Lotario

Händelfestspiele Halle 2004

 

Basel Barock (Quelle: Programm Händelfestspiele 2004)In London 1729/30 verrissen und dann nie wieder in Europa aufgeführt, brachte sie gestern das Kammerorchester Basel barock und die Händelfestspiele wieder aus der Versenkung in den Konzertsaal und DAS war meiner Meinung nach eine sehr gute Idee. Ich kann hier schon vorweg nehmen, daß ich diese wundervolle Oper sehr genossen habe. Das Orchester war erstklassig und die Stimmen wunderbar. Wirklich schade, daß sie zu den Händelfesspielen nur einmal zur "Aufführung" gebracht wird.

 

(Quelle: Programm der Händelfestspiele 2004)Wie es aussieht, haben sie die Oper das erste Mal in London am Haymarket aufgeführt - na, das wird doch nicht etwa in meinem Lieblingstheater, dem Haymarket, gewesen sein? Ja, ich wußte schon immer, daß das ein tolles Theater ist :-)

 

Der geschichtliche Hintergrund der Oper, laut Programm der Händelfestspiele, ist der Streit um die italienische Krone zwischen Otto I. (912-973) und Berengar von Ivera (um 900 bis 966), Ottos Sieg und seine Hochzeit mit der italienischen Königin Adelaide (um 931 bis 999) im Jahre 951. Wegen der Urheberrechte konnte Händel seinen Helden nicht Ottone nennen und somit kam es zu Lotario - gefällt mir sowieso viel besser.

 

Tja, und wieder geht es um Sehnsucht, unerfüllte Liebe, Rache und Beziehungskrisen. Diese Oper hätte fast ein Shakespeare sein können, wenn es ein Theaterstück geworden und das Libretto nicht von Giacomo Rossi wäre.

Ein bißchen schade, daß sie sie im Stiel eines Konzertes aufführten. Eine Aufführung als richtige Oper wäre noch besser gewesen.  Es war zwar schön in dieser wunderbaren Musik abzutauchen, aber es war auch schwer der Handlung zu folgen, wenn man nicht im Programm mitgelesen hat. Ich hasse es nebenbei mitzulesen, da verschwindet der ganze wunderbare Zauber und man ist nur damit beschäftigt die richtige Zeile zu finden. Sieht wohl so aus, als ob Frau da gut bedient wäre, wenn sie italienisch lernt. .... hmmm, ein Gedanke, der mir gefällt.

(Quelle: Programm Händelfestspiele 2004)Allerdings müßte das dann auch der Rest des Publikums tun, denn Das Mitlesen verursachte jedes Mal unerwünschte Nebengeräusche des im Akkord Umblättern der Seiten. Jedenfalls in den hinteren Reihen. Ich frage mich, ob das nicht auch leiser gegangen wäre. Ich fand sowieso, daß das Publikum in meiner Hörweite diesmal ziemlich unruhig war. Dauernd dieses Knistern mit Bonbonpapier. Man hätte da doch wirklich Bonbons ohne Papier einpacken können. Naja, wenigstens haben sie nicht die Chipstüte ausgepackt.

 

Die Atmosphäre in der Konzerthalle gefiel mir auch nicht ganz so gut. Es ist nicht mehr viel von dem schönen Ambiente einer Kirche erhalten und meiner Meinung nach, stimmte auch irgend etwas mit der Akustik nicht so richtig.

Zu Ostzeiten hat man die Kirche als Konzerthalle umgebaut, aber irgendwie wurde daraus nur eine halbe Sache. Wenn sie schon umbauen, hätten sie vielleicht auch die hinteren Sitzreihen ein bißchen erhöhen können, denn in Reihe 24 hat man so gut wie nichts mehr gesehen, von der Akustik ganz zu schweigen. Aber gut, vielleicht bin ich da nur ein bißchen Ulrichskirche Halle 2004 zu verwöhnt und eigentlich habe ich ja auch keine Ahnung von solchen Dingen.

Leider konnten sie aus Budgetmangel auch nicht mehr die alte Orgel restaurieren und die Konzerthalle bekam eine Neue. Sie sieht nicht schlecht aus, aber die Alte war doch um einiges schöner.

Ich bin nicht kirchlich, aber ich finde es wirklich sehr schade, daß sie zu Ostzeiten die vielen hübschen Kirchen so verwahrlosen und verfallen ließen. Daran haben wir jetzt noch zu knappern. Seufz, und uRomeo Cornelius (Quelle: Programm Händelfestspiele 2004)m die Ulrichskirche tut es mir besonders Leid. Von Außen sieht sie wirklich toll aus.

 

Die Stimmen waren wunderbar. Am besten gefiel mir der Altus von Romeo Cornelius, der den Sohn von Berengario darstellte. Er hatte so eine herrlich klare, kraftvolle Stimme, die in der ganzen Halle der Ulrichskirche erstklassig zu hören war. Der Tenor, Andreas Karasiak, hatte zwar auch eine gute Stimme, aber für meine Begriffe ein wenig zu leise für die Ulrichskirche. Ich saß diesmal ziemlich weit hinten und konnte kaum etwas verstehen.

Lawrence Zazzo (Quelle: Programm Händelfestspiele 2004)Sehr gut fand ich Nuria Rial, die Adelaide sang und Andreas Karasiak (Quelle: Programm Händelfestspiele 2004) Lawrence Zazzo als Lotario. Der Bass, Hubert Claessens, war ok, aber irgendwie bin ich wohl zu sehr durch Gregory Reinhard verwöhnt. Da habe noch nichts Besseres gehört und somit war mir dieser Bass nicht kräftig genug - naja, aber vielleicht lag das auch nur an der Akustik der Ulrichskirche.

 

Annette Markets Stimme gefiel mir ebenfalls. Sie sang die Mathilde, die Gemahlin von Berengario. Und am besten fand ich das Orchester. Sie spielten atemberaubend und diesmal schien auch die Akustik zu stimmen. Der Dirigent, Paul Goodwin, führte sie zackig durch die fast 4 h und ließ keine Müdigkeit aufkommen. Ich hätte noch weitere 4 h dieser Annette Markert (Quelle: Programm Händelfestspiele 2004) wundervollen Musik lauschen können.

Mit besseren Worten, als sie schon im Programm stehen, kann ich es auch nicht beschreiben:

"Händels kraftvolle Musik besticht durch eine besonders Hubert Clarssens (Quelle: Programm Händelfestspiele 2004) sorgfältige polyphone Ausarbeitung und enthält viele melodisch ungewöhnlich prächtige Arien."

Ich fand, es war viel Bewegung in der Musik, das hatte ich bei barocker Musik noch nicht sooft. Schon die Ouvertüre war erstklassig und das Hoch und Tief der einzelnen Arien fand ich wunderbar. Ich würde fast sagen, nach Imeneo ist das meine liebste Händeloper und ich hoffe inständig, daß sie sie auch als Oper aufführen werden. Das könnte ich mir fast zu den nächsten Händelfestspielen wünschen.

 

Auch die Handlung gefiel mir sehr gut. Ich frage mich, warum sie zu Händels Zeiten so schlecht lief. Das muß wohl an der Inszenierung gelegen haben. Die Musik und das Libretto von Giacomo Rossi gefielen mir jedenfalls. Ich finde auch, daß Händel die Stimmen sehr gut zugeordnet hat. Berengario, den Fürst von Spoleto als Tenor, seinen Sohn Idelberto mit dem Ulrichskirche Halle 2004 hohen Altus. Den Heerführer Clodomiro im tiefen Bass - paßt schön zu einem Heerführer. Die schöne Königin von Italien, Adelaide als Sopran und ihre Gegenspielerin, Mathilde, die Gemahlin von Berengario als Alt. Der König von Deutschland, Lotario auch im Altus. Paßt perfekt, genauso hätte ich es auch gemacht. Naja gut, höchstens den König hätte ich ein bißchen tiefer angelegt, da ich ja tiefe Stimmen mag und die mir hier ein bißchen zu kurz kamen ;-)

 

Michael Pacholke hat die Handlung im Programm wie folgt beschrieben. Ich denke, ich tippe den Text ab, da die Ausführlichkeit dieser seltenen Oper sicherlich interessiert. Wenn jemand an dem Libretto aus dem Programm interessiert ist, bitte eine Mail an mich und ich mache gern eine Kopie. Zum Abtippen ist mir das jetzt doch ein bißchen zu viel.

 

Die Handlung also:

I. Akt

1. Szene

In einem Hain von Pavia beklagt sich Berengario über die Last des Herrschens. Sein Sohn Idelberto kommt und bedauert, daß Adelaide, die in Pavia eingeschlossene Königin, seine Liebe zurückwies. Er wirft Berengario vor, Adelaide ihr Reich und den Gatten genommen zu haben. Bertarido will, daß Idelberto beim Sturm auf Pavias Mauern vorangehe. Idelberto hält dagegen, daß er Adelaide liebe. Berengario fordert ihn auf, sich ihm nicht länger zu widersetzen.

 

2. Szene

Clodomiro meldet, daß der deutsche König mit einem großen Heer nahe. Idelberto vermutet, daß Lotario entweder zum Schutze Adelaidas komme oder daß die Siege Berengarios ihn eifersüchtig gemacht hätten.

Berengario fordert Clodomiro auf, daß Heer zum Sturme zu ordnen, denn Pavia müsse sich ergeben, bevor Lotario eintreffe.

 

3. Szene

Mathilde, Berengarios Gattin und Idelbertos Mutter, tritt auf und meldet, daß Verräter in Kürze die Stadttore öffnen würden. Idelberto wirft Mathilde vor, Adelaide durch diesen Betrug all ihrer Güter berauben zu wollen.

Berengario will Idelberto zuliebe Gnade walten lassen.

Ein Herold soll Adelaide Frieden und Herrschaft für den Fall anbieten, daß sie Idelberto heirate. Wenn sie aber ablehne, solle sie Berengarios ewigen Zorn gewiß sein.

 

4. Szene

Idelberto weist Mathilde auf Adelaides Unglück hin.Ulrichskirche Halle 2004 Mathilde erwidert, wenn ihre Familie Italien beherrschen wolle, müsse Adelaide zu Grunde gehen oder Idelberto heiraten. Sie fordert Idelberto auf, Adelaide seine Liebe und den Thron anzutragen. Idelberto will das nicht tun, sondern für Adelaide sterben.

 

5. Szene

In ihrem Thronsaal verkündet Adelaide, ihren von Berengario gemordeten Gatten rächen zu wollen.

 

6. Szene

Ein Krieger tritt ein. Er erklärt Adelaide, an Berengario Rache üben zu wollen und gibt sich als der deutsche König Lotario zu erkennen. Als Lohn erbittet er ihre Liebe.

Sie macht ihm Hoffnung.

 

7. Szene

Berengarios Bote Clodomiro kommt. Er fordert Adelaide auf, zwischen Idelbertos Liebe und Berengarios Zorn zu wählen. Sie erwidert, daß sie nicht an eine zweite Heirat denke, weil sie den ersten Gatten rächen wolle und einem legitimen König ehelichen könne.

Clodomiro rät ihr, das Schicksal nicht länger herauszufordern.

 

8. Szene

Lotario meldet, daß Pavias Volk im Aufruhr sei und dem Feind die Tore öffne. Adelaide gibt sich verloren und fordert Lotario auf zu gehen. Er hingegen will an ihrer Seite sterben.

Wenn er sie liebe, möge er gehen und als glorreicher Sieger heimkehren, ist ihre Antwort.

Lotario will dem feind furchtlos entgegentreten und hat eine Vision seines Sieges.

 

9. Szene

Nach der Eroberung Pavias lassen sich die Sieger auf der Piazza der Stadt vom Volke huldigen. Berengario lobt die Liebe und Treue des Volkes.

 

10. Szene

Adelaide tritt auf. Berengario will ihr einen Gatten, das reich und die Freiheit schenken. Adelaide erwidert, daß die Krone ihr bereits gehöre, und daß sie die Liebe Idelbertos zurückweise, weil es Berengarios Gabe sei.

Clodomiro meldet, daß Lotario bereits am Tessin sei. Berengario, Idelberto und Clodomiro gehen ab. Mathilde behauptet, Adelaide lieber umarmen, als in Ketten legen zu wollen. Adelaide bekennt, unter solcher Großmut mehr als unter Ketten zu leiden. Mathilde meint, es werde sich zeigen, wie stark Adelaides Herz sei. Adelaide will auch im Angesicht des Todes Tapfer sein.

 

II. Akt

1. Szene

Nach der verlorenen Schlacht gegen das Heer Lotarios befindet sich Berengario auf der Flucht.

 

2. Szene

Lotario nimmt Berengario gefangen.

 

3. Szene

Lotario meint, dem Sieg über den Tyrannen werde der Triumph seiner Liebe zu Adelaide folgen.

 

4. Szene

In ihrem Gefängnis wünscht sich Adelaide den Tod, um mit ihrem Gatten vereint zu sein.

 

5. Szene

Clodomiro überbringt Adelaide Geschenke von Mathilde: einen Dolch und einen Krug voll Gift für den Fall, daß sie Idelbertos Anträge zurückweise, ein Zepter und eine Krone für den Fall, daß sie Idelberto heirate.

Adelaide wählt Dolch und Gift.

Clodomiro fordert sie auf, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und geht ab.

 

6. Szene

Adelaide will sich zunächst erdolchen, entscheiden sich dann aber für das Gift, um das gleiche Schicksal wie ihr Gatte zu erleiden. Mathilde kommt hinzu und zeiht Adelaide, ihre Gaben zu mißachten. Adelaide erwidert, daß ihr im Gegenteil das Gift teuer sei. Dann solle sie es jetzt trinken, meinte Mathilde. Als Adelaide das Gift trinken will, kommt Idelberto mit gezogenem Schwert hinzu.

 

7. Szene

Idelberto gibt seine Waffe Mathilde und bietet ihr seine Brust dar, da er zusammen mit Adelaide sterben will. Mathilde fordert ihn auf, sich zu entfernen.

Als Adelaide erneut das Gift trinken will, richtet Idelberto den Dolch auf seine Brust, woraufhin Mathilde Adelaide das gift und Idelberto den Dolch entreißt.

 

8. Szene

Clodomiro bringt schlechte Nachrichten: Berengarios Heer wurde besiegt, und man wisse nichts über Berengarios Schicksal. Mathilde fordert Clodomiro auf, die Verteidiger der Stadt zu ermutigen und ihren Gatten zu suchen.

Ihrem Sohn rät sie ironisch, bei Adelaide zu bleiben, um von der Liebe zu säuseln.

Nachdem sie Adelaide noch einmal bedroht hat, geht Mathilde ab.

 

9. Szene

Adelaide bedauert Idelberto gegenüber, seine Liebe nicht erwidern zu können.

Idelberto entgegnet, diese Glück käme dem Sohn ihrer Feinde ohnehin nicht zu: Wenn sie ihn nur erlaube sie zu lieben, sei er glücklich.

 

10. Szene

Adelaide dankt Gott dafür, daß er ihr im tiefsten Unglück Lotario gesandt und ihren grausamen Feinden einen barmherzigen Sohn geschenkt habe. 

 

11. Szene

Lotarios Heer belagert Pavia. Lotario fühlt seinen Mut von seiner Liebe zu Adelaide bestärkt.

Als Mathilde auf der Stadtmauer erscheint, bietet Lotario ihr an, daß Adelaide angetane Unrecht zu verzeihen, wenn sie diese noch heute freilasse und ihr den thron zurückgäbe.

Wenn sie dies ablehne, werde es zu einem tödlichen Gemetzel kommen. Mathilde läßt Adelaide holen.

 

12. Szene

Clodomiro und die gefangene Adelaide treten auf. Mathilde fordert Lotario auf, sein Heer zurückzuziehen, andernfalls wolle sie Adelaide ermorden. Lotario zögert.

Als Mathilde zustoßen will, ruft Lotario ihr zu, daß ihr Gatte sich in seiner macht befinde.

Mathilde glaubt ihm nicht. Lotario fordert die wachen auf, Berengario zu holen. Er ist unschlüssig, ob er den Rückzug befehlen soll. Adelaide fordert ihn auf, sich von ihrer Gefährdung nicht beeindrucken zu lassen. Lotario ist erschüttert.

 

13. Szene

Idelberto kommt. Er will sein Leben einsetzen, um das Adelaidas zu bewahren. Mathilde zeiht ihn des Verrats. Idelberto stellt sich Lotario so lange als Geisel zur Verfügung, bis Adelaide vor seiner grausamen Mutter sicher sei. Matilde weiß keinen Ausweg mehr. Adelaide erklärt, sie kehre in den Kerker zurück. Lotario erwidert, er bleibe, um ihre Freiheit zu erringen. Adelaide und Matilde gehen ab.

 

14. Szene

Berengario wird herbei geführt. Lotario erinnert ihn daran, daß er Adelaides Gatten Leben und reich genommen habe, und fordert ihn auf, zu Matilde zu gehen und diese zu veranlassen, noch heute Adelaide und die Stadt zu übergeben.

Berengario soll auf einer sofortigen Antwort bestehen und dann zurückkehren, andernfalls wird Idelberto getötet. Berengario meint, das Glück werde Lotario nicht immer hold sein.

 

15. Szene

Lotario läßt Idelberto in sein Zelt bringen und fordert die Seinen auf, zum Sturm auf die Mauern bereit zu sein. Lotario ist voller Siegeszuversicht, zumal er glaubt, das Matilde seine Liebste nicht gefährden werde, da ihr Gatte und Sohn seine Geiseln seien.

 

III. Akt

1. Szene

Berengario ist bei Matilde eingetroffen. Die Wachen bringen Adelaide.

 

2. Szene

Berengario erklärt Adelaide, daß das Schicksal sich gewendet habe und sie nach ihrem Willen über Italien Krieg oder Frieden verhängen könne. Adelaide fragt, was sie tun solle. Sie solle sich mit Lotario vermählen, antwortet Berengario. Dann solle er sofort die Stadttore öffnen, damit Lotario zu ihr kommen könne, erwidert Adelaide. Vor dem Frieden müsse ein Friedensvertrag gemacht werden, meint Matilde.

Sie und Berengario fordern Adelaide auf, von Lotario in einem Brief zu verlangen Freundschaft und frieden mit ihnen zu halten und ihnen ihre Reiche zu lassen. Adelaide weist dieses Ansinnen zurück: Es stehe ihr nicht zu, dem Sieger Vorschriften zu machen. Nur, wenn ihr der Thron zugrückgegeben würde, schrieb sie an Lotario. Andernfalls aber wolle sie in den Kerker zurück. Sie ist zuversichtlich, daß der Streit zu ihren Gunsten ausgehen werde.

 

3. Szene

Berengario und Matilde besprechen ihre ausweglose Situation. Matilde will fest bleiben. Berengario hingegen beginnt, seine Untaten zu bereuen.

 

4. Szene

Matilde hofft, daß Lotarios Schiff noch durch eine Klippe zerbrochen oder von einem widrigen Wind in den Untergang getrieben werde.

 

5. Szene

Im Lager vor Pavia berichtet Lotario, daß Berengario zurückgekehrt sei. Da die unbelehrbare Matilde immer noch sein Mitleid ausnutze, befielt er die Erstürmung der Mauern, die an einer Stelle zerstört werden.

Durch die Bresche sind Clodomiro und Adelaide vor den Soldaten der Stadt zu sehen. Lotario befielt sofort den Angriff zu unterbrechen.

 

6. Szene

Der hinzukommende Idelberto fordert Lotario auf, den Angriff zu unterbrechen. Lotario befielt einer Wache, weiße Fahnen zu entfalten und Berengario in Fesseln zu ihm zu bringen.

Idelberto bittet Lotario den Vater zu schonen und sich mit seinem Blut zu begnügen. Lotario entgegnet, sie würden beide fallen, wenn Matilde Adelaide nicht Adelaide dem Kampfgeschehen entzöge. Die Wachen bringen Berengario.

 

7. Szene

Lotario fordert seine Soldaten auf, Berengario und Idelberto mit bloßer Brust ihren Truppen entgegenzuschicken. Berengario zeiht Lotario der Niedertracht. Lotario entgegnet, seine Niedertracht sei die Antwort auf die Ruchlosigkeit Matildes gegenüber Adelaide. Berengario und Idelberto wollen sich für den jeweils anderen opfern. Lotario entscheidet, daß Idelberto alleine gehen und Adelaide beschützen, dann aber zurückkehren soll. Andernfalls werde sein Vater getötet. Idelberto tritt durch die Bresche und zieht Adelaide zurück.

 

8. Szene

Lotario befielt Berengario wegzubringen, und geht ab.

Berengario erklärt, ein Held würde die grausamen Schicksalsschläge verachten; dann wird er weggebracht.

 

9. Szene

In einem Unterstand nahe der Stadtbefestigung hat sich Clodomiro eingefunden, der die Unbeständigkeit des Schicksals beklagt: Berengario sei gefangen und bald werde Matilde von Lotario, dem Pavia die Tore zu öffnen bereit sei, das gleiche Schicksal erfahren. Lotario nährt sich und fragt Clodomiro, wer er sei. Clodomiro traut es sich nicht zu sagen und äußert sein Vertrauen auf die Milde des Siegers. Der stolze Baum recke sich dem Himmel entgegen und werde schließlich vom Blitz zerstört, ist Clodomiros Fazit.

 

10. Szene

Lotario erhält einen Brief, in dem sich das Volk und die Großen Pavias ihm auf Gedeih und Verderb ausliefern und ihn zum Sieger proklamieren.

Er freut sich auf das bevorstehende Wiedersehen mit Adelaide.

 

11. Szene

In einem prächtigen Saal in Pavia versucht Idelberto Matilde, die sich in den Kampf stürzen will, davon abzuhalten. Er erklärt, er habe Adelaide nicht aus Liebe, sondern aus Vernunft der Gefahr entzogen. Matilde jedoch will selbst über Leben und Tod, Ruhm und Verachtung entscheiden.

Als sie abgehen will, trifft sie auf Clodomiro, der sich zurückhält.

 

12. Szene

Clodomiro berichtet ihr, daß Pavia schon gefallen und die Lage damit hoffnungslos sei. Matilde will nun Adelaide vor Idelbertos Augen töten und befielt den Wachen, sie herzuholen. Nun gesteht ihr Idelberto, daß er Adelaide die Ketten abgenommen habe.

Matilde ist fassungslos und fragt sich, warum sie Idelberto nicht töte. Idelberto entgegnet, wenn es ein Verbrechen sei, einer Unschuldigen zu helfen, möge sie ihn töten, wenn sie aber erkenne, daß er tugendhaft handelte, möge sie ihrem Zorn entsagen.

 

13. Szene

Matilde wird von Kampfesmut und dem Verlangen, Gatte und Sohn zu retten, hin- und hergerissen.

Lotario kommt und will Matilde fesseln lassen. Matilde droht sich umzubringen, wenn man sich ihr nähere.

 

14. Szene

Erst als Berengario hinzukommt und ihr zuredet, wirft Matilde das Schwert weg und läßt sich fesseln.

 

15. Szene

Adelaide tritt auf. Nachdem sie Lotario erklärt hat, zum Lohne seiner Taten die Seine sein zu wollen, bittet sie ihn, die Feine ihr zu überlassen. Lotario gewährt ihr die Bitte.

 

16. Szene

Idelberto und Clodomiro kommen hinzu. Idelberto bittet Adelaide, seine Eltern zu schonen. Adelaide nimmt Berengario und Matilde die Fesseln ab.

Sie verfügt, daß fortan Idelberto anstelle seines Vaters herrschen solle.

Idelberto, Matilde und Berengario preisen die Großmut der Sieger.

Lotario und Adelaide freuen sich ihres Glückes.

Anstelle des Kriegslärms sollen nun die Lieder der Tugend ertönen, erklärt Lotario. Alle meinen, daß Bellona und der Gott der Liebe das Verdienst belohnen sollen, denn regieren dürfe nur, wer gerechtes Verlangen nach großer Tugend zu erwecken wisse.

 

Lotario Halle 2004Na, ist das nicht eine schöne Handlung? Ich liebe Happy Ends! .... und so herrlich romantisch, was die Männer wieder alles für die Frau ihres Herzens tun - grins - ist das nicht ein bißchen sehr weit hergeholt?

 .... und wiedermal hat eine Frau, sanft und behutsam wie immer, die Kohlen aus dem lodernden Feuer des Kampfes geholt, so daß sich die Herren nicht mehr die Köpfe einschlagen konnten. - Allerdings, daß Frau Frau verzeiht ist schon ein bißchen merkwürdig, denn bei den Damen untereinander geht es auch nicht immer friedlich zu. Naja egal - ich fand die Handlung jedenfalls schön und habe es sehr genossen.

 

Was mir überhaupt nicht gefallen hat, war die Einführung durch einen Erzähler am Anfang und vor den einzelnen Akten. Was soll das? Sonst bekommt man bei einer Oper auch keine Einführung zur Handlung. Wir sind doch nicht im Kindergarten! Dafür hat man doch das Programmheft.

Ich konnte ihn auch sehr schlecht verstehen. Er bemühte sich zwar sehr, deutlich zu sprechen, aber es schallte in der Kirchenhalle immer wieder zurück - nee, das war nix.

 

Das mit einem Erzähler hatte ich schon mal, bei einem Konzert in London und da ging es mir schon gewaltig auf die Nerven. Allerdings war es dort noch schlimmer, da er zusätzlich zwischen den einzelnen Sätzen der Sinfonie seine Bemerkungen machte. Grauenvoll, man wurde jedes Mal aus seinen Gedanken gerissen und konnte gar nicht richtig in der schönen Musik abtauchen. Hier haben sie sich wenigstens auf den Anfang beschränkt.

 - Aber gut, wahrscheinlich wollte man, da es ja nun keine richtige Aufführung war, dem Publikum die Handlung so ein wenig näher bringen und der gute Gedanke war die Mutter dieser Idee. Darum sollte ich hier meinen Mund halten und nicht immer über anderer Leute Ideen meckern! Das ist ja für gewöhnlich leicht - selber machen ist da schon schwerer ;-) Darum sorry für meine Meckerei, Euer Konzert war spitze!

 

... übrigens habe ich im Programm gelesen, daß es eine CD bei OehmsClassics (OC 902) von dieser Oper im September 2004 geben wird. Das freut mich sehr und ich werde mir sicherlich ein Exemplar besorgen.

.... und vielen Dank an alle Beteiligten, diese Oper war ein wunderbares Highlight der Händelfestspiele 2004.

 

Eure Jana