Molière
Der eingebildete Kranke
Eigentlich müsste ich jetzt schreiben: 2.
Teil des Wochenendes oder Fortsetzung. Gestern noch in John Mauceris Konzert von
Mythen und Wundern und heute schon wieder ins Theater. Diese geballte Ladung
Kultur für ein Wochenende rührt aber eigentlich daher, daß der
"eingebildete Kranke" mit Freundin schon eine Weile geplant war und
Mr. Mauceri sich einfach dazwischen geschoben hat. Und kann es denn ein
schöneres
Wochenende
geben um Alltag und Weihnachtsstress zu entfliehen?
Diesmal ist es auch eine Premiere. Sie passte
so schön in meine Planung und es war die erste Premiere, die ich hier am nt
erleben durfte.
An Molière konnte ich mich leider nur wage erinnern. Ich denke, ich habe ihn
mal in der Schule gelesen und dann nie wieder. Ja, Schande über mich. Ich
verspreche ich werde das so schnell wie möglich nachholen.
Da ich sein Stück
nicht gelesen habe, kann ich auch hier nicht sagen, in wie weit und ob
überhaupt das "nt" vom Original abwich und bin völlig
unvoreingenommen. Aber an manchen Stellen erschien es mir schon ein
bißchen merkwürdig....
Meine Freundin kam also gestern extra aus Frankfurt um zu uns ins "nt" zu gehen. Ein Pfarrer!?! hatte ihr so davon vorgeschwärmt, daß ich mir eine Rüge einhandelte, warum wir noch nicht da waren, wo sie doch nun so oft in Halle ist.
Wir landeten zum Essen wieder im "Diebels"
und dieses Mal hatten sie die Musik auch nicht so laut, so daß man sich
unterhalten konnte. Natürlich gab es wieder viel zu erzählen, denn wir
haben uns seit dem letzten London-Trip im November nicht mehr gesehen. Ich hatte
noch eine Freundin aus Halle mitgebracht und das Unterhalten funktionierte bei
einem guten Glas Wein und einem netten Essen
besonders gut.
Das Diebels ist nicht schlecht.
Essen und Preise sind ok und die Kellner freundlich. Dieses mal hatten wir einen,
der war besonders freundlich. Ja, von solchen Männern lässt Frau sich
doch gern bedienen. "Vielen Dank Herr Ober, es war uns ein
Vergnügen."
Nach einem zwei stündigen Pläuschchen und
einem reichhaltigen Essen, machten wir uns auf den Weg zum Theater, was
sozusagen gleich um die Ecke war. Leider konnten wir nicht zusammen sitzen, da
ich die dritte Karte später gekauft hatte. Meine Freundin Uli wählte den einzelnen
Platz in Reihe10 und meine Freundin Susi und ich hatten zwei Plätze in der Reihe
6. Eigentlich bin ich eher Fan der Reihe 4, aber man kann ja nicht immer
alles haben.
Wir schauten uns das Stück an - Uli sich die Herren in Reihe 9 und
einer hat es ihr besonders angetan. Darum muß ich jetzt mal ganz kurz vom Thema
abweichen. "Mein lieber Herr, wenn
Sie das hier zufällig lesen sollten, in Reihe 9, Platz 6, 7 oder 8 gesessen
haben, dunkelhaarig sind, braune Augen haben, ca. 1,78 groß sind und ein
umwerfendes Lächeln haben bitte bei mir
melden. Meine Freundin kaut mir hier wegen Ihnen ein Ohr ab.
Leider konnten wir in den Wirren der Pause und nachher im nt-Cafe nicht zu ih
nen
durchdringen, so entschuldigen Sie bitte daß ich es auf diese Weise
versuche."
So, jetzt zum eigentlich Wesentlichen, dem
"eingebildeten Kranken".
Das Stück spielte in der Kommode. Gefällt mir persönlich sehr gut, da sie nicht
so groß ist. Ich finde es sehr gemütlich dort und zur Premiere schien es mir
richtig familiär.
Das Suchen nach den Plätze war sehr amüsant. Die Schildchen an den Stühlen,
welche die Nummern der Plätze und Reihen beherbergten, waren doch nicht so
leicht zu finden, so daß sich das Publikum erst mal am Eingang staute und
wunderte.
Da ich Reihe 6 saß, wußte ich schon mal, daß die weiter vorn war und
arbeitete mich durch die Mengen. "Liebes nt, wie wäre es, wenn Ihr die Nummern
der Reihen einfach vor den Reihen auf den Fußboden klebt? Vielleicht mit Teppichklebeband.
Das lässt sich dann auch wieder bequem entfernen und würde die Sache für die
Zuschauer wirklich erleichtern.... und nicht vergessen schön groß zu
schreiben. " Aber gut, es war lustig. Ich kam mir
schon vor wie ein Schallplattenspieler im Replay: " Reihe 6, Reihe 6,
ja, das ist Reihe 6, nein, das ist nicht Reihe 5. Die muß da vorn sein. Reihe
1? - keine Ahnung. Noch nie gesehen....."
Das
ganze Chaos legte sich dann nach einem Weilchen und das Spiel begann.
Zur Einführung ein bißchen Musik mit vom Opernhaus ausgeborgten Musikern.
Leider saß ich in der falschen Ecke, so daß ich sie nicht genau sehen konnte,
aber den Cellisten, Hans-Jörg Pohl, habe ich erkannt. Er hat beim letzten
Sinfoniekonzert zusammen mit Dorothée Stromberg ein atemberaubendes Duett
gespielt. Seufz - da denke ich immer noch gern zurück....
Die Kammermusik hier war sehr passend. Eine gute Idee für eine Einleitung,
gefiel mir wirklich sehr gut.
Auf einem großen, bequem aussehenden Sessel,
saß dann der arme "kr
anke"
Kerl und klingelte nach seiner Hausangestellten, die es nicht zu hören schien.
Das fing schon gut an. Als ihm die Klingel zu leise erschien versuchte er es mit
Rufen: "klingelingeling....". Das war zwar wirklich albern, aber ich
mußte trotzdem lachen. Ich bin ja sonst nicht für Lächerlichkeiten zu haben,
aber daß passte so herrlich. Nach einer Weile verzweifelnden Klingeln kam die
Dame dann endlich. Ich fand, sie war schon ganz schön frech.
Das Dienstmädchen Toinette war durch Danne Hoffmann sehr gut besetzt. Sie spielte ihre Rolle mit Bravour,
fand ich. Ich wartete schon immer, bis sie wieder auftauchte und ihre hübschen
Sprüche losließ.
Kostüme
und Outfit waren auch klasse. Die langhaarig, lockige Perücke stand ihr und sie sah
sehr gut aus. Im Gegensatz zu dem armen Kranken im "Nachtgewand" und
mit Handtuch auf dem Kopf.
Diese Hauptrolle spielte Peter W. Bachmann sehr überzeugend. Er war wie
geschaffen dafür. Man war immer gespannt, was er als nächstes
anstellte. Wirklich mitreißend und so was von lustig.
Das ganze Stück war, sagen wir mal
"modern" inszeniert und es gefiel mir sehr gut. Ich mochte die flotten
Sprüche und netten, kleinen Anspielungen. Es war keine Sekunde langweilig und
selbst Bühnendekoration und Kostüme passten. Ok, manchmal haben sie schon ein
bißchen arg übertrieben. Andreas Range, als Monsieur Fleurant, Argans
Apotheker, war mit seinen weißen Haaren gar nicht wiederzuerkennen und Till
Schmidt als Thomas Diafoirus, sah furchtbar aus. Kein Wunder, daß die arme
Tochter Angelique (Daniela Voß) von ihm nichts wissen wollte. Oh, es war so
köstlich,
wie
er versuche ihr Komplimente zu machen.
Ein schöner Teil war auch, als er sich seinem zukünftigen Schwiegervater
vorzustellen versuchte und ihn als zweiten Vater bezeichnete. Na der erste Vater
(Rayk Gaida) schnitt da nicht besonders gut ab. Herrlich!
Beline, Argans zweite Frau, gespielt von Mila Bruk, war für meine Begriffe ein
bißchen zu schrill. Aber sie haben sie hübsch zurecht gemacht. Ob im Negligee
oder im grünen Kleid, sie sah immer sehr gut aus. Leider hatte der arme kranke
Argan nichts davon, da sie nur hinter seinem Geld und einem anderen her war. Ja
liebe Männer, so ist das mit den schönen Frauen...
Sein Bruder Beralde (Joachim Unger) mußte ihm erst durch List und in
Zusammenarbeit mit dem Dienstmädchen die Augen öffnen. Armer Kerl, das war
sehr erschütternd für ihn. Na wenigstens liebte ihn seine Tochter.
Zum Schluß wird natürlich alles gut. Seine Frau bekommt keinen Pfennig, er einen Doktortitel, so daß er sich von jetzt ab selber pflegen kann, seine Tochter bekommt ihren Liebhaber Cleante (Wolfgang Boos) und die Schauspieler einen heftigen Applaus. Ich fand es schade, daß es schon so schnell aus war. Es hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ich und das Publikum haben uns sehr gut amüsiert und viel gelacht. Soviel habe ich noch nicht einmal bei "Love Actually" gelacht und das will schon etwas heißen!
Das Publikum war schneller draußen, als es
drin war. Keine Ahnung, wo es die so schnell hinzog. Vielleicht zur
Premierenparty.
Eine gute Idee vom "nt", seine Zuschauer zur Premierenparty
einzuladen. Finde ich wirklich nett. Wir überlegten auch
hinzugehen,
entschlossen uns aber dann erst mal auf einen Milchshake mit Glühwein ins
nt-Cafe zu gehen. Natürlich waren wir wie immer sehr lustig und mit Glühwein noch
lustiger. Ulis Dunkelhaariger mit dem umwerfenden Lächeln war auch anwesend,
aber leider von Bekannten oder Verwandten umringt, so daß niemand an ihn
rankommen konnte.
Natürlich blieb er ein interessantes Gesprächsthema für uns und wir
waren ein bißchen überdreht an diesem Abend.
Leider verstand meine Freundin Susi uns überhaupt nicht und fand, daß wir
verrückt wären - ja, Susi, ich weiß, daß wir das sind, aber es ist doch auch
eine verrückte Welt in der wir leben.... und ich bin doch so gern
verrückt.
Nach diesem heißen Glühwein war uns natürlich nicht mehr danach, den Abend zu
beenden und wir beschlossen doch noch auf der Party vorbeizuschauen. Ein warmes
Plätzchen und ein kühles Bier würden uns jetzt gut tun und der Abend war ja
noch jung. Nach einer Weile fanden wir auch wieder einen Eingang zum nt und
einen Fahrstuhl zur "Dritten Etage". Man brauchte eigentlich nur dem
Geplapper der vielen Stimmen zu folgen um die Damen und Herren zu finden.
Wir bekamen unser warmes Plätzchen an der Bar und auch ein schönes kühles
Bier. Uli bekam einen schönen Kuchen, den ich gar nicht sehen konnte, da mir
noch schlecht vom Milchshake war.
Die Atmosphäre gefiel mir sehr gut und ich fühlte mich sofort wohl. Die
Menschen um uns herum waren angenehm und in guter Stimmung. Ja, das
könnte ich öfter haben wollen.
Es war interessant das Geschehen zu beobachten und ich erkannte sogar die
Schauspieler wieder. Ach ja, und nicht zu vergessen den Intendanten Peter
Sodann.
Der arme Kranke war auch anwesend und sah blendend aus, so ganz ohne Torte im
Gesicht und frisch geduscht. Hmmm, ja, ich glaub' der gefällt mir.......... So,
ich denke, hier sollte ich lieber Schluß machen, sonst schreibe ich noch
Sachen, die ich lieber nicht schreiben sollte ;-)
Vielen Dank für den herrlichen Abend.
Es hat Spaß gemacht und gerne wieder.
Ich wünsche Euch allen ein schönes, erholsames Weihnachtsfest und ein gesundes
und erfolgreiches Neues Jahr!
Eure Jana