Ach sie fragen nach dem Weltbild? Das ist Hollywoodlich

Wie vermutlich

Und das Ganze endet happyendlich.

Selbstverständlich.*

 

 

 

Ja, da haben wir es wieder. Schon wieder warten. Diesmal sitze ich im Autohaus Rosengarten, weil mein Licht in Hamburg ausgefallen ist, also das Licht an meinem Auto - nagut.

Aber sonst hatte ich diesmal ein wirklich tolles Wochenende mit Carmen und einen Tag der offenen Tür im Marriott Golf Hotel.

 

Die Oper in Hamburg war, wie immer wieder phantastisch, so hatten wir auch diesmal viel Spaß bei einer super Inszenierung mit toller Bühne und passenden Kostümen. Die Musik hervorragend und der Hauptteil der Sänger sehr gut, eigentlich waren alle sehr gut. Ein bißchen Probleme hatte ich am Anfang mit der Stimme der hübschen Carmen. Denyce Graves spielte hervorragend, aber ich fand ihre Stimme passender zu einem Jazz-Abend. Die tiefen Töne klasse, aber die Hohen erschienen mir ein bißchen zu schrill. Don Jose, gesungen und gespielt von Paul Charles Clarke, hatte eine gute Stimme, aber ich fand ihn nicht so sehr passend zu der hübschen Carmen, völlig verständlich, daß sie da den gutaussehenden Torero Escamillo (Teddy Tahu Rhodes) dem kleinen, dicken Don Jose vorzog. Hätte ich auch so gemacht - nein, Don Jose hätte da besser bei seiner schüchternen, stillen aber wunderbar singenden Micaela (Hellen Kwon) bleiben sollen. Die Stimme der Micaela fand ich war diesmal die Beste der ganzen Oper.

 

Wir begannen diesen erstklassigen Abend dieses erstklassigen Wochenendes mit einem wenigstens für Uli und mich erstklassigem Dinner in einem chinesischen Restaurant gleich neben der Oper, von dem ich mir den Namen immer noch nicht gemerkt habe. Von dort sind es nur ein paar Schritte über die Straße in das moderne Gebäude der Hamburger Oper.

Selbst unsere Plätze waren noch frei, auch noch nachdem Uli unsere Originalkarten versehendlich nach Düsseldorf geschickt hat. Aber das war mit der Hamburger Oper soweit kein Problem, denn wir bekamen Duplikate für unsere Plätze. Brenzlig wäre es nur geworden, wenn der Herr aus Düsseldorf in der Hamburger Oper aufgetaucht wäre.

 

Programm zu Carmen - Oper Hamburg April 2006 Vor unserem wunderbaren Opernbesuch, konnte ich als Hallenser endlich mal wieder in einer Weltstadt einkaufen. Es ist traurig zu sagen, daß das immer noch ein himmelweiter Unterschied sogar zur Leipziger Shoppingwelt ist. Von Halle ganz zu schweigen. Hamburg ist einfach eine tolle Stadt und es macht einfach Spaß durch die Geschäfte zu pilgern, auch wenn man sich nicht alles leisten kann, was man dort vorfindet. Aber man findet auch sehr gute Stücke die erschwinglich und trotzdem Extraklasse sind. Es ist sehr schade, daß Halle und Leipzig so schlecht mit der Kaufkraft eingestuft sind, so daß man immer nach London oder Hamburg ausweichen muß. Nicht, daß es in Leipzig keine teuren Sachen gäbe, habe erst letztens in einem Kaufhaus (man betone Kaufhaus) eine Strickjacke für 385 EUR gesehen. Aber überteuerte Sachen von der Stange in Kaufhäusern machen leider noch nicht das Ambiente aus, was eine solche Stadt haben sollte. Leipzig baut sehr schöne Geschäftsstraßen, aber irgendwie stimmt da etwas mit dem Stadtmanagement noch nicht so richtig. Naja, immerhin gibt es in jedem Kaufhaus jetzt eine Biba und Esprit Ecke - aha, sie haben gemerkt, daß die Leute die Sachen mögen, die ein Label tragen oder den individuelle Service wie bei Biba und deshalb wird das jetzt sofort überall so gemacht - schade nur, daß das nun schon wieder langweilig wird. Wo bleibt die schöne Individualität, das Einzigartige? Ich kann diese "Globalisierung" nicht mehr sehen, überall der selbe Mist, ob Frau da Klamotten kaufen möchte oder Möbel. Immer alles gleich, gleich, gleich... die Masse in der Produktion macht die Kohle. Das lernt man im Wirtschaftsstudium und wenn man in einem so großen Unternehmen wie der Dow arbeitet. Aber man lernt auch etwas von Qualität, Dienstleistung und vor allem von Kundenwünschen und Kundenzufriedenheit. Nagut, die meisten Kunden sind wohl auch zufrieden und wunschlos, nur ich bin's wieder nicht. Ich tanze wieder aus der Reihe, muß wieder das haben, was nicht jeder hat, muß wieder auffallen und individuell sein. Ich bin unmöglich.

Ja, ich bin unmöglich, ich gehe zu oft ins Theater und zu oft zu Konzerten und zu oft in die Oper - ich sollte mehr Fernsehen schauen und nicht dauernd auf solch individuelle, nicht wiederholbare Ereignisse zurückgreifen. Das versaut den Charakter und man ist zu viel unterwegs, so daß man die viele schöne Reklame und die vielen schönen neuen Serien im Fernsehen verpasst und so überhaupt nicht mehr beim Frühstück & Mittag mit den Kollegen mitreden kann. Und noch schlimmer, ich gerate dadurch mit meiner Berichteschreiberei ganz schön ins Hintertreffen.

Hmmm - aber was soll ich machen, ich bin einfach abnormal, ich liebe es Auszugehen und ich hasse es sich vom Fernsehen berieseln zu lassen!

 

Ich würde Euch zu gern über all die phantastischen Erlebnisse berichten, aber ganz allein die Zeit ist nicht genug. Darum möchte ich Euch heute in diesem stark und leider zusammengerafften Bericht, einen kleinen Querschnitt über die letzten meiner Kulturereignisse geben. Denn es gibt Dinge, die da einfach gesagt und weiterempfohlen werden müssen! Damit es für Euch leichter ist die einzelnen Events aus meinem Gelaber herauszupicken hier ein kleines Inhaltsverzeichnis, dieser in der Reihenfolge der Aufführungen, die nicht unbedingt mit der Reihenfolge in diesem, meinem Text übereinstimmen, also viel Spaß beim Springen:

 

1.) 25. Februar 2006: das Musical CABARET am Halleschen Opernhaus

2.) 09. März 2006: das 4. Sinfoniekonzert der Halleschen Philharmonie & Opernhaus

3.) 20. März 2006: das Montagskonzert der Halleschen Philharmonie

4.) 24. März 2006: das Große Konzert im Gewandhaus

5.) 01. April 2006: CARMEN in der Hamburger Staatsoper

6.) 06. April 2006: HAPPY  END  im Anhaltischen Theater Dessau

7.) 10. April 2006: noch ein Montagskonzert der Halleschen Philharmonie

8.) 12. April 2006: CAVEMAN im Urania 70

und die Nr. 9.) 13. April 2006: das 6. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie Dessau

 

So, das war's - die letzten Highlights in Reihe - hmmm - und schon haben wir wieder ein klitzekleines Problem: "HIMMEL!!!! WO FANGE  ICH  DA  JETZT  AN??????" Wenn ich mir das alles so durch den Kopf gehen lasse  erscheint es mir immer schwieriger mich kurz zu fassen. Jede der 9 Veranstaltungen war ein Highlight... mehr oder weniger... aber meist mehr, so das Frau unbedingt etwas dazu sagen sollte. Und viele der Highlights laufen ja noch und sollten unbedingt empfohlen und von Euch besucht werden, wie z.B. "Happy End", was mir besonders am Herzen liegt.

 

 

Als wir diesmal das riesige Gebäude des Anhaltischen Theaters betraten, kam eine merkwürdig, traurige Stimmung rüber, alles so still und einsam - was ist denn hier los? Sollte die Vorstellung etwa ausgefallen sein? Das wäre ja furchtbar, wo ich mich doch so darauf gefreut habe! -- Aber nein, die Garderobe war doch geöffnet und ja, da war auch schon jemand, der uns unsere Mäntel abnahm - aber sonst bedrückende, traurige Stille :-(

Julia Zabolitzki & Bernd Lambrecht - Happy End - Anhaltisches Theater Dessau - Kurt Weill und Bertholt BrechtEs waren noch ca. 10 min bis zur Vorstellung und so ganz langsam kam da noch eine Schulklasse mit Lehrerin und eine Hand voll weiterer Zuschauer.

Wir nahmen unsere Plätze im großen Saal ein und ich kam mir ein wenig verloren vor. Sollte das Stück denn so schlecht sein, daß nur so wenige Leute es sehen wollten und ein paar davon noch dazu gezwungen wurden?

Also nein, das konnte ich mir nicht vorstellen und das Bühnenbild (Marianne Hollenstein) war auch schon mal perfekt. Ich fand es phantastisch, wie sie die alten Holzfassaden des großen Saales in das Bühnenbild integriert haben - wirklich klasse  gemacht! Auch später der "Auftritt" der Band war exzellent in Szene gesetzt und alles von Anfang bis Ende hervorragend durchdacht.

Ich würde sogar sagen "Happy End" ist das beste Brechtstück, was ich bis jetzt gesehen habe. Das übertrifft sogar die Dreigroschenoper. .... und dabei hat er es ja noch nicht mal geschrieben ;-) Wie war das noch mal? Hinter einem erfolgreichen Mann steckt immer eine starke Frau? Naja, Brecht hatte schon einige davon und ich weiß jetzt auch nicht wirklich, inwieweit er mit Elisabeth Hauptmann liiert war. Lotte Lenya behauptete jedenfalls, abgedruckt im Programm zum Stück, daß Elisabeth Hauptmann sich das Leben nehmen wollte, als sie erfuhr, daß Bertholt Brecht Helene Weigel geheiratet hatte - autsch.

Letztendlich gab es wohl bei der Uraufführung ein bißchen Knatsch der Frauen wegen (Frauen sind wohl so, wenn sie sich um einen Mann streiten?!), so daß Brecht und Weill sich danach "erst mal voneinander erholen mußten".* Nee, die Männer haben aber auch ein schweres Los.

Interessant auch, daß Theo Lingen und Peter Lorre bei der Uraufführung mitspielten. Wer die Ära der schönen, Kristina Baran, Ulrich Westermann, Rainer Böhm, Bernd Lambrecht - Happy End - Anhaltisches Theater Dessau - Kurt Weill alten s/w Filme noch kennt, kennt auch die beiden hervorragenden Schauspieler. Die Uraufführung war am 31. August 1929 in Berlin und ich freue mich dieses Stück 77 Jahre später hier in einer brillanten Aufführung des Anhaltischen Theaters sehen zu dürfen. Also Ihr hört hier schon wieder mein Lieblingswort "brillant", was hier schlicht und einfach meine Begeisterung dafür zum Ausdruck bringen und Euch sagen soll: "Schaut es Euch an, so lange Ihr die Möglichkeit habt. Das bringen sie nicht sooft und es lohnt sich auf alle Fälle!" 

Die nächste und ich glaube sogar letzte Vorstellung in dieser Spielzeit wäre am 29.04.2006 im Anhaltischen Theater Dessau und wer weiß, ob sie es in der nächsten Spielzeit noch einmal dabei haben werden. Ich überlege hier schon ernsthaft, ob ich es mir noch einmal anschauen möchte..... am Liebsten allerdings unter der musikalischen Leitung von Golo Berg -- ich weiß auch nicht, aber irgendwie weckt der Mann merkwürdige Ideen in mir ;-) Naja, diesmal hatte allerdings Wolfgang Kluge die Leitung und machte sich dort hinten auf der Bühne mit seiner Band auch sehr gut. Also das sollte hier unbedingt erwähnt werden, die dort hinten positionierten Rudimente der Anhaltischen Philharmonie spielten wirklich super und passten hervorragend ins Geschehen.

Silke Wallstein, Karl Thiele, Matthias Westphal, Mario Janisch, Hardy Kistner - Happy End - Anhaltisches Theater Dessau - Kurt WeillDie Handlung ist sehr einfach zu beschreiben und gut zu verstehen. Man kann eine Menge hineindichten und gute intellektuelle Diskussionen darüber führen. Das ganze Stück macht einfach Spaß und regt trotzdem zum Nachdenken an. Aber jetzt ganz kurz und ohne Nachdenken die Handlung: 

Eine Hand voll Gangster, abhängig von einer Fliege oder Madam in Grau, hängen in einer Kneipe herum und bekommen ihren nächsten Coup geplant. Die Heilsarmee erscheint mit Frontmann (oder besser -frau), der überaus hübschen Lilian Holiday (hier gespielt, von der ebenfalls überaus hübschen Julia Zabolitzki), in welche sich sogleich alle verlieben und besonders der gefürchtete Gangsterboss Bill Cracker (Bernd Lambrecht). Da Frauen in einer Männerwelt immer alles durcheinander bringen, passiert dies auch diesmal. Die Band beginnt zu spielen, sie singt schmutzige Lieder, wird von der Heilsarmee entlassen (da es dort wie hier auch Neider gibt, die Intrigen schmieden), hat Sex mit Bill Cracker, der dadurch seinen Coup verpasst und die Fliege (Regula Steiner-Tomic) ganz schön sauer macht. Die will ihn umbringen lassen, was aber nicht klappt. Bill haut ab und alle treffen sich zur Weihnachtsfeier der Heilsarmee. Die Fliege, oder Dame in Grau trifft dort ihren lang vermissten Liebhaber wieder und sie gründen eine Bank, weil man da legal den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen kann. Der Rest der Gangster tritt in die Heilsarmee ein - aus dem selben Grund - die Pärchen finden sich und alle sind glücklich = Happy End!

Also, ich hoffe, Ihr wollt das jetzt genauer und ins Detail wissen und schaut Euch das Stück mit Musik im Anhaltischen Theater an. Eins sei dazu noch gesagt: Die Schauspieler waren alle hervorragend, alle haben super gespielt und der, der die Besetzung zusammengestellt hat, verdient ein dickes Bienchen. Die Charaktere waren einfach perfekt. Das kann man nicht mehr besser machen. ... und weil ich das jetzt nicht alles abschreiben will, hier der Scan aller Mitwirkenden aus dem Programm als Beispiel für ein hervorragendes Team.

 

Am längsten liegt CABARET in meiner Liste zurück. Ein Stück, was ich mir eigentlich überhaupt nicht ansehen wollte, da ich Musicals nicht besonders mag. Oder sagen wir besser, Musicals stehen nicht an erster Stelle meiner kulturellen Wunschliste und somit fallen sie meist in meiner Auswahl hinten runter. Die hallesche Inszenierung von CABARET hatte Glück, daß dies nur bei mir so ist, aber bei meinen Freunden eher umgedreht. Somit wurde ich überredet und verdonnert mir nach dem meiner Meinung nicht ganz so geKay Stromberg - Quelle: Programm zu Cabaret, Opernhaus Hallelungenen "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" zum Kurt Weill Fest in Dessau, welches zu dieser Zeit statt fand und da deswegen Freundin Uli nun schon mal in Halle war, CABARET anzusehen (<--- sorry, aber ich liebe Schachtelsätze!).

Ne Menge Menschen mögen Musicals und darum war unser kleines Opernhaus auch zum brechen voll und ausverkauft. Wir haben damals gerade noch so drei Plätze in der zweiten bekommen. Die sich aber trotz meiner Vorurteile als sehr gut erwiesen. Wir hatten einen perfekten Blick auf die Bühne und konnten der hervorragenden Musik (Kay Stromberg) und Inszenierung (Helmut Baumann) wunderbar folgen.

Tobias Schulz - Quelle: Programm zu Cabaret, Opernhaus HalleEs freute mich überaus den ehemaligen "nt" Schauspieler Tobias Schulz hier in der Rolle des Clifford Brandshaw wiederzutreffen. Auch, wenn sein Tanzen nicht perfekt war, war er jedoch perfekt für diese Rolle. Und es freute mich ebenfalls, daß Björn Christian Kuhn die Hauptrolle des Conférenciers bekommen hat. Seine Performance strotzte nur so an Spaß und Freude. Es war ein Genuss ihm zuzusehen. Genauso hervorragend und überzeugend spielten und sangen auch alle anderen Mitwirkenden, Charlotte Björn Christian Kuhn - Quelle: Programm zu Cabaret, Oper Halle Heinke als Sally Bowles, Gabriele Bernsdorf als Fräulein Schneider, Horst Schäfer als Gemüsehändler ...

 

Ich hatte CABARET vorher noch nie gesehen, noch nicht mal im Fernsehen, und auch die Handlung nicht gekannt und somit war es für mich sehr spannend Dieser zu folgen. Leider einer sehr traurigen und deprimierenden Handlung, was diese Inszenierung sehr gut vermochte rüberzubringen. Am Schluß erging es mir fast wie damals zur "Wannseekonferenz" des "neuen theaters", ich wusste ob der Handlung nicht, wollte ich am Schluß klatschen oder wollte ich nicht. Das Klatschen war wie ein Schlag ins Gesicht der Charlotte Heincke - Quelle: Programm zu Cabaret, Oper Halle Traurigkeit über die Handlung. Aber gut, ich ließ mich durch den rasenden Beifall der anderen aus diesem merkwürdigen Gefühl reißen und zollte der Inszenierung und Akteure auch meinen Tribut.

 

Wenn ich mir die im Programm abgedruckte Chronik von 1918 bis 1945 ansehe, staune ich wie viel ich über diese Geschichte gar nicht kenne. Wie schleichend und mit welchen Tricks die NSDAP an die Macht kam. Wie leicht sie die Massen manipulieren konnte, und das sogar ohne Fernsehen, und wie schnell sie mit schlauer, aber gehaltloser Argumentation die Wahlen gewinnen konnten - unbegreiflich - aber wenn man sich jetzt das weltgeschichtliche Geschehen so anschaut, funktioniert das genau so wieder. Die zweite Chronik im Programm mag zwar erschütternd sein und Angst machen, aber ich glaube, die größere Gefahr vor der ich Angst habe und wo man sehr gut Parallelen ziehen kann, kommt aus einer anderen Richtung, vor der uns nun leider auch kein Ozean mehr zu schützen vermag, und bei Weitem nicht aus Deutschland.

Das deprimiert mich jetzt. Ich glaube, ich suche mir nun ein anderes Thema. Schaut Euch CABARET an, es lohnt sich und nehmt Euch vielleicht ein Taschentuch mit für die Tränen über Deutschland und seit darauf gefasst, daß ein Musical nicht lustig ist, auch wenn es irgendwie den Anschein haben könnte.

Ich brauche jetzt etwas Aufheiterndes in meinem Bericht, gut, daß ich hier noch CAVEMAN in meiner Liste habe. Ein Höhlenmensch in einer Höhle. Schade, daß das Urania 70 so heruntergekommen ist. Einst als erstes 70 mm Kino ein Glanzstück in der Kinolandschaft und jetzt ein Wrack für abgewrackte Höhlenmenschen die kommen um über sich selber zu lachen. "Du sammeln - ich jagen!" - Super - somit haben wir die Beziehung Mann- Frau auf vier wenige Worte erfolgreich zusammengefasst.

Wir haben gelernt, daß Männer und Frauen einfach nicht zusammenpassen - nagut, daß wussten wir eigentlich schon vorher. Freundin Bettina hat es mir schon vor einigen Jahren gesagt und ich wollte es nicht so recht glauben - naja, nun habe ich es bewiesen bekommen.

Esther Schweins & Felix Theissen - Quelle: Flyer zu CavemanCaveman erobert die Welt, von L.A. bis Zürich - und da Halle dazwischen liegt, blieben wir auch nicht davon verschont. Auch diesmal habe ich "ja" zu etwas gesagt, was ich eigentlich sonst vermeide. Aber gut, die Meisten meiner Bekannten haben diesen Selbstgespräche führenden, für einen Mann allerdings sehr viel redenden und eigentlich gar nicht wie ein Höhlenmensch aussehenden, von seiner Frau vor die Tür Gesetzten erlebt und waren begeistert.

"Männer sind Jäger und Frauen sind Sammlerinnen. Eine Tatsache, die die menschliche Evolution bis heute nicht hat ausmerzen können."**

Allerdings fragt sich Frau jetzt des Öfteren, warum Mann eigentlich dann immer den Schwanz einzieht, wenn es ans Jagen geht?

Also kurz und ohne weitere Umschweife, den CAVEMAN kann man sich ansehen bzw. anhören. Da lügen die Medien nicht, es gibt wirklich viel zu lachen. So viel, so daß ich am Ende richtig heiser war. Der Dreck des letzten halben Jahres ist runter von den Bronchen ;-) dank Felix Theissens herrlich umgesetztes "Defending the caveman" von Rob Becker.... und nicht zu vergessen mit Ester Schweins für die Inszenierung.

Das sollte reichen zu CAVEMAN, denn der wurde schon genug gelobt, was auch das ausverkaufte Uranis 70 bewies. Kommen wir nun zu den ernsteren, aber mir eigentlich besser gefallenden kulturellen Ereignissen, den Konzerten der letzten 2 Monate.

Ja - hmmm - alles wunderschöne Konzerte: Rachmaninow, Sibelius, Bartók und Beethoven, Strauss, Berg und Haydn, Berlioz und letztendlich Schumann, Blacher und der unvergleichliche Brahms. Alles hervorragende Konzerte, fast immer  hervorragende Dirigenten und vor allem hervorragende Komponisten.

 

Mein letztes Konzert fand kurz vor Ostern im Anhaltischen Theater in Dessau statt. Ihr seht, in Dessau bin ich öfter, daß liegt nicht nur daran, daß sie einen hervorragenden GMD haben, der mir gefällt, sondern auch an den wunderbaren Inszenierungen der Opern und den fast immer sehr guten Konzerten zum kleinen Preis - UND! An den guten Händchen für selten gespielte Stücke, wie an diesem Abend das Violinenkonzert von Robert Schumann.

Golo Bergs Podest knarkste nur noch einmal, trotz der großen Sprünge und eleganten Figuren, die er diesmal machte - vielleicht haben sie es ja geölt - und der Zuschauersaal war wie immer und wie immer unverständlicherweise nur halb voll.

 

Nun sitze ich hier gemütlich am Ostermontag in Abendstimmung mit dem Magen voller Krabben in Pernodsauce, höre  Schumanns Violinenkonzert über die Naxos Musiclibrary, einmal von Yehudi Menuhin und einmal von Juliette Kang, und stelle fest, Friedemann Eichhorn hat das in Dessau sehr gut gemacht. Also ich würde sogar sagen, seine Interpretation gefällt mir besser als die von Menuhin - ja Danke, ich weiß, daß ich eine musikalische Niete bin, aber es muß ja nicht alles, was von Menuhin kommt glänzen. In diesem Fall glänzt das von Friedemann Eichhorn Gebotene wirklich stärker in meinen Augen.

Ok, den Anfang hat er uns vielleicht ein bißchen merkwürdig zu Füßen gelegt und ich habe mir gedacht, daß ich das Stück auch schon mal besser gehört habe, aber spätestens beim langsamen Teil begannen meine Wangen zu glühen und mich das Stück zu ergreifen, wieder so, daß ich die Welt um mich herum vergessen konnte. Die Töne schafften eine unglaublich spannenden Atmosphäre zu kreieren und ich lauschte betäubt der Schönheit dieser Melodie, die Blicke zwischen Solisten und Dirigenten hin und her wechselnd, aber letztendlich beim Dirigenten hängen bleibend. Und dann dachte ich so bei Schumanns langsamen Satz, daß es wohl interessant wäre mit ihm ein Glas Wein an der Bar im Steigenberger zu trinken und auf dieses hervorragende Konzert anzustoßen und ob er wohl Lust dazu hätte....

Der letzte Satz holte mich wieder zurück auf den Boden des Konzertsaales und in die leider schon so bald folgende Pause. Mit Geschwätz und großzügigen, aber unqualifizierten Bewertungen des eben Gehörten folgten wir den anderen hinunter in die "Kantine" um dort ein ganz nettes, aber für die kurze Zeit viel zu volles Glas Rotwein zu trinken.

Das zu volle Glas wurde somit nur zur Hälfte geleert und es folgte Johannes Brahms Sinfonie Nr. 4 in e-Moll.

Es ist ein Jammer, daß Brahms nur 4 Sinfonien komponiert hat. Die sind alle so wunderschön und die vierte, leider nicht so oft gespielt, wie die Zweite, ist ein hübsches kleines Stück, was mich auch diesmal wieder verzauberte.

Schon die ersten Takte ein wahrer Genuss und Golo Bergs Interpretation war wunderschön. Ich hoffte so, daß es nie enden würde, aber - seufz, ich wusste diese Hoffnung war vergebens. Brahms ist ein Genie in allen Fassetten seiner Musik, die mich schon auf so vielen Autofahrten begleitete und von der ich schon so viele Eindrücke gesammelt hatte. Das ist Musik vom Feinsten und Golo Berg ist ein Dirigent vom Feinsten.... und einer der Mutigsten, die ich kenne, denke man nur an Mahlers 3. Sinfonie, die er hier in Dessau zum Erklingen brachte und was sicherlich kein Spaziergang war. Also noch mal ein Bravo dem Dirigenten und ich hoffe wirklich, ich kann mal mit ihm darauf anstoßen!

 

Wunderschöner erster Satz... ich sitze hier und lausche und frage mich, wie ein Mensch so etwas Wundervolles zustande bringen konnte. Das ist Brillanz, das ist Extase, das ist unauslöschliches Walter E. Gugerbauer (Quelle: Programm des Konzertes, Opernhaus Halle) Glücksgefühl.... ich schließe die Augen und lausche den Tönen und denke an das wunderbare Konzert in Dessau zurück.... einfach wunderschön.....

 

Nachdem mich der Applaus wieder wachgerüttelt hatte, meldete sich sofort mein Magen, aber nicht sehr applaudierend, sonder mehr fordernd. Und somit zog es uns noch gegenüber in das Steigenberger um dieser Forderung genüge zu tun. Das Menü hat sich um einiges verbessert und so konnten wir es riskieren. Niemand war zu sehen und wir hatten den Saal und die Aufmerksamkeit der Ober für uns ganz allein. Naja, bis auf die Bar.... Auf Ihr Wohl Herr Berg Naira Abrahamyan (Quelle: Programm des Konzertes, Opernhaus Halle) und auch auf Ihres, Herr Eichhorn & Frau, schöne Ostern und ich hoffe, Herr Berg, wir treffen uns hier wieder, vielleicht mal auf ein Glas Wein, wie oben schon gewünscht ;-)

 

 

Zu den Konzerten in der Händelhalle gibt es leider kein passendes Restaurant - naja, vielleicht der Mönchshof mit sehr netter Bedienung und eigentlich hervorragendem Essen. Oder das Palais S mit noch netterer Bedienung und ganz passablem, sehr reichhaltigen Essen. Wir schwanken jedes Mal zwischen beiden und von beiden mit Hilfe des Weines zum Konzertsaal - aber nein - glaubt doch nicht alles! Ich muß ja schließlich immer fahren. Da gibt es keinen Wein, der mich zum Schwanken bringt ;-) das hat bloß gerade so schön in den Satz gepasst.

Drei Konzerte in der Händelhalle in so kurzer Zeit aufeinander folgend. Das erste davon dirigierte Walter E. Gugerbauer. Die erste Hälfte mit Haydns Sinfonie Nr. 98 und Alban Bergs "Sieben frühe Lieder" schlich uPeter Rösel (Quelle: Programm des Konzertes, Philharmonie Halle)nspektakulär an mir vorbei und ich dachte schon, daß das keine so gute Idee war, dieses Konzert zu besuchen. Dieser Gugerbauer war eben nicht so toll, naja, aber hübsch bis nett bis zur Pause. Naira Abrahamyan konnte mit ihrer wunderschönen Stimme kaum dem viel zu lauten Orchester standhalten. Sehr schade und ich dachte schon, was für ein Stümper, aber DANN, nach der Pause folgte Richard Strauss' Heldenleben und der Dirigent war wie ausgewechselt. Was war denn das? Diese Brillanz war ja kaum zu übertreffen! Das muß sein Lieblingsstück gewesen sein. Er interpretierte es hervorragend, einzigartig, genial!!!! Ich saß auf meinem Platz der Empore und traute mich nicht zu atmen vor lauter Spannung - Wahnsinn!Jörg-Peter Weigle (Quelle: Programm des Konzertes, Philharmonie Halle) Was für eine Wandlung des erst so langweiligen Konzertes.

Ich mag Richard Strauss eigentlich nicht besonders gern, aber sein Heldenleben, die Alpensinfonie und die Metamorphosen zählen für mich zu den besten Noten überhaupt und leider aber auch zu den am seltensten Gespielten - darum, meine lieben Freunde, sollten Euch diese drei irgendwann und irgendwo mal unterkommen unbedingt anhören gehen! Das lohnt sich auf alle Fälle!!! Also auch hier, trotz, daß man den ersten Teil des Konzertes in den Sack klopfen konnte, der zweite Teil hat das auf alle Fälle gerechtfertigt.

 

Danach Rachmaninows 3. Klavierkonzert und Sibelius' Sinfonie Nr. 2 mit der Halleschen Philharmonie und Jörg-Peter Weigle. Schade, daß Heribert Esser nicht dirigieren konnte. Ich glaube Jörg-Peter Weigle ist nicht so ganz mein Fall - naja, aber vielleicht bin ich auch nur versaut durch Uwe Grodds Interpretation des Rachmaninow. Die ist eben für mich nicht zu übeWolfram Christ (Quelle: Programm des Konzertes, Philharmonie Halle)rtreffen. Peter Rösel war gut am Klavier, aber es war mir alles viel zu schnell. Sie rannten einfach davon. Ich konnte die Noten nicht genießen, so wie bei Uwe Grodd. Nein, das kann man eben nicht toppen und somit hatte Jörg-Peter Weigle von Anfang an schon bei mir verloren. Schade.

Heribert Esser (Quelle: Programm des Konzertes, Philharmonie Halle)Sein Sibelius gefiel mir besser, nicht super, aber besser. Von Jean Sibelius hatte ich bis jetzt auch noch nicht allzu viel live gehört, aber er ist einer meiner Lieblinge. Vor allem das Konzert, was ich leider nur von CD kenne, von Nigel Kennedy ist einfach atemberaubend!

 

Im April dann endlich wieder Heribert Esser und die Philharmonie Halle mit Beethovens 4. Sinfonie und Berlioz Harold in Italien.

Beethoven war wie immer wunderschön, aber das Glanzstück dieses Abends war Berlioz' "Harold in Italien". Wolfram Christ spielte die Viola und ich träume noch jetzt von diesen wunderschönen Klängen, die er und die Harfe zauberten. Uhhh, ich mag diese düsteren, an Byron erinnernden Klänge einfach. Der erste Teil war die Kür, aber leider hatte man den Eindruck der letzte Teil nur die eintönige Pflicht. Was soll's, egal, das Ganze hat sich schon wegen dem ersten Teil gelohnt.... oh so wunderschön, wie die Bratsche klingt.... ich saß betäubt da und folgte den Spiel zwischen Harfe und Bratsche... das war eine Liebkosung der Sinne die Heribert Esser zusammen mit Wolfram Christ und unserem phantastischen Orchester da zu Stande brachte - vielen Dank dafür und hoffentlich bald wieder!

 

Das Letzte, aber nicht das Allerletzte nun, war mein Konzertbesuch im Gewandhaus in Leipzig zu Béla Bartók und Beethoven, leider nur von der Orgelempore aus. Hier fasse ich mich jetzt ganz kurz: Die Interpretation des 30 jährigen Dirigenten Andrés Orozco-Estrada zu Béla Bartóks und Beethoven war ok und das Gewandhausorchester wie immer  brillant. Aber Béla Bartók von der Orgelempore aus ist nicht zu empfehlen - leider und schade - da ist einfach zu viel Power in den Bläsern und Pauken (etc.), daß die Atmosphäre einfach nicht richtig rüber kommt. Beethoven geht von allen Seiten des Orchesters, aber bei Bartók neee.

Der kolumbianische Dirigent war süß und sichtlich erfreut über sein Dirigat im Gewandhaus. 

Ja, -- so war das, -- nett, -- ok, -- ja nett.... und gut, daß Chailly nicht dirigiert hat ;-)

 

Eure Jana

 

 

Hector Berlioz (1803 - 1869) Quelle: Programm des Konzertes, Philharmonie Halle

 

 

*aus dem Programm zu "Happy End", Anhaltisches Theater Dessau, April 2006

** aus dem Flyer zu Caveman, April 2006