Der letzte der feurigen Liebhaber - Neil Simon

 

Programm des nt

"Gott schuf die Welt in alten Zeiten,

zuletzt vom Mensch ein Exemplar

- doch dieses schien schon anzudeuten,

daß Gott ein wenig müde war.

Denn als er nun sein Werk beschaute,

da fehlte dies und fehlte das,

und an dem ganzen Manne taugte

nur 'ne einz'ge Rippe was!

Diese ward ihm rausgenommen

und eine Frau daraus gemacht.

So ist die Frau später zwar gekommen,

jedoch geschaffen mit Bedacht!

Und zu der Frau gerechtem Lobe

erkennt man auf den ersten Blick:

der Mann war nur 'ne kleine Probe,

Frauen aber sind das Meisterstück!

 

 

Ein sehr schöner Einleitungsspruch aus dem Programmheft des Stückes, welchen ich hier sofort geklaut habe. Ich hoffe, das nt verzeiht mir ;-) Als Autor stand "anonym" darunter, aber ich wette, DER kommt von Arthur Schramm.

 

 

An dieser Stelle sollte ich bemerken, daß mir die Programmhefte des nt immer sehr gut gefallen.... aber diesmal fand ich es ein bißchen frech, meine Herren ..... ich möchte bitte nicht in den Kanal gestoßen werden! Frau hat ganz schön zu tun, um sich fit zu halten und Mann ist auch nicht immer das "Gelbe vom Ei". Ihr braucht Euch gar nicht zu beschweren. Frau findet Bierbäuche und Zigarettengeruch auch nicht gerade anziehend und zu dick aufgetragenes Aftershave haut sie im wahrsten Sinne des Wortes von den Socken... und wo ist die Höflichkeit geblieben? Bei manch einem Benehmen, würde Frau freiwillig in den Kanal springen ... 

Aber keine Panik, meine Herren, Frau ist natürlich bemüht gut auszusehen. Darum dauert es im Bad ja auch immer ein wenig länger... da wird dann natürlich ein schön duftendes Shampoo für die Haare verwendet und duftendes Duschbad und duftende Bodylotion - Frau mag duftende Sachen sehr gern.

Für Hintern und Brüste macht Frau jeden Abend mindestens 30 Minuten Upper Body, Lower Body... und .... Frau hat auch mindestens zwei Sorten 60 EUR Parfüm im Schrank und zum Abends ausgehen gibt es auch roten Lack auf die Fingernägel! Dann möchte Frau sich am Abend gern etwas Liebes an Land ziehen... oder wie Frau eigentlich sagen würde: Sie möchte gern etwas Liebes kennen lernen. Die Chancen stehen meistens nicht schlecht und Frau hat auch etwas gefunden, was interessiert rüber schaut. Frau steuert es an... und... Mann hat Angst und zieht den Schwanz ein - Also bitte, für was sehe ich gut aus, wenn Mann zu feige ist? WIR BEISSEN NICHT!!! Jedenfalls meistens nicht ;-)

Wo wir somit beim Inhalt des Stückes angelangt wären.

 

Aber zunächst muß ich noch das Restaurant erwähnen, wo Schöne Wandbemahlung und schönes Foto (Tatjana V.) ich vor dem Theater mit meiner Freundin Susi zu Abend gegessen habe.

Diesmal waren wir im "Las Salinas" in der kleinen Klausstraße. Ich muß Euch sagen, DAS war ein spitzen Restaurant. Die Bedienung ist sehr freundlich und die Atmosphäre angenehmen. Sogar das Essen war Spitze und die Musik nicht zu laut. 

Ich denke, da werde ich auf alle Fälle wieder hingehen.

 

Wir hatten noch ein gute Stunde Zeit und konnten uns wunderbar unterhalten - tja, liebe Männer, Frau schwatzt eben gern ein bißchen. Ein Glas Rotwein und eine wunderbare Pasta, was will Frau mehr.

Der Abend begann sehr gut und ich fühlte mich richtig wohl. Endlich wieder ins Theater. Ich kann gar nicht genug davon bekommen. Ich mag die Atmosphäre und die angenehmen Leute um mich. Es ist wie ein Eintauchen in eine andere Dimension. Man kann so herrlich vom Alltagsstress abschalten.

Kommode (Quelle: Prospekt des nt)Diesmal hatten wir sehr gute Plätze in der Reihe 5, welche für die Kommode des "nt" das Beste ist was gibt.

 

Eigentlich wollte ich mir dieses Stück nie ansehen, auch wenn meine Kollegen in der Firma meinten, daß es sehr gut ist. 

Ausschlaggebend für meinen Entschluss es doch zu tun, war die Glanzleistung vom Peter W. Bachmann im "Eingebildeten Kranken"

Jetzt war ich neugierig auf ihn und wollte mehr sehen. Und ich kann hier schon vorweg nehmen, ich habe es nicht bereut. Das Stück ist wirklich spitze, was nicht nur am Autor liegt. Die schauspielerischen Leistungen waren meiner Meinung nach hervorragend. Ich habe soviel gelacht und kann das Stück nur weiterempfehlenPeter W. Bachmann (Quelle: Prospekt des nt). Meine Kollegen hatten da schon recht. Gespielt haben neben Peter W. Bachmann, Petra Ehlert, Daniela Schober und Elke Richter. Regie Hilmar Eichhorn und Bühne und Kostüme Volkmar Förster.

 

Es handelt von dem Fischrestaurantbesitzer Barney Silberman, der nach 23 jähriger Ehe gern mal einen Seitensprung wagen würde, da er den Kick im Leben vermisst. Er denkt zuviel über das Sterben nach und daß er ja noch nie so ein richtiges Abenteuer erlebt hatte. Immer nur mit der selben Frau zusammen, seit so langer Zeit und nie etwas anderes ausprobiert.  Somit entschloss er sich zu einem Versuch in der Wohnung seiner Mutter. Leider endete der in einem Desaster, was für die Zuschauer köstlich war.

 

Petra Ehlert (Quelle: Prospekt des nt)Seine erste Auserwählte war Elaine Navazio, welche durch Petra Ehlert dargestellt wurde. Ich fand, daß war die beste Performance vom ganzen Stück. Petra Ehlert war brillant. Die Rolle der männertollen Elaine Navazio war ihr wie auf den Leib geschnitten. 

Leider war unser Barney noch nicht so weit - genau das, was ich am Anfang über die Männer sagte: viel zu feige. 

Elaine hat versucht ihn mit allen Mitteln ins Bett zu bekommen und er hat sich nicht getraut und ist immer um den heißen Brei herum geschlichen. Ich konnte das gar nicht mit ansehen. Ich an ihrer Stelle hätte ihn mir einfach geschnappt.

 

Sein zweiter Versuch mit ihr war schon ein wenig besser. Er schmiss sie auf's Bett, so daß selbst sie freudig erstaunt war und hoffte doch noch ihr nettes Abenteuer zu bekommen. Leider gibt es keine Kampfszene ohne Blutvergießen. Der Schauspieler hat sich am FinSzenenausschnitt (Quelle: Homepage des nt)ger verletzt. Tja, Frauen können manchmal schon ganz schön kratzen, mit ihren langen "roten" Fingernägeln. 

Mir tat es leid und ich hätte ihm gern ein Pflaster rübergereicht, aber leider geht das ja nicht während einer Aufführung. Die Schauspieler ließen sich nicht durch tropfendes Blut beirren und überspielten dieses kleine Malheur gekonnt. Ich hoffe, es tat nicht allzu sehr weh.

 

Endlich! dachte ich, jetzt geht er ran! Aber nein, es wurde nichts aus dem Seitensprung. Er war viel zu abgelenkt. Er hatte nicht viel Zeit, da seine Mutter schon halb im Anmarsch war. .... Oh ja, die Mutter - herrlich - er lädt Frauen in die Wohnung seiner Mutter ein, während sie im Krankenhaus aushilft. Dann hat er Angst, daß sein kleines Stelldichein entdeckt wird. Keine Zigaretten, selbst mitgebrachte Gläser und nur nicht zu laut sprechen, wegen der Nachbarn. Es gab immer etwas zu lachen. Neil Simon schreibt wirklich phantastisch. 

Neil Simon (*1927)

Nach dem Stück wollte ich mir erst einmal das Buch besorgen (Neil Simon - Komödien I). Leider mußte ich wieder auf Amazon.de zurückgreifen, da sie es im "Guten Buch" in Halle nicht vorrätig hatten. "Das ist zu selten, das liest keiner." Typisch, warum suche ich mir immer das aus, was sonst keiner liest?!? Naja, somit dauert es noch ein Weilchen und ich kann es noch nicht mit einarbeiten. Wenn ich es gelesen habe, werdet Ihr hier vielleicht noch ein paar Bemerkungen dazu finden. Die Dialoge waren klasse. Ich konnte mir nur nicht alles merken. 

..... Im Übrigen ist sonst das "Gute Buch" in Halle sehr zu empfehlen. Bis jetzt habe ich dort immer bekommen, was ich wollte.

 

 

Elaine Navazio war so abgebrüht und unser Barney war über soviel Abgebrühtheit erschrocken. Warum eigentlich? Er lebt in modernen Zeiten. Zählt denn da Moral noch etwas? Ist ein Seitensprung ein Kavaliersdelikt? Ich wüsste nicht, was ich darauf antworten sollte, wahrscheinlich ist es auch nicht so einfach.

 

Daniela Schober (Quelle: Prospekt des nt)Sein zweiter Versuch war eine jüngere und etwas verrückte Lady, sehr gut gespielt von Daniela Schober. Wieder die selbe Wohnung seiner Mutter.

Übrigens war das Bühnenbild auch sehr treffend. In der Reihe hinter mir hörte ich die Damen das schöne Bühnenbild loben. Ja, sie hatten recht, mir hat es auch gefallen. Sonst war das Publikum in meiner Nähe sehr unruhig. Ich hasse es, wenn Leute zwischendurch schwatzen und mit Tüten knistern. Das können sie sich wirklich für die Pause aufheben oder für's Kino! 

Eine Pause gab es nach der zweiten Dame und die Bar vom "nt" ist nicht schlecht. Überhaupt finde ich die Idee mit der "Kulturinsel" klasse. Am Liebsten mag ich das "nt-café". Da kann man nach einem Theaterbesuch noch gemütlich ein Glas Wein trinken und das Gesehene auswerten. 

"Strieses Biertunnel" kenne ich noch nicht, werde ich aber demnächst ausprobieren. 

Die Galerie in der Kommode gefällt mir auch sehr gut. Wenn Frau oder Mann also etwas zu zeitig da ist, kann diese Zeit genutzt werden um sich die Kunstwerke ansehen - super Idee! Ja und wo ich schon mal dabei bin hier alles aufzuzählen. Noch etwas Erwähnenswertes. Es gibt es in Zusammenarbeit mit der  VHS Halle interessante Vorträge zur Theatergeschichte. Sollte man nicht verpassen. 

Sicherlich ist das Ganze auch ein Verdienst von Peter Sodann. Was man ihm hoch anrechnen sollte. Darum verstehe ich auch nicht, daß sie ihm das Mitspracherecht für seinem Nachfolger streitig machen wollen. Vor was haben sie denn Angst?

Ich hoffe, daß sie einen würdigen Nachfolger finden und daß es weiter so bergauf geht mit unserem "nt" hier in Halle. Ich möchte meine Hochachtung an alle Mitwirkenden aussprechen. Ihr habt wirklich etwas daraus gemacht und ich freue mich, daß das "nt" in unserer Stadt zu Hause ist und hoffe, daß es uns noch sehr viele Jahre so wie es ist erhalten bleibt. Denn es ist perfekt!

 

 

Die zweite Dame war im Gegensatz zur ersten ein wenig ausgeflippt und unser Barney wußte schon wieder nicht, wie er sich verhalten sollte. Natürlich war er jetzt schon ein wenig mutiger. Aber leider war Bobby Michele ein wenig überdreht. Immer wenn er einen Versuch startete quasselte sie ihn zu. Ganz verwirrt war er, als er Marihuana rauchen sollte. Erst hatte er Angst, daß seine Mutter etwas riechen könnte, aber dann versuchte er es doch. Leider brachte es ihm auch nicht den Erfolg, den er erhoffte und die Dame verschwand wieder.

Peter W. Bachmann spielte sehr gut. Ich denke, er gefällt mir immer besser. Leider gab es immer noch Probleme mit seinem Finger und das Blut tropfte ;-). Hätten sie nicht nach dem ersten Vorhang etwas Zeit für ein Pflaster gehabt? Vielleicht hätte ich doch eines meiner Handtasche entnehmen sollen. So wichtige Peter W. Bachmann und Elke Richter (Quelle: Homepage des nt) Dinge hat Frau immer an der Frau ;-) Das kann Sie ja nicht mit ansehen...

 

Nach der Pause gab es dann endlich ein Pflaster. Wahrscheinlich, weil seine nächste Partnerin, die etwas deprimierte Freundin seiner Frau, einen hellen Mantel trug. Oh, Barney, was für ein Fehler! man schläft doch nicht mit der verheirateten Freundin seiner Frau!!! 

 

Janette Fisher wurde gespielt von Elke Richter. Irgendwie fand ich Elke Richter nicht so passen für diese Rolle. Sie spielte sie zwar sehr gut, aElke Richter (Quelle: Prospekt des nt)ber ich finde sie ist eine viel zu starke Frau, als das sie die Richtige für so eine wehleidige Rolle wäre. Elke Richter kann ich mir nicht als keusche, verheiratete Frau vorstellen, die in Depressionen und Melancholie versinkt. 

Aber gut, letztendlich hat er es ja bei Nummer Drei geschafft, weil er ENDLICH mal die Initiative ergriff. Das Drama vorher, bis es denn soweit war, war köstlich. Vielleicht sollte es auch ein bißchen zum Nachdenken anregen. Aber warum? Eigentlich ist die Welt schlecht und wahrscheinlich gibt es keine "anständigen" Menschen, aber vielleicht ist es auch das, was das Leben ausmacht. Wäre es sonst nicht irgendwie langweilig? Ich liebe das Leben, so wie es ist und bin der Meinung, man sollte jeden Tag in dieser verrückten Welt genießen und sich nicht mit unlösbaren Problemen belasten. Das bringt nur graue Haare und Falten und lösen kann man diese Probleme sowieso nicht. Wenn jeder versucht ein bißchen mehr Zufriedenheit für sich zu erlangen und seine kleine Welt in Ordnung zu halten, dann ist er schon um einiges reicher. Ich denke, daß ist eines der wichtigsten Reichtümer, die man erreichen kann.... auch wenn diese Zufriedenheit und der Reichtum am Leben nur ein genossener Besuch eines Theaterstückes ist.

 

Hiermit vielen Dank an alle Beteiligten, Ihr habt sehr zu meiner Zufriedenheit am Leben beigetragen.

 

Eure Jana.

 

... ach ja und noch eine Sache. Die einleitenden Worte von Peter Sodann in meinen Prospekt zur neuen Spielzeit finde ich sehr treffen und konnte mich nicht bremsen sie zu scannen. Also hier der Scan, für alle, die dieses Prospekt nicht besitzen (ps. Es dauert ein bißchen mit dem Laden, da ca. 400 kb, aber es sollte gelesen werden).