Homer, Vergil und Tennessee Williams...
... ist das nicht ein netter Mix?
Unsere Odyssee begann mit Wahnsinn und endete mit Wahnsinn. Allerdings handelte es sich um zwei verschiedene Arten von Wahnsinn. Einmal um einen nach meinem Geschmack wahnsinnig schlechten Film und zum Anderen um ein wahnsinnig gutes Theaterstück. Also was für ein wahnsinnig interessantes Wochenende wiedermal in London.
Ein wunderschöner,
sonniger Freitag - nein, nicht in Halle, da regnete es - wir waren in London und
wie fast immer hatten wir das herrlichste Wetter. Leider diesmal aber keine Zeit
zum Sonnen, obwohl im Hyde Park schon die Liegestühle aufgestellt waren und ich zu
gern ein kleines Mittagschläfchen in diesen abgehalten hätte.
Nein, ich war erst 16:00 Uhr am Marble Arch, der im Moment komplett eingerüstet ist, und wollte 18:00 Uhr schon im BAFTA Gebäude in der Piccadilly sein - also keine Chance auf ein Mittagschläfchen. Frau hatte ja noch nicht mal Zeit sich in ihr Abends-Ausgeh-Outfit zu schmeißen.
Also diesmal auch keine halbe Stunde zu Fuß zum Blakemore tippeln, sondern 1 Pfund für den Bus geopfert, der mich dann auch in 5 Minuten Richtung Bayswater Road brachte.
Wir hatten ein nettes, kleines Zimmer im
Erdgeschoß - wie gut, denn der Fahrstuhl war wegen
eines kleinen Brandes am Vortag außer Betrieb. Tja, da hat Frau mal wieder Glück
gehabt, denn den schweren Koffer die schmalen Treppen hochzuschleppen ist
wahrlich kein Genuß.
Bevor ich dann das Zimmer in ein
mittleres Chaos verwandelte, machte ich für
Euch noch ein paar Fotos.
Leider paßt jetzt doch nur eins auf die Homepage.
Das Hotel ist für Londoner Verhältnisse sehr ordentlich und wird sicherlich deswegen auch von vielen Deutschen heimgesucht - die sich aber soweit auch ordentlich benehmen.
Die Zimmer waren komplett belegt. Es sah so aus, als kamen außer uns noch andere auf die Idee, das verlängerte Wochenende in London zu verbringen.
Wie gesagt, viel Zeit war nicht. Nach einer Stunde traf ich mich schon unten in der Halle mit Bettina & Julie, die aus Frankreich hier waren und mit zwei Amerikanerinnen, die mit den beiden London unsicher machten. Uli wollte auch noch zu uns stoßen, aber erst bei der BAFTA, da ihr Flieger so spät ankam.
Wir gönnten uns ein Taxi für 8 Pfund, was sich bei 5 Leuten natürlich rechnette und ließen uns vor dem BAFTA Gebäude in der Piccadilly absetzen. Leider war dies auch eingerüstet und somit gibt es hier noch kein Foto - naja, vielleicht das nächste Mal.
Diesmal handelte es
sich um eine Medicinema Charityveranstaltung und wir wurden nett von dessen
Direktor empfangen. Er war ein interessanter, junger Mann und sichtlich
beeindruckt über unseren deutsch, französisch, amerikanischen Mix.
Ja, das passiert uns öfter - die Leute schauen uns groß an, wenn wir ihnen erzählen, daß wir aus verschiedenen Ländern kommend uns in London zum Theater oder eben zu solchen Events treffen. - Tja, die Flüge nach Deutschland oder Frankreich sind eben teurer und eine kleine Gala hin und wieder ist wirklich nicht zu verachten.
Naja, jedenfalls ließ uns der Direktor nicht aus den Augen und ich fing schon an Gefallen an ihm zu finden. Er hatte wohl noch mal Glück, daß mein Englisch so grottenschlecht ist, sonst hätte ich gern noch ein wenig mit ihm schwatzen mögen, so über seine Charity eben... ;-)
Es gab also wie immer einen Sektempfang zum Sammeln und dann das Highlight, den Film - diesmal "Troy", oder zu Deutsch "Troja". Ich freute mich schon darauf. Er hatte gute Kritiken bekommen und eine interessante Besetzung: Peter O'Toole, Sean Bean, Julian Glover, Breat Pitt und der Kleine, wie hieß er doch gleich, Orlando Bloom. Regie führte kein geringerer als Wolfgang Petersen.
Damals, mit seiner unendlichen Geschichte hat er mich schon gefangen und ich war wirklich auf sein neustes Werk gespannt.
Tja - Vielleicht
bin ich ja ein bißchen zu anspruchsvoll gegenüber dem Kino. Vielleicht meckere
ich auch zu viel, aber meine Freunde und ich haben uns noch sehr lange über
dieses grob fahrlässige Machwerk unterhalten und sin
d uns sicher, daß Homer und
Vergil im Grabe rotierten. So eine schöne Geschichte, man hätte
wirklich etwas Anspruchsvolles daraus machen können. Aber leider war es wieder
einer nach dem immer gleichen Strickmuster gestrickten Hollywoodschinken.
Wahrscheinlich sollten wir uns wirklich langsam daran gewöhnen, daß die Hollywood Industrie eben anspruchslos ist und das einige Amerikaner gern ihre Wahrheiten so drehen, wie sie sie gerade brauchen und das sie das Niveau des "Volkes" wohl auch nicht sehr hoch einschätzen und vielleicht genoß auch ein Wolfgang Petersen zu lange diesen sonnigen Einfluß Hollywoods - sorry, aber vielleicht habe ich auch nur keine Ahnung von solchen Dingen, denn DAS sind die Meister und die wissen, was die Zuschauer brauchen und ich werde wohl das große Hollywoodkino besser weiterhin meiden.
"Das Volk braucht seine Helden" und wenn die Story diesbezüglich kein so großes Potential hat, wie Homer schon selber meinte, dann baut man es sich um, daß es wieder paßt - oder versucht es eben. Aber gut, Näheres dazu schreibt Uli sobald sie Zeit dafür hat und ich widme mich hier lieber den erfreulicheren Dingen unseres kurzen Aufenthalts.
Nach einem nicht
sehr großzügig ausfallenden Beifall - ich war wohl nicht die einzige mit der
schlechten Meinung, gab es ein nettes Dinner und ein bißchen Socializing mit
Raffling und Versteigerungen. Die Lords und Ladys ersteigerten ein paar Eintrittskarten
zu anstehenden Filmpremieren für halbe
Vermögen und die Charity bekam letztendlich 40 000 Pfund zusammen, was schon
eine stattliche Summe ist. Wir hatten u
nseren Spaß und eine gute Unterhaltung
und verließen dann gegen 1.00 Uhr das Geschehen. Völlig platt von diesem Tag und
bettreif... naja, einen kleinen Drink an der Hotelbar genehmigten wir uns noch -
wo doch der Barkeeper so nett auf uns wartete und uns exklusive nach 1.00 Uhr
noch ein Bier anbot... was vielleicht an unserem Charme lag, aber wohl eher an
seinem Faible für Bettinas hübsche Tochter ;-)
Abgesehen von dem Film war es ein wirklich schöner Abend bei der BAFTA. Die Leute waren nett, besonders der Direktor, und wir fühlten uns wohl. Ja, es hat mir gefallen, obwohl wir ganz schön k.o. waren an diesem Freitag.
Wie das so im Hotel üblich ist, mußte Frau natürlich zeitiger aufstehen um noch ein Frühstück zu bekommen. Das gab es leider nur bis 9:45 Uhr. Was eigentlich auch ganz gut so war, da wir an diesem Tag einiges vorhatten.
Sonst, im Appartement sitzen wir immer ein paar Stunden und schwatzten und verpaßten die wichtigsten Dinge des Londoner Lebens - nagut, für uns fingen die wichtigsten Dinge meist erst Abends an, wie z.B. Theater, oder Konzerte oder wie auch immer.
Heute hatten wir
uns wieder einen kleinen Spaziergang im Hampstead Heath ausgesucht und wollten
am Nachmittag ein bißchen Shoppen gehen in der Oxford Street. Das Theater fing
erst 20:00 Uhr an und da Frau Halle bezüglich Shopping komplett vergessen kann,
muß sie diese Gelegenheit gut ausnutzen. Halt mal fix nach London zum Shoppen
rüber fliegen - ist das nicht nett? ;-) Und seit dem wir hier den EURO haben,
ist es auch in London nicht mehr so teuer - es sei denn, man möchte ein
Schnäppchen bei Harrods machen. Da kosten die Schnäppchen sogar noch ein
Vermögen.... und bei der Party muß man sich dann anhören: "Na, wieder bei
Harrods im Ausverkauf gewesen?" <grins>.
Wie das immer so
ist, hatte Frau sich für diesen kurzen Tag natürlich viel zu viel vorgenommen.
Selbstverständlich kamen wir gar nicht erst beim Heath an, sondern sind schon in
der Belsize Park Ecke hängen geblieben. London hat so wunderhübsche Straßen und
Häuser und Frauen sind ja immer so wunderhübsch neugierig, so daß wir soviel mit
der Gegend um Belsize Park zu tun hatten, daß wir den Heath total vergaßen. Tja,
und dann war es Zeit zurückzufahren, damit wir die Oxford Street noch unsicher
machen konnten, was ich auch mit Bravour schaffte.
Uli ist da ja nicht so der
Einkaufs-Fan und hatte schon den Starbucks um die Ecke im Auge, aber ich konnte
mich hier wunderbar austoben. Somit war der Koffer für die Rücktour jetzt auch
voll. Wie gut, daß ich den Großen mitgenommen habe.
Nach einem Päuschen mit Pläuschen bei Starbucks ging es dann zurück zum Hotel um sich für "Suddenly Last Summer" ordentlich herzurichten.
Diesmal fuhren wir wieder mit der Tube, weil das doch noch die schnellste Möglichkeit in London ist von A nach B zu kommen und waren somit auch pünktlich am Albery Theater. Es war sogar noch genügend Zeit für einen Wein übrig.
Ich mag das Albery
ganz gern. Es ist eines der kleinen, alten Theater in London und hat diesen
wunderbaren Charme des West End. Diesmal waren wir hier um das Stück "Suddenly
Las Summer" zu sehen. Es war wieder eine Inszenierung von Michael Grandage und
ich freute mich schon sehr darauf, weil ich finde, daß seine Inszenierungen mit
die Besten sind die es gibt. Er
gehört eigentlich zu den Shefflied Theaters, wo
wir letztens seinen Midsummer Night's Dream gesehen haben. Auch "Suddenly Last
Summer" wurde vorher in Sheffield aufgeführt und dann bekamen sie den Zuschlag
für das West End - einfach toll! Das freute mich wirklich sehr - für Michael
Grandage und seine Crew und speziell für Mark
Bazeley, einen meiner Lieblinge
des englischen Theaters.
Womit wir bei den Darstellern wären. Mark Bazeley spielt Dr. Cukrowicz, Diana Rigg Mrs Venable und Victoria Hamilton Catharine Holly. Eine klasse Besetzung!
Für die Lichtverhältnisse war Howard Harrison und für den Krach Adam Cork verantwortlich. Die beiden mußte ich jetzt erwähnen, weil Sound und Lichteffekte einfach Spitzenmäßig waren.
Das Ganze begann, wie damals bei Macbeth, mit einem lauten Knall. Das scheint am Albery zu liegen, denn Shakespeare hat ja eigentlich nichts mit Tennessee Williams zu tun.
Also wie gesagt
(oder geschrieben), erst mal die Zuschauer kräftig erschrecken bevor sie in die
düsteren Abgründe der menschlichen Seele hinab geführt werden. Das Bühnenbild
war schon schaurig genug. - Vor uns stand ein überdimensionaler Zylinder, der die
ganze Bühne einnahm. Durch den Zylinder versuchten einige einzelne Lichtstrahlen
hinauszudringen und als das Stück begann, drehten sie im Zuschauersaal auch noch
die Lichter aus und nur noch aus dem Zylinder drang das wenig Licht zu uns herüber
- was für ein beklemmendes Gefühl rief es doch in mir hervor - unheimlich! Das
wurde auch nicht
besser, als sie mit einem lauten Knirschen den
Zylinder öffneten
und das eigentliche Bühnenbild preisgaben.
Vor uns sahen wir einen düsteren, etwas unrealistisch wirkenden Garten mit riesigen roten Blumen. Alles war verwuchert und schien lange nicht gepflegt worden zu sein - immer noch unheimlich.
Endlich erschienen Menschen in diesem Garten, was mich wieder ein bißchen beruhigte.
Mrs Venable
unterhielt sich mit dem Arzt, Dr. Cukrowicz über ihren Sohn Sebastian. Der
Zuschauer erfährt, daß er erst kürzlich verstorben ist und die arme alte Frau so
sehr an ihn hängt. Diana Rigg spielte diese alte Dame einfach brillant. Am
Anfang hatte ich es nicht so einfach mit dem Verstehen des Südstaaten Dialektes,
aber das besserte sich nach und nach.
Mark Bazeley spielte die Rolle des jungen gutaussehende Arztes sehr authentisch. Er wirkte ruhig und kühl - immer noch unheimlich. Sogar das Gespräch der beiden war unheimlich - über fleischfressende Pflanzen und alles um sie herum war düster und stickig.
Sie redet über ihren Sohn und was sie über ihn erzählte war unheimlich. Man erfährt, daß er ein Dichter und Herzkrank war. Er hing sehr an seiner Mutter und sie an ihm. Er dichtete für sie, jeden Sommer ein Gedicht und druckte es auf goldenen Seiten. Sie erzählte von fleischfressenden Vögeln und seiner Suche nach Gott ... und mir war immer noch nicht wohler - er starb letzen Sommer.
Mutter und Arzt
erwarteten Catharine Holly, die Frau, die ihn in den Tod getrieben haben soll, die Frau, die
deswegen jetzt in einer geschlossenen Anstalt ist.
Tennessee Williams gräbt hier ganz schön die Gefühle der Zuschauer an. Was bei der "Katze auf dem heißen Blechdach" die Pflicht war, ist hier die Kür und Michael Grandage und seine Crew tun ihr Bestes dazu, es dem Zuschauer noch unheimlicher zu machen. Eine düstere Stimmung beschlich die Zuschauer und spiegelte sich in der Totenstille im Saal wieder.
Dieses Stück hatte
auch keine Pause zum Erholen und so steigerte sich diese düstere Stimmung mehr
und mehr, bis fast zum Wahnsinn. Mein Herz pochte und ich harrte beklommen der
Dinge, die da noch kommen mochten. Ich glaube, ich sollte mich nicht immer so
sehr in die Stücke hineinvertiefen, das kann einem die Gefühle ganz schön
durcheinander bringen.
Endlich kam etwas Auflockerung auf die Bühne. Catherinas Bruder George (Patrick Kennedy) und Mutter (Abigail McKern) sind mit einem "lauten Knall" aufgetaucht und werden durch Mrs Venable sofort wieder in ihre Schranken verwiesen und vor die Tür gesetzt.
... und sie fuhr mit ihre Schilderung des Wesens ihres Sohnes gegenüber dem Arzt, der bedächtig zuhörte, fort. Was für ein merkwürdiger Sohn, was für eine merkwürdige Beziehung zu seiner Mutter:
" 'Keuschheit mit - wie alt war Ihr Sohn im letzten Sommer?' 'Vielleicht vierzig. Wir haben die Geburtstage eigentlich nie gezählt.' ..... ich war wirklich die Einzige in seinem Leben, die den Anforderungen, die er an Menschen stellte, genügte...... Es war kein Größenwahn, es war Größe!' " Die alte Dame hob sich und ihren Sohn in den Himmel, sie hob ihre Beziehung zueinander in den Himmel. Mir als Zuschauer kam das alles ein bißchen merkwürdig vor und die Charaktere begannen skurrile Formen anzunehmen und sofort fällt mir Erich Kästners "Fabian" ein: "Da spazieren die Menschen hier unten vorüber und hatten keine Ahnung, wie verrückt es hinter den Mauern zuging! Die märchenhafte Gabe, durch Mauern und verhängte Fenster zu blicken, war eine Kleinigkeit gegen die Leistung, das, was man dann sähe, zu ertragen."
Williams beschreibt eine Szenerie, wo man froh ist nicht mittendrin, sondern nur als beobachtender und unbeteiligter Zuschauer außen vor zu sein. Zwar mit beklommenem Gefühl im Magen, aber mit der Gewißheit hier wieder heil heraus zu kommen und anders, als Mrs Venable sagt, nicht in die Trümmer seines Lebens, sondern ins Leben zurückzukehren.
"Was ist das
Leben der meisten Menschen? Nichts als eine lange Spur von Trümmern, jeden Tag
mehr Trümmer, lange, lange Spuren von Trümmern, und nichts, was sie hinwegräumen
kann, nur, am Ende, der Tod...." Was für deprimierende Gedanken einer alten
Frau - Ich weiß, daß viele genau so denken und fühlen - oh, wie bin ich froh,
daß es mir so gut geht! Und ich wünsche wirklich keinen solche Trümmer und
Gedanken!
Die alte Dame ist
so deprimiert und haßt so tief diese Frau, von der sie glaubt, ihren Sohn
an sie verloren zu haben, daß sie sie als Versuchskaninchen für einen riskanten
Eingriff im Gehirn diesem Arzt überlassen will und ihm dafür noch Geld gibt. Er
ist ein Forscher und versucht über Eingriffe im Gehirn die Aggressivität von
Menschen zu eliminieren. Er bekommt nicht genügend Budget vom Staat, weil dieser
Angst vor solchen drastischen Maßnahmen hat und so versucht er es über Spenden
und hat damit in Mrs Venable den idealen Partner gefunden, die ihn als
Gegenleistung versucht zu e
rpressen.
"Oh, aber was für ein Segen für diese Menschen, Doktor, Frieden gefunden zu haben, plötzlich den Frieden mit sich gefunden zu haben......" Selbst, wenn ich jetzt noch daran denke, dreht sich mir der Magen um. Was hat Tennessee Williams nur dazu bewegt, dieses schaurige Stück zu schreiben? So ein freundlich lächelnder Mann mit solch furchtbarer Phantasie. Und DAS ist noch nicht alles. Das Stück steigert sich mehr und mehr in eine skurrile Handlung, vom Ende ganz zu schweigen.
Die Inszenierung ist wirklich perfekt und die schauspielerische Leistung der Darsteller steht dieser in nichts nach. Was für ein Wahnsinn!
Miss Holly taucht auf. Sie ist zitterig und schwach und Victoria Hamilton bringt das sehr gut rüber. So gut, daß ich begann mit ihr mitzufühlen und es selbst mir zitterig und mulmig wurde. Die düstere Musik dazu tat ihr übriges.
Mrs Venable und der
Arzt verlassen das geschehen auf der Bühne und dem Zuschauer wird die ausweglose
Lage Catharines durch die Aktionen zwischen ihr und ihrer Betreuerin erklärt.
Es wird ihre Beziehung zu Sebastian beschrieben: "Ich habe ihn geliebt, Schwester! Warum hat er mir nicht erlaubt ihn zu retten?" Sie beschrieb ihn, wie er wirklich war und sie mochte ihn, wie er war und sie beschrieb ihre Beziehung zueinander und sie wollte ihm helfen, aber er ließ sich nicht helfen. "Er hatte mich gern und ich liebte ihn... Ich hätte ihn retten können, wenn er meine Hand festgehalten hätte!" Traurige Abgründe für die arme Frau.
Durch das Auftauchen ihrer schrillen Mutter und des "Bilderbuch" Bruders wird sie in ihrer Rede unterbrochen. Auch hier bekommt sie kein Rückhalt. Erst die scheinheilig, freundliche Familie und dann, nachdem die Nonne das Zimmer verlassen hat, das boshafte, egoistische Pack. Sie sind nur mit sich beschäftigt.
Sie Zuschauer und ich folgten immer noch still dem Geschehen. Mir tat die arme Frau Leid und ich fürchtete, daß diese Geschichte im Desaster enden würde. Alles war so düster und feindlich um sie herum. Das konnte einfach nicht gut gehen...
"Oh, ja, aber wenn sie mir eine Spritze geben - werde ich keine andere Wahl haben, als genau zu erzählen, was letzten Sommer in Cabeza de Lobo geschah. ... Man muß die Wahrheit sagen, weil es etwas in einem abtötet, das vielleicht die Wahrheit nicht sagen möchte...." Die Spannung steigt und der Zuschauer weiß nicht, was er davon halten soll. Sie kann doch unmöglich.... dieses zarte Geschöpf...
Sie kann die Wahrheit nicht ertragen und Mutter und Bruder denken nur an die Erbschaft - traurige Familie.
Der Arzt kommt wieder ins Spiel und das Drama spitzt sich immer mehr zu. Die Zuschauer sind beklommen, weil es keinen Ausweg für diese kleine Frau zu geben scheint. Sogar ihre eigene Mutter würde sie für Geld an das Messer des Doktors liefern. ABER! Es scheint, das der einzige Vernünftige dieser Runde, der ist, der eigentlich am Unbeteiligtesten ist, dem es eigentlich egal sein könnte. Der sogar ohne familiäre Gefühle das Geld der alten Lady nehmen und den Eingriff vornehmen könnte. Er würde so wunderbar seine Forschungen fortsetzen können. Die Familie versagt und der Doktor als Fremder versucht sie zu beschützen.
Mark Bazeley
brachte die ruhige Art des Arztes wirklich sehr gut rüber und Tennessee Williams
brachte durch ihn als Arzt die Gedanken Catharines zum Vorschein, was dem
Zuschauer einiges über Sebastian erklärte. Er wollte ein Bild vollenden! "- das
ihm vorschwebte! - Die Vorstellung, die er von sich hatte - sich o
p f e r
n zu müssen! - einem - einer Art von s c h r e c k l i c h e m -
Gott."
Hier spannte Tennessee Williams den Bogen zum Ende der Geschichte. Denn dann bekam Sebastian das, was er schon immer wollte!
Natürlich wußten wir Zuschauer das zu diesem Zeitpunkt noch nicht und folgten somit weiter beklommen dem Geschehen auf der Bühne.
Der Arzt gab ihr eine Spritze und sie ließ es mit sich geschehen. ... Schwankt plötzlich und fällt gegen ihn... Sie drückt ihn fester an sich... Sie drückt ihren Mund leidenschaftlich auf seinen... Ein Anflug von einer Liebeszene? Nein, daß paßt nicht in dieses Stück. Der Zuschauer hat es gehofft, aber Tennessee Williams macht der Hoffnung sofort wieder den Gar aus - leider... seufz...
Das hätte mich wieder ein bißchen gerettet aber das Stück war düster und blieb düster - also kein Lichtblick in dieser dunklen Finsternis...
... und dann erfährt der Zuschauer die grausame Wahrheit und Victoria Hamilton steigerte sich in ihre Rolle und ihre Erzählung war unheimlich und leidenschaftlich und das übertrug sich auf die Zuschauer. Ich wagte kaum zu atmen und das Gefühl im Magen wurde noch banger als es schon die ganze Zeit war. Sie spielte hervorragend!
Unheimlich und schockierend...... Gott war mir schlecht....
".... Als wir zu
der Stelle zurückkamen, wo mein Vetter Sebastian in dem Rudel kleiner,
federloser, schwarzer Spatzen verschwunden war, lag -- er ebenso nackt, wie sie
gewesen waren, an eine weiße Mauer gelehnt, und sie werden es mir nicht glauben,
niemand konnte es glauben, niemand,
niemand auf Erden wird es glauben, und ich
kann es ihnen nicht einmal verdenken! - Sie hatten Teile von ihm verschlungen.
Herausgerissene oder herausgeschnittene Teile von ihm mit ihren Händen oder vielleicht mit jenen gezackten Konservenbüchsen, mit denen sie Musik gemacht hatten, sie hatten Stücke von ihm herausgerissen und sich in ihre schmatzenden, wilden, kleinen, leeren, schwarzen Mäuler gestopft. Es war kein Laut mehr zu hören, es war nichts mehr zu sehen, außer Sebastian, oder dem, was von ihm übrig war und das aussah, wie ein großer in weißes Papier eingewickelter Strauß roter Rosen, zerrissen, hingeworfen, zerschmettert! - an jener flammend weißen Mauer..."
- Ruhe -
... aufatmen - vorbei - wow! Was für ein Stück!
Eure Jana
".... Ich weiß, es ist eine grässliche Geschichte, aber es ist eine wahre Geschichte aus unserer Zeit und der Welt, in der wir leben, und es ist wirklich das, was mit Vetter Sebastian in Cabeza de Lobo geschah..."
- Wahnsinn!