Richard Wagner (1813 - 1883)Der fliegende Holländer

Richard Wagner ist mein allerliebster Komponist. Oh ja, ich mag diese düstere und geheimnisvolle Musik. Darum konnte ich natürlich nicht wiederstehen als unser Opernhaus, hier in Halle, Wagners Oper des fliegenden Holländers im Spielplan hatte. Da ich schnell war (bei Wagner bin ich immer schnell) bekam ich sogar noch Karten für die Premiere. Und da meine Mutter kurz vorher Geburtstag hatte - wunderbar - konnte ich das gleich mit einem Essen als Geburtstagsgeschenk verwenden.

Wir gingen also gemütlich zum "Drei Kaiser" essen.  Das Amiente dort ist wunderbar - eine schöne gemütliche Gaststätte. Nett eingerichtet, genau das richtige für meine Eltern. Aber leider, fand ich, hat die Küche doch schon etwas nachgelassen. Wirklich schade. Wollen wir hoffen, daß sie nur einen schlechten Tag hatten oder der Koch Urlaub. 
Vom "Drei Kaiser" sind es nur ein paar Schritte am Uni-Ring entlang bis zum Opernhaus.  Wir waren eine halbe Stunde zeitiger da und es herrschte schon reges Treiben. Ich liebe diese Atmosphäre und ich freute mich auf Wagner. In letzter Zeit scheinen meine Wünsche bezüglich Kultur immer in Erfüllung zu gehen. 
Die meisten Opernbesucher waren auch ganz vernünftig angezogen, was sonst nicht immer der Fall ist, aber schließlich war es diesmal  ja eine Premiere. 
Manchmal verstehe ich die Leute nicht. Theater, Gala und Oper sind doch nun wirklich die einzigen Gelegenheiten sich nett anzuziehen, auch mal ein bißchen zu übertreiben. Warum nehmen nur so wenige diese Gelegenheit war?  - Aber gut, wir sind ja hier nicht bei einer Modenschau, somit sollte ich da auch nicht meckern.

Meine Eltern saßen in Reihe 2 und ich in Reihe 6, da ich keine zusammenhängenden Plätze mehr bekommen konnte. Die Premiere war ausverkauft. 
Leider habe ich in Reihe 6 vom Orchester und Dirigenten überhaut nichts gesehen. Diesmal war der Orchestergraben wieder so niedrig. Frage mich, wie sie das immer machen. Damals bei "Imeneo" hatte ich eine schöne Sicht auf das Orchester.  Ich mag sie gern ein bißchen beobachten, bei so manch langen Arien. Roger Epple dirigierte, aber wie gesagt, ich mußte bis zum Schluß warten um ihn zu Gesicht zu bekommen. Das Orchester habe ich nur gesehen, als ich mit meiner Mutter in der Pause in Reihe zwei ein kleines Schwätzchen machte. Ein nettes Orchester, sie lächelten immer zu uns hoch. 

Trotz, daß man nichts von ihm sah, führte Roger Epple das Orchester wunderbar. Von mir aus hätten sie die Ouvertüre zweimal spielen mögen. Es war genial. Ich finde sowieso, daß die Ouvertüre des fliegenden Holländers eine der besten Wagners ist. Sie ist zwar ziemlich lang, mehr als 10 min, aber so was von herrlich! Am liebsten hätte ich mich zurückgelehnt und die Augen geschlossen, aber ich wollte ja nicht, daß meine "Nachbarn" denken, daß ich schon bei der Ouvertüre schlafe <grins>.

Der erste Aufzug gefiel mir am besten.  Das Bühnenbild war gut, aber das Beste war die Beleuchtung. Unvorstellbar, wie man mit ein bißchen Licht und Technik so schöne verschiedene Stimmungen schaffen kann. Vom tiefen blau bis zum glühenden rot. Nacht und Tag, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang - erstklassig! Matthias Hönig ist ein Genie.  
Ich fand, daß die ganze Oper, bis auf ein paar Kleinigkeiten, sehr gut inszeniert wurde. Das Wichtigste: endlich mal keine lächerlichen Einlagen.  Wahrscheinlich war es schwierig bei Wagner so etwas unterzubringen. Kann aber auch sein, daß Joachim Rathke auch keinen Sinn für Kitsch hat.  Den Burschen muß ich mir merken. 
Leider ließen die Kostüme ein bißchen zu wünschen übrig. Die Farben waren zwar größtenteils sehr gut gewählt, aber irgendwie war es nicht glaubhaft, daß ein Seemann einen Anzug aus so dünnen Stoff auf hoher See anhat. Naja, vielleicht war es ein Budgetproblem. Ich will da mal nicht meckern. 
Das Kostüm der Amme fand ich auch ein bißchen übertrieben. Das rot war zwar sehr schön, aber warum hatte die Amme ein prunkvolleres Kleid als die Tochter des Kapitäns an?!? Die trat im alten Matrosenanzug auf. Und was sollte der Schlitz im Rock - nee, das passte irgendwie nicht so richtig zusammen. 
Sehr gut, von den Kostümen her, gefielen mir die Matrosen im letzten Aufzug und die Norwegerinnen - der Chor. Auch dem fliegenden Holländer stand das schwarze Kostüm gut, was von einem derberen Stoff war. Das Kostüm des Steuermanns ging auch, aber das des Jägers im schillernden Lindgrün sah schon etwas scheußliche aus. Da nehmen doch die Viecher reiß aus, wenn er im Wald so leuchtet ;-) Na gut, vielleicht war das ja auch seine "Norwegerinnen-anbagger-ausgeh-Uniform". Hat ihm allerdings nicht viel geholfen, denn Senta, die Tochter des Kapitäns schwärmte für einen anderen.  Ja, so ist das mit den Frauen, liebe Männer, nie sind sie zufrieden, mit dem, was sie haben. Immer diese Träumereien im Kopf ...tztztztz. Und immer so hoffnungslos romantisch. Was soll Mann nur damit anfangen? 

Joseph Mallord William TurnerDer erste Aufzug spielte in einer Bucht, wo Daland, der Kapitän eines norwegischen Schiffes, vor einem Sturm Schutz suchte. Jürgen Trekel (Bass) sang Daland und seine Stimme gefiel mir sehr gut. Ich mag tiefe Stimmen und somit gefiel mir Jacek Strauch als "fliegender Holländer" mit seinem Bariton am besten. Uhhh, was für eine Stimme. 
Er tauchte nach sieben Jahren in der selben Bucht auf um durch die treue eines Weibes von seinem Fluch, ewig auf den Weltmeeren umherzuirren, erlöst zu werden.  Was für ein Zufall, daß Daland eine hübsche Tochter hat. Die er dann auch gegen eine Kiste voller Schätze an den Holländer verschachert. 
Nagut, erst mal sollen sich die beiden treffen, ob es denn auch etwas werden würde. Somit treten der Kapitän und der Holländer die Reise in den heimatlichen Hafen des Kapitäns an. Das Duett zwischen dem Kapitän und dem Holländer war das Beste was man in diesem Aufzug zu hören bekam - wunderbar!!!

Der ganze erste Aufzug war brillant gespielt und gesungen. Selbst die Stimme des Tenors, Tommaso Randazzo, gefiel mir sehr gut. Er schien nur ein bißchen zart, so als Steuermann. Aber bei DER Stimme konnte ich da glatt drüberweg sehen. 

Der zweite Aufzug gefiel mir nicht ganz so gut. Das Bühnenbild sollte das Haus Dalands darstellen. Ich fand es ein wenig einfallslos. Es erinnerte mich mit viel Fantasie vielleicht eher an einen Strand, aber nie und nimmer an einen Wohnraum. Leider viel zu farblos und zu wenig Bühnenbild. Vielleicht wichen sie ab und es sollte auch einen Strand darstellen, da die Mädchen des Dorfes dort Ihre Netze flochten - wenn ich das richtig interpretiert habe. Obwohl im Programm steht, daß es sich um eine Spinnstube handelte und die Mädchen da wohl spinnten. Da braucht man wirklich eine Menge Fantasie. Eigentlich bin ich ja ein fantasievoller Mensch, aber das war doch eine zu hohe Anforderung. 
Die Mädchen spinnten und sangen und die Amme malte??? In einer Spinnstube, was sollte das denn? Senta, die Tochter des Kapitäns aß Eis aus der Tiefkühltruhe und schaute träumerisch zum Bild des fliegenden Holländers an der Wand. Jaja, wieder diese Schwärmerei...... Was das mit dem Eis auf sich hatte verstehe ich auch nicht so richtig. Vielleicht wollte sie ihren Hals ein bißchen kühlen, denn am Anfang schien es, als hätte sie Schwierigkeiten mir ihrer Stimme. Ich hatte mich schon gewundert, nach den fantastischen Stimmen des ersten Aufzuges, so ein Einbruch. Aber wahrscheinlich gab es wirklich Schwierigkeiten, denn kurze Zeit später änderte sich ihre Stimme und beeindruckte genauso wie die der Herren im ersten Aufzug. Elisabeth-Maria Wachutka hat eine der besten Stimmen, die ich bis jetzt hörte. 
Ulrike Schneider sang die Amme. Schade, daß die Amme nicht so viel "Text" hatte, denn Ulrike Schneider höre ich sehr gern singen. 

Etwas, was ich auch nicht verstand: Was sollten immer diese Aggressionen bei den Kinderszenen? Einmal wird der Schiffsjunge zusammengeschlagen und einmal streiten sich die Mädchen um eine Puppe. Meiner Meinung nach war das völlig überflüssig, aber vielleicht sollte es ja einen tieferen Sinn haben, den ich wiedermal nicht verstand. 

Aber eine sehr schöne Szene hier war, als der Holländer mit Senta zusammentraf - oh jeh, wie romantisch. Sie blieben wie versteinert stehen und starrten sich an - Liebe auf dem ersten Blick - oh wie wunderschön. Senta schwört ihm treue bis zum Tode - seufz - ich liebe diese Romantik. Warum kann es das nicht im wirklichen Leben geben? Wo ist der Mann mit dem man so etwas erleben kann? .... jaja, ich weiß, ich bin ein hoffnungsloser Fall <seufz>.

Senta ist verliebt in den Holländer und sieht sich als seine Erlöserin, auch wenn sie mit ihm zugrunde gehen wird. Erik, ihr lindgrün schillernder Verehrer, will sie davon abbringen. Aber Frau hat da nun mal ihren Dickschädel. Wenn sie einmal verliebt ist kann sie Berge versetzen und sich vielleicht auch Blind ins Unglück stürzen. Senta und der Holländer singen ein wunderschönes Duett.... seufz...

Der dritte Aufzug spielt wieder in einer Bucht. Die Matrosen feiern mit ihren Mädchen die Heimkehr. Sie versuchen die Matrosen des holländischen Schiffes zu überreden mitzufeiern, aber es rührt sich nichts. 
Der Matrosenchor war  erstklassig. Der dritte Aufzug war genau wieder nach meinem Geschmack inszeniert. Das Bühnenbild passte wieder und die Kostüme waren sehr gut. 

Als sich immer noch nichts rührte, verspotteten die Matrosen die Holländer. Plötzlich wird es stürmisch und es erschallt ein geisterhafter Chor. Das ist den Matrosen dann doch zu unheimlich und sie verschwinden mit ihren Mädchen.  

Erik versuch Senta zurückzugewinnen. Das missversteht der Holländer und denkt, sie habe ihren Schwur gebrochen. So ist das mit der Liebe, immer nur Missverständnisse. Leider klären sich diese hier nicht auf und es gibt hier auch kein Happy End. Jedenfalls kein so richtiges. Der Holländer will seine Senta nicht mit ins Verderben stürzen und besteigt wieder sein Schiff um sie zu verlassen. Sie ruft ihn ihr Treuegelöbnis nach und stürzt sich ins Meer. Was dann letztendlich doch den Holländer erlöste. Sein Schiff verschwindet. Wieder sehr schön durch Lichteffekte dargestellt. 

Und zum Schluß von Heinrich Heine*, die Moral der Geschicht': 
"Die Moral des Stückes ist für die Frauen, daß sie sich in acht nehmen müssen, keinen fliegenden Holländer zu heiraten; und wir Männer ersehen aus diesem Stücke, wie wir durch die Weiber, im günstigsten Falle, zugrunde gehen."

 

Trotz meiner Meckerei zwischendurch, muß ich sagen, daß mir letztendlich diese Inszenierung sehr gut gefallen hat und es lohnt sich auf alle Fälle diese Version der Oper anzusehen. 
Vielen Dank an unser Opernhaus für die Idee den "Fliegenden Holländer" mal wieder ins Programm zu nehmen und vielen Dank an alle Beteiligten für dieses schöne Opernerlebnis. 

Eure Jana.

*Da Heine auch einer meiner Lieblinge ist, mir der Spruch gefällt und zufällig im Programm der Oper abgedruckt war, konnte ich mich natürlich nicht bremsen den Spruch zu erwähnen. Und weil's so schön war, hier der Link zum ganzen Machwerk - köstlich - muß man unbedingt gelesen haben!!