(Tatsächlich Liebe)

Zur Abwechslung mal ins Kino. Da für mich selten so interessante SacRichard Curtis (Foto by Peter Mountain)hen dabei sind, war ich schon eine ganze Zeit lang nicht mehr im Kino.
Aber diesmal wieder ein neuer englischer Film von Regisseur Richard Curtis. Das interessierte mich schon, da man von ihm nur gute Sachen gewohnt war, wie Black Adder - mein absoluter Favorit in Sachen Comedy, oder auch Mr. Bean,
oder Bridget Jones' Diary, Notting Hill, Four Weddings and a Funeral - also alles herrliche Sachen zum Lachen und immer eine phantastische Cast.

Love Actually ist ja nun ziemlich spät rausgekommen, sicherlich, weil es ein schöner Film zu Weihnachten ist, aber ich dachte schon, ich würde ihn verpassen. Eigentlich war für den Rest des Jahres kein London Trip mehr geplant und ich hätte den Film nicht mehr im Originalton zu sehen bekommen. Das hat mich schon geärgert, denn mit deutscher Synchronisation ist es einfach nicht dasselbe. 

Aber glücklicherweise bekamen wir ein schönes Angebot zu einem Preview mit der interessanten Aussicht, daß der Regisseur auch anwesend sein wird. Na da konnte Frau doch nun wirklich nicht 'nein' sagen. Also dann, fliegen wir mal schnell rüber nach London und gehen ins Kino. Leider hatte ich auch nur zwei Tage, da ich ja immer noch im Lernstress bin. Die Prüfung ist am 22.11.03. Aber ich denke, ich bin ganz gut vorbereitet und ein paar meiner Ausarbeitungen hatte ich für die Wartezeit am Flughafen mit dabei. Und noch etwas Schönes, wir konnten uns dieses Jahr noch einmal treffen. Wir hatten schon bedauert, daß es nicht mehr klappen würde. Bettina & Julie kamen aus Frankreich, Uli aus Frankfurt und ich aus Halle. Herrlich, endlich mal wieder Face to Face Schwatzen, e-mail und Chat ist zwar schön, aber manchmal doch etwas anstrengend und einfach nicht dasselbe. Richtig reden ist doch viel besser! 

Heike MakatschBettina, als Fan englischer Filmkunst, hatte schon lange ein Auge auf diesen Film hier geworfen. Na gut, so ganz englisch ist der Film nicht. Es ist eine "Universal" Produktion mit hauptsächlich englischer Cast und unsere Heike Makatsch aus Deutschland, was mich besonders freute, denn sie ist mir ganz sympathisch.

Treffpunkt war der Empfang im "Tricycle Cinema" in Kilburn/ London. Vom Hyde Hotel zur Paddington Station war es nur ein Katzensprung und trotz Bush-Besuch waren wir schnell mit der Tube in Kilburn. Es ist ein hübsches kleines Kino. Im Moment noch umzingelt von Bauzäunen, aber es gefiel mir trotzdem sehr gut. 
Eine Menge interessanter Menschen waren schon am Empfang und ich fühlte mich hier sofort wohl. Ja, das könnte ein schönes Event werden.
Es war eine Charity Veranstaltung für YCTV (youth culture television). YCTV wurde 1994 gegründet und soll Jugendlichen zu praktischer Erfahrung mit Film und Fernsehen verhelfen. Sie haben einen kurzen Spot darüber gezeigt und ich finde, es ist eine gute Sache. Die Kinder und Jugendlichen gingen mit den Kameras und Mischpulten um wie die Profis. Ja, so etwas hätte mir früher auch Spaß gemacht. 

Wir suchten uns ein gemütliches Plätzchen und schwatzten bei einem Glas Wein, bis das Liam Neeson (Quelle: Love Actually Poster)Screening 19:30 Uhr begann. Wir hatten fantastische Plätze, gleich die dritte Reihe, Mitte und unsere Vorahnung bezüglich des Filmes hatte sich bestätigt. Er war spitze. Soviel gelacht habe ich schon lange nicht mehr im Kino.

LEmma Thompson (Quelle: Love Actually Poster)ove Actually erzählt verschiedene Arten von Liebesgeschichten, gut gewürzt mit intelligentem Humor, brillant in Szene gesetzt und hervorragend gespielt von den Darstellern. Die Besetzung war erstklassig, fast alles englische Top-Schauspieler: Emma Thompson, Keira Knightley, Martine McCutcheon, Bill Nighy, Colin Firth, Liam Neeson, Hugh Grant, Alan Rickman, ganz kurz auch Rowan Atkinson und als deutsche Vertretung Heike Makatsch, die eine Alan Rickman (Quelle: Love Actually Poster)wirklich gute Figur machte, leider aber eine gemeine Rolle hatte. 
Das ganze Szenario begann einige Wochen vor Weihnachten und spielt größtenteils in London. Mir gefiel, wie die einzelnen Geschichten ineinander verknüpft waren. Jede begann für sich allein und fügte sich nach und nach zum Ganzen zusammen. Wirklich nette Geschichten, naja Hugh Grant (Quelle: Love Actually Poster) gut, die mit dem Prime Minister (Hugh Grant) der sich in seine Hausangestellte verliebt, war wohl doch etwas weit hergeholt, aber sie war süß. Am besten gefiel mir Bill Nighy als Sänger und wie er Weihnachten "liebte". Damit erntete der Film schon zu Beginn eine Menge Lacher im Publikum. Das Preview war ausverkauft, aber der Saal war auch nicht sehr groß, ein wirklich hübsches Kino.
Wir haben fast den ganzen Film hindurch gelacht. Einen guten Einsatz hatte auch Rowan Atkinson als Verkäufer zusammen mit HarrMartine McCutcheon (Quelle: Love Actually Poster)y (Alan Rickman) beim Kauf eines Weihnachtsgeschenkes für Harrys Sekretärin - please quickly - damit seine Frau ihn nicht erwischt. Alan Rickmans Gesichtsausdrücke waren goldig und Rowan Atkinson, wie seine Art so ist, verstand wieder nicht, um was es geht.

Daniel (Liam Neeson) hatte mit seinem Stiefsohn zu tun, der sich in eine Amerikanerin verliebte. Hugh Grant tanzt als Prime Minister in Downing Street  10. Ein wunderbarer Rhythmus. Man hätte zu gern mittanzen mögen.
Sarah (Laura Linney) liebt Carl (Rodrigo Santoro) und Carl liebt Sarah. Das ganze Büro weiß es, bloß die beiden trauen sich nicht. Und als es dann endlich - nach 2 Jahren - klappte, klingelt ihr Telefon - oh man, ich hätte es sofort getötet.
Dann bekam man zu sehen, wie es beim Dreh eines Sex-Filmes abläuft. Das erhielt wieder eine Menge Lacher.
Collin Firth & Lúcia Moniz (Photo by Peter Mountain) Und so richtig romantisch war die Story um Aurelia ( Lúcia Moniz) und Jamie (Colin Firth). Ja, Männer, das ist Liebe, die Frau sich wünscht. Da staunt Frau, was Mann alles vollbringen kann, wenn er nur will.

In den meisten Fällen gab es natürlich ein Happy End und ich und das Publikum waren glücklich darüber. Und bei dem einen Fall, wo es nicht klappte, wurde hinterher der Regisseur ausgequetscht, warum nicht. Tja und so richtig wußte er es wohl selbst nicht - hatte es den Anschein.

Ich fand jedenfalls, das der Film viel zu schnell zu Ende war. Ich hätte stundenlang zusehen können. Es hat mir wirklich Spaß gemacht.

Nach dem Film gab es noch einen kleinen Bonus. Der Moderator erklärte uns, daß der Regisseur noch ein paar Leute von der Crew mitgebracht hat - aber wer glaubt denn daran?!? Wo sie doch einen Abend vorher noch zur Premiere in Paris waren. 
Aber wirklich, sie konnten tatsächlich Martine McCutcheon, Laura Linney,
Lúcia Moniz, Bill Nighy und .....  was für eine Überraschung, schon wieder Alan Rickman, zum Kommen überreden. Er läuft uns letzte Zeit wirklich ziemlich oft über den Weg. 
Es gab eine kurze Q/A Session, wo mir Bettina ein bißchen aushelfen mußte, da sich meine Erinnerung im Moment nur um Finanzierung und Klausur dreht. Hier also ein kurzer Mitschnitt aus Bettinas Gedächtnis:

"Die erste Frage sorgte bei den anwesenden Schauspielern gleich für einige Lacher. Richard Curtis wurde nämlich gefragt, ob er bestimmte Darsteller für den Film im Kopf hatte, die eine Mitwirkung abgelehnt hätten. Bill Nighy tat gleich so, als wolle er beleidigt den Saal verlassen ;-).

Richards Antwort: Er habe sehr lange über den Film nachgedacht, bevor es überhaupt darum ging, Darsteller zu engagieren. Und er hätte unheimliches Glück gehabt, dass fast jeder Schauspieler, an dem er interessiert gewesen wäre, zusagte. Dies wäre natürlich durch die Tatsache erleichtert worden, dass fast alle nur einige Szenen zu drehen hatten und dadurch zeitlich nicht lange an das Projekt gebunden waren. Außerdem hätte bei einem Ensemble Cast keiner alleine einen eventuellen Misserfolg auszubaden gehabt.

Richard wurde dann gefragt, wie es ihm gelungen ist, diese Balance zwischen Romantik und Ernsthaftigkeit zu finden, der den Film nicht schnulzig wirken lässt.

Richard: Er wollte einen Film über alle Arten der Liebe machen, der möglichst realitätsbezogen ist und hat dafür tief in die Kiste eigener Erfahrungen gegriffen. Seine ursprüngliche Fassung war über 3 Stunden lang, und gedreht wurden davon auch mehr als 2 Stunden. Das Endprodukt sähe aber letztendlich ganz anders aus als die Rohfassung. Viele Szenen wären noch umgestellt worden; auch hätten die Schauspieler ihre Vorstellungen von der Entwicklung ihrer Charaktere mit einfließen lassen, und Richard war sehr dankbar für diese Inspiration.

Eine Lady aus dem Publikum wollte wissen, warum einige der Liebesgeschichten im Film kein Happy End fanden bzw. offen blieben?

Richard meinte dazu, dass im reellen Leben Liebensbeziehungen ja auch oft kompliziert sind und nicht alles rosig ist. Da er alle Facetten von Liebe zeigen wollte, gab es eben auch diese eher etwas nachdenklichen, traurigen Aspekte im Film. Curtis gab das Mikro dann weiter an die Schauspieler, deren Geschichten im Film davon betroffen waren.Laura Linney (Quelle: Love Actually Poster)

Laura Linney brachte das Publikum zum Lachen mit dem Satz: "Ich könnte Richard heute noch dafür umbringen, dass Sarahs und Carls Geschichte kein glückliches Ende nahm!" Aber sie kann auch verstehen, dass Sarah innerlich hin- und hergerissen ist, da sie sich für ihren behinderten Bruder verantwortlich fühlt und diesen auch liebt – eine andere Art von Liebe, die schmerzt, aber eben nicht so einfach von sich zu schieben ist.

Alan Rickman nahm das Mikro und äußerte sich zum Dreiecksverhältnis Harry, Karen und Mia: Emma Thompson und er haben mit Richard über ihre Charaktere gesprochen und ein offenes Ende suggeriert. Karen und Harry sind seit vielen Jahren ein Ehepaar, in dessen Beziehung sich die Gewohnheit eingeschlichen hat. Als Harrys neue Sekretärin es drauf anlegt, ihn zu erobern, hat Harry nicht die moralische Stärke, ihr zu widerstehen. Alan findet es aber gut, dass das Thema dezent behandelt und der eventuelle Seitensprung nur angedeutet wird. Auch bleibt am Ende offen, ob Harry und Karen sich wieder zusammenraufen. "Der Zuschauer kann sich sein eigenes Bild machen und die Geschichte weiterdenken, wie er sie selbst gerne sehen würde."

Martine McCutcheon wurde gefragt, wie es war, mit Hugh Grant und dieser tollen Besetzung zu spielen.

Martine meinte, sie war begeistert, aber auch am Anfang etwas eingeschüchtert. Es ist ihr erster Kinofilm und mit so vielen bekannten Schauspielern unter der Leitung von Richard Curtis zu spielen, war phantastisch und wie im Traum. Sie findet Hugh sehr nett und er hätte auf ihre Unerfahrenheit und Nervosität Rücksicht genommen und ihr oft gute Ratschläge gegeben.

Richard Curtis ergänzte dann, dass er sofort an Martine für diese Rolle gedacht hatte. Martine ist ja in der englischen Fernsehlandschaft recht bekannt, da sie in der TV-Serie "Eastenders" mitgespielt hat. Und Richard erzählte eine Episode von seiner Familie, die sich die Serie immer ansah und wie seine Kinder geweint hätten, als Martines Charakter darin gestorben ist. Und dann glücklich waren, sie in einer anderen Serie lebendig wiederzusehen. Martine ist für ihn die perfekte Besetzung der Rolle als Natalie, die eigentlich am Anfang im Film Martine heißen sollte. Als Martine McCutcheon dann allerdings wirklich für die Rolle engagiert wurde, wurde die Tea Lady in Natalie umgetauft.

Bill Nighy (Quelle: Love Actually Poster)Es gab noch eine Frage an Bill Nighy, der ja mit seiner Rolle als total schräger alternder Musiker seinen Kollegen im Film fast die Schau stiehlt. Jemand wollte wissen, wen er als Vorbild gehabt hätte, um die Rolle des Billy Mack so zu spielen. Worauf Bill sagte, er hätte sich auf sein Gefühl verlassen, was Alan Rickman dazu brachte, schmunzelnd zu intervenieren: "Bill spielt wirklich nur sich selbst!" 
Die Beiden scheinen sich gut zu verstehen, und öfter so rumzualbern. Nicht gerade verwunderlich, da sie ja schon einmal eine Komödie zusammen gedreht haben: "Blow Dry.

Als es keine Fragen mehr gab, wurde das Buffet eröffnet. Sie haben alles sehr gut organisiert. Es gab Wein - wie immer- und einiges zu essen. Ich glaube, das war indisch.  Keine Ahnung, wie es geschmeckt hat, ich war irgendwie nicht mehr hungrig nachdem ich von Alan Rickman ein Autogramm bekam und hielt mich lieber am Weinglas fest.
Bettina fand gute Plätze (wie sie das nur immer macht) mit hervorragender "Aussicht". So konnten wir herrlich das Geschehen um die Schauspieler beobachten. Hier muß ich sagen, man sollte es ihnen hoch anrechnen, daß sie nonstop aus Paris zu dieser kleinen Veranstaltung kamen, wobei sie keinen Penny bekamen. Alles ging an YCTV. Den Rest hat Channel 4 gesponsert. Die Londoner sind wirklich groß in Charities. Hochachtung! Also ich wüsste nicht, ob ich nach den Premieren in L.A., München, London und Paris noch Lust hätte, mich von irgendwelchen Leuten ausfragen zu lassen.

Darum vielen Dank meine Damen und Herren und weiterhin viel Erfolg mit Love Actually. Wir haben Eure Charity und den Film sehr genossen und viel gelacht.

Eure Jana