Die Hochzeit des Figaro

"Will der Herr Graf ein Tänzchen nun wagen....?" Und ob er will und wir wollten auch. Zumindest uns die Oper in Bad Lauchstädt ansehen. 
Ja, schon wieder das Goethe - Theater Bad Lauchstädt und dasBeaumarchais (1732-1792) innerhalb von 14 Tagen. Frau muß es halt nehmen, wie es kommt und als ich "Figaros Hochzeit " auf dem Spielplan entdeckte, konnte ich mich natürlich nicht bremsen und habe gebucht. Diese "verruchte" Oper habe ich schon so lange nicht mehr gesehen. 
Alles, was mit Beaumarchais zu tun hat, klingt interessant und dann noch von Mozart vertont - wunderbar. Was will Frau mehr. 
Er war schon ein Mutiger, dieser Beaumarchais, so etwas zu seiner Zeit auf die Bühne zu bringen. Da möchte man doch zu gern der französischen Sprache mächtig sein und die Stücke im Original lesen oder sehen können. Und das am besten in Paris. 
Gut, hier müssen wir eben mit Mozart und Bad Lauchstädt vorlieb nehmen. Eine Oper ist ja auch was Nettes. Und diese hat ein paar schöne "Ohrwürmer". 
... und siehe da, ein paar "alte Bekannte" sind auch mit dabei. Am meisten freute es mich, daß Michael McCaffery inszeniert hat. Von den Engländern ist man nur Gutes gewöhnt und er hat ja den Imeneo schon sehr gut in Szene gesetzt. Man sollte es nicht meinen, aber die Engländer haben bezüglich Theater etc. einen ganz guten Geschmack und bauen nicht zu viel Kitsch ein. Michael McCaffery hat schon einmal meinen Geschmack getroffen und das ließ mich hoffen, daß die Oper ganz gut werden könnte.

Um die bestellten Karten an der Theaterkasse abzuholen, sollte man zusehen, daß man 30 min zeitiger da ist. Gut, daß wir das eingehalten haben, denn die Oper war komplett ausverkauft und einige Leute haben schon nach Karten gefragt. 
Da jetzt noch ein bißchen Zeit war, konnten wir einen kleinen Spaziergang im Kurpark machen. Dieser ist wirklich hübsch angelegt. Allerdings kommt man sich so manchmal vor wie im "Fort Knox". Was für ein aufwendiges Eingangstor mit Drehtür. Kann es sein, daß da zuviel Geld übrig war. Furchtbar! Was haben sie sich nur dabei gedacht?!?

 

Die halbe Stunde ging schnell vorbei und wir begaben uns zu unseren Plätzen. Diesmal, da alles ausverkauft war, ganz hinten in der Parkett-Loge. Erst hat es mich ein bißchen geärgert, da soweit weg, aber dann war es doch noch ein ganz gutes Plätzchen. Man konnte über alle Köpfe hinweg sehen und es war richtig gemütlich da hinten, sofern man das von Holzbänken sagen kann.

"Figaros Hochzeit" war eine Inszenierung des Opernhauses Halle und Pavel Baleff dirigierte das Orchester des Opernhauses. Im Publikum wurde es still, die Ouvertüre hallte durch das Theater und ich war zufrieden - herrlich.

Das Spiel beginnt

Ich denke, die Handlung brauche ich nur ganz kurz zu beschreiben, die kennt jeder:

Kammerdiener Figaro liebt Zofe Susanna und die Hochzeit ist geplant. Leider gibt es noch den Grafen Almaviva, der Figaros Braut gern in seinem Schlafzimmer sehen würde. Er versucht die Hochzeit hinauszuschieben, damit ihm das noch glückt.
Selbstverständlich bekommt Figaro Wind davon und versucht ihm die Suppe zu versalzen.

Am Ende gewinnt natürlich die Liebe, Figaro seine Braut und der Graf seine Frau zurück.
Zwischendurch geht es aber turbulent zu. Klar, sonst wäre es ja auch langweilig.
Der Graf sucht Verbündete und findet Marcellina, der Figaro einmal für die Gewährung eines Darlehens die Ehe versprochen hat. Glücklicherweise stellte sich am Ende heraus, daß sie Figaros Mutter ist und der Graf ist wieder angemeiert.

Cherubino, der Page des Grafen, ist in alles verliebt, was einen Rock trägt, besonders aber in die Frau des Grafen. Ihr könnt Euch sicherlich denken, daß es da mächtige Verwirrungen gab. Da er immer in irgendwelche peinlichen Szenen verwickelt war, gibt es auch eine Menge Versteckspielen - hinter dem Sessel, vor dem Sessel und aus dem Fenster in den Garten. 
Cherubino ist immer in Bewegung, selbst dann noch, als der Graf ihn als Offizier zu seinem Regiment schickt.
So ein wirres Bürschchen, macht einfach den Grafen glühend vor Eifersucht bezüglich Susanna UND bezüglich seiner Frau.  - Das Mann auch nie genug bekommen kann!

Unser Figaro läuft zur Hochform auf und intrigiert beispiellos. < Können Männer wirklich so intrigant sein? Ich dachte immer, DAS ist den Frauen überlassen > 
So richtig scheint es mit seinen "Plänen" aber nicht zu klappen. Da muß Frau das wohl nun doch in die Hand nehmen: 
Die Gräfin und Susanna schmieden das Komplott. Das funktioniert dann auch so einigermaßen. Es gibt ein paar Ohrfeigen, ein ziemliches Durcheinander im Garten - jeder verdächtigt jeden - und letztendlich bittet der Graf seine Frau, ihm zu verzeihen. Er hatte sich eingebildet, nur er darf Abenteuer haben. < Also Junge, da kennst Du Frau aber schlecht - Auge um Auge, Zahn um Zahn.

 

Nach einem Libretto von Lorenzo da Ponte. 
Leider kenne ich den Text nur aus anderen Inszenierungen des Figaro. Gelesen habe ich es noch nicht. Trotzdem kamen mir manche Stellen doch etwas "sehr frei" übersetzt vor. Ich denke, daß Kurt Honolka sehr vom Original abwich. Meist störte es nicht, aber als Susanna ihre Gitarre auspacken sollte, fand ich das irgendwie doch schon etwas weit hergeholt. Auch die Szene mit dem Werkzeugkasten gefiel mir nicht. 
Die langatmigen Dialoge im Park gehörten zwar dazu, schienen mir aber hier etwas sehr langatmig und verwirrend. Ebenfalls die Erklärung Susannas zur "Sessel - Szene".
Aber gut, vielleicht ist das Original genauso chaotisch. Mein bester Kumpel Thomas kräuselte jedenfalls immer die Stirn, wenn etwas nicht so richtig stimmte.

Das Bühnenbild (Heinz Balthes) war ganz ok. Der Anfang gefiel mir nicht, da das grüne Bett nicht zum blauen Hintergrund passte. Das blieb aber das Einzige. Der Rest war perfekt.
Am besten gefiel mir die Szene, als die Gräfin Almaviva ihre Arie sang - eine wunderbare Atmosphäre. Das rote Kleid und der wunderbare rote Hintergrund dazu waren phantastisch.
Die Kostüme (José-Manuel Vazques) waren auch sehr schön - zwar modern, aber nicht kitschig. Es passte alles sehr gut zusammen.

Die Stimmen waren gut gewählt. 
Gerd Vogel, als Figaro, stach hervor. Seine Stimme gefiel mir am besten. Auch Anke Berndt als Susanna war sehr gut.
Als Cherubino hätte ich mir lieber Ulrike Schneider gewünscht. Christiane Oertel sang zwar auch sehr gut, aber ich konnte sie mir einfach nicht richtig als Jüngling vorstellen. Ich denke, Ulrike Schneider kann das besser, was sie als Tirinto im "Imeneo" sehr gut bewies.
Romelia Lichtenstein sang und spielte die Gräfin Almaviva. Jetzt kam ihre Stimme auch viel besser raus, als damals beim "Spettacolo Barocco". Es schien dort wohl wirklich daran zu liegen, daß es eine Freiluftaufführung war. 
Meiner Meinung nach fiel auch der Gärtner (Ki-Hyun Park) auf. Vielleicht lag es aber mehr daran, daß er ein asiatisches Aussehen hatte. Er passte perfekt in die Rolle, was hier aber bitte nicht als Diskriminierung zu verstehen ist, und sang sehr gut.

Wie ich schon anfangs gedacht hatte, nur wenig kitschige Einlagen, was für mich immer ein fetter Pluspunkt ist. Allerdings lachte das Publikum wieder bei jedem klitzekleinen Anlass und was noch störender war, es klatschte nach jeder noch so kleinen Szene. Meiner Meinung nach sollte man doch warten, bis der Vorhang fällt und sich dann austoben.

Am Ende bekam diese Aufführung "Standing Ovation", was wahrscheinlich eher am Herdentrieb der Zuschauer lag, als an der Aufführung selbst, denn so sehr hat sie sich nun auch wieder nicht von den anderen abgehoben.

Trotz, daß ich dei der Standing Ovation sitzen geblieben bin, ist diese Aufführung alles in allem gut gelungen und eine Empfehlung wert.
Vielen Dank an die Crew.

Eure Jana.