Petersberg bei Halle am 09.10.2005Wunderschön düster....

 

Modest Mussorgskis trauriges Vorspiel zur Oper "Chowanschtschina", Karol Szymanowski düster bewegendes Konzert für Violine und Orchester und Tschaikowskis traurige Beschreibung von Byrons "Manfred" waren diesmal Thema unseres Konzertabends im Gewandhaus. Überwältigende Düsterheit und brillante Umsetzung von Vladimir Jurowski und dem Gewandhausorchester in Leipzig.

Wiedermal ein Hochgenuß der Spitzenklasse welcher ganz schön unter die Haut ging. Die Musikauswahl des Konzertes war erstklassig.

 

Die Orchesterbesetzung war diesmal riesig und somit donnerte Mussorgskis Vorspiel in einer atemberaubenden Lautstärke durch den Saal. Schon die ersten Takte waren erstklassig. Die Bearbeitung für Orchester von Schostakowitsch war hervorragend und so herrlich düster.

Ich kannte von Mussorgskis bis jetzt nur "Bilder einer Ausstellung", aber das hier gefiel Modest Mussorgski (1839-1881) mir viel besser. Ich konnte mich sofort in diese wunderschöne Musik fallen lassen und irrte in düsteren Mauern umher. Dunkelblaue Nacht dort draußen und ein fahler weißer Mond zeigte sich riesengroß hinter einer alten zerfallenen Burgruine, oben auf dem Hügel von scharfkantigem Porphyr. 

Ich schaute von dort hinunter über das weite waldige Land. Meine Hände, taub von der eisigen Kälte hier oben, hielten fest die Zügel des pechschwarzen Rappens, der leise hinter Alte Kapelle/ Peterstberg bei Halle am 09.10.2005 mir schnaufte, und ein scharfer Wind schnitt sich in mein Gesicht. Aber es war wunderschön hier oben, die Geister der alten Ruine huschten durch mein Gemüht und ich wagte mich nicht zu rühren...... wow! was für eine atemberaubend schöne  Musik....

 

.... nur leider viel zu kurz.

Aber es folgte ein weiteres geniales Stück. Kolja Blacher (Quelle: Programm des Gewandhauses) Kolja Blacher spielte auf seiner Violine Karol Szymanowskis Konzert für Violine und Orchester Nr.1. und das war einer der drei besten Violinisten, die ich bis jetzt im Konzert gehört hatte. Erstklassig! Davon konnte ich nicht genug bekommen ... und ich sah in der Ferne von der alten Burg aus, langsam ein Glühen emporsteigen und den dunklen grünschwarzen Wald in ein warmes rot eintauchen. Stückchen für Stückchen verdrängte das wärmende Rot die eisige Nacht. Der Wind kämmte mein Haar und die Vladimir Jurowski (Quelle: Programm des Gewandhauses) ersten warmen Sonnenstrahlen strichen sanft darüber. Ich schloss meine Augen und sog die wohltuende Wärme in mich auf. Der Wald duftete und die Vögel um mich herum sangen ihr erstes morgendliches Gebet.

 

Leider gab uns trotz tosendeKarol Szymanowski (1882-1937) links - (Quelle: Programm des Gewandhauses)m Applaus, Kolja Blacher keine Zugabe, was ich sehr schade fand. 

Die erste Hälfte des Konzertes war viel zu schnell vorbei.

Das war diesmal wieder richtig gut. Ich glaube fast alle wollen sich in dieser Konzertsaison selber übertreffen. Schon das erste Konzert dieser Saison in Suhl war erstklassig, dann Dessau und Leipzig genauso super. Ich hoffe, das geht so weiter.

 

Nach der Pause dann in überwältigender Lautstärke Tschaikowskis "Manfred", Sinfonie nach Byrons dramatischer Dichtung. Was für eine hervorragende Interpretation Peter Tschaikowski (1840-1893) Tschaikowskis. Unglaublich, wie passend und super gespielt vom Gewandhausorchester Leipzig. Der erste und der letzte Satz gefielen mir am besten. Vladimir Jurowskis Umsetzung war brillant. Besser als die der Naxos Musiklibrary, die ich gerade höre - obwohl die mir auch schon sehr gut gefällt. Aber der junge Mann hat echt was drauf, macht auch eine sehr Lord Byron  (1788-1824) gute Figur am Dirigentenpult. Ich finde sehr elegant und keine übertriebenen Gesten oder irgendwelches Umhergehüpfe.

Sein "Manfred" war wirklich erstklassig und ich konnte mir Byrons Geschichte dazu wunderbar vorstellen.

"Manfred irrt in den Alpen umher. Sein Leben ist zerschlagen, viele brennende Fragen bleiben unbeantwortet, nichts ist ihm geblieben außer den Erinnerungen.

Die Gestalt der idealen Astarte schwebt ihm durch die Sinne, vergebens ruft er nach ihr, nur das Echo der Felsen wiederholt ihren Namen. Gedanken und Erinnerungen quälen ihn, er sucht Vergessen, das ihm niemand geben kann."*

 

Ich habe den "Manfred" hier neben mir auf dem Tisch liegen und lese auszugsweise Lord Byrons wunderschöne Zeilen. So schön geschrieben, daß ich jetzt eigentlich weiter lesen möchte. Habe gerade heute sowieso irgendwie so ein romantisch-träumerisches Gefühl in mir...... also was soll's, dann werde ich mich jetzt doch einfach auf meinen Rappen schwingen und mit Lord Byron in die Nacht reiten....

 

Eine Gute Nacht und romantische Träume Euch allen.

Eure Jana

 

 

 

 

..... "Tot! - Seine Seel' ist dieser Erd entflohn, - Wohin? - Mich graut's zu denken. - Es ist aus." -

 

 

 

* Balakirews Vorschlag für den Inhalt des ersten Satzes (aus dem Programm des Gewandhauses).