"Hallo Frühling!.....

.... wo steckst Du?"
Wir haben es im Februar schon einmal mit Schumanns Frühlingssinfonie versucht ihn zu rufen. Ok, da war es ihm wahrscheinlich hier noch ein bißchen zu kalt oder die Musik von Strawinsky hat ihn wieder vertrieben.  Aber jetzt sollte es doch nun endlich klappen. Nach so einem herrlichen Frühlingskonzert. Das Opernhaus-Orchester hat sich so wunderbar ins Zeug gelegt, daß er uns jetzt doch nicht so beleidigen kann.

Frank BeermannDiesmal dirigierte Frank Beermann Mozart, Jolivet, Milhaud und Debussy. 
Von Frank Beermann hatte ich vorher genauso wenig gehört, wie von André Jolivet oder Darius Milhaud. Das muß aber nichts heißen, da ich eben doch mehr Theaterfan bin, aber immer für alles Neue offen. Und so freute ich mich besonders auf dieses Konzert.
Es gab noch einen anderen Grund für die Besonderheit dieses Konzertes. Die kleine Sinfonie von André Jolivet war eine Sinfonie für Trompete und Klavier, wobei die Trompete diesmal von Reinhold Friedrich geblasen wurde. Und von DEM hatte ich schon einiges gehört, so daß ich mir das 5. Sinfoniekonzert des Opernhauses unbedingt anhören wollte.
Übrigens zuletzt habe ich ihn hier in Halle zu dem Eröffnungskonzert der Händelfestspiele 2003 hören dürfen. Wunderbar! Der Mann ist ein Genie. Und das sage ich, wo ich doch überhaupt keinen Bezug zu Trompetenmusik habe. Ich denke da immer sofort an ein Blaßorchester und da läuft es mir kalt den Rücken runter - rumtata! Das man allerdings so etwas Schönes mit einer Trompete machen kann, hätte ich nie für möglich gehalten. Ok, ich muß mich korrigieren. Damals in den Jazz-Clubs in Dresden war ich auch schon begeistert und diese Sinfonie klang für mich wie eine brillante Mischung aus Orchester und Jazz.

Es dauerte eine Weile, bis das Orchester auf der Bühne erschien. Ein paar Reihen hinter mir gab es schon unruhige Diskussionen, ob das Orchester vielleicht streikt, oder ob sie sich alle ein Autogramm von Reinhold Friedrich holen wollten, oder ob der Dirigent vielleicht irgendwo im Schnee steckengeblieben ist... Interessante Ideen, die da im Saal umgingen. Einige schienen besorgt, aber ich fand es lustig. Irgendwie hatte ich an diesem Tage sowieso schon eine sehr gute Laune und war mir sicher, daß das Orchester und der Dirigent uns nicht im Stich lassen würden - also Geduld, liebe Leute!
Leider hatte ich diesmal die Konzerteinführung verpasst. Es wäre bestimmt sehr interessant geworden, bei so vielen Stücken und Namen, die ich nicht kannte. 
Nein, diesmal war vorher nicht viel Zeit und ich zog ein gutes Essen der Konzerteinführung vor. Da sieht man es mal wieder. Der Mensch beherrscht seine niedrigen Triebe immer noch nicht. Wie kann man nur so verfressen sein?! Aber gut, zum Konzert waren wir pünktlich, nachdem wir uns durch das Schneegestöber gekämpft hatten.
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Frank Beermann begann mit der Pariser Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart. Auch ein Stück, was ich vorher noch nie gehört hatte. Ich glaube, ich hätte diesen Bericht auch überschreiben können mit: "Das unbekannte Neue" oder "Konzert der dritten Sätze".
"Konzert der dritten Sätze" weil mir bei jedem Stück der dritte Satz am besten gefallen hat.
Die Pariser Sinfonie kam mir ein bißchen seicht vor. Frank Beermann dirigierte so sanft, daß man das Atmen von Dorothée Stromberg, der ersten Geige, hören konnte. Die Aufstellung des Orchesters war diesmal auch eine Andere. Irgendwo habe ich gelesen, daß wäre die "amerikanische" Aufstellung. Naja, wenn sie meinen. Ich finde die klassische Aufstellung jedenfalls besser. Vielleicht kann mir mal jemand den Unterschied erklären? Mir kam es so vor, als wären da mehr Streicher im Spiel. Kann das sein? Wird das Orchester vielleicht deswegen so platziert? Oder liegt das im Ermessen des Dirigenten? Bitte klärt mich doch mal jemand auf!!! Meine e-mail Adresse ist unten hinter meinem Namen hinterlegt.

Der dritte Satz der "Pariser Sinfonie" gefiel mir sehr gut, sonst ist die Sinfonie eher etwas ruhiger. Vielleicht war das aber auch nur der Stil des Dirigenten. Jeder Ton schien exakt zu sitzen und wurde mit einer wunderbaren Klarheit gespielt, aber alles in einer sanften, ruhigen Art. Eigentlich bin icReinhold Friedrich (1958*)h mehr für das Kraftvolle, aber in diesem Fall klang das gar nicht so schlecht. Orchester und Dirigent waren sehr gut.

Das zweite Stück war nun endlich das Trompetenteil. Ich war sehr gespannt, wie es klingen würde. Wie schon gesagt, es war ein Stück für Orchester, Trompete und Klavier. Das Klavier spielte Dirk Fischbeck und die Trompete Reinhold Friedrich. Auch hier gefiel mir der dritte Satz am Besten. Das Klavier war genial und Reinhold Friedrich spielte unübertroffen. Was für eine wunderbare Musik und wie gut Klavier und Trompete doch zusammenpassten. Und wie elegant Reinhold Friedrich die Ventile seiner Trompete bediente. Ich bin immer noch begeistert, wie man mit nur 3 Tasten eine so tolle Musik spielen kann. "Tasten? Das sind Ventile!!!" habe ich da sofort meines Kumpels Thomas Bemerkung im Kopf - oops.
Reinhold Friedrich spielte in einem so herrlichen Fluß, daß ich meine Augen nicht von seinen Fingern wenden konnte. Ich hatte wieder meinen Lieblingsplatz in der 4. Reihe und so konnte ich ihn ausgezeichnet beobachten. Er schien ein sehr sympathischer und freundlicher Mann zu sein. Bei ihm macAndré Jolivet (1905-1974)ht es sicherlich Spaß Trompete zu lernen. Er lehrt seit 1989 an der Musikschule Karlsruhe.
Interessant war auch, daß er für dieses Stück drei unterschiedliche Dämpfer benutzte. So konnte man genau hören, was für eine Wirkung diese auf die unterschiedlichen Töne hatten. Leider kann ich nicht genau sagen welche Dämpfer er Einsätze, da ich davon keine Ahnung habe. Vielleicht kann mich auch diesbezüglich mal jemand aufklären? Das Spiel mit dem Dritten Dämpfer gefiel mir am besten. Den Ersten fand ich etwas schrill....... ich hätte wirklich gern gewußt, wie die Dinger heißen.....
Das Konzert von André Jolivet war leider ein Concertino und darum viel zu schnell vorbei. Reinhold Friedrich und Dirk Fischbeck bekamen ihren wohlverdienten Applaus und ich hätte so gern noch eine Zugabe gehört. Leider aber ging es dann doch zur Pause.  -  Ich bin immer noch der Meinung. Der Einsatz von Reinhold Friedrich war eindeutig zu kurz!

Nach der Pause ging es weiter mit Darius Milhauds "Der Frühling". 
Also bei der Musik sollte der Frühling wirklich kommen. Was für ein niedliches, Darius Milhaud (1892-1974) kleines Meisterwerk. So etwas hatte ich noch nie gehört. Ich könnte mich direkt darin verlieben. Der dritte Satz war auch hier der beste.
Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich, waren die merkwürdigen, abrupten Pausen zwischendurch. Aber das tat diesem kurzen, frechen Teil nichts ab. Oh es war so süß! Das erste, was mir kurz nach dem Stück in den Sinn kam war: "Noch mal !!!" Och Herr Beermann, hätten sie das nicht zweimal spielen lassen können?

Claude Debussy (1862-1918)Dann hörten wir, wie Claude Debussy den Frühling interpretierte. Auch nicht schlecht. Frank Beermann dirigierte auch diese Sinfonie auf seine ruhige Weise. Erst im dritten Satz nutzte er dieses große Orchester um das kleine Opernhaus zum Schallen zu bringen. Hey! Er kann es ja doch.

Trotz Ruhe und Gelassenheit muß ich sagen, daß das bis jetzt eines der besten Konzerte war, die ich besucht habe. Leider war es viel zu kurz und ich nehme unserem Opernhaus immer noch ein bißchen übel, daß sie Reinhold Friedrich so schnell ziehen ließen. Ein weiteres Trompetenstück hätte bestimmt noch hineingepasst. Trotzdem aber danke an alle Beteiligten für dieses Fest der Sinne.

Tja, und da es nun so schnell vorbei war, entschlossen wir uns noch auf ein Bier in "Strieses Biertunnel" zu gehen.  Und da Bier üblicherweise hungrig macht, gab es auch noch eine Kleinigkeit zu essen. Ich war an diesem Tage wirklich etwas verfressen. Das muß am Wetter gelegen haben.

"Strieses Biertunnnel" (Quelle: nt-Homepage)Ich mag diese gemütliche Kneipe, seit ich das erste mal dort war und ich mag auch den Kellner dort und er war wie immer sehr freundlich. Und ich mag die Menschen, die dort hingehen und daß man ab und zu die Schauspieler des nt trifft. Wie heute z.B. Hilmar Eichhorn. 
Diesmal war es sehr voll und wir bekamen gerade noch so zwei Plätze. Ich genoß einen leckeren Wurstsalat, der wirklich sehr lecker war und wir schwatzten noch ein bißchen und ließen diesen ruhigen, gemütlichen Abend auch ruhig und gemütlich ausklingen.

Eure Jana.