Molière 
Der eingebildete Kranke

Eigentlich müsste ich jetzt schreiben: 2. Teil des Wochenendes oder Fortsetzung. Gestern noch in John Mauceris Konzert von Mythen und Wundern und heute schon wieder ins Theater. Diese geballte Ladung Kultur für ein Wochenende rührt aber eigentlich daher, daß der "eingebildete Kranke" mit Freundin schon eine Weile geplant war und Mr. Mauceri sich einfach dazwischen geschoben hat. Und kann es denn ein schöneres Jean-Baptiste Molière (1622-1673)Wochenende geben um Alltag und Weihnachtsstress zu entfliehen? 

Diesmal ist es auch eine Premiere. Sie passte so schön in meine Planung und es war die erste Premiere, die ich hier am nt erleben durfte. 
An Molière konnte ich mich leider nur wage erinnern. Ich denke, ich habe ihn mal in der Schule gelesen und dann nie wieder. Ja, Schande über mich. Ich verspreche ich werde das so schnell wie möglich nachholen. 
Da ich sein Stück nicht gelesen habe, kann ich auch hier nicht sagen, in wie weit und ob überhaupt das "nt" vom Original abwich und bin völlig unvoreingenommen. Aber an manchen Stellen erschien es mir schon ein bißchen merkwürdig....

Meine Freundin kam also gestern extra aus Frankfurt um zu uns ins "nt" zu gehen. Ein Pfarrer!?! hatte ihr so davon vorgeschwärmt, daß ich mir eine Rüge einhandelte, warum wir noch nicht da waren, wo sie doch nun so oft in Halle ist. 

Wir landeten zum Essen wieder im "Diebels" und dieses Mal hatten sie die Musik auch nicht so laut, so daß man sich unterhalten konnte. Natürlich gab es wieder viel zu erzählen, denn wir haben uns seit dem letzten London-Trip im November nicht mehr gesehen. Ich hatte noch eine Freundin aus Halle mitgebracht und das Unterhalten funktionierte bei einem guten Glas Wein und einem netten Essen nt-cafe (Quelle: Homepage nt) besonders gut. 
Das Diebels ist nicht schlecht. Essen und Preise sind ok und die Kellner freundlich. Dieses mal hatten wir einen, der war besonders freundlich.  Ja, von solchen Männern lässt Frau sich doch gern bedienen. "Vielen Dank Herr Ober, es war uns ein Vergnügen."

Nach einem zwei stündigen Pläuschchen und einem reichhaltigen Essen, machten wir uns auf den Weg zum Theater, was sozusagen gleich um die Ecke war. Leider konnten wir nicht zusammen sitzen, da ich die dritte Karte später gekauft hatte. Meine Freundin Uli wählte den einzelnen Platz in Reihe10 und meine Freundin Susi und ich hatten zwei Plätze in der Reihe 6.  Eigentlich bin ich eher Fan der Reihe 4, aber man kann ja nicht immer alles haben. 
Wir schauten uns das Stück an -  Uli sich die Herren in Reihe 9 und einer hat es ihr besonders angetan. Darum muß ich jetzt mal ganz kurz vom Thema abweichen.
"Mein lieber Herr, wenn Sie das hier zufällig lesen sollten, in Reihe 9, Platz 6, 7 oder 8 gesessen haben, dunkelhaarig sind, braune Augen haben, ca. 1,78 groß sind und ein umwerfendes Lächeln haben bitte bei mir melden. Meine Freundin kaut mir hier wegen Ihnen ein Ohr ab. 
Leider konnten wir in den Wirren der Pause und nachher im nt-Cafe nicht zu ihKommode (Quelle: Homepage nt)nen durchdringen, so entschuldigen Sie bitte daß ich es auf diese Weise versuche."
 

So, jetzt zum eigentlich Wesentlichen, dem "eingebildeten Kranken". 
Das Stück spielte in der Kommode. Gefällt mir persönlich sehr gut, da sie nicht so groß ist. Ich finde es sehr gemütlich dort und zur Premiere schien es mir richtig familiär. 
Das Suchen nach den Plätze war sehr amüsant. Die Schildchen an den Stühlen, welche die Nummern der Plätze und Reihen beherbergten, waren doch nicht so leicht zu finden, so daß sich das Publikum erst mal am Eingang staute und wunderte. 
Da ich Reihe 6 saß, wußte ich schon mal, daß die weiter vorn war und arbeitete mich durch die Mengen. "Liebes nt, wie wäre es, wenn Ihr die Nummern der Reihen einfach vor den Reihen auf den Fußboden klebt? Vielleicht mit Teppichklebeband. Das lässt sich dann auch wieder bequem entfernen und würde die Sache für die Zuschauer wirklich erleichtern.... und nicht vergessen schön groß zu schreiben. " Aber gut, es war lustig. Ich kam mir schon vor wie ein Schallplattenspieler im Replay: " Reihe 6, Reihe 6,  ja, das ist Reihe 6, nein, das ist nicht Reihe 5. Die muß da vorn sein. Reihe 1? - keine Ahnung. Noch nie gesehen....." 
Peter W. Bachmann (Quelle: Agentur APITZ)Das ganze Chaos legte sich dann nach einem Weilchen und das Spiel begann. 
Zur Einführung ein bißchen Musik mit vom Opernhaus ausgeborgten Musikern. Leider saß ich in der falschen Ecke, so daß ich sie nicht genau sehen konnte, aber den Cellisten, Hans-Jörg Pohl, habe ich erkannt. Er hat beim letzten Sinfoniekonzert zusammen mit Dorothée Stromberg ein atemberaubendes Duett gespielt. Seufz - da denke ich immer noch gern zurück....
Die Kammermusik hier war sehr passend. Eine gute Idee für eine Einleitung, gefiel mir wirklich sehr gut.

Auf einem großen, bequem aussehenden Sessel, saß dann der arme "krDanne Hoffmann (Quelle: Agentur APITZ)anke" Kerl und klingelte nach seiner Hausangestellten, die es nicht zu hören schien. Das fing schon gut an. Als ihm die Klingel zu leise erschien versuchte er es mit Rufen: "klingelingeling....". Das war zwar wirklich albern, aber ich mußte trotzdem lachen. Ich bin ja sonst nicht für Lächerlichkeiten zu haben, aber daß passte so herrlich. Nach einer Weile verzweifelnden Klingeln kam die Dame dann endlich. Ich fand, sie war schon ganz schön frech. 
Das Dienstmädchen Toinette war durch Danne Hoffmann sehr gut besetzt. Sie spielte ihre Rolle mit Bravour, fand ich. Ich wartete schon immer, bis sie wieder auftauchte und ihre hübschen Sprüche losließ. Peter W. Bachmann und Danne Hoffmann (Quelle: Homepage nt)Kostüme und Outfit waren auch klasse. Die langhaarig, lockige Perücke stand ihr und sie sah sehr gut aus. Im Gegensatz zu dem armen Kranken im "Nachtgewand" und mit Handtuch auf dem Kopf. 
Diese Hauptrolle spielte Peter W. Bachmann sehr überzeugend. Er war wie geschaffen dafür. Man war immer gespannt, was er als nächstes anstellte. Wirklich mitreißend und so was von lustig.  

Das ganze Stück war, sagen wir mal "modern" inszeniert und es gefiel mir sehr gut. Ich mochte die flotten Sprüche und netten, kleinen Anspielungen. Es war keine Sekunde langweilig und selbst Bühnendekoration und Kostüme passten. Ok, manchmal haben sie schon ein bißchen arg übertrieben. Andreas Range, als Monsieur Fleurant, Argans Apotheker, war mit seinen weißen Haaren gar nicht wiederzuerkennen und Till Schmidt als Thomas Diafoirus, sah furchtbar aus. Kein Wunder, daß die arme Tochter Angelique (Daniela Voß) von ihm nichts wissen wollte. Oh, es war so köstlich, wie er versuche ihr Komplimente zu machen. 
Ein schöner Teil war auch, als er sich seinem zukünftigen Schwiegervater vorzustellen versuchte und ihn als zweiten Vater bezeichnete. Na der erste Vater (Rayk Gaida) schnitt da nicht besonders gut ab. Herrlich!
Beline, Argans zweite Frau, gespielt von Mila Bruk, war für meine Begriffe ein bißchen zu schrill. Aber sie haben sie hübsch zurecht gemacht. Ob im Negligee oder im grünen Kleid, sie sah immer sehr gut aus. Leider hatte der arme kranke Argan nichts davon, da sie nur hinter seinem Geld und einem anderen her war. Ja liebe Männer, so ist das mit den schönen Frauen... 
Sein Bruder Beralde (Joachim Unger) mußte ihm erst durch List und in Zusammenarbeit mit dem Dienstmädchen die Augen öffnen. Armer Kerl, das war sehr erschütternd für ihn. Na wenigstens liebte ihn seine Tochter.

Zum Schluß wird natürlich alles gut. Seine Frau bekommt keinen Pfennig, er einen Doktortitel, so daß er sich von jetzt ab selber pflegen kann, seine Tochter bekommt ihren Liebhaber Cleante (Wolfgang Boos) und die Schauspieler einen heftigen Applaus. Ich fand es schade, daß es schon so schnell aus war. Es hat  mir wirklich sehr gut gefallen. Ich und das Publikum haben uns sehr gut amüsiert und viel gelacht. Soviel habe ich noch nicht einmal bei "Love Actually" gelacht und das will schon etwas heißen!

Das Publikum war schneller draußen, als es drin war. Keine Ahnung, wo es die so schnell hinzog. Vielleicht zur Premierenparty. 
Eine gute Idee vom "nt", seine Zuschauer zur Premierenparty einzuladen. Finde ich wirklich nett. Wir überlegten auch nt-Cafe (Quelle: Homepage nt)hinzugehen, entschlossen uns aber dann erst mal auf einen Milchshake mit Glühwein ins nt-Cafe zu gehen. Natürlich waren wir wie immer sehr lustig und mit Glühwein noch lustiger. Ulis Dunkelhaariger mit dem umwerfenden Lächeln war auch anwesend, aber leider von Bekannten oder Verwandten umringt, so daß niemand an ihn rankommen konnte. Natürlich blieb er ein interessantes Gesprächsthema für uns und wir waren ein bißchen überdreht an diesem Abend. 
Leider verstand meine Freundin Susi uns überhaupt nicht und fand, daß wir verrückt wären - ja, Susi, ich weiß, daß wir das sind, aber es ist doch auch eine verrückte Welt in der wir leben.... und ich bin doch so gern verrückt. 
Nach diesem heißen Glühwein war uns natürlich nicht mehr danach, den Abend zu beenden und wir beschlossen doch noch auf der Party vorbeizuschauen. Ein warmes Plätzchen und ein kühles Bier würden uns jetzt gut tun und der Abend war ja noch jung. Nach einer Weile fanden wir auch wieder einen Eingang zum nt und einen Fahrstuhl zur "Dritten Etage". Man brauchte eigentlich nur dem Geplapper der vielen Stimmen zu folgen um die Damen und Herren zu finden. 
Wir bekamen unser warmes Plätzchen an der Bar und auch ein schönes kühles Bier. Uli bekam einen schönen Kuchen, den ich gar nicht sehen konnte, da mir noch schlecht vom Milchshake war. 
Die Atmosphäre gefiel mir sehr gut und ich fühlte mich sofort wohl. Die Menschen um uns herum waren angenehm und in guter Stimmung.  Ja, das könnte ich öfter haben wollen.
Es war interessant das Geschehen zu beobachten und ich erkannte sogar die Schauspieler wieder. Ach ja, und nicht zu vergessen den Intendanten Peter Sodann.
Der arme Kranke war auch anwesend und sah blendend aus, so ganz ohne Torte im Gesicht und frisch geduscht. Hmmm, ja, ich glaub' der gefällt mir..........  So, ich denke, hier sollte ich lieber Schluß machen, sonst schreibe ich noch Sachen, die ich lieber nicht schreiben sollte ;-)

Vielen Dank für den herrlichen Abend. Es hat Spaß gemacht und gerne wieder.
Ich wünsche Euch allen ein schönes, erholsames Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr!

Eure Jana