Luther
Es hat lange gedauert,
aber letztendlich habe ich es doch geschafft mir diesen Film anzusehen.
Immerhin
noch die vorletzte Vorstellung. Leider im CinemaxX,
da das Capitol in
Halle den Film diese Woche nicht mehr spielte. Jetzt ist ihr Programm
vollständig mit "Herr der Ringe" ausgefüllt. Nagut, der Film wird
sicherlich auch eine Menge Kohle einfahren.
Ich mag das Capitol, weil es so schön alt ist und nicht so riesig. Ich finde,
es ist schade, daß sie die vielen kleinen Kinos geschlossen haben. Das Urania
70 wäre z.B. ren
ovierungs wert. Sie versuchen es irgendwie als Kulturhaus
am Leben zu erhalten, aber das ist bestimmt nicht einfach. Als Kind war ich da
oft drin und ich fand, es war ein großartiges Kino. Vor allem das erste, was 70
mm Filme abspielen konnte - daher auch der Name "Urania 70". Ich hoffe
wirklich von ganzem Herzen, daß die das alte Urania wieder in Ordnung bringen
und ich mir dort wieder Filme ansehen kann. Ein Clubkino wäre doch mal nicht
schlecht, wo auch Filme im Originalton gespielt werden. Nicht den Mist, den sie
überall bringen. Wir bräuchten mal etwas Besonderes. Es gibt viele gute Filme.
Es muß nicht immer dieser Hollywood Kram sein. Ich könnte mindestens ein
Dutzend Independent Filme aufzählen, die mehr als sehenswert sind.
Eigentlich wollte ich
mir "Luther" schon letzte Woche ansehen, aber dann hatte
ich wegen der bevorstehenden Prüfung doch Gewissensbisse und darum ist es
gestern nun doch das Cinemaxx geworden. Diesmal auf kostenfreien Parkplatz und
nicht im überteuertem Parkhaus des Charlottenviertels. Klar, das wird ja von
der HAVAG, unserem
Straßenbahnverein, betrieben. Die wollen natürlich lieber Umsätze mit Ihrer
Straßenbahn machen und wenn sich schon ein Autofahrer in die Stadt traut dann
soll er auch gewaltig dafür blechen.
Das CinemaxX ist im
Charlottencenter, eine der größten Fehlinvestitionen
hier in Halle. Sehr schade - ein hübsches Gebäude aber leider nichts los dort.
Wahrscheinlich kann sich kein Ladenbesitzer die Mieten leisten und außerdem ist
es zu weit weg vom Schuss und das Parkhaus für potentielle Kunden viel zu
teuer. Für das Kino mit ein
paar Restaurants ist es ganz günstig, aber sonst
kann man es vergessen. Man kommt sich dort richtig einsam vor.
Die Kinosäle sind sehr gemütlich. Bei uns waren es schöne rote Sessel. 5
Minuten vor Beginn suchten wir uns ein gemütliches Plätzchen in der Loge und
das war ein großer Fehler. Nein, natürlich nicht die Loge, sondern die Zeit.
Wir waren viel zu zeitig da und mussten und dadurch 30 Minuten Reklame
aufzwingen lassen. Ich
denke das nächste Mal werde ich eine halbe Stunde
später kommen. Popcorn gab es keins, da meine Kollegin und ich auf Diät sind -
wie immer. Somit vertrieben wir uns die Zeit mit
Unterhaltung.
Pünktlich
20:30 Uhr fing der Film dann auch an. Regie führte Eric Till mit erstklassiger
Besetzung: Sir Peter Ustinov als Friedrich der Weise, einen Besseren hätten sie
für die Rolle nicht finden können. Uwe Ochsenknecht als Papst ließ uns zwar
sehr schmunzeln, aber er spielte seine Rolle hervorragend und vor allem er sah
auch fast so aus wie Leo X. Dann natürlich der kleine Bruder - Joseph Fiennes. Er hat mir sehr gut gefallen in dieser Rolle - naja, vielleicht
ein
bißchen
zu dünn für
Luther, aber sonst ok.
Der gute Martin Luther gehört
ja irgendwie zu uns in den Osten. Geboren in Eisleben - hier gleich um die Ecke -
und gewirkt
als Doktor der Theologie in Wittenberg, auch gleich um die Ecke. Unsere Uni
trägt sogar seinen Namen: "Martin
Luther Universität" in Halle, kurz MLU. Eine sehr schöne Uni, finde
ich. Nur leider fällt auch hier vieles der Sparmaßnahmen zum Opfer. Jetzt
basteln sie schon am Fall der Geowissenschaften, was ich sehr schade und
eigentlich eine Frechheit finde. Wo es hier um Halle so viele interessante
geologische Erscheinungen gibt. Als alter Mineralienfreund und -sammler wird mir
wirklich schlecht, bei diesem Gedanken. Halle, Eisleben und Ungebung - alles
Bergbau und dann wollen sie diese Richtung dicht machen. Ich hoffe sehr, daß es
nicht d
azu
kommen wird!!!
Über Martin Luther gibt es sehr viel zu erzählen. Es war eigentlich völlig unmöglich die ganze Geschichte in diesem kleinen Filmchen unterzubringen. Somit schien es mir im Film auch ein bißchen sehr gedrängt. Sie hatten einen guten Querschnitt und alles Wichtige dabei: den Thesenanschlag, Gutenbergs erste Drucke und auch die Bibelübersetzung. Aber alles nur angeschnitten und wenn man nicht aufpasste, konnte es passieren, daß man das Wichtigste verpasste. Trotzdem fand ich den Film klasse. Es hat sich wirklich gelohnt ihn anzusehen. Kann man nur empfehlen und wer einiges genauer wissen möchte, kann hier nachlesen: www.Luther.de und hier über Gutenberg und seine bahnbrechende Erfindung: www.gutenberg.de.
Die Schauspieler waren sehr gut ausgewählt. Bruno Ganz als Johann von Staupitz gefiel mir genauso gut in seiner Rolle, wie Benjamin Sadler als Georg Spalatin. Ich glaube, so hätte man sich die Herren auch vorgestellt. Jonathan Firth, wieder ein kleiner Bruder, war auch sehr passend als Girolamo Aleander. Immer dieser neidische Blick - herrlich.
So, für heute muß ich erst mal Schluss machen. Morgen früh sehr zeitig geht es ab nach London. Da sollte ich doch noch ein wenig schlafen......