Luther

Es hat lange gedauert, aber letztendlich habe ich es doch geschafft mir diesen Film anzusehen. Capitol in Halle (Quelle: Homepage Capitol)Immerhin noch die vorletzte Vorstellung. Leider im CinemaxX, da das Capitol in Halle den Film diese Woche nicht mehr spielte. Jetzt ist ihr Programm vollständig mit "Herr der Ringe" ausgefüllt. Nagut, der Film wird sicherlich auch eine Menge Kohle einfahren. 
Ich mag das Capitol, weil es so schön alt ist und nicht so riesig. Ich finde, es ist schade, daß sie die vielen kleinen Kinos geschlossen haben. Das Urania 70 wäre z.B. ren
Urania 70 in Halle (ca. 1978)ovierungs wert. Sie versuchen es irgendwie als Kulturhaus am Leben zu erhalten, aber das ist bestimmt nicht einfach. Als Kind war ich da oft drin und ich fand, es war ein großartiges Kino. Vor allem das erste, was 70 mm Filme abspielen konnte - daher auch der Name "Urania 70". Ich hoffe wirklich von ganzem Herzen, daß die das alte Urania wieder in Ordnung bringen und ich mir dort wieder Filme ansehen kann. Ein Clubkino wäre doch mal nicht schlecht, wo auch Filme im Originalton gespielt werden. Nicht den Mist, den sie überall bringen. Wir bräuchten mal etwas Besonderes. Es gibt viele gute Filme. Es muß nicht immer dieser Hollywood Kram sein. Ich könnte mindestens ein Dutzend Independent Filme aufzählen, die mehr als sehenswert sind.

Eigentlich wollte ich mir "Luther" schon letzte Woche ansehen, aber dann hatte ich wegen der bevorstehenden Prüfung doch Gewissensbisse und darum ist es gestern nun doch das Cinemaxx geworden. Diesmal auf kostenfreien Parkplatz und nicht im überteuertem Parkhaus des Charlottenviertels. Klar, das wird ja von der HAVAG, unserem CinemaxX Halle (Quelle: Homepage CinemaxX)Straßenbahnverein, betrieben. Die wollen natürlich lieber Umsätze mit Ihrer Straßenbahn machen und wenn sich schon ein Autofahrer in die Stadt traut dann soll er auch gewaltig dafür blechen.

Das CinemaxX ist im Charlottencenter, eine der größten Fehlinvestitionen hier in Halle. Sehr schade - ein hübsches Gebäude aber leider nichts los dort. Wahrscheinlich kann sich kein Ladenbesitzer die Mieten leisten und außerdem ist es zu weit weg vom Schuss und das Parkhaus für potentielle Kunden viel zu teuer. Für das Kino mit ein paar Restaurants ist es ganz günstig, aber sonst kann man es vergessen. Man kommt sich dort richtig einsam vor.

Die Kinosäle sind sehr gemütlich. Bei uns waren es schöne rote Sessel. 5 Minuten vor Beginn suchten wir uns ein gemütliches Plätzchen in der Loge und das war ein großer Fehler. Nein, natürlich nicht die Loge, sondern die Zeit. Wir waren viel zu zeitig da und mussten und dadurch 30 Minuten Reklame aufzwingen lassen. Ich Uwe Ochsenknecht & Leo X. denke das nächste Mal werde ich eine halbe Stunde später kommen. Popcorn gab es keins, da meine Kollegin und ich auf Diät sind - wie immer. Somit vertrieben wir uns die Zeit mit Unterhaltung.

Pünktlich 20:30 Uhr fing der Film dann auch an. Regie führte Eric Till mit erstklassiger Besetzung: Sir Peter Ustinov als Friedrich der Weise, einen Besseren hätten sie für die Rolle nicht finden können. Uwe Ochsenknecht als Papst ließ uns zwar sehr schmunzeln, aber er spielte seine Rolle hervorragend und vor allem er sah auch fast so aus wie Leo X. Dann natürlich der kleine Bruder - Joseph Fiennes. Er hat mir sehr gut gefallen in dieser Rolle - naja, vielleicht ein Sir Peter Ustinovbißchen zu dünn für Dr. Martin Luther (1483-1546) Luther, aber sonst ok. 

Der gute Martin Luther gehört ja irgendwie zu uns in den Osten. Geboren in Eisleben - hier gleich um die Ecke - und gewirkt als Doktor der Theologie in Wittenberg, auch gleich um die Ecke. Unsere Uni trägt sogar seinen Namen: "Martin Luther Universität" in Halle, kurz MLU. Eine sehr schöne Uni, finde ich. Nur leider fällt auch hier vieles der Sparmaßnahmen zum Opfer. Jetzt basteln sie schon am Fall der Geowissenschaften, was ich sehr schade und eigentlich eine Frechheit finde. Wo es hier um Halle so viele interessante geologische Erscheinungen gibt. Als alter Mineralienfreund und -sammler wird mir wirklich schlecht, bei diesem Gedanken. Halle, Eisleben und Ungebung - alles Bergbau und dann wollen sie diese Richtung dicht machen. Ich hoffe sehr, daß es nicht dDas "Löwengebäude" der MLUazu kommen wird!!!

Über Martin Luther gibt es sehr viel zu erzählen. Es war eigentlich völlig unmöglich die ganze Geschichte in diesem kleinen Filmchen unterzubringen. Somit schien es mir im Film auch ein bißchen sehr gedrängt. Sie hatten einen guten Querschnitt und alles Wichtige dabei: den Thesenanschlag, Gutenbergs erste Drucke und auch die Bibelübersetzung. Aber alles nur angeschnitten und wenn man nicht aufpasste, konnte es passieren, daß man das Wichtigste verpasste. Trotzdem fand ich den Film klasse. Es hat sich wirklich gelohnt ihn anzusehen. Kann man nur empfehlen und wer einiges genauer wissen möchte, kann hier nachlesen: www.Luther.de und hier über Gutenberg und seine bahnbrechende Erfindung: www.gutenberg.de

Die Schauspieler waren sehr gut ausgewählt. Bruno Ganz als Johann von Staupitz gefiel mir genauso gut in seiner Rolle, wie Benjamin Sadler als Georg Spalatin. Ich glaube, so hätte man sich die Herren auch vorgestellt. Jonathan Firth, wieder ein kleiner Bruder, war auch sehr passend als Girolamo Aleander. Immer dieser neidische Blick - herrlich.

So, für heute muß ich erst mal Schluss machen. Morgen früh sehr zeitig geht es ab nach London. Da sollte ich doch noch ein wenig schlafen......