brillanz folgte wenige Minuten später in einer für Frauen interessanter Gestalt, und zwar die des Franco Vassallo als Renato. Das kann doch nicht wahr sein! Zwei so phantastische Stimme in nur einer einzigen Oper. Was für ein Genuss!!!

.... und somit folgt ein Hohelied auf diesen Genuss - nein quatsch, es folgt natürlich ein Hohelied auf den großmütigen Herrscher Riccardo.

 

Massimiliano Pisapia und Chiara Taigi - Oper Leipzig "Un Ballo in maschera" - Quelle: Flyer der OperDa es allerdings immer und überall Neider und Menschen gibt, die einem den Erfolg nicht gönnen, gibt es die selbstverständlich auch hier und zwar in Form einer Hand voll Verschwörer unter Führung der beiden gutaussehenden, von Gestalt stattlich und auch stimmlich großen Feinde des Grafen, Samuel (Diogenes Randes) und Tom (Deyan Vatchkov).

Zwischendrin im Geschehen und etwas quirlig, quirlte Oscar, der "Narr", der Page des Grafen umher. Eine hervorragende Darstellung durch Eun Yee You - und noch besser waren ihre gesanglich spritzigen Einsätze. Wenn ich mir ihre Parts auf meinen diversen CDs anhöre, gefällt mir ihre Interpretation dieser am besten - spritzig und frech und überhaupt nicht langweilig. Hervorragend! Am Schönsten natürlich Ihr Hohelied auf die Wahrsagerin Ulrica.

Also das Bühnenbild zur Hütte der Wahrsagerin und die Kostüme dazu waren schon recht putzig und die Teufelchen waren vielleicht süß. Da kam das Unheimliche nicht so wirklich rüber, auch wenn Mariana Pentcheva mit ihrer phantastische Stimme und ihren blitzenden Augen alles versuchte.

Es war wirklich ein verrücktes Bühnenbild und noch verrücktere Kostüme, die Herr Pomodoro da versuchte von seiner Phantasie auf die Bühne zu transferieren. Aber es war gut gelungen. Die Bühne passte zu den Kostümen und die Kostüme passten zur Bühne, nur passte das alles nicht so wirklich in meine Phantasie. Ich bin eben doch viel zu altmodisch in solchen Dingen. Ich brauche manchmal eben Romantik und Schönheit in die ich mich fallen lassen kann. Tief im Inneren bin ich eben eine romantische Frau, die ab und zu mal der kalten, abstrakten Welt entfliehen möchte. Das allerdings tut nichts daran, das diese Oper hervorragend war, selbst mit diesen unromantischem Bühnenbild und dazu passenden Kostümen. Naja, aber trotzdem denke ich da doch gern und lieber an den Don Giovanni in Bad Lauchstädt zurück, wo Frau sämtlichen ihrer romantischen Franco Vassallo, Diogenes Randes & Deyan Vatchkov: "Un Ballo in Maschera" Oper Leipzig 2006, Quelle: Programm der Oper Gefühlen und Träumen freien Lauf lassen konnte.

 

Ulrica im buscheligen Outfit prophezeit dem Grafen den Tod durch die Hand seines besten Freundes Renato. Da sieht man mal wieder, welch merkwürdige Wege das Schicksal gehen kann und welch merkwürdige Missverständnisse zum Tode führen können:

"Nicht die Waffe mordet, sondern das Missverständnis."* - Aha! Wie bekannt mir das doch ist. Wie wahr und schon geht es los mit den Missverständnissen.

Renato meint seine hübsche Frau (Chiara Taigi als Amelia) hätte ihn mit seinem besten Freund betrogen und deswegen müsse er ihn dafür töten. Er verbündet sich mit den Verschwörern und zieht das Los durch Amelias Hand zum Todesstoß gegen den hochrangigen Nebenbuhler..... und dabei ist gar nichts zwischen den beiden passiert. Im Gegenteil, sie bekennen sich zwar zu ihrer Liebe, aber leiden aus Pflichtbewusstsein und verzichten. Der eigentlich nicht gehörnte Ehemann vermutet Schlimmes und stößt demnach zum Todesstoß. Riccardo stirbt auf seinem Maskenball und Renato ist erschüttert über seinen Fehler - aber gut, immerhin konnte ihm Riccardo, bevor er starb noch schnell verzeihen - sonst hätte sich die Meute auf ihn gestürzt und die Oper hätte ihre belehrende Lehre verfehlt. So muß er nur mit seinem Gewissen leben, darf seine Frau weiter lieben und mit ihr nach England zurück gehen.

Eun Yee You: "Un Ballo in Maschera" Oper Leipzig 2006, Quelle: Programm der OperDa sind wir wieder bei der dummen Liebe und dem Leid, welche sie mit sich bringt. Himmelhoch jauchzend, tief betrübt. Wo ist das Kraut unter dem Galgen, was diese Gefühle verstummen läßt? Aber was wäre das Leben ohne solche Gefühle? Liebeskummer ist furchtbar, aber eben dieser Liebeskummer passiert ja nur durch Liebe und auf Liebe wollen wir doch nicht verzichten - oder?

Was bleibt uns denn, wenn die Liebe vergeht?..................

 

Ein Prosit also auf die Liebe trotz all ihrer Leiden,

Eure Jana

 

 

 

 

ps. Diese Oper in Leipzig müsst Ihr Euch unbedingt ansehen/ anhören. Auf diesen Operhochgenuss sollte man (und Frau) auf keinen Fall und nie und nimmer verzichten! Ihr werdet sie lieben ;-)

 

 

 

 

* Carl Zuckmayer aus dem Programm zur Oper S. 24