Martha - Friedrich von Flotow
"...... Letzte Rose, wie magst du
so einsam hier blühn?" Wer kennt diesen wunderb
aren
Ohrwurm nicht. Ich kann ihn gar nicht oft genug hören. Darum kam mir
"Martha" zu Weihnachten gerade recht. Eine so romantische
Liebesgeschichte - seufz - ja, das konnte ich jetzt gebrauchen.
Ein
schönes altes Lied (...der irische Dichter Thomas Moore schrieb den Text
dazu, aber die Melodie ist noch viel älter...) eingebaut in diese
wunderschöne, romantische Oper von Friedrich von Flotow.
Die CD dazu habe ich schon ewig, aber gesehen habe ich sie jetzt das erste Mal.
Ich fand, es war eine nette Idee den Abend dieses 25. Dezembers in der Oper zu
verbringen.
"Martha" wurde von der Oper
Leipzig inszeniert und aufgeführt in der "Musikalischen Komödie"
im Haus Dreilinden in Leipzig. Dort war ich noch nie und ich war gespannt, wie
es wohl sein würde. Wir kamen von Halle über die Lützener Straße und nach
ein bißchen Suchen fanden wir das Gebäude in der
Dreilindenstraße.
Eigentlich war es nicht zu übersehen, da herrlich beleuchtet. Trotzdem hätten
sie es für uns Auswärtige ein bißchen besser ausschildern können.
Das Gebäude gefiel mir sehr gut von außen. Es war nicht sehr groß und erinnerte
an "alte Zeiten" und irgendwie ein bißchen an die Londoner
Theater.
Da wir sehr zeitig losgefahren waren, und sofort einen Parkplatz fanden, hatten
wir noch Zeit vorher etwas zu essen. Wir brauchten nicht lange zu suchen, denn
gleich nebenan war die "Komödianten Klause". Ein sehr gemütliches
Restaurant, oder eher Kneipe, und so schön passend zur "Musikalischen
Komödie". Überall hingen Bilder und Plakate alter Aufführungen an der
Wand. Hier und da ein Musikinstrument. Der Kellner mit Ohrring - alles erinnerte
an Komödianten und Zigeuner. Es gefiel mir wirklich sehr gut. Man fühlte sich
in alte Zeiten zurückversetzt. Das Ess
en
war rustikal und wohlschmeckend. Ich fühlte mich sehr wohl dort und werde
sicherlich noch öfter hingehen.
Eine Stunde konnten wir die Atmosphäre genießen und dann gelangten wir durch
einen Durchgang von der Kneipe zur Garderobe.
Das Foyer gefiel mir auch gut. Es erinnerte wirklich an "alte Zeiten".
Irgendwie ist mir das ganze Gebäude gleich sympathisch gewesen. Alles schien so
familiär und es war angenehm hier zu sein. Die Menschen um uns herum waren gut
angezogen und schienen zufrieden.
Es herrschte ein ganz schönes Gedränge an der Garderobe. Ich hätte nicht
gedacht,
daß es so voll werden würde und in der Tat, es waren alle Plätze
ausverkauft.
Diesmal saß ich in Reihe 2, leider aber ganz außen. Das nächste Mal
muß ich wegen
der
Plätze besser aufpassen. Ich habe zwar trotzdem gut gesehen, sitze aber sonst
lieber weiter in der Mitte.
Wir waren etwas spät dran und das Orchester schon
anwesend. Die musikalische Leitung hatte Roland Seiffarth, aber diesmal
dirigierte Christian Hornef. Es spielte das Orchester der "Musikalischen
Komödie".... und wunderbarer Weise war hier der Orchestergraben nicht so
niedrig. So, daß man es gut sehen konnte.
Jetzt brauchte ich mich nur noch zurücklehnen und die Oper genießen, alles war
perfekt.
Das Bühnenbild für den ersten Aufzug war ein bißchen
spartanisch, passte aber doch ganz gut. Es erschien mir, wie eine lange,
marmorne Halle mit hohen Wänden und Staturen.
Eine
sehr kalte Atmosphäre in deren Mitte Lady Harriet Durham weilte oder sich
langweilte.
Enu Yee You sang Lady Harriet mit einer sehr schönen Stimme. Ich fand, daß sie
auch sehr gut spielte. Ihre Ausstrahlung und Mimik gefielen mir.
Ich fand, daß die ganze Inszenierung sehr gut gelungen war. Natürlich hatten
sie auch hier ein paar alberne Einlagen, die mir natürlich nicht
gefielen.
Ich frage mich, warum sie solch ein Quatsch, wie Tristan mit Hornbrille und
Tirolerhütchen immer einbauen müssen. Die Zuschauer sehen schon genug Blödsinn
im Fernsehen, daß muß man nicht auch in der Oper haben. Darum gehe ich ja in
die Oper oder ins Theater, weil ich das Fernsehprogramm nicht mehr ertragen
kann. Aber gut, es hielt sich in Grenzen und das Publikum freute sich bei
jeder lächerlichen Einlage. Wahrscheinlich bin ich da irgendwie nicht normal.
Mein Nachbar z.B. schnaufte permanent, sogar an Stellen, die nun wirklich nicht
lustig waren. Der schien das auch zu mögen und mir ging es auf die Nerven. Ich
wünsche mir das nächste Mal bitte einen Nachbarn, der leise Lachen kann
;-).
Das Publikum hier war sowieso ein bißchen merkwürdig. Sie klatschten nach
jeder kleinsten Atempause der Sänger, was mich auch nervte, aber zum Schluß
war dann die Luft raus. Wo sie hätten klatschen können, hielten sie sich
zurück und einige flüchteten schon um noch die Straßenbahn zu erwischen oder
als erster an der Garderobe zu stehen. Das finde ich persönlich sehr unhöflich
gegenüber den Sängern und Orchester. Die waren so super und hätten es
verdient, daß man die Straßenbahn wegen ihnen verpasst.
Lady Harriet langweilte sich. Da konnte selbst Lord Tristan
Mickleford, ihr heimlicher Verehrer, nichts machen. Ja, das ist schon ein
furchtbares Leben, den ganzen Tag
nichts
tun und trotzdem im Geld schwimmen!
Lord Tristan versuchte sie mit Geschenken aufzumuntern, was aber nicht so
richtig gelang. Milko Milev sang und spielte den Lord hervorragend. Seine Perücke
war zwar etwas merkwürdig, aber passte zu denen der Hofdamen. Die Kostüme und
Maske waren ok. Nur Nancys kariertes Kleid fand ich nicht so passend. Es war
zwar sehr hübsch und stand ihr sehr gut, aber stach aus den anderen Kostümen
zu sehr raus. Da schien selbst Lady Harriet blass dagegen aus. Kathrin Göring
gefiel mir übrigens sehr gut als Nancy. Sie spielte so überzeugend und echt.
Es war ein Genuss ihr zuzuschauen.
Lady Harriet und ihre Vertraute Nancy überlegten sich also
sich als Bauernmädchen, Martha und Julia, zu verkleiden um auf dem Markt ihre
Dienste anzubieten. Sie dachten, daß das doch ein
nettes
Spiel wäre und machten sich über Konsequenzen keine Gedanken. Ich fand auch,
daß das ein nettes Spiel werden könnte und war auf die Konsequenten
gespannt.
Mit dem zweiten Aufzug kam die Marktszene. Das Bühnenbild
war klasse und der Chor sang wunderbar diese schönen bekannten Melodien. Eine
Schar Mägde zog lachend und singend zum Richmonder Markt. Die Idee sie durch
die erste Reihe gehen zu lassen fand ich sehr gut und die Stimmern waren herrlich.
Eine schöne Melodie. Nur die Kostüme fand ich ein wenig albern. Ich glaube
nicht, daß jemand ihre Dienste in Anspruch nehmen würde bei diesem
"schrillen" Outfit.
Natürlich kamen die beiden "Neuen" sehr gut an bei den Bauern und
landeten natürlich bei Lyonel und Plumkett, den reichen Pächtern.
Und natürlich verlieben sie sich ineinander - seufz.
Lyonel hat es am Schlimmsten erwischt. Er schien auch ein bißchen feinfühliger
als Plumkett, der ein ganz robuster Kerl war. Lyonel hatte eine sehr schöne
Stimme.
Leider weiß ich nicht, ob sie zu Jens-Klaus Wilde oder Marko Kathol gehörte.
Sorry dafür. Falls es jemand weiß, bitte ich mir
die Information
zukommen
zu lassen, damit ich das hier genauer schreiben kann. Ich denke, es war
Jens-Klaus Wilde.
Naja, jedenfalls passten Lyonel und Enu Yee You sehr gut zusammen und die
Stimmern waren herrlich.
Genauso gut passten auch Kathrin Göring und Olaf Plassa zusammen.
Plumketts Kostüm und Maske gefielen mir auch sehr gut. Der Zopf war klasse. Er
hatte auch eine schöne Stimme und eine wunderbare schlanke Figur. Sein bester
Part war das Porterlied: "Laßt mich Euch fragen". Hurra dem
Porter Bier ;-) Dem stimme ich bei. Bier ist doch ein herrliches Getränk.
Im dritten Aufzug sollten die beiden Damen auf dem Bauernhof
arbeiten. Das war natürlich zu viel für solch zarte Wesen und sie flüchteten
mit Hilfe von Tristan. Den Herren gefiel das überhaupt nicht, so frisch
verliebt, wie sie waren. "Martha, Martha Du entschwandest.....".
Seufz - ist das nicht schön. Warum passiert mir eigentlich so etwas nie?!?
Jaja, manchmal glaube ich eben noch an Märchen und bin hoffnungslos
romantisch.....
Dann folgte die Jagdszene im Wald. Das Bühnenbild hier gefiel mir sehr gut. Ich fand, das war das beste der ganzen Aufführung. Die hohen Bäume - uhh, richtig unheimlich.
Hier sehen sie sich die Liebenden wieder und nach vielem
hin und her finden sie natürlich auch zusammen. Also Ende gut, alles gut. Die
Liebe siegt immer!
Flotows Musik ist durch den starken Orchestereinsatz sehr mitreißend und fast
jedes Lied ein Ohrwurm. Ich mag die Oper immer noch und kann sie nur jedem
empfehlen. Mein Abend war sehr gelungen. Vielen Dank dafür an alle, die dazu
beigetragen haben.
Eure Jana.