Händelfestspiele 2004 in Halle an der Saale
Festakt zur Eröffnung
Meisters Violinenklänge
Führten mich aus der stieren Menge
Hoch in himmlische Fernen empor.
Wo sich im rosigen Wolkengehänge
Jeder menschliche Odem verlor,
Grüßen mich Engel im lachenden Chor.
Und auf weißem Schwanengefieder,
Weich gebettet, fand ich mich wieder,
Dort, wo die Träumenden glücklich sind.
Köstlichen Weihrauch, Lorbeer und Flieder,
Labend, lobend, liebend und lind,
Brachte in duftigen Wogen der Wind.
Und mein Mädchen, als ich erwachte,
Frug mich verwundert, woran ich dachte,
Daß mir so ganz ihre Nähe entwich.
Doch ich küßte ihr Mündchen und lachte,
Und ich log: "Ich dachte an Dich."
Wandle träumend jeder für sich.
Joachim Ringelnatz 1910
.... seufz - ja, so
konnte es einem ergehen, wenn man den wunderbaren Klängen des diesjährigen
Eröffnungskonzertes folgen durfte. Mir kam dieses Gedicht von
Ringelnatz in den Sinn, weil ich erst vor ein paar Tagen in unserem "neuen
theater" zur Premiere von "Ringelna(ch)tz in 6 Akten" war. Eine sehr gute
I
nszenierung von Klaus-Rudolf Weber. Till Schmidt und Daniela Voß zeigten sich
in Hochform und man kann diese gute Stunde sehr weiterempfehlen. Ich könnte hier
sofort loslegen und ein paar mehr Zeilen darüber schreiben, aber das wäre jetzt
am Thema vorbei, denn eigentlich geht es mir heute um unsere diesjährigen
Händelfestspiele.
Wir sind jetzt mitten drin und ich war wieder zur Eröffnung mit Festkonzert. Ich finde, als Hallenser, Hallore oder auch Hallunke sollte man dieses Highlight nicht verpassen. Es gibt einem so ein kleines Gefühl von Zufriedenheit und Stolz und auch, wenn ich manchmal über die Spezies Mensch schimpfe, geben mir solche Anlässe wieder ein beruhigendes Gefühl, daß es mit uns doch nicht ganz so bergab geht, wie es manchmal den Anschein hat und dann freue ich mich wieder zu dieser Spezies zu gehören, die so wundervolle Dinge, wie diese herrliche Musik zu Stande bringt. Und ich liebe es, wie die Menschen aus so vielen Nationen gemeinsam musizieren und wie das ebenso gemischte Publikum diesen wunderschönen Klängen so friedlich lauscht und man möchte zu gern vergessen, was für schreckliche Dinge um einen herum geschehen und kann so vieles gar nicht glauben, wo doch alles so friedlich sein könnte, wie diese Musik und das gemeinsame Beisammensein.
Der diesjährige
Festakt begann mit Georg Friedrich Händels "Concerto grosso Nr.2". Alessandro De
Marchi dirigierte meisterlich und das Orchester unseres Opernhauses folgte ihm
mit seinem perfektem Spiel. Ich war zufrieden, denn schon die ersten Takte gaben
mir ein Hochgefühl. Diese Barockmusik ist einfach wunderschön. Ich mag den Stil
von Alessandro De Marchi. Ich finde, er dirigiert so elegant und graziös und
ebenso folgte ihm das Orchester.
Diesmal saß ich wieder in der Empore. In unserer Händelhalle hat man von dort oben doch die beste Sicht und einen einmaligen Klang. Natürlich sind die besten Plätze gleich vorn, aber da hatten wir diesmal keine Chance. Die waren durch unsere politische Elite besetzt und so mußten wir mit Reihe 12 vorlieb nehmen, die aber auch nicht schlecht ist.
Es freute mich, daß
sie zur Einführung, vor den Festreden so ein langes Stück spielten und es schien
mir, als ob sie sich mit den Reden diesmal etwas kürzer fassten, was ich sehr
begrüßte und mit mir sicherlich auch des Rest des Publikums. Von meiner Seite
aus, könnten sie die Reden noch
ein bißchen mehr kürzen. Sie waren, genauso wie
im letzten Jahr, auch nicht sonderlich interessant und genauso wie im letzten
Jahr auch rhetorisch keine Glanzleistung. Ingrid Häußler sprach zwar besser als
im letzten Jahr, aber immer noch so stockend, was ich bei einem Politiker
überhaupt nicht verstehen kann. Wieder hatte man den Eindruck, sie ließt die
Rede zum ersten Mal. Naja, wenigstens bettelten wir diesmal nicht uns bei der
Leipziger Olympiade anhängen zu dürfen und die Begrüßung der Gäste wurde nicht
ins Endlose ausgedehnt.
Es waren sogar ein paar unserer Politiker anwesend, was, wie wir wissen, nicht immer die Regel ist und deshalb schätzenswert. Die Schirmherrin fehlte wie immer, was aber dies Jahr, in anbetracht der Lage, durchaus zu entschuldigen ist. Prof. Dr. Jutta Limbach war im Rahmen des Goethe Institutes in Korea unterwegs.

Die Anwesenheit der Botschafter aus den verschiedenen Ländern, fand ich einen netten Zug und völlig klar, Dr. Christoph Bergner und wenn mich nicht alles täuschte auch unserer ehemaliger Oberbürgermeister Dr. Klaus Rauen waren anwesend, was nicht verwundernswert ist, weil die sind sowieso öfter auch beim gemeinen Volk anzutreffen.
Ja, ein bißchen mehr Interesse von Seiten unserer Politiker wäre doch wünschenswert, es wären auch noch ein paar Plätze frei gewesen. Aber wahrscheinlich sind die jetzt alle mit den Vorbereitungen zur Wahl am 13.06. beschäftigt - so ein Ärger aber auch, daß Kultur und Politik diesmal so unnatürlich auf den selben Termin zusammenfallen müssen.
Für die Landesregierung war Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz anwesend, der im Anschluß an Ingrid Häußler auch ein paar Worte sagen mußte.
Natürlich durfte eine Bemerkung über das Sparen nicht fehlen und somit auch ein Danke an alle Sponsoren. Meiner Meinung nach hätte das Danke an die Sponsoren ruhig an erster Stelle kommen können, denn die sind wirklich wichtig!
Letztendlich war die Rede von Ingrid Häußler doch angenehm kurz, was mich freute, denn dann bleibt mehr Zeit für Musik.
Man merkte, daß
auch Herr Olbertz sehr aufgeregt war und schon mit der Aussprache der eigentlich bekannten
Namen seine Schwierigkeiten hatte. Seine Rede war besser als die von unserer
Oberbürgermeisterin, aber trotzdem habe ich irgendwie immer den Eindruck, daß
unsere Damen und Herren Politiker sich nicht besonders ernsthaft auf dieses
Ereignis vorbereiten konnten. - Komischerweise, wenn ich meinen Fernseher anschalte
und unsere Politiker im Bundestag etc. reden höre, können die das doch immer
sehr gut - nein, irgendwie verstehe ich das nicht.
Nichts desto Trotz, nach ein paar Anfangsschwierigkeiten, hatte seine Rede dann doch noch einen Fluß bekommen und seinen Dank an die Organisation von Frau Dr. John und an die Orchester, Solisten, Dirigenten und die Menschen im Hintergrund, fand ich sehr angebracht. DEM möchte ich mich hier wärmstens anschließen.
Warum er dem Publikum
und dessen Interesse an den Festspielen dankte, habe ich nicht ganz verstanden, denn die sind ja
eigentlich die "faulen" Nutznießer ohne viel zutun - aber gern gesch
ehen.
Seine Rede war gut mit der von Frau Häußler abgestimmt und vor allem auch nicht zu lang - vielen Dank dafür an Sie, Prof. Olbertz.
Die dritte im Bunde war Dr. Christine Bergmann als Vertretung für Prof. Dr. Jutta Limbach. Ihre Rede gefiel mir am besten. Sie war gut durchdacht und Frau Bergmann hatte eine lockere, angenehme Art und einen guten Redefluss. Sie sprach über den Einfluß, die die Musik auf sie hatte, vor allem die schönen Stunden mit dem Thomanerchor ;-) und über die Wichtigkeit des kulturellen Austausches und über den, um den es eigentlich geht: Georg Friedrich Händel. Der deutsche Komponist, der französisch korrespondiert und italienische Opern für englisches Publikum schrieb.
.... und schön, daß
sie sich über jede neue Baustelle freut. Ich freue mich, wenn sie ihre schönen
Baustellen nicht alle zur selben Zeit und an jedem Ort gleichzeitig aufbauen und
am meisten freue ich mich, wenn die schönen Baustellen wieder verschwunden sind und wenn
man wieder über den Riebeckplatz fahren
kann, ohne sein Leben zu riskieren.
So, die
Pflichtreden hinter uns gebracht, folgte dann der schönere Teil der
Eröffnungszeremonie. Als nächstes, wie auch im letzten Jahr, eine Demonstration
der Klangqualität der Orgel der Händelhalle. Diesmal entlockte ihr Iveta Apkalna
düster, schaurige Töne. Da ich diese tiefen Töne mag, gefiel mir diese
Darbietung natürlich um einiges besser, als die vom letzten Jahr. Sie spielte
eine Max Reger Bearbeitung von Franz Liszts "Saint Francois de Paule marchant
sur les flots" und ich konnte wieder herrlich in dieses wunderbare Spi
el
abtauchen. Diese hübsche, blonde Frau spielte dieses mächtige Instrument mit
Bravour und bekam auch einen dementsprechenden Beifall.
Als Abschluss vor der Pause folgte noch das "Concerto grosso Nr.3". Wieder ein wunderbarer Exkurs in diese herrliche Barockmusik. Das "Solo" der Theorbe und das Spiel zwischen Flöte und Geige waren erstklassig und wunderschön. Alessandro de Marchi begleitete diesmal das Orchester am Cembalo. ...... und ich wußte schon immer, daß das auch ohne Dirigent geht ;-)
Ach ja, jetzt hätte ich es fast vergessen. Natürlich wurde auch in diesem Jahr der Händelpreis und Händelförderpreis verliehen und zwar den ersteren an den Dirigenten Wolfgang Katschner, den ich bis jetzt noch nicht erleben durfte, und den Förderpreis an Ulrike Fulde. Leider durften die Preisträger sich nicht offiziell bedanken, was ich sehr schade fand.
Nach der Pause kam
der schönste Teil - das Eröffnungskonzert. Und das war diesmal wirklich ein
wahrer Hochgenuss, ein Oratorium aus "II Trionfo del Tempo e della Verita" nach
dem Libretto von Benedetto Pamphilj.
Vier Solisten zeigten zusammen mit dem Estonian Philharmonic Chamber Choir und unserem Orchester eine erstklassige Glanzleistung. Was für grandiose Stimmen hatten sie diesmal ausgesucht - einfach herrlich! Ich kann meiner Begeisterung gar nicht so recht Luft machen. Vom ersten bis zum letzten Takt wunderbar!!!
Die Damen und Herren des Chores sangen sehr kraftvoll, obwohl sie gar nicht so viele waren. Hier oben im Rang hatten wir wirklich eine erstklassige Akustik. Das Konzert war rundherum gelungen.
Martin Oro begann
mit seinem Altus - wunderschön.
Da konnte Frau wirklich alles um sich herum
vergessen und der präzisen Stimme folgen.
Danach sang Laura Aikin mit einer ebenso wundervollen Stimme als Sopran und Jörg Waschinski als Sopranist verblüffte mich total. Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich nie im Leben glauben, daß da ein Mann sang. Ich war schon bei unserem Altus Axel Köhler beeindruckt, aber DAS hier war wirklich unglaublich. Wahnsinn!!!
Es freute mich sehr, daß Ulrike Schneider mit ihrem Alt dabei war. Sie ist z.Z. hier in Halle engagiert und singt während der Händelfestspiele den Tirinto im Imeneo. Ja, sie hatten diesmal für die Eröffnung wirklich erstklassige Stimmen zu dieser wunderbaren Musik ausgesucht. Schade, daß man keinen Mitschnitt auf CD bekommen kann. Aber ich finde es sehr gut, daß TV-Halle das Konzert überträgt. Vielen Dank dafür!
Die schönen alten
Instrumente sahen interessant aus und klangen wunderbar. Am liebsten mochte ich
dieses Glockenspiel. Einen hübschen Teil, den Händel da in sein Oratorium
einbaute. Der Teil gefiel mir dann auch am besten.
Das kleine Geigensolo von Birgit Schnurpfeil zusammen mit der Stimme von Jörg Waschinski war ein einzigartiges Klangerlebnis. Schön, daß ich es jetzt auf Band habe, ich kann gar nicht genug davon bekommen und damit Ihr auch einmal hineinhören könnt, hier der kleine Mitschnitt vom halleschen Fernsehen. DAS gehört einfach hier rein und ich kann mich wiedermal nicht bremsen es hochzuladen. Ich hoffe TV-Halle nimmt es mir nicht übel.
Das runterladen kann eine Weile dauern, da 7 MBchen, aber es lohnt sich.
Die Eröffnung der Händelfestspiele ist jetzt 4 Tage her und ich habe mir den "Messiah" in der Marktkirche angehört, was ein noch größerer Genuß war, als das Eröffnungskonzert.
Ich habe mir gestern "Herkules" angesehen und auch hier waren Musik und Stimmen wunderbar.
Morgen schaue ich mir "Lotario" in der Ulrichskirche an und bin schon sehr gespannt auf diese deutsche Erstaufführung.
Am Wochenende kommt meine Freundin aus Frankfurt und wir werden uns die "Wassermusiken" in Bad Lauchstädt anhören und die erstklassige Oper "Teseo". Als krönenden Abschluß gibt es dann noch das Abschlußkonzert in der Galgenbergschlucht. Darauf freue ich mich besonders.
Alles gefällt mir sehr gut und ich möchte soviel darüber schreiben, sehe aber, daß es fast unmöglich ist, so schnell, so viele Eindrücke rüberzubringen. Darum sorry, wenn ihr nicht zu jedem einen Bericht findet. Schaut es Euch das nächste Mal einfach selber an. Es lohnt sich wirklich.
Eure Jana