Martha - Friedrich von Flotow

"...... Letzte Rose, wie magst du so einsam hier blühn?" Wer kennt diesen wunderbFriedrich von Flotow (1812-1883)aren Ohrwurm nicht. Ich kann ihn gar nicht oft genug hören. Darum kam mir "Martha" zu Weihnachten gerade recht. Eine so romantische Liebesgeschichte - seufz - ja, das konnte ich jetzt gebrauchen.
Thomas Moore (1779-1852)Ein schönes altes Lied (...der irische Dichter Thomas Moore schrieb den Text dazu, aber die Melodie ist noch viel älter...) eingebaut in diese wunderschöne, romantische Oper von Friedrich von Flotow. 
Die CD dazu habe ich schon ewig, aber gesehen habe ich sie jetzt das erste Mal. Ich fand, es war eine nette Idee den Abend dieses 25. Dezembers in der Oper zu verbringen. 

"Martha" wurde von der Oper Leipzig inszeniert und aufgeführt in der "Musikalischen Komödie" im Haus Dreilinden in Leipzig. Dort war ich noch nie und ich war gespannt, wie es wohl sein würde. Wir kamen von Halle über die Lützener Straße und nach ein bißchen Suchen fanden wir das Gebäude in der Musikalische Komödie/ Haus Dreilinden (Quelle: Homepage der Oper Leipzig)Dreilindenstraße. Eigentlich war es nicht zu übersehen, da herrlich beleuchtet. Trotzdem hätten sie es für uns Auswärtige ein bißchen besser ausschildern können.
Das Gebäude gefiel mir sehr gut von außen. Es war nicht sehr groß und erinnerte an "alte Zeiten" und irgendwie ein bißchen an die Londoner Theater.  
Da wir sehr zeitig losgefahren waren, und sofort einen Parkplatz fanden, hatten wir noch Zeit vorher etwas zu essen. Wir brauchten nicht lange zu suchen, denn gleich nebenan war die "Komödianten Klause". Ein sehr gemütliches Restaurant, oder eher Kneipe, und so schön passend zur "Musikalischen Komödie". Überall hingen Bilder und Plakate alter Aufführungen an der Wand. Hier und da ein Musikinstrument. Der Kellner mit Ohrring - alles erinnerte an Komödianten und Zigeuner. Es gefiel mir wirklich sehr gut. Man fühlte sich in alte Zeiten zurückversetzt. Das EssMusikalische Komödie (Quelle: Homepage Oper Leipzig)en war rustikal und wohlschmeckend.  Ich fühlte mich sehr wohl dort und werde sicherlich noch öfter hingehen. 
Eine Stunde konnten wir die Atmosphäre genießen und dann gelangten wir durch einen Durchgang von der Kneipe zur Garderobe. 
Das Foyer gefiel mir auch gut. Es erinnerte wirklich an "alte Zeiten". Irgendwie ist mir das ganze Gebäude gleich sympathisch gewesen. Alles schien so familiär und es war angenehm hier zu sein. Die Menschen um uns herum waren gut angezogen und schienen zufrieden. 
Es herrschte ein ganz schönes Gedränge an der Garderobe. Ich hätte nicht gedacht, daß es so voll werden würde und in der Tat, es waren alle Plätze ausverkauft. 
Diesmal saß ich in Reihe 2, leider aber ganz außen.  Das nächste Mal muß ich wegen Christian Hornefder Plätze besser aufpassen. Ich habe zwar trotzdem gut gesehen, sitze aber sonst lieber weiter in der Mitte. 

Wir waren etwas spät dran und das Orchester schon anwesend. Die musikalische Leitung hatte Roland Seiffarth, aber diesmal dirigierte Christian Hornef. Es spielte das Orchester der "Musikalischen Komödie".... und wunderbarer Weise war hier der Orchestergraben nicht so niedrig. So, daß man es gut sehen konnte.  
Jetzt brauchte ich mich nur noch zurücklehnen und die Oper genießen, alles war perfekt. 

Das Bühnenbild für den ersten Aufzug war ein bißchen spartanisch, passte aber doch ganz gut. Es erschien mir, wie eine lange, marmorne Halle mit hohen Wänden und Staturen. Enu Yee YouEine sehr kalte Atmosphäre in deren Mitte Lady Harriet Durham weilte oder sich langweilte. 
Enu Yee You sang Lady Harriet mit einer sehr schönen Stimme. Ich fand, daß sie auch sehr gut spielte. Ihre Ausstrahlung und Mimik gefielen mir. 
Ich fand, daß die ganze Inszenierung sehr gut gelungen war. Natürlich hatten sie auch hier ein paar alberne Einlagen, die mir natürlich nicht gefielen. 
Ich frage mich, warum sie solch ein Quatsch, wie Tristan mit Hornbrille und Tirolerhütchen immer einbauen müssen. Die Zuschauer sehen schon genug Blödsinn im Fernsehen, daß muß man nicht auch in der Oper haben. Darum gehe ich ja in die Oper oder ins Theater, weil ich das Fernsehprogramm nicht mehr ertragen kann.  Aber gut, es hielt sich in Grenzen und das Publikum freute sich bei jeder lächerlichen Einlage. Wahrscheinlich bin ich da irgendwie nicht normal. Mein Nachbar z.B. schnaufte permanent, sogar an Stellen, die nun wirklich nicht lustig waren. Der schien das auch zu mögen und mir ging es auf die Nerven. Ich wünsche mir das nächste Mal bitte einen Nachbarn, der leise Lachen kann ;-). 
Das Publikum hier war sowieso ein bißchen merkwürdig. Sie klatschten nach jeder kleinsten Atempause der Sänger, was mich auch nervte, aber zum Schluß war dann die Luft raus. Wo sie hätten klatschen können, hielten sie sich zurück und einige flüchteten schon um noch die Straßenbahn zu erwischen oder als erster an der Garderobe zu stehen. Das finde ich persönlich sehr unhöflich gegenüber den Sängern und Orchester. Die waren so super und hätten es verdient, daß man die Straßenbahn wegen ihnen verpasst.

Lady Harriet langweilte sich. Da konnte selbst Lord Tristan Mickleford, ihr heimlicher Verehrer, nichts machen. Ja, das ist schon ein furchtbares Leben, den ganzen Tag Enu Yee You und Kathrin Göringnichts tun und trotzdem im Geld schwimmen! 
Lord Tristan versuchte sie mit Geschenken aufzumuntern, was aber nicht so richtig gelang. Milko Milev sang und spielte den Lord hervorragend. Seine Perücke war zwar etwas merkwürdig, aber passte zu denen der Hofdamen. Die Kostüme und Maske waren ok. Nur Nancys kariertes Kleid fand ich nicht so passend. Es war zwar sehr hübsch und stand ihr sehr gut, aber stach aus den anderen Kostümen zu sehr raus. Da schien selbst Lady Harriet blass dagegen aus. Kathrin Göring gefiel mir übrigens sehr gut als Nancy. Sie spielte so überzeugend und echt. Es war ein Genuss ihr zuzuschauen. 

Lady Harriet und ihre Vertraute Nancy überlegten sich also sich als Bauernmädchen, Martha und Julia, zu verkleiden um auf dem Markt ihre Dienste anzubieten. Sie dachten, daß das doch ein Milko Milev (Quelle: Homepage Oper Leipzig)nettes Spiel wäre und machten sich über Konsequenzen keine Gedanken. Ich fand auch, daß das ein nettes Spiel werden könnte und war auf die Konsequenten gespannt. 

Mit dem zweiten Aufzug kam die Marktszene. Das Bühnenbild war klasse und der Chor sang wunderbar diese schönen bekannten Melodien. Eine Schar Mägde zog lachend und singend zum Richmonder Markt. Die Idee sie durch die erste Reihe gehen zu lassen fand ich sehr gut und die Stimmern waren herrlich. Eine schöne Melodie. Nur die Kostüme fand ich ein wenig albern. Ich glaube nicht, daß jemand ihre Dienste in Anspruch nehmen würde bei diesem "schrillen" Outfit.
Natürlich kamen die beiden "Neuen" sehr gut an bei den Bauern und landeten natürlich bei Lyonel und Plumkett, den reichen Pächtern. 
Und natürlich verlieben sie sich ineinander - seufz. 
Lyonel hat es am Schlimmsten erwischt. Er schien auch ein bißchen feinfühliger als Plumkett, der ein ganz robuster Kerl war. Lyonel hatte eine sehr schöne Stimme. 
Leider weiß ich nicht, ob sie zu Jens-Klaus Wilde oder Marko Kathol gehörte. Sorry dafür. Falls es jemand weiß, bitte ich mir die Information Olaf Plassa (Quelle: Homepage Volkstheater Rostock)zukommen zu lassen, damit ich das hier genauer schreiben kann. Ich denke, es war Jens-Klaus Wilde. 
Naja, jedenfalls passten Lyonel und Enu Yee You sehr gut zusammen und die Stimmern waren herrlich. 
Genauso gut passten auch Kathrin Göring und Olaf Plassa zusammen.  Plumketts Kostüm und Maske gefielen mir auch sehr gut. Der Zopf war klasse. Er hatte auch eine schöne Stimme und eine wunderbare schlanke Figur. Sein bester Part war das  Porterlied: "Laßt mich Euch fragen". Hurra dem Porter Bier ;-) Dem stimme ich bei. Bier ist doch ein herrliches Getränk.

Im dritten Aufzug sollten die beiden Damen auf dem Bauernhof arbeiten. Das war natürlich zu viel für solch zarte Wesen und sie flüchteten mit Hilfe von Tristan. Den Herren gefiel das überhaupt nicht, so frisch verliebt, wie sie waren. "Martha, Martha Du entschwandest.....".
Seufz - ist das nicht schön. Warum passiert mir eigentlich so etwas nie?!? Jaja, manchmal glaube ich eben noch an Märchen und bin hoffnungslos romantisch.....

Dann folgte die Jagdszene im Wald. Das Bühnenbild hier gefiel mir sehr gut. Ich fand, das war das beste der ganzen Aufführung. Die hohen Bäume - uhh, richtig unheimlich. 

Hier sehen sie sich die Liebenden wieder und nach vielem hin und her finden sie natürlich auch zusammen. Also Ende gut, alles gut. Die Liebe siegt immer!
Flotows Musik ist durch den starken Orchestereinsatz sehr mitreißend und fast jedes Lied ein Ohrwurm. Ich mag die Oper immer noch und kann sie nur jedem empfehlen. Mein Abend war sehr gelungen. Vielen Dank dafür an alle, die dazu beigetragen haben.

Eure Jana.