"The loss of liberty is the price we pay for feedom" Irwin in The History Boys

 

 

Ja, so ist das mit der Freiheit. Also sollte man doch sehen, daß man nicht soviel Freiheit dafür bezahlt um sich seine Freiheit zu erhalten. Ein wirklich schöne Feststellung, die Irwin da am Anfang des Stückes macht und wenn man ein Weilchen darüber nachdenkt, ist das Statement gar nicht so paradox, wie es sich anhört. Wieviel Freiheit verlieren wir um Freiheit zu erlangen?

Alan Bennett (Quelle: Programm des NT - Ivan Kyncl)Wie dem auch sei, ich jedenfalls nahm mir wiedermal die Freiheit für einen kurzen Trip nach London um mir dieses erstklassige Theaterstück von Alan Bennett anzusehen.

"The History Boys" ist eine Geschichte, welche in den 80er Jahren in einer Grammar School im Norden Englands spielt. Es geht um ein paar Jungs, ihre Schule, ihre Lehrer, ihren Rektor und die Zeit kurz vor dem Examen. Die Lehrer sind alle ein bißchen merkwürdig und das beeinflußt natürlich auch ihre Lehrmethoden und ihre Schüler. Alles in allem ein interessantes, abwechslungsreiches und amüsantes Stück mit einem durchaus ernsten Hintergrund.

Die Premiere war im Mai 2004 am National Theatre in London - also ein brand neues Stück, übrigens mit sehr guten Kritiken und ausgebucht bis August. - DAS machte mich natürlich sehr neugierig darauf und ein kurzes "Kommst Du mit" - e-mail von Bettina aus Frankreich reichte und ich war dabei.

 

Am Sonntag Abend gab es dann noch ein Geburtstagsdinner mit Harry Potter Film für unser "Kind" Julie. Ja, somit ist Bettinas Tochter schon wieder ein Jahr älter - oh man, wie die Zeit vergeht. Ich sehe schon, langsam kann ich mich auf meine Rente freuen. Die ersten grauen Haare kommen auch schon durch - seufz - Frau wird eben auch nicht jünger, aber sie ist noch nicht zu alt um sich Harry Potter III im Kino anzusehen. Schlappe 10.50 Pfund kostete der Spaß, aber es hat sich gelohnt.

Zum ersten mal war ich im ODEON am Leicester Square, wo sonst die großen Premieren laufen. Das Kino ODEON - Leicester Square sollte Frau eben auch getestet haben. Ich hoffe, ich kann das "Kind" dazu bewegen einen kleinen Bericht darüber zu schreiben. Der Film war, genau wie seine anderen beiden Teile, wunderbar. Sehr gut inszeniert, sehr gut gespielt und phantastische Special Effects. Am besten gefiel mir die Busfahrt durch London - herrlich - ja, diesen Film kann man sich wirklich anschauen..... auch, wenn Frau eigentlich aus dem Alter raus ist ;-)

Das Dinner gab's diesmal hinterher. Gut, daß die Restaurants am Leicester Square noch bis Mitternacht Bestellungen annehmen, sonst wären wir verhungert, oder es hätte nur ein Geburtstagsdinner bei McD gegeben - armes Kind. Aber nein, wir hatten Glück und ein wunderbares Nachtmahl beim Italiener. Habe mir den Namen des Restaurants jetzt nicht gemerkt, aber es gab leckere Nudeln mit Lachs - hmmmm - könnte ich täglich haben, das "Kind" bekam eine riesen Pizza, die natürlich nicht in den kleinen Magen paßte und mit der Mutter geteilt werden mußte, die ich vorher schon bedauerte, weil sie sich nur einen Salat bestellte - hehe - sehe schon, sie kennt ihr Kind ;-) Ja, es ging uns wiedermal so richtig gut und wir freuten uns schon auf den nächsten Tag und unser Theaterabenteuer.

 

Da das Theaterabenteuer erst gegen 20:00 Uhr begann und sie uns im Hotel schon so zeitig aus den Betten kippten, blieb Frau natürlich nichts anderes übrig als - na was wohl - Shopping! Oh wie furchtbar, schon wieder Geld ausgeben und was für eine Schande, daß das wiedermal nicht die deutsche Wirtschaft ankurbelte. Tut mir echt leid, aber in London gibt es einfach die besseren Klamotten und seit wir den Euro haben, sind sie auch dort nicht mehr so teuer. Tja, so ist das eben mit der Wirtschaft. Haben wir ja gelernt - Opportunitätskosten: Wo legt Mensch sein Geld an? Und da in diesem Fall Mensch eine Frau ist, natürlich in Klamotten - grins. Erst haben wir einen Markt in Camden Town unsicher gemacht, da es dort für das Kind so herrliche T-Shirts gab und dann zog es uns in die Oxford Street, da ich unbedingt noch eine neue Jacke brauchte.

The DarksideCamden Town war klasse - ich war das erste mal in einem Gothic Shop - wunderbar, die hatten herrliche Korsagen und da ich die Dinger liebe, mußte eine natürlich mit. Das war wirklich wie im Paradies. Ich konnte mich kaum entscheiden. Aber der nette, nicht mal schlecht aussehende, mit Ohrringen und Piercing durchlöcherte Verkäufer half mir bei meiner Entscheidung und beim Reißverschluß zumachen - hehe  - Ulala, sieht wirklich sexy aus das Ding. Ich glaube, da muß ich wohl eine Jacke drüber tragen ;-) Könnte sonst unerwünschte Nebenwirkungen haben - grins.  

Das "Kind" Julie bekam noch eine nette Medusa-Bluse mit freien Schultern und Ärmeln bis zum Boden - und ja, wir werden guuuuuut aussehen heute Abend. Das ist doch genau das richtige Theateroutfit und gut, daß uns in London keiner kennt ;-) Ich liebe diese Stadt - jeder läuft rum, wie er will und keinen schert es - herrlich. Ich glaube bei uns kann ich das Ding nur in die Oper oder zum Konzert anziehen. Ist doch ein bißchen zu elegant für Theater - seufz.

... ja, das bißchen Freiheit nehme ich mir... und somit wären wir wieder beim eigentlichen Thema.

 

Die History Boys also. Diesmal hatten wir super Plätze im Lyttelton Theatre, wieder vom Club organisiert. Ich frage mich, wie Phil das immer macht, wo doch schon alles ausverkauft war. Wir saßen so ca. in der 7. Reihe Stalls in der Mitte - einfach perfekt. Die anderen Clubmembers haben wir diesmal nicht getroffen, da wir wegen der Modenschau auf unseren Zimmern wieder zu spät los kamen und es gerade mal so zum Theaterstück schafften.

Im Lyttelton Saal war ich noch nie. Das National Theatre ist von Außen ja wirklich häßlich, aber innen wunderbar und die moderne Architektur paßte sehr gut zu diesem modernen Stück.

Wir saßen kaum und schon wurde es dunkel um uns herum und ein Mann Mitte vierzig im Rollstuhl erschien auf der Bühne. Er bediente das Ding mit soviel Perfektion, daß man hätte meinen können, er säße wirklich im Rollstuhl. Stephen Campbell Moore als Irwin leitete in das Stück ein: ".... This is the tricky one." Ja, das Ding mit der Freiheit ist wirklich eine verzwickte Sache, aber laßt es uns in einer amüsanten Weise erläutern und auf geht's "Back to school".

Ja, Alan Bennetts Dialoge waren wirklich nicht einfach zu verstehen. Am Anfang hatte ich ganz schön meine Schwierigkeiten - eine Menge Worte, die ich nicht kannte und ein mir relativ unbekanntes Terrain, das englische Schulsystem. Sicherlich verstanden wir nicht jede Nuance des englischen Humors, aber doch genug um die Satire des Stückes zu verstehen. Ja, hier verfluchte ich mein schlechtes Englisch. Ich hätte zu gern alles verstanden. Die Jungs spielten so erstklassig und es war ein Genuß ihnen zuzuschauen. Die ganze Inszenierung (Nicholas Hytner) war phantastisch, das Bühnenbild (Bob Crowley) war phantastisch, die Wechsel zwischen den einzelnen Szenen waren erstklassig inszeniert. Licht (Mark Henderson), Sound (Colin Pink), Film (Ben Taylor), alles war super aufeinander abgestimmt - nein, so etwas hatte ich noch nicht erlebt. Ich weiß, daß die Engländer in solchen Sachen immer phantastisch sind, aber DAS übertraf selbst meine Erwartungen.

Die Boys (Quelle: Programm des NT - Ivan Kyncl)Das Bühnenbild wurde dauernd gewechselt, vom Klassenraum, zum Lehrerzimmer bis hin zum Büro des Rektors und das alles ohne Vorhang. Sie lenkten das Publikum mit Filmen über den Alltag der Jungs auf einer Leinwand im Hintergrund oder mit einem Klavier und Musik im Vordergrund ab. Z.B. wurde der erste Auftritt von Hector, dem Englischlehrer durch einen Film, wo er mit dem Motorrad ankommt, eingeleitet - einfach brillant! Man sieht diesen sehr korpulenten Hector mit seinem Motorrad über den Schulhof brausen und alsdann im Bikeroutfit auf der Bühne erscheinen.

Ich finde überhaupt war die Cast erstklassig gewählt. Sämtliche Schauspieler waren perfekt für ihre Rollen. Der sehr korpulente, eigentlich wirklich fette, Richard Griffiths als Hector, das dürre, zarte Männchen Clive Merrison als Rektor, Stephen Campbell Moore als der junge, aufstrebende, perfekte, neue Geschichtslehrer Irwin und Frances de la Tour als Mrs. Lintott. Ihre Schüler waren Sacha Dhawan als Akthar, Samuel Anderson als Crowther, Dominic Cooper als Dakin, Andrew Knott als Lockwood, Samuel Barnett als Posner, Russel Tovey als Rudge, Jamie Parker als Scripps und James Corden als Timms. Ich führe die Namen der Jungs hier alle einzeln auf, weil ich denke, diese sollte man sich auf alle Fälle merken. Ich bin mir sicher, daß wir von ihnen noch einiges hören werden und ich hoffe inständig, daß sie nicht in einem dieser Hollywoodschinken versacken werden. DIE haben wirklich Talent zu etwas Besserem!!!

 

Hector erscheint auf der noch leeren Bühne, nur etliche Neonleuchten prangen in Reihe und Glied von der Decke, in seinem Bikeroutfit und die Jungs entblättern ihn langsam, so daß der Lehrer in seinem furchtbaren brauen Anzug zum Vorschein kommt.

Richard Griffiths als Hector (Quelle: Programm des NT - Ivan Kyncl)"... A Levels, Rudge are credentials, qualifications, the footings of your CV. Your Cheat's Visa. ..." Die Dialoge sind wirklich erstklassig. Man kam aus dem Lachen gar nicht wieder heraus. "... A verbal fig-leaf. The mild or vague expression being General Studies. The harsh or direct one, Useless Knowledge. The otiose - the trash, the department of why bother." Wobei Posner im Wörterbuch nachschlägt und sofort "otiose" erklärt als: "... serving no practical purpose, without function." - herrlich! Soviel zum allgemeinem Studium.... Kommt mir irgendwie bekannt vor. .... Kurz "I would call these lessons A Waste of Time." Dieser Hector spricht mir aus der Seele. - Oh! Vorsicht! Ich sollte nicht mir Steinen werfen in meinem noch um mich stehenden Glashaus. Somit zitiere ich hier Hector weiter und schließe mich ihm natürlich an: "... open quotation marks, 'All knowledge is precious whether or not it serves the slightest human use', close quotation marks." Und dieser Sarkasmus wird nicht weniger. Sie unterhalten sich über Cambridge und Oxford und daß die Jungs dort gern hingehen möchten. Der Grund: "Old sir, Tried and tested." und somit schneidet da Sheffield und der Rest der Welt wohl nicht besonders gut ab. Wie es aussieht ist dann wohl meine Uni auch nicht die Beste, aber ich hatte bei der Auswahl auch etwas andere Gründe "in der Nähe, nicht so teuer, Firma zahlt." Sind doch auch ordentliche Gründe - oder?

 

Alan Bennett legt etliche Zitate aus Theaterstücken oder Filmen in die Münder seiner Akteure. Leider kannte ich davon nicht einmal die Hälfte, aber das was sie sagen und wie er sie einbaute war wirklich sehr gelungen. Was für ein Meister seines Faches!!!

 

Frances De La Tour und Stephen Campbell Moore (Quelle: Programm des NT - Ivan Kyncl)Dann schneller Bühnenwechsel und wir befinden uns im Lehrerzimmer. Der Rektor und Mrs Lintott unterhalten sich über ihre Schützlinge. Die größte Sorge des Rektors ist, endlich mal wieder einige seiner Schüler nach Oxford oder Cambridge zu schicken, was ihm mit dieser Klasse wohl gelingen dürfte, wo sie doch in den letzten Jahren immer so ein Pech hatten. Er legt sehr viel Wert auf Präsentation, wie es wohl auch in unserer Welt sehr üblich ist: "I would call it grooming did not that have overtones of the monkey house. 'Presentation' might be the word..."

Immer das selbe, es ist in der Schule nicht anders wie im Leben.... Presentation might be the word.... Alan Bennett packt soviel Wahrheit in nur so ein paar Zeilen und eigentlich ist das nicht lustig, sondern eher traurig, daß mehr Wert auf Präsentation gelegt wird, als auf wirkliches Wissen.... und das kann ich mit reinem Gewissen beglaubigen.

Alles ist Schein, alles Lug und Betrug und wer am besten betrügen kann, kommt am weitesten. Willkommen im Affenhaus!

 

DClive Merrison als Rektor (Quelle: Programm des NT - Ivan Kyncl)ann kommt Irwin ins Spiel. Ein junger Mann so um die 25 Jahre alt. Die Jungs und auch der Rektor hielten ihn erst für einen Schüler. Wie sich aber schnell herausstellte war er der neue Lehrer. Irwin kam aus Oxford und der Rektor hoffte mit seinem Wissen über die Prozeduren für Examen dort, könnte er die Jungs auch dorthin bringen und sich und seiner Schule damit eine goldene Nase verdienen. Somit verspricht er ihm die Stelle als Geschichtslehrer, wenn er es schafft seine Schule in der Sache weiter zu bringen.

Alsdann sollte der junge Irwin dem alten Hasen Hector vorgestellt werden, der gerade damit beschäftigt war, seinen Jungs eine Lesson in Französisch zu geben. Sie spielten eine Liebesszene und ich verstand kaum ein Wort. Die Damen neben mir amüsierten sich köstlich - manchmal hat es schon seine Vorteile in Frankreich zu leben. Aber ich war nicht allein mit meinem poor French. Des Rektors French war noch poorer, was den ganzen Saal zum Lachen brachte.

Herrlich, Samuel Barnett bekam als Posner eine nette weibliche Rolle als Zimmermädchen, James Corden als Timms die weibliche Hauptrolle der Prostituierten und Dominic Cooper als Dakin den männlichen Part mit einer sehr tiefen Machostimme. Schon allein das brachte den Saal inklusive meiner Wenigkeit zum Schreien. Leider, als es dann zum Sex kommen sollte, platze der Rektor mit Irwin rein, der scAndrew Knott, Jamie Parker und Dominic Cooper (Quelle: Programm des NT - Ivan Kyncl)höne Spaß war vorbei und Hector hatte Erklärungsbedarf, was Dakin in Unterhose liegend auf zusammengestellten Stühlen machte. Hector erklärte ihm in Französisch, daß sie sich gerade in einem belgischem Kriegshospital befinden und die Verwundeten versorgen. Die Jungs begannen alsdann zu hinken und zu stöhnen. Gott sei Dank kam der Rektor mit seinem Französisch nicht sehr weit und begann wieder Englisch zu sprechen und ich besser zu verstehen. Er wollte Hector vorsichtig beibringen, daß Irwin für drei Stunden in der Woche seine Klasse coachen sollte. Die Antwort war: "No, Headmaster! ... Non. Absolutment non. Non. Non. Non. C'est hors de question. Et puis, si vous voulez m'excuser, je dois continuer la lecon. ~ À tout à l'heure." Headmaster looks at Irwin. "Fuck". .... und zu Deutsch: "Nein. Absolut nicht. Nein. Nein. Nein. Das kommt nicht in Frage. Und dann, wenn Sie mich entschuldigen wollen, ich muss mit meinem
Unterricht fortfahren. - Bis später!" "Fuck". - ... die Schulglocke läutete - Schule aus.

Irwin hatte somit keine sehr gute Einführung. Da half auch seine kleine freizügige Rede nichts mehr. Aber immerhin haben die Jungs Mitleid mit ihm: "Have a heart. He's only five minutes older than we are."

 

Hector nimmt einen der Jungs mit seinem Motorrad mit und die anderen unterhalten sich noch im Klassenraum: "What happened with Hector? On the bike? .... In controlled conditions. Not on the fucking bike. I'm terrified. ... Of the sex? ... No. Of the next roundabout. Rudge is having sex, apparently. ... Only on Fridays. I need the weekend free for rugger. And golf. .... Currently I am seeing Fiona, the Headmaster's secretary, not that he knows. We haven't done it yet, but when we do I'm hoping on of the times might be on his study floor. ... I'ts like the Headmaster says: One should have targets."  ..... Ja, man sollte Ziele haben. Vielleicht auch welche, die nicht unbedingt mit dem Studium zu tun haben <grins>.

Die Jungs sind wirklich goldig und das Publikum amüsierte sich köstlich. Das Spiel mit Hector wird sich noch zum Desaster entwickeln, aber erst mal back to the staff room. Mrs. Lintott und Hector unterhalten sich über den Neuen. "The new man seems clever. .... He does. Depressingly so.  .... Man are, at history, of course. ... Why history particularly? ... Story-telling so much of it, which it what men do naturally." - herrliche Dialog und das geht das ganze Stück hindurch. Dieser hier gefällt mir sehr gut, allerdings trifft das wohl nicht auf alle Männer zu, es gibt auch welche, die bevorzugen gar nichts zu sagen, was aber auch nicht gerade toll ist. Dann doch lieber ein paar nette Geschichten - oder? .... Liebling! Sag doch was! - hehe.

 

Irwin hat seine erste Stunde bei den Jungs und jeder Gegner versucht den anderen mit Wortgefechten zu schlagen. Wie es aussieht ist Irwin ein schlauer Hund und gewinnt den ersten Kampf - "So much for our glorious dead".

Das scheint ihm bei den Jungs einige Punkte zu bringen.

Hector hat da wieder eine ganz andere Art. Er braucht sich den Respekt nicht mehr zu verdienen. Ihn lieben die Jungs. Ich liebe ihn auch, vor allem seine schlauen Sprüche. Hier ist noch einer, der wiedermal voll zutrifft: "You don't always understand it? Timms, I never understand it. But learn it now, know it now and you'll understand it whenever." ... oder auch nicht - herrlich, wiedermal voll aus dem Leben gegriffen. Geht mir so manchmal mit meinem Studium auch so.

Dieser Hector ist wirklich klasse. Als es an der Tür klopft und der Rektor mit Irwin hinein wollen, läßt er durch die Jungs einfach die Tür abschließen.

"Very often the knock is elided - the knock, as it were, taken as knocked.

Did the knights knock at the door of Canterbury before they murdered Beckett?

And maybe the person from Porlock never actually knocked but just put his or her head in at the window?

Death knocks, I suppose.

Love.

And of course, opportunity...."

Eine sehr interessante Ausführung zum Thema 'Klopfen' - ja, gefällt mir. Wir lernen also wieder: Manchmal ist es sinnvoll zu klopfen, manchmal eben sollte man besser ohne zu klopfen eintreten, sonst könnte es passieren, daß man seine Chance verpaßt, was in diesem Fall für den Rektor und Irwin wohl so aussieht, denn sie bleiben  ausgesperrt. Zur Freude des Publikums.

Nein wirklich, das ganze Stück ist eine Freude für das Publikum. Ich könnte hier noch viel mehr der grandiosen Sätze zitieren, die Alan Bennett seinen Akteuren in den Mund legt. Das würde den Rahmen aber wohl doch etwas sprengen.

Die Aktionen auf der Bühne gehen weiter - Musik, Film, schnelle Wechsel - Klassenraum, Lehrerzimmer, Aufenthaltsraum, Büro des Rektors - hin und her und her und hin - alles gespickt mit wunderbaren Dialogen. Der Zuschauer erfährt mehr und mehr über die Schüler, die Lehrer und ihre Beziehungen zueinander. Sachen werden aufgedeckt, die einen eigentlich erschrecken sollten - aber es komischerweise nicht tun. Hector macht mit den Jungs auf seinem Motorrad Spielchen, wird dabei von der Frau des Rektors erwischt. Der Rektor will ihn dafür natürlich Feuern, aber keiner der anderen will das und es stimmt sie traurig. Die Jungs sahen das als netten Spaß und der Rektor hatte es immer still geduldet. Die Jungs sehen ihre Beziehung zu Hector als Verschwörung, möglicherweise gegen die Welt. Letztendlich bleibt Hector an der Schule und keiner stößt sich daran.

Irwin ist ein bißchen verklemmt, versucht es aber zu verbergen. Posner sagt er sei schwul und ist überhaupt nicht gewillt dies zuSamuel Barnett als Posner (Quelle: Programm des NT - Ivan Kyncl) verbergen:

 

"I'm a Jew.

I'm small.

I'm homosexual.

And I live in Sheffield.

I'm fucked."

 

Die Szene mit dem Zug war eine Glanzleistung. Jamie Parker spielte als Scripps das Thema von Rachmaninows 2. Piano Konzert und Samuel Barnett als Posner sang dazu. Das Ganze war eine Parodie auf Celia Johnson und Cyril Raymond. Der Seufzer am Schluß mit der Umarmung durch Scripps war das Beste. Super gespielt von den beiden Jungs - erstklassig!

 

Letztendlich bekommen die Jungs ihren Freibrief für die großen Universitäten, Irwin eine Fahrt mit Hector auf seinem Motorrad - Ironie des Schicksals - da es diesmal keine netten Spielchen mit 50 mph gab und Hector einmal brav beide Hände am Steuer hatte kam es zum Unfall, Hector kostet es das Leben und Irwin seine Beweglichkeit. Eigentlich war das doch eine Tragödie, aber irgendwie kam einen alles nur als eine unrealistische Farce vor. - Verrückt, aber dennoch genial! Die Engländer sind schon ein seltsames Völkchen mit ihrem netten britischem Humor und ich liebe sie dafür. Wie kann man so ein Ende so trocken rüberbringen? Ein bißchen Trauer, aber eben sehr unrealistisch wirkend.

 

Ein Wahnsinns Applaus für eine Wahnsinns Aufführung! Ein wunderbares Theaterhighlight, das man wirklich nicht verpassen sollte.

So richtig weiß ich noch nicht, was ich von der ganzen Sache halten soll - ich glaube, ich muß noch ein bißchen darüber nachdenken....

 

 

 

Eure Jana

 

 

"Education isn't something for when they're

old and grey and sitting by the fire. It's for now. The

exam is next month.

...

And what happens after the exam? Life goes on."

 

(Quelle: Programm des NT - Ivan Kyncl)