Schöne, verrückte
Woche
Sie begann mit einem kitschigen, aber sehenswerten Opernspektakel und endete mit einem brillanten Abschlußkonzert in der Galgenbergschlucht. Zwischendurch gab es barocke Highlights, golfige Highlights, täglich schöne Highlights und störende Highlights.
Die störenden Highlights waren zwei Prüfungen, die meine Uni wieder ärgerlicher Weise in die Zeit der Händelfestspiele gelegt hat und die es mir diesmal überhaupt nicht einfach machten alle meine interessanten Abenteuer während dieser Woche zu koordinieren. Aber ich wäre keine Frau, wenn nicht multitaskingfähig und ein Koordinationsgenie.... ok, bleibt noch abzuwarten, was die Prüfungen gebracht haben ;-)
Jetzt sitze ich hier vor einer großen Schüssel leckerer Erdbeeren und lasse die ganze Woche noch einmal Revue passieren und ich muß sagen, daß waren bis jetzt die schönsten Händelfestspiele die ich erleben durfte. Nicht nur, daß sie sowieso von Jahr zu Jahr immer besser werden, nein, diesmal war es auch persönlich eine große Bereicherung eine Menge interessanter Menschen zu treffen und interessanter Situationen beizuwohnen. Darum ein herzliches Dankeschön für die schöne Zeit an den mir liebsten Dirigenten der Welt und noch ein liebes Dankeschön für die Realisierung so phantastischer Golfspiele, für so viele Wasserbälle und für einen so netten Ansporn, auch wenn meine Schläge eigentlich grauenvoll waren, dem besten Golfspieler, den ich kenne.
Begonnen hat meine
Odyssee diesmal leider nicht mit dem Eröffnungskonzert, da ich einen Tag später
schon meine erste Prüfung schreiben durfte, sondern mit der neusten Ausgrabung unseres Opernhauses,
der Oper "Rodelinda".
Was für ein wunderbares Gefühl unsere Oper in einem so schönen internationalen Flair zu sehen. Die Menschen um mich herum sprachen französisch und englisch und alle waren sehr gut angezogen. Ich fühlte mich wiedermal richtig wohl in dieser bunten Mischung und ja, diesmal war ich richtig stolz auf meine Stadt und froh, daß es die Händelfestspiele hier gibt.
Halle ist eigentlich eine hübsche Stadt
und Händel paßt gut zu ihr. Wenn die Baustellen so nach und nach verschwinden
und die verfallenen, schönen alten Häuser so nach
und nach restauriert werden,
wird Halle auf lange Sicht ein kleines Schmuckstück werden. Für die Zukunft bin
ich gespannt wie sich die, im
nächsten Jahr 1200 Jahre alt werdende Stadt weiter
entwickeln wird, aber an diesem Abend war ich erst mal gespannt auf die
Inszenierung von Peer Boysen.
Bei Festspielen weiß man nie,
welche verrückte Ideen sie wieder meinen zur Aufführung bringen zu müssen. Die Händelfestspieloper "Hercules" vom letzten Jahr, fand ich furchtbar, Axel
Köhlers "Teseo" war auch nicht unbedingt mein Lieblingshighlight, aber davor
Michael McCafferys "Imeneo" war
spitze. -- Also i
mmer interessant und spannend was
einen da erwartet.
Und diesmal erwartete uns "Rodelinda". Zu erst ein paar Blicke ins Programmheft und Schock - phuu, noch mal Glück gehabt, das waren nur die Probenfotos.....
aber! Kitschig blieb es doch. Was für alberne Kostüm
e zu so einer wunderbaren
und erstklassigen Musik, die unser Opernhausorchester, diesmal unter der Leitung
von Michael Hofstetter zu Wege brachte. Aber! es hat nicht gestört, nein,
irgendwie passte diese Inszenierung doch zu Händels wunderschönen Werk.
Sehr gut
haben mir die kurzen Übertitel gefallen. Das war nicht zu viel Text, so daß man
sich wunderbar auf die Oper konzentrieren konnte. Auch die Einführungen von
Barbara de Koy waren sehr gut gesprochen und ich fand eine super Idee. Das paßte
alles sehr gut zur Inszenierung. Romelia
Lichtenstein, als Rodelinda, war
erstklassig in Form. Ich würde sogar behaupten, das war die beste
Romelia Lichtenstein, die ich bis jetzt gehört habe - wirklich phantastisch!
Sehr gut gefiel mir auch Kai Wessel in seinem Don Quichotte
Kostüm und dem passenden Bühnenbild dazu. Das war von
der Inszenierung wieder sehr gut gemacht und die kitschige Erscheinung paßte
wunderbar zur hohen Altus Stimme, die Frau sonst immer irgendwie unpassend für
Mann findet.
Das Bühnenbild war
zwar nicht schlecht und am Anfang auch interessant. Aber dann, fand ich, gab es zu
wenige Wechsel und somit wurde es ein bißchen langweilig. Die Musik war
spitze, eine der besten Händelopern, die ich kenne. Die ging so richtig i
ns Ohr
und ich denke, ich werde mir die Oper im nächsten Jahr noch einmal ansehen. Gelohnt hat es sich auf alle Fälle.
Nach der Oper wurde
die
Woche bis zum Abschlußkonzert immer rasanter, ein Highlight besser als das
andere. Das wunderschöne Preisträgerkonzert für historische und moderne Flöte in
dem Hauptgebäude der Franckeschen Stiftungen, das Oratorium "Athalia" mit "La
Stagione Frankfurt", die Spuren von Purcell und Händel mit "La Petite Bande" und
ein absolutes Highlight "Te Deum" mit "Musica
Antiqua Köln" in der Konzerthalle
Ulrichskirche. Alles vom Feinsten und Besten was die klassische Musikszene kennt
und was uns da Hanna John, die Direktorin der Händelfestspiele, nach Halle
geholt hat.
Es fällt mir schwer
so viel phantastische Eindrücke in so kurze Zeilen zu fassen un
d es ist
eigentlich völlig unmöglich. Wenn ich hier alles aufschreiben würde, was ich in
dieser Woche an schönen Dingen erlebt habe, würde das hier ein Buch der
Lobeshymnen werden und ich würde Wochen dafür brauchen die wunderbaren
Erlebnisse so zu beschreiben, wie sie sie verdient hätten. Nein, das möchte ich
hier nicht tun. Nur eine Bemerkung: Halle lohnt sich mehr und mehr und das sage
ich jetzt nicht, weil ich hier wohne. Wir als Hallenser stehen unserer Stadt
eigentlich immer sehr skeptisch und kritisch gegenüber. Nein, ich sage das, weil
ich wirklich von der Qualität der Händelfestspiele und dem, was dem Zuhörer
geboten wird, überzeugt bin. Es ist jedes Mal einfach ein phantastisches
Erlebnis.
Und das phantastischste und beliebteste Erlebnis war natürlich das Abschlußkonzert in der Galgenbergschlucht. Mit 5000 Besuchern wie immer ausverkauft. Und diesmal erfreulicherweise auch wieder unter der musikalischen Gesamtleitung von Uwe Grodd mit einem, wie ich fand, exquisiten Programm. Ich würde sogar sagen viel besser, als er es in 2004 zusammengestellt hatte.
Die Vögel im
Hintergrund versuchten dem Orchester Konkurrenz zu machen und sangen zur
wunderbaren Wassermusik
ein paar Töne mit. Das fand ich übrigens eine sehr gute
Idee, daß er diesmal eine Wassermusik Suite mit dabei hatte. Ein sehr bekanntes Stück
von Händel - kennt jeder - aber wird so selten gespielt. Ich habe keine der
Suiten vorher in einem Konzert gehört, obwohl ich ja nun wirklich nicht selten in
Konzerte gehe.
Also für mich schon mal eine sehr gute Idee und gelungene, schwungvolle Einführung.
Eine weitere sehr gute Idee fand ich, daß sie endlich
mal Martina Rüping zu den Händelfestspielen singen ließen. Sie als Hallenserin,
mit der brillanten Stimme, hätte das
eigentlich schon viel öfter machen sollen.
Ich frage mich, warum das so lange gedauert hat, bis es endlich mal mit ihr
geklappt hat.
Am allerbesten in
diesem Konzert gefiel mir allerdings der Bass Alain Buet mit dem "Accompagnato
des Polyphemo - I rage, I melt, I burn!" und der Arie des Polyphemo "O ruddier
the cherry!" (wmv - ca. 4 MB)
zusammen mit der Piccolo Flöte - Einfach spitze!!! Eine super Idee
Herr Grodd!!! Das war so was von mitreißend, genauso wie Martin Stephans Orgelkonzert und noch besser der Querschnitt aus dem Oratorium "Joshua". Da
hoffe ich doch sehr, daß wir das bei einer der n
ächsten Händelfestspiele unter
der brillanten Leitung von Uwe Grodd und mit diesen sehr guten Solisten, vollständig hören
dürfen. Das war so gut und mitreißen, daß es einen einfach nach mehr verlangt.
Ich bin froh, daß
TV-Halle wieder das Abschlußkonzert ausgestrahlt hat. So kann ich mir das alles
noch einmal und noch einmal und noch einmal anhören. Den kleinen Ausschnitt mit
der Piccoloflöte und meinen Lieblingsteil aus "Joshua"
(wmv - ca. 2 MB)
lade ich Euch hier mal
hoch und hoffe, daß mir das TV-Halle nicht übel nimmt und wieder irgendwelche
Anwälte Jagd auf mich machen. Bitte sagt mir vorher kurz bescheid, wenn Euch
etwas nicht paßt,
dann nehme ich das sofort wieder herunter von meiner Homepage
und entschuldige mich dafür.
TV-Halle hat das diesmal mit der Qualität der Ausstrahlung wirklich sehr gut gemacht. Viel besser als im letzten Jahr. Nur die Moderation durch Sven Stephan fand ich ein bißchen lang zwischendurch. Trotz, daß er super spricht hat es mir beim letzten Mal besser gefallen. Vor allem, daß der Dirigent ein paar Worte an das Publikum richten konnte war eine sehr gute Idee von letzten Mal.
Der Abschluß, wie
jedes Jahr, wieder das Feuerwerk mit Händels Feuerwerksmusik. ... und ich fand
sogar das war dieses Jahr besser mit der Musik abgestimmt als im Letzten.
Verantwortlich für das Feuerwerk war die Ingmanns & Schmiedeknecht Pyrotechnik
GmbH. Sehr gut, meine Herren!
Tja, leider ging diese wunderschöne Woche wieder viel zu schnell vorbei und der Glamour und die hübschen Kleider, die die Grau Diva für dieses Ereignis aufgelegt hat, sind leider bis zum nächsten Jahr wieder verschwunden. -- Aber ganz muß man nicht in Trauer darüber versinken, unser Opernhaus und die Philharmonie sind immer einen Besuch wert und wenn da mal nichts Passendes zu finden ist, bleiben noch Dessau und natürlich der große Bruder Leipzig für kulturelles Amüsement.
Eure Jana
![]() |
![]() |
ps. Im Kontext ist der Link zu Uwe Grodds eigener Homepage zu finden und hier noch mal der Link zu Meiner dazu, mit Interviewausschnitten vom ihm von 2003 und 2004.