Wunderschön
düster....
Modest Mussorgskis trauriges Vorspiel zur Oper "Chowanschtschina", Karol Szymanowski düster bewegendes Konzert für Violine und Orchester und Tschaikowskis traurige Beschreibung von Byrons "Manfred" waren diesmal Thema unseres Konzertabends im Gewandhaus. Überwältigende Düsterheit und brillante Umsetzung von Vladimir Jurowski und dem Gewandhausorchester in Leipzig.
Wiedermal ein Hochgenuß der Spitzenklasse welcher ganz schön unter die Haut ging. Die Musikauswahl des Konzertes war erstklassig.
Die Orchesterbesetzung war diesmal riesig und somit donnerte Mussorgskis Vorspiel in einer atemberaubenden Lautstärke durch den Saal. Schon die ersten Takte waren erstklassig. Die Bearbeitung für Orchester von Schostakowitsch war hervorragend und so herrlich düster.
Ich kannte von
Mussorgskis bis jetzt nur "Bilder einer Ausstellung", aber das hier gefiel
mir
viel besser. Ich konnte mich sofort in diese wunderschöne Musik fallen lassen
und irrte in düsteren Mauern umher. Dunkelblaue Nacht dort draußen und ein
fahler weißer Mond zeigte sich riesengroß hinter einer alten zerfallenen
Burgruine, oben auf dem Hügel von scharfkantigem Porphyr.
Ich schaute von dort
hinunter über das weite waldige Land. Meine Hände, taub von der eisigen Kälte
hier oben, hielten fest die Zügel des pechschwarzen Rappens, der leise hinter
mir schnaufte, und ein scharfer Wind schnitt sich in mein Gesicht. Aber es war
wunderschön hier oben, die Geister der alten Ruine huschten durch mein Gemüht
und ich wagte mich nicht zu rühren...... wow! was für eine atemberaubend schöne
Musik....
.... nur leider viel zu kurz.
Aber es folgte ein
weiteres geniales Stück.
Kolja Blacher spielte auf seiner Violine Karol
Szymanowskis Konzert für Violine und Orchester Nr.1. und das war einer der drei
besten Violinisten, die ich bis jetzt im Konzert gehört hatte. Erstklassig!
Davon konnte ich nicht genug bekommen ... und ich sah in der Ferne von der alten
Burg aus, langsam ein Glühen emporsteigen und den dunklen grünschwarzen Wald in
ein warmes rot eintauchen. Stückchen für Stückchen verdrängte das wärmende Rot
die eisige Nacht. Der Wind kämmte mein Haar und die
ersten warmen Sonnenstrahlen
strichen sanft darüber. Ich schloss meine Augen und sog die wohltuende Wärme in
mich auf. Der Wald duftete und die Vögel um mich herum sangen ihr erstes
morgendliches Gebet.
Leider gab uns
trotz tosende
m Applaus, Kolja Blacher keine Zugabe, was ich sehr schade fand.
Die erste Hälfte des Konzertes war viel zu schnell vorbei.
Das war diesmal wieder richtig gut. Ich glaube fast alle wollen sich in dieser Konzertsaison selber übertreffen. Schon das erste Konzert dieser Saison in Suhl war erstklassig, dann Dessau und Leipzig genauso super. Ich hoffe, das geht so weiter.
Nach der Pause dann
in überwältigender Lautstärke Tschaikowskis "Manfred", Sinfonie nach
Byrons
dramatischer Dichtung. Was für eine hervorragende Interpretation
Tschaikowskis. Unglaublich, wie passend und super gespielt vom Gewandhausorchester
Leipzig. Der erste und der letzte Satz gefielen mir am besten. Vladimir
Jurowskis Umsetzung war brillant. Besser als die der Naxos
Musiklibrary, die ich
gerade höre - obwohl die mir auch schon sehr gut gefällt. Aber der junge Mann
hat echt was drauf, macht auch eine sehr
gute Figur am Dirigentenpult. Ich finde
sehr elegant und keine übertriebenen Gesten oder irgendwelches Umhergehüpfe.
Sein "Manfred" war wirklich erstklassig und ich konnte mir Byrons Geschichte dazu wunderbar vorstellen.
"Manfred irrt in den Alpen umher. Sein Leben ist zerschlagen, viele brennende Fragen bleiben unbeantwortet, nichts ist ihm geblieben außer den Erinnerungen.
Die Gestalt der
idealen Astarte schwebt ihm durch die Sinne, vergebens ruft er nach ihr, nur das
Echo der Felsen wiederholt ihren Namen. Gedanken und Erinnerungen quälen ihn, er
sucht
Vergessen, das ihm niemand geben kann."*
Ich habe den "Manfred" hier neben mir auf dem Tisch liegen und lese auszugsweise Lord Byrons wunderschöne Zeilen. So schön geschrieben, daß ich jetzt eigentlich weiter lesen möchte. Habe gerade heute sowieso irgendwie so ein romantisch-träumerisches Gefühl in mir...... also was soll's, dann werde ich mich jetzt doch einfach auf meinen Rappen schwingen und mit Lord Byron in die Nacht reiten....
Eine Gute Nacht und romantische Träume Euch allen.
Eure Jana
..... "Tot! - Seine Seel' ist dieser Erd entflohn, - Wohin? - Mich graut's zu denken. - Es ist aus." -
* Balakirews Vorschlag für den Inhalt des ersten Satzes (aus dem Programm des Gewandhauses).