
Von wegen der Name Hammaburg kommt von dem Wort "hamme" (= in die Marsch vorspringende bewaldete Erhöhung, Gehölz, Wald)*. Neeneenee, da liegen die Damen und Herren Hammaburg Forscher völlig falsch. Hammaburg kommt eindeutig von den Sachsen, die dort im 7./8. Jahrhundert siedelten. Die sagten eben "Hamma Burg" - so wie "Jetzt haben wir eine Burg." Auch, wenn sie die leider nicht sehr lange hatten, da Karl der Große ihnen das Gebiet um 804 herum wieder abjagte und es lieber mit Slawen besiedelte.
832 bekamen sie dann auch endlich ein festes Gebäude in dem früheren Hamburg. Nein, eigentlich bekam das Erzbischof Ansgar, der den Außenposten missionieren sollte. Da es nicht nur ein Außenposten, sondern mal eine richtige Stadt werden sollte, gab es von Ludwig dem Frommen 834 eine Gründungsurkunde dazu. So manch Einer prügelte sich dann auch schon um die neue Stadt. Sie wurde niedergebrannt, wieder neu aufgebaut, wieder niedergebrannt und wieder neu aufgebaut u.s.w...... Nach diesem vielen hin und her bauten die Sachsen dann endlich mal etwas Ordentliches und haltbares und ab da dauerte es dann auch nicht lange und es gab einen Wettbewerb im Dom- bzw. Burgbau zwischen Weltlichem und Geistlichem.
Wie es jetzt aussieht hat das Weltliche gewonnen, denn dort wo einst der Dom in Hamburg stand, ist jetzt ein großer Parkplatz. Da haben die Hamburger es der Kirche aber ordentlich gezeigt, wenn schon die kalte Schulter, dann aber richtig!
Leider nützt
das den Sachsen jetzt aber auch nichts mehr, denn die haben sich weit ins Inland
zurückgezogen und sich anderen
Dingen gewidmet, wie z.B. der Kultur. Die sich
in den Gebieten Sachsen und Sachsen-Anhalt ordentlich entwickelte. Auch wenn
Händel, bevor er nach London zog, einen Zwischenstopp in Hamburg machte, muss
das nichts weiter bedeuten. Sonst zog es die meisten doch mehr ins Landesinnere.
Da traf man Gleichgesinnte, da tobte der kulturelle Bär, da war die Szene, da
wollte man hin.
Nagut, das heißt aber nun nicht, dass sie in Hamburg keine gute Musik machen können und das alle nun nach Leipzig wollen. Manche bevorzugen auch Wien, was ich ebenfalls sehr gut verstehen kann. Herr Schubert zum Beispiel oder Herr Bruckner und beide werden trotzdem auch in Hamburg gespielt, z.B. von den Jungen Symphonikern Hamburg. Was Franz Schubert am 19. August 1820 am Theater an der Wien Uraufführte, bekamen wir am 09. Februar 2008 in der Rudolf Steiner Schule Hamburg-Wandsbek in einem hervorragendem Konzertsaal und in einer wunderbaren Weise von den Jungen Symphonikern unter Leitung von Thilo Jaques zu hören. Schuberts Ouvertüre zur "Zauberharfe" verzauberte mich und schade, dass der Text zum Stück nicht mehr existiert. Ich würde es mir gern ansehen.
Allerdings ein bisschen irritiert hat mich, wenn ich das richtig mitbekommen habe, dass bei der Ouvertüre zur Zauberharfe überhaupt keine Harfe mitgespielt hat.
Bei einem solch großem Orchester kommt der Anfang dieser wunderschönen Ouvertüre natürlich sehr gut rüber und ich konnte kaum glauben, das dies hier ein Laienorchester ist. Wunderbare Töne fanden den Weg in meine Seele und ich war sehr zufrieden, zugestimmt zu haben, dieses Konzert zu besuchen. Denn ehrlich gesagt, von selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen, nach Hamburg zu fahren, für ein Konzert der Jungen Symphoniker. Ich würde sie noch nicht einmal kennen, wenn meine Freundin mich nicht darauf hingewiesen hatte. Sonst, wenn ich diese tolle Stadt besuchte, war immer die Hamburger Oper unser Ziel oder mindestens die Laeiszhalle (Hamburger Musikhalle) mit den Hamburger Philharmonikern und vielen ihrer bekannten Dirigenten wie Ingo Metzmacher, Christoph Eschenbach, Christoph von Dohnányi,....
Jetzt, wo ich
auf das Orchester aufmerksam gemacht wurde, studierte ich ihre Werkeübersicht und war begeistert. Endlich mal nicht immer die "abgedroschenen"
Stücke, die man jede Saison bei den Staats- bzw. Stadtorchestern -philharmonien
und -kapellen zu hören bekommt, die leider heutzutage nicht mehr anders können,
um Besucher in ihre Hallen zu bekommen. Das hier ist wirklich ein Geheimtipp
für nicht immer gängiges und dauernd gespieltes Repertoire. Ich las neben
Größen wie Kurt Weill auch meine Lieblinge Rautavaara, Milhaud, Arutjunian und
Sibelius. Ganz interessant ist auch Copland und für mich auch Ravel. Von
Letzterem bekamen wir diesmal eine hervorragende Kostprobe. Auch wenn in der
Pause zu Sekt und Saft heiß diskutiert wurde, ob das nun wirklich gut war, oder
ob sie zu langsam waren und zu wenig Spannung aufgebaut haben, konnte ich nichts
entdecken, was mir nicht gefiel. Also manchmal
denke ich, die Leute sagen das nur so um etwas zu sagen, was irgendwie wichtig
und wissend klingt. Ich persönlich fand den ersten Teil des abendfüllenden und
schwierigen Programms hervorragend. Ich freue mich, dass es ein Orchester gibt,
was den Mut hat, nicht immer nur die gängigen Stücke zu spielen, trotzdem den
Zuschauersaal zum überquellen bringt, und die Leute vor der Tür nach Karten
auch noch Schlange stehen. Hamburg scheint eine Stadt zu sein, wo die Menschen
sich noch für Kultur
interessieren. Schade, dass das in der Musikmetropole
Leipzig und Umgebung nicht so ist. Dass schon hervorragende Orchester wie die
Anhaltische Philharmonie oder die Staatskapelle Halle es schwer haben, Ihre
Säle zu füllen, wobei die Preise der Karten weit unter dem Standard großer
Häuser liegen. Schade, dass nur das Leipziger Gewandhaus, und das meist nur für
Prestige und wenn die Dirigenten medienbekannt sind, gut besucht wird. Es sieht
so aus, als wären die Hamburger da ehrlicher. Die Atmosphäre in dieser Schule
mit solch einem brillanten Konzertsaal hat mir sehr gut gefallen und das
Arrangement der Musiker, die nebenbei so als Hobby solch hervorragende Musik machen und ein
Orchesterleben aufrechterhalten, finde ich mehr als bemerkenswert.
Auch der Dirigent Thilo Jaques, der allerdings nicht nebenberuflich dirigiert, schätzt seine Musiker und wagt sich mit ihnen an solche Herausforderungen wie die 4. Sinfonie von Anton Bruckner, die sie mit Bravur meisterten.
Ich hatte die Gelegenheit vor dem Konzert mit diesem überaus sympathischen und energiegeladenen Mann zu sprechen. Vielen Dank für die Gelegenheit zum Interview!
Interview mit Dirigent Thilo Jaques (Junge Symphoniker Hamburg) am 09.02.2008
Meine
erste Frage ist: Sind Sie gerne Dirigent, oder möchten Sie manchmal lieber im
Orchester sitzen?
Ja,
sehr gern. Also ich weiß, wie es im Orchester ist. Von daher gesehen bin ich
auch sehr gerne im Orchester drin. Ich bin nach wie vor auch aktiv ausübender
Hornist.
Ich mache jetzt gerade bei einem Opernprojekt mit in der Kampnagel-Fabrik in
Hamburg. Da wird eine Kinderoper gespielt, Pinocchio heißt sie. Da bin ich als
Hornist gefragt.
Ehm, aber es ist schon toll. Ich musste mich lange daran gewöhnen, vorne zu
stehen. Bin da einfach langsam aus dem Orchester rausgewachsen, aber habe eben
meine Wurzeln im Orchester drin und es macht Spaß.
Aber
gewöhnt man sich denn daran, wenn man dann im Orchester sitzt und hat einen
Dirigenten vor sich? Man ist ja selbst Dirigent?
Ja,
also gut, ich komme ja aus dem Orchester und von daher gesehen, bin es ja gewöhnt,
dass ich im Orchester sitze und möglichst nach vorne gucken soll usw. Das Übliche,
was Dirigenten von einem verlangen.
Aber es ist schon eine tolle Sache mit so einem großen Klangkörper zu
arbeiten. Ansonsten habe ich ja nur mein Horn sozusagen. Das Waldhorn, das ich
spiele. Auch ein tolles Instrument. Mein persönliches Lieblingsinstrument, aber
das Orchester-Instrument, sozusagen wenn man es als einen Klangkörper sieht ist
schon was Großes.
Haben
Sie dann überhaupt noch Zeit so zum Üben? Mit dem Horn.
Ja,
das habe ich. Ich habe ja zwei Orchester. Ich habe auch noch das Hamburger
Ärzteorchester
und das ist natürlich manchmal schon ziemlich zeitintensiv, wenn beide
Orchester zusammen Konzerte geben. Nicht zusammen. Aber innerhalb von einer
Woche kann sich das schon mal überschneiden und dann ist es schon in der Tat
sehr intensiv. Ich mache das immer so phasenweise, dass ich dann eben mal - ja -
dirigiere, dann wieder ein bisschen mehr Horn spiele.
Studiert habe ich eigentlich Komposition. Von daher gesehen, wenn ich mal
irgendwie - meistens in den Sommerferien - Zeit habe, dann komponiere ich auch.
Ja,
da hatte ich auch noch eine Frage zu, zur Komposition. Es geht um die moderne
Musik. Das ist ja nun nicht so beliebt bei den Leuten. Ich gehe ja oft ins
Konzert und wenn sie etwas Modernes spielen, das hören die Leute nicht so
gerne. Das ist alles ein bisschen mehr so wie ein Klangbild…und nicht so sehr
melodisch.....
Ja,
OK, aber Sie gehen auch in Ausstellungen ans Bild ran.
Was
interessiert Sie denn an der modernen Musik/ Komposition?
Ja,
das sind ganz andere Klangräume, die sich da öffnen. Also, gerade dieser
Mechanismus des Lernens und des Entstehens von Musik, also ich meine, wenn sie
jetzt Mozart spielen, dann hat es ganz andere interessante Kriterien, auf die
man achtet. Aber, bei Mozart sind es einfach schon ausgetretene Pfade. Das ist
jetzt ein bisschen gemein, aber das sind Pfade, die man schon kennt und wo man
nicht wirklich sehr viel Mut dazu braucht. Bei moderner Musik heißt es ja, dass
man sich sehr damit auseinandersetzen muss. Also doppelt auseinandersetzen muss.
Ich weiß, bei Mozart auch usw....., aber bei moderner Musik sind es einfach völlig
andere Klangräume und die jungen Menschen da ran zu führen, ist für mich
eigentlich eine besondere Aufgabe. Die Jungen Symphoniker sind ein entsetzlich
demokratisches Orchester, wo ich als Dirigent bei Programmsitzungen nicht eine
Stimme mehr habe, als ein anderer aus dem Orchester.
Bis
jetzt haben Sie ein sehr gutes - ich habe mich auf der Webseite informiert - ein
sehr schönes Werkeverzeichnis.
Hm,
ja wir haben auch moderne Sachen dabei...
Also
nicht nur dieses gängigen Stücke, wie von Beethoven..... Mendelson. Ich habe
auch solche Komponisten wie Kurt Weill gelesen....
Die
2. Symphonie von ihm ist ein Wunderwerk. Ein echtes Wunderwerk. Unglaublich.
Wir
sind in letzter Zeit oft in Dessau wegen dem Kurt Weill Fest. Das ist jetzt
wieder Anfang März und da spielen sie das Violinenkonzert. Und da interessiert
mich Ihre Meinung schon sehr.
Ja,
ja… also Kurt Weill ist echt verkannt finde ich. Also Kurt Weill, man kennt die
Dreigroschenoper usw., aber die 2. Symphonie ist ja… also die 1. - das
Erstlingswerk hat er mit 18 Jahren komponiert. Aber die Zweite hat er ja in
Paris im Exil vollendet und das ist wirklich ein Werk aus einem Guss und
interessant und die Bläser sind ganz im Vordergrund und man hört schon fast
ein bisschen manchmal fast amerikanisches Dixieland, man hört schon ganz andere
Klangereignisse sozusagen.
Ich
habe schon sehr gestaunt, dass ich das in Ihrem Repertoire gefunden habe.
Hm.
Ja. Und wir haben auch noch Rautavaara, ein finnischer Komponist, den haben wir
letztes Jahr gespielt. Klar, und natürlich muss ich noch viel mehr arbeiten mit
dem Orchester.
Also
von dem Rautavaara gibt es ein sehr schönes Stück, "Isle of Bliss".
Kennen Sie das?
Das
kenne ich leider nicht. Nein.
Es
ist sehr schön. Ein kleines Stückchen, aber ich finde das phantastisch. Es ist
wirklich wie so eine Insel, mit Harfe. Denke ich, ist dabei. So ein bisschen
schillernd.
Stimmt.
Genau. Darüber hat mich schon einmal jemand anders informiert. Ich weiß vom
Namen, aber das mit bekannteste von ihm ist diese Vokalsymphonie sozusagen.
Von
der habe ich auch im Werkeverzeichnis gelesen. Ist toll.
Ja,
ja.
Sie
haben auch etwas von
Milhaud mit dabei, oder?
Ja,
ja… genau, .... wir haben das Schlagzeugkonzert aufgeführt.
Na, was haben wir denn noch gemacht? Hugo Alfvén haben wir gespielt. Das ist
ein schwedischer Komponist. Eigentlich sehr romantisch, das ist jetzt nichts.
Also manchmal gelingt es mir nur sozusagen etwas weiter weg vom Pfad zu gehen.
Wir wollen jetzt evtl.
Natanael Berg spielen,
dass ist auch ein schwedischer Komponist. Oder vielleicht John Adams oder
vielleicht sonst irgendetwas.
Das ist ja phantastisch, dass sie diese Möglichkeit haben. Also Ihr Orchester sucht dann wirklich extravagante Sachen aus?
Ja,
wir suchen uns auch ein bisschen Sachen aus, die nicht immer gespielt werden.
Also so ein Bruckner die Vierte wie jetzt, das wollten wir jetzt einfach mal
ausprobieren. Es spielt jeder, da ist die Konkurrenz ganz groß dabei, aber wir
wollten das Werk einfach für uns entdecken.
Bruckner
und Ravel, das ist sehr schön.. sozusagen zeitliches Mittelfeld.
Ja,
ja….ungefähr.. ja, ja.
Spätes
17. und 18. Jahrhundert, da graben Sie jetzt etliche schöne alte Musik wieder
aus, z.B. Hummel, Ries...
Ja,
ich weiß. Das sollte man aber möglichst mit älteren Instrumenten spielen. Wir
werden uns einfach immer auf die Zeit von Romantik und Klassik beziehen, gerne
auch Haydn - liebe ich. Haydn finde ich spannend.
Das Trompetenkonzert zum Beispiel?
Ja,
das haben wir natürlich auch gespielt. Ja und jedenfalls das ist schon unser
Metier. Also davor, das wird nichts und es müssen auch immer alle mitspielen
können. Also z.B. fehlen da Klarinetten oder man hat nur eine ganz reduzierte
Streicherbesetzung. Und von daher gesehen… ehm…
…
ist es etwas schwierig. Wir haben ja in Halle ein Händel-Festpiel-Orchester und
die spielen auf alten Instrumenten.
Ja,
genau und da fehlen ja Klarinetten und die Streicher. Wir sind ja eines der größten
Orchester hier in Hamburg, glaube ich. Also, wir sind ein wirklich großes
Orchester und da können halt nicht alle mitspielen, wenn wir Barocksachen
spielen.
Ja
und ich finde, das klingt dann auch nicht so gut. Das ist ja diese alte Aufführungstechnik
und da gibt es Dirigenten und Musiker die sich darauf spezialisiert haben und
rumrätseln, wie das nun wirklich klingt. Haben Sie da eine Meinung zu?
Es
gab niemals DEN Klang. Auch schon vor Jahrhunderten nicht. Man kann nicht sagen,
es klang zu der damaligen Zeit so und so. Natürlich, es gab noch nicht alle Möglichkeiten,
die man heute hat, aber es gab auch nicht die Vernetzung, die wir heute haben,
dass einer beim anderen zuhört. Das haben sie zwar auch getan, aber sie hatten
nicht die Möglichkeiten, wie wir heute. Zu sehen, wie klingt der und wie spielt
es der andere. Das hatten sie nicht.
Hm,
ja. Ich war jetzt zu einem Konzert, da haben Sie einen 9/32 Takt gespielt. Da
wollte ich fragen: Wie dirigiert man so was?
Einen 9/32 Takt? Den muss man irgendwie unterteilen, dann kann man nicht neun schlagen. Ich probier mal… eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun.. aber das muss man sich als Dirigent selbst ausdenken. Es kommt nicht auf die 32stel an man muss sich das unterteilen. Ich müsste sehen, wie schnell es ist. Ich müsste sehen, wer da alles mitzuspielen hat. Und ich müsste sehen, wie da die Betonungen liegen. Es gibt nicht DEN 9/32 Takt. Es gibt halt einen 9/32 Takt von einer bestimmten Person gespielt oder von einer bestimmten Lautstärke, oder schnell oder langsam… das kann ich jetzt nicht sagen, wie ich mir das jetzt ausdenken würde.
Sehr
verrückt, ja?
Dann wollte
ich noch fragen: Ich habe gelesen, dass Sie schon einige Stücke selbst
komponiert haben.....
Ja,
genau. Gerade in Weimar habe ich einen ganz tollen Freund, der sich sehr für
mich eingesetzt hat. Ganz rührend. Also in Weimar wurde ich
schon öfter aufgeführt. Das Einhorn, das ist für Chor und Orchester. Und dann
wurde auch in Weimar noch ein Horn-Konzert von mir aufgeführt. Also eigentlich
hat man in Ostdeutschland meine Musik öfter gehört, als in Westdeutschland.
Nicht nur als Komponist gesehen.
Also
von Weimar gehen auch viele nach Dessau.
Hm.....
und nach Jena geht auch noch einiges. Da war der Martin Lenz, der hat sich da
sehr hervorgetan.
So,
jetzt muss ich noch mal gucken… Einige Fragen haben Sie mir schon
zwischendurch beantwortet. Ja, Kurt Weill, das hat mich wirklich sehr
interessiert.
Ich
bin ein großer Fan von Kurt Weill.
Wirklich
ein großer Fan?
Ja,
die zweite Symphonie ist wirklich eines meiner Lieblingswerke.
Wenn
Sie mal wieder etwas von ihm spielen komme ich wieder her.
Es
gibt nicht so viel. Also für Orchester
gibt es von Weill nicht so viel.
Viele
Opern.....
Ja
natürlich.....
Naja,
es sind ja nicht wirklich Opern. Es sind ja eher so was wie Musical, oder?
Es ist einfach ein weit gefasster Begriff....
Oper. Also im damaligen Sinn, war es halt eine moderne Oper. Auch der Fall der
Stadt Mahagonny ist phantastisch. Eine phantastische Musik.
Er
hat eigentlich ganz tolle Sachen gemacht. Für das Kurt Weill Fest picken sie
sich immer eine Oper heraus. Naja, letztes Jahr hatten Sie keine Oper, da hatten
sie ein Ballett. Das übrigens auch sehr schön war, aber es war zusammengestückelt.
Eine Oper zu bekommen ist nicht so einfach, da sie auch immer für die
Aufführung eine Genehmigung brauchen….
Ja,
leider…
Aber
Mahagonny haben sie schon gehabt und dann noch eine …
Vielleicht
die Dreigroschenoper?
.......
nein, das war wohl Happy End, glaube ich. Kennen Sie die?
Nein.
Also
wirklich schöne Sachen. Leider kann man Opern nicht mit einem Orchester machen.
Nein,
wir organisieren ja alles selber, also wirklich alles. Und da noch einen Chor
und eine szenische Aufführung zu organisieren, das wäre dann nicht machbar.
Das
Orchester
organisiert alles selber?
Wie viele Helfer haben Sie denn?
Wir
haben ein Gremium. Aber im ganz groben.. das uns viele Sachen abnimmt, z. B.
Probenwochenende im Sommer, da sind wir immer auf dem Land in einer
Kulturscheune - herrlich! Direkt
daneben liegt ein herrlicher Fluss wo man dann auch baden gehen kann, oder sich
mal sonnen gehen kann, in der wenigen Freizeit, die ich dann mal gebe. Das meiste läuft über Jan Angermüller, der macht
die organisatorischen Sachen, und über mich.
Sie
sind ja jetzt Profi?
Ja.
Und
die Jungen Symphoniker sind ja jetzt Laienspieler, was ich gehört habe. Wie ist
denn die Arbeit mit Laienspielern?
Total
interessant. Also immer wieder..... Bei den Profis ist natürlich viel Alltagstrott
dabei und bei diesen Jungen halt gar nicht. Es läuft halt einfach mal ein
bisschen etwas zu schnell bei den Streichern, irgendwelche achtel Pitzikati, die
dann anfangen zu laufen. Aber das muss man als Dirigent halt möglichst vorher
wissen, wo sind die gefährlichen Stellen und dann entsprechend ganz schnell
reagieren.
Das
stelle ich mir jetzt eigentlich schwierig vor.
Nun
ja, das ist so ein Wechselspiel zwischen Geben und Nehmen.
Also ich meine, ich kann auch niemals mein Tempo irgendwie durchdrücken,
weil ich dann alleine mein Tempo mache und deshalb ein anderes Tempo. Es gibt
immer so einen Moment, auch bei Bruckner wird es öfter sein, dann wo es so Übergänge
hat, von schnell zu langsam und von langsam zu schnell, und (es folgt eine
kleine Diskussion mit Fremden, die sich über die Bilder und Beschriftung im
Programm mit
dem Dirigenten unterhalten)......
Ja,
ich denke jetzt wird es auch langsam Zeit.
Ja.
Dann
bedanke ich mich.
Ja,
klar doch.
Es
war ein sehr interessantes Gespräch und am liebst
en hätte ich noch ein paar
Stunden mit ihm Plaudern können, aber leider füllte sich der Zuschauersaal
dann langsam und in wenigen Minuten sollte das Konzert beginnen. Ich war sehr
gespannt und freute mich auf den bevorstehenden Genuss, der dann auch zu meiner
vollsten Zufriedenheit eintraf.
Hamburg ist eine wunderbare Stadt und so hat es sich wirklich gelohnt die Hammaburg ein bisschen mehr auszubauen. Konzerte sind spitze und wenn man nach solch einem Genuss noch einen Genuss für den Magen sucht, wird man sogar fündig. Mitten in der Nacht, neben beleuchtetem Bohrelement gibt es auch noch Nudeln mit Lachs. Das Mahl haut einen zwar nicht vom Hocker, aber macht gut satt und man kann noch hervorragend bei gutem Wein über das gerade erlebte Konzert plaudern oder sich an die Planung des nächsten Tages machen. Zum Beispiel könnte man einen der Flaktürme besichtigen, über die man schon in Wien erstaunt war und nebenbei könnte man noch das Museum für Hamburgische Geschichte besuchen, wo es dann auch ein paar Infos über Hammaburg gibt. Dann könnte man sich wieder ein schönes Restaurant zum Genießen suchen und .... aber nein, im Moment genießt man noch den Nachhall des Konzertes und den hübsch farbigen Blick auf TRUDE.
Eure Jana
*"Museum für Hamburger Geschichte" zu Hammaburg
Vielen Dank an Dr. Henning Rüth, dem Posaunisten, der mir das Interview ermöglichte.
Vielen Dank an Thilo Jaques für die Zeit, die er mir zur Verfügung stellte.
Vielen Dank an Uli für das Abtippen meiner Aufnahme.
Vielen Dank an Thomas Beyer für die hervorragenden Fotos.