Quelle: Programmheft GewandhausGROSSES CONCERT

Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 6 a-Moll

Vor ein paar Tagen, abends vor dem PC, dachte ich, man könnte mal wieder in ein Konzert gehen. Beethoven wäre nicht schlecht. Den höre ich am liebsten. So etwas, wie das 5. Klavierkonzert - wunderbar! Also was liegt näher als beim Gewandhaus der Bach-Stadt nachzusehen, was sie im Programm haben - hatte letztens flüchtig irgendetwas von Beethoven dort gelesen. 
Und prima, es gab ein Konzert: Beethoven-Zyclus 6. Naja, es sind nicht meine Lieblingsstücke (1. Sinfonie C-Dur op. 21 und 8. Sinfonie F-Dur op.93), aber auch nicht schlecht :-). 
Nicht so prima, es war alles ausverkauft :-(. Typisch, warum fiel mir das auch wieder so spät ein.  - Was soll's, aus lauter Frust habe ich noch ein bißchen umhergesucht und Mahler gefunden. Ja, der ist auch nicht schlecht und dann auch noch die "Tragische" 6. - wie passend. Wer macht sich da wieder lustig über mich....grrrr. Ok, wenn sie mich schon so mit der Nase drauf stülpen, dann eben Mahler und für das nächste Mal sollte ich wohl beizeiten planen und nicht immer solche sprunghaften Entscheidungen treffen. Aber gut, Mahler ist auch nett. Ich mag seine 2. ganz gern. Mal sehen, wie die 6. wird.

Somit bin ich am 26. Juni nach ein paar Stunden zurechtmachen - uhhhh, sahen wir wieder gut aus in unserem Konzertoutfit - ins Auto gesprungen und rüber nach Leipzig gefahren. Ist ein Katzensprung von Halle aus, aber ich bin wie immer trotzdem viel zu früh losgefahren. Das heißt, wie immer eine Stunde zu zeitig da. Aber macht nix, so konnte ich vorher noch etwas essen, damit mir nicht wieder der Magen knurrt. Das ist immer so unpassend bei solchen Veranstaltungen. Allerdings ist dies nicht verboten. Steht jedenfalls nicht im Programm ;-). Da sollte man nur störende Geräusche der mitgebrachten elektronischen Geräte vermeiden. Ich will doch stark hoffen, daß sie damit ein Handy meinen!!! 

Also fix in der Tiefgarage auf dem Augustus Platz eingeparkt. Sie haben da ganz gute Frauenparkplätze. - NEIN! Die sind nicht breiter!!! Nur näher an der Tür, damit Frau flüchten kann, wenn es gefährlich wird ;-). Und Frau nutzt das natürlich schamlos aus, da diese Parkplätze eben näher sind - Oh wie gut, daß man Frau ist - herrliche Privilegien :-)) .... aber ein bißchen breiter wäre trotzdem auch ganz nett. 
Die Tiefgarage ist gleich unter dem Gewandhaus und der Oper und man bekommt eine Ermäßigung, allerdings sollte man nicht früher als 1 1/2 h vor Konzertbeginn da sein. Also nix mit günstigem Einkaufsbummel vor dem Konzert. Da für Frau ja nie und nimmer 1 1/2 h ausreichend sind. 
Gleich gegenüber dem Gewandhaus ist eine Art Italiener. Günstig gelegen - alles voll Rentner - aha, Konzertbesucher. Was bin ich nur abnormal - geht denn niemand in meinem Alter ins Konzert?!?  
Es war noch ein Tisch frei und ich entschied mich für Nudeln mit Lachs - habe ich Euch schon gesagt, daß ich ein Nudel-Fan bin? - Lecker.Quelle: Homepage Gewandhaus
Nachdem die Kellnerin ein paar mal mit meinem Bier an mir vorbei gelaufen ist, hat es letztendlich doch seinen Weg gefunden - Prost! - und das Dinner kam prompt darauf und auf direktem Wege. 


Da ich ja einen verwöhnten Gaumen habe und mich mit Nudel und Lachs auskenne, beschloß ich das nächste Mal einen Salat zu bestellen.

Vom Restaurant aus konnte ich mir noch einmal in Ruhe das Gewandhaus ansehen. Mir ist vorher nie aufgefallen, daß es so hässlich ist. Ich nehme alles zurück, was ich über unsere Händelhalle gesagt habe - die ist ein Schmuckstück dagegen. Vielleicht liegt es aber auch daran, daß ich diesen 70er Jahre Baustil nicht ausstehen kann - FURCHTBAR!!! Schade, daß das alte Konzerthaus während des Krieges zerstört wurde. Na wenigstens haben sie noch die Oper auf der anderen Seite. Die sieht sehr gut aus. Gott sei Dank hat die Außenansicht des Gebäudes nichts mit der Qualität der Klänge innen zu tun. Die sind nämlich sehr gut. Da haben sie das wieder rausgeholt, was sie außen versaut haben.

Leider waren für das Konzert auch nicht mehr viele Plätze frei und somit mußte ich mit der Orgelempore vorlieb nehmen. Eingang K - der ist dort, wo man eigentlich keinen Eingang mehr vermutet. Aber immerhin kommt nach der Reihe 6 noch eine Reihe 7.... 

und man muß ja auch nicht das Orchester von vorn sehen. Dafür hatte ich einen schönen Blick auf den Dirigenten. Ich konnte genau sehen, wann die Einsätze der verschiedenen Instrumente waren und in welcher Lautstärke. Das konnte man am Gesichtsausdruck erkennen. Dirigiert hat Herbert Blomstedt. Er wurde in den USA geboren und studierte Dirigieren in New York an der Juilliard School of Music. Als ich seine Kurzbiographie im Programm las, dachte ich, was für ein busy life und habe gerechnet, wie alt er wohl sein müsste, bei so vielen Erfahrungen. Das hat mich wirklich beeindruckt. 
Mit Beginn der Saison 1998/99 übernahm er als Nachfolger von Kurt Masur die Leitung des Gewandhausorchesters.
Es ist schön, daß die Wahl auf ihn fiel. Somit können wir seine Erfahrungen voll und ganz genießen und es war eine Ehre, in der Orgelempore zu sitzen und ihn beobachten zu dürfen.

Das Konzert fing genau nach meinem Geschmack an und den ersten Satz fand ich dann auch am besten. Er gefiel mir so gut, daß ich schon überlegte, mir eine CD zu kaufen - wunderbare Musik. Ich glaube, ich mag tragische Musik. Ich habe mir gedanklich auf die Schulter geklopft, daß ich auf die Idee kam, das Konzert zu besuchen. Es hat sich wirklich gelohnt. Life klingt eben immer noch besser als Konserve. Das Orchester war spitze - eigentlich völlig klar - es ist ja nicht umsonst so bekannt. Man sollte sich also nie vom äußeren Anschein des Gebäudes täuschen lassen. Der Klang im Inneren war erstklassig. Schade, daß es nur 80 min ging. Die beiden mittleren Teile waren mir ein bißchen zu ruhig. Ich bin für das Kraftvolle. Aber der Schluß war wieder meine Musik. Ich bin schon immer zusammengezuckt, als der Dirigent zum Schlag ausholte. Der Blick von der Orgelempore war letztendlich doch klasse, man wusste genau was kam, wenn man den Dirigenten im Blick hatte. Er hat mich richtig mitgerissen. Ich hätte sofort mitspielen können. Trotzdem werde ich das nächste Mal versuchen, Plätze auf der anderen Seite zu bekommen. Hätte doch auch gern mal das Orchester von vorn gesehen.

Zusammenfassend möchte ich sagen, daß das Konzert perfekt war und ich jedem einen Besuch im Gewandhaus empfehlen möchte. Und wenn Herbert Blomstedt dirigiert, ist sogar ein Platz in der Orgelempore ein Erlebnis. Vielen Dank an Orchester und Dirigent für diesen gelungenen Abend.

Eure Jana.